Winterwunderwelt

14.12.2013
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Was passiert eigentlich unter dem geschmückten Tannenbaum? War es der Weihnachtsclaus? Oder das Nikokind? Etwa der Christmann? Oder am Ende gar Santa Laus? Der Versuch einer Entwirrung.

Friederike, meine sechsjährige Tochter wollte wissen, wer an Weihnachten die Geschenke bringt.

"Papa", fragte Friederike ihren Vater. "Papa, woher kommen eigentlich die Weihnachtsgeschenke?"

"Nichts leichter als das", antwortete ich. "Komm mit!"

Friederike folgte ihrem Papa.

Wir gingen eine Weile durch die weihnachtlich geschmückte Fußgängerzone, vorbei an bunt dekorierten Schaufenstern, aus uns Bilder von weißbärtigen Männern mit roten Mänteln und roten Bommelmützen sowie goldgelockten Engeln anstrahlten.

"An Weihnachten", sagte ich, "an Weihnachten feiern wir die Geburt des Jesuskinds."

Friederike sah mich zweifelnd an. "Meist Du das Christkind?" wollte sie wissen.

"Im Prinzip ja", erklärte ich. "Das Christkind kommt an Heiligabend und bringt ohne gesehen zu werden die Weihnachtsgeschenke."

"Aber Chantal sagt, ihr Vater hat gesagt, die bringt der Weihnachtsmann", maulte Friederike.

Ich kratzte mich nachdenklich am Kopf, während wir vor den Auslagen eines Spielwarengeschäftes stehen blieben und eine aus Kuscheltieren zusammengestellte Winterszene bewunderten, in der mehrere Teddybären Schlittschuh liefen. Daneben standen als lebensgroße Schaufensterpuppen ein klassischer Nikolaus samt Bischofsmütze und Hirtenstab mit seinem Begleiter Knecht Ruprecht, der eine Rute in der Hand hielt.

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"Der Nikolaus", sagte ich schließlich, "der Nikolaus kommt am 6. Dezember und legt braven Kindern Süßigkeiten und kleine Geschenke in ihren Stiefel."

Friederike legete den Kopf schief und überlegte eine Weile. Dann fragte sie: "Ist Nikolaus der Weihnachtsmann?"

"Sozusagen."

"Aber wer bringt denn jetzt die Weihnachtsgeschenke? Das Christkind oder der Weihnachtsmann?"

Ich stöhnte. "Naja, weißt Du, es gibt so viele Kinder auf der ganzen Welt. Das wäre für das Christkind doch vielzuviel Arbeit an einem Abend. Deshalb hat es sich den Weihnachtsmann als Helfer gesucht. Und einigen Kinder bringt daher das Christkind die Geschenke und anderen der Weihnachtsmann."

Friederike nickte zustimmend. Wir gingen weiter und kamen zum Weihnachtsmarkt, wo ich Friederike eine Zuckerwatte kaufte, die sie genussvoll verspeiste. Vor dem Kaufhaus verteilte ein dicklicher, freundlicher alter Mann mit langem weißem Rauschebart, roter und mit weißem Kunstpelz besetzter Kutte mit einem sonoren Ho-ho-ho bunte Zuckerstangen an Kinder. Nach einer Weile fragte Friederike: "Papa, und wer ist Santa Claus?"

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"So heißt der Weihnachtsmann in Amerika." antwortete ich wahrheitsgemäß.

"Hat Santa Claus den fliegenden Schlitten mir den Rentieren?"

"Ja." So langsam wurde ich des Themas überdrüssig.

"Und wem bringt Santa Claus Geschenke?" wollte Friederike nun wissen.

"Braven Kindern auf der Welt", sagte ich genervt. "Er kommt heimlich durch den Kamin in die Häuser und verteilt dort Weihnachtsgeschenke."

"Aber wenn die Häuser keinen Kamin haben?"

"Dann kommt das Christkind", konfabulierte ich verzweifelt.

Meine Tochter blieb stehen und sah mich ernst an.

"Papa", stellte Friederike fest, "Papa, Weihnachten ist echt kompliziert."

Und Friederike ging mit ihrem Papa nach Hause.

 

Titelbild: © Alexandra H. / PIXELIO

Fotos: © Rudolpho Duba, Tim Reckmann / PIXELIO

Foto außen: © Aleksandar Cocek/ flickr

Lizenz: CC BY-SA


Eine Homage an Piggeldy und Frederick von Elke und Dieter Loewe

Artikel letztmalig aktualisiert am 26.12.2013.

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Politik Wirtschaft
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Sandra Geißler-Böck
Das Schōne an diesem Blog ist, dass er ab und zu.über den medizinischen Tellerrand hinausschaut und allgemeine (z.B. gesellschaftliche wie hier) Themen aufgreift. Leider gibt es keine Kategorie "off Topic", um solche Beitrāge zu kennzeichnen. Ansonsten liebe ich UroDocs Humor. Wundervolle Kurzgeschichte. Eine solche Erklärungsnot kennen wahrscheinlich viele Eltern. Auch mein Sohn hat schon Fragen zum Christkind und Weihnachtsmann gestellt. Letztlich ein Ausdruck der Amerikanisierung durch Film und Fernsehen. Wer kannte schon noch vor wenigen Jahren Halloween, das jetzt groß kommerzialisiert wird. Leider kennen nur wenige den kulturellen Hintergrund: all hallows eve, der Abend vor Allerheiligen.
#4 am 26.12.2013 von Sandra Geißler-Böck (Gast)
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Medizin
#3 am 25.12.2013 von Hp Hartmut Amelung (Heilpraktiker)
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Gast
Gelungen beschrieben, sehr amüsant und mal etwas Abwechselung vom Alltag im Dienst, den Unsinnigkeiten im Weltgeschehen und dem Umgang der Menschen mit- und gegeneinander. -hama
#2 am 25.12.2013 von Gast (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Herrlich! Und den Ton der Piggeldy & Frederick Geschichten wundervoll getroffen.
#1 am 14.12.2013 von Gast
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