“Lass’ knacken, Kumpel!”

18.12.2013
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Die Publikation im Journal of Emergency Medicine "The Most Effective Rescuer's Position for Cardiopulmonary Resuscitation Provided to Patients on Beds: A Randomized, Controlled, Crossover Mannequin Study" will nachweisen, dass der Erfolg einer Reanimation auf einem Krankenbett von der erhöhten Position der Reanimateure abhängig ist.

Eine Publikation im Journal of Emergency Medicine von Hong CK et al. (Hong CK et al. The Most Effective Rescuer's Position for Cardiopulmonary Resuscitation Provided to Patients on Beds: A Randomized, Controlled, Crossover Mannequin Study. J Emerg Med 2013, online 21. November) glaubt nachweisen zu können, dass der Erfolg einer Reanimation auf einem Krankenbett von der erhöhten Position der Reanimateure abhängig ist. Es ist von "standing, on a footstool, or kneeling on the bed", also neben dem Bett auf dem Boden stehend, auf einem Fußhocker erhöht stehend oder knieend auf dem Bett, die Rede. Es geht hier nicht um eine eventuell gastroenterologische Zustandsbeschreibung, sondern unzweideutig um einen Fußschemel, auch Fußhocker oder einfach 'Hocker' genannt. Stutzig macht im Titel der Studie der Begriff „Mannequin“. Aber bitte, es handelt sich um eine randomisierte, kontrollierte Studie (RCT, randomised controlled trial), da sind schmutzige Fantasien völlig deplatziert. Eine dieser typischen Reanimations-Surrogat-Studien mit Reanimations-„Dummies“ wurde in einem Crossover-Design performt; da passt der irreführende Begriff Mannequin einfach aufgehübscht und eleganter ins Outcome.

 

Wikipedia beschreibt unter Herz-Lungen-Wiederbelebung mit Stand vom 10.12.2013: "Als vorbereitende Maßnahme wird der Patient flach in Rückenlage auf einer harten Fläche wie dem B o d e n oder einem R e a n i m a t i o n s b r e t t gelagert und sein Brustkorb freigemacht. Der Druckpunkt befindet sich in der Mitte des Brustkorbes auf dem Brustbein... Die Eindrucktiefe beträgt etwa fünf bis sechs Zentimeter. Zwischen zwei Pumpstößen soll der Brustkorb komplett entlastet werden, damit sich das Herz wieder mit Blut füllen kann. Die angestrebte Frequenz der Herzdruckmassage liegt bei mindestens 100 und maximal 120 Kompressionen pro Minute. Die richtige Körperhaltung erleichtert dem Helfer die Arbeit. Er kniet aufrecht neben dem Patienten, seine Schultern befinden sich senkrecht über dem Brustbein des Patienten. Der Helfer drückt rhythmisch mit dem Gewicht seines Oberkörpers, während seine Arme gestreckt und die Ellenbogen durchgedrückt sind."

 

Südkoreanische Krankenhausbetten bestehen nun sicher nicht aus Liegebrettern mit unnachgiebigen japanisch-chinesischen Baumwoll-Futons. Belegt ist auch die Tatsache, dass koreanische Männer im D u r c h s c h n i t t 175 cm groß, koreanische Frauen 163 cm groß sind. Männliche deutsche "Langnasen" sind dagegen durchschnittlich 181 cm groß. Weibliche deutsche "Langnasen" weisen eine mittlere Körpergröße von 171 cm auf. Den Begriff „Langnase“ tragen übrigens viele Menschen unwissentlich auf ihrer Haut, wenn Sie sich im asiatischen Raum tätowieren ließen. Fernöstliche traditionelle Höflichkeit verbietet allerdings, darüber zu sprechen. Wie schon gesagt, der "footstool" ist k e i n gastroenterologischer Begriff, sondern soll schlicht und ergreifend die Höhendifferenz bei r e l a t i v e r Kleinwüchsigkeit ausgleichen Dabei wird allerdings die erhöht stehende, bessere Position bei der Thoraxkompression den Kraft-Hebelarm im Verhältnis zum Notfallpatienten immer noch sehr ungünstig erscheinen lassen. Denn die Abrutsch-, Unfall- und OSG-Frakturgefahr auf einem Fußschemel ist in der Hektik der Reanimation erhöht. Die Berufsgenossenschaftlichen Unfallverhütungsvorschriften und die TÜV-Zertifizierung sehen Arbeiten mit Hilfsmitteln zur Erhöhung der Körpergröße wie hochhackige Schuhe, Plateausohlen und/oder Stelzen beim Klinikpersonal auch n i c h t vor. Der oben abgebildete 2-stufige handelsübliche Haushalts-Fußtritt weist übrigens zwar ein TÜV-Siegel auf, verbietet aber zugleich mit warnenden Aufklebern piktogrammatisch seitliches, nach vorne oder nach hinten gebeugtes Arbeiten unter Last.

 

Die eher vorteilhafte, über dem Patienten kniende Position setzt erstens einen beherzten Sprung ins Patientenbett und zweitens einen guten Anwalt voraus, mit dem man sich gegen Video-Publikationen in den neuen sozialen Medien über unangemessenes Verhalten gegenüber Krankenhauspatienten zur Wehr setzen kann. Diese rittlings über dem Patienten hockende Reanimationsvariante kann übrigens auch erklären, warum sich Betten mit Wasser-Matratzen trotz der ihnen vorauseilenden Bequemlichkeit in Kliniken nicht durchsetzen konnten. Es hilft Alles nichts: Der reanimationspflichtige Patient muss umgehend auf den B o d e n der Tatsachen gebracht werden und mit dem bestmöglichen Hebelarm von oben nach unten im Thoraxbereich komprimiert werden, auch wenn die Rippen dabei knacken.

 

Zusammenfassung: Das selbst mit einer mittelharten Matratze belegte und gefederte Krankenhausbett ist weltweit und nicht nur in Südkorea nach dem "West-östlichen Divan" (erschienen 1819 von J. W. von Goethe) der zweit-u n g e e i g n e t s t e Ort für eine erfolgreiche Reanimation am noch lebenden Menschen. Wenn Hong CK et al. in ihrer Studie von "A Randomized, Controlled, Crossover M a n n e q u i n Study" etwas irreführend schreiben, sind damit lediglich Testreihen an i. d. R. äußerst hässlichen 'Dummies" gemeint, die selten echte Vitalzeichen auch nach erfolgreicher Reanimation absondern. Ein häufig nicht sofort auffindbarer Fuß-Hocker-Schemel zur Kompensation einer eigentlich insuffizienten Körpergröße wäre somit ein reiner Notbehelf. Und bevor besonders kleinwüchsige Reanimateure den Schalter für ein "Emergency-Download" eines Klinikbettes notfallmäßig suchen, könnten sie mittels Rautek-Griff den Patienten bereits auf den Fußboden gezerrt haben, um gelegentlich Rippen hörbar knacken zu lassen. Dann würde allerdings eine durch einen Fußschemel erhöhte Position dieses Risiko hochschnellen lassen, weil ein überlanger Hebelarm zu unkontrollierter Kraftwirkung Anlass gibt.

 

PS.: Ich betone ausdrücklich, dass ich mit diesem Beitrag weder groß- noch kleinwüchsige Lang- oder Kurznasen diskriminieren wollte. Im Gegenteil, ich freue mich bei jedem Einzelnen riesig über einen Re a n i m a t i o n s e r f o l g, gleich ob bei Patienten oder medizinisch geschultem Fachpersonal bzw. Laien-Ersthelfern.

Artikel letztmalig aktualisiert am 03.01.2014.

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Von Kollegen wurde ich gefragt, was man wohl in Nordkorea machen würde, wenn zu kleine Reanimateure o h n e Hocker erfolglos Patienten im Bett wiederzu beleben versuchen? Meine Antwort: "KURZEN PROZESS!"
#7 am 03.01.2014 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Kollege Bayerl und Kollege 'Gast', lesen Sie doch alles zu Ende. Deshalb ein Reanimationsbrett (Wikipedia) im Bett und nicht vorm Kopf als literarische Ironisierung. Bei Rippenfrakturen liegt Ihr Reanimations-Training wohl zurück. Meine Lebensgefährtin, am Westdeutschen Herzzentrum Essen auf HTX-, LTX- und HLTX-Intensivstation tätig, hatte alle Uni-Mitarbeiter geschult. Dr. med. P. Brinskelle schreibt als Dissertation 2011 in Graz/A: "Vergleich der manuellen Herzdruckmassage mit der Herzdruckmassage durch LUCAS, einem mechanischen Kompressionsgerät–eine Beobachtungs- und Literaturstudie" von "Häufigkeiten von Rippenfrakturen nach manuellen Thoraxkompressionen 12,9 % bis 96,6 %, von Sternumfrakturen 1,3 % bis 43 %. Die in dieser Studie beobachteten Ergebnisse von 47 % bei Rippenfrakturen und 29 % bei Sternumfrakturen..." Lit.: Smekal D et al Resuscitation 2009; 80(10):1104-7 und Perkins GD et al Scand J Trauma Resusc Emerg Med 2010; 18(1):58.
#6 am 28.12.2013 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Dr.Bayerl
Ich muss dem "Gast" schon zustimmen, da ich lese "weltweit und nicht nur in Südkorea" ... Auch ich kenne die Reanimation mit dem vorher entfernten Bettbrett vom Kopfende, insbesondere lässt sich von hier aus optimal intubieren. Auch mit den Rippenbrüchen würde ich doch zu etwas mehr Vorsicht raten, ich habe es nach jahrzehnte-langer Praxis ohne solche erlebt, dass wegen einer eigentlich fast belanglosen Arrhythmie auf einer Intensivstation so enthusiastisch reanimiert wurde, dass die Patientin nur deshalb wegen instabilem Thorax, (Rippenserienfraktur bds.) trotz Intensivstation gestorben ist. mfG
#5 am 27.12.2013 von Dr.Bayerl (Gast)
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@ Gast: Primär ging es doch in der südkoreanischen Studie um einen "footstool", einen Fuß-Schemel oder Fuß-Hocker, zum Ausgleich einer insuffizienten Körpergröße der Reanimateure. Ziehen Sie den dann mit raus, wenn "mit einem einzigen Handgriff der Metallrahmen des Kopfendes entfernt" wird? Wie Sie sicher wis(s)en, habe ich den Rautek-Griff schon vor 8 Tagen korrigiert, weil mein ansonsten empfehlenswertes Rechtschreibprogramm automatisch eine "Raute" hineinkorrigiert hatte. Bei betagten Patienten und erfolgreichen Reanimationen mit einer Kompressionstiefe von 50-60 mm sind vereinzelte Rippenfrakturen eher die Regel als die Ausnahme. Mf+kG
#4 am 27.12.2013 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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In einem üblichen deutschen "Kankenhausbett" wird mit einem einzigen Handgriff der Metallrahmen des Kopfendes entfernt und das darin enthaltene Holzbrett als Unterlage für den Thorax des Patienten plaziert. Diese Position ist für Arzt und Patient "mechanisch-physiologisch" wesentlich günstiger, also auch ungefährlicher als auf dem Fußboden, es geht auch alles schneller und ohne "Rautengriff". Wer das nicht weis, hat wohl noch nie eine Reanimation im Krankenhaus erlebt. Rippenbrüche sollten dabei wirklich die ganz seltene Ausnahme bleiben!!! mfG
#3 am 26.12.2013 von Gast (Gast)
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Sorry, wie konnte das nur passieren? Es ist natürlich der RAUTEK-Griff. Vielen Dank für den Hinweis! Der fälschliche 'Rauten'-Griff wird im Text korrigiert.
#2 am 19.12.2013 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Rautek-Griff!
#1 am 18.12.2013 von Christoph Tsirigiotis (Arzt)
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