Das Kind entscheidet mit

16.12.2013
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Rituelle Zirkumzision oder nicht? Ein aktuelles Urteil bezieht das betroffene Kind in die Entscheidung mit ein.

Zirkumzisionen gehören bei Patienten mit Phimose zum urologischen Alltag. Doch auch Eltern, die eine Beschneidung aus zum Beispiel religiösen Gründen wünschen, finden regelmäßig den Weg zum Urologen. Abrechnungstechnisch ist klar, dass es sich hierbei um eine privatärztliche Leitung handelt, sofern keine zusätzliche medizinische Indikation besteht. Die rechtliche Situation ist hingegen komplizierter, wie ein aktueller Fall zeigt.

Das Oberlandesgereicht (OLG) Hamm hat auf Antrag des geschiedenen Vaters in einem Fall, in dem die sorgeberechtigte Mutter eines Sechsjährigen ihren Sohn rituell beschneiden lassen wollte, entschieden, dass das Kind gefragt werden muss, da sein psychisches Wohl beeinträchtigt werden könne (AZ: 3 UF 133/13). In der Urteilsbegründung verwies das OLG auf die Ende 2012 in Kraft getretene gesetzliche Regelung, dass Eltern zwar auch ohne medizinische Gründe solange die Zirkumzision ihres Sohnes veranlassen können, wie dieser nicht selbst entscheiden kann, wobei im Einzelfall zu prüfen ist, ob das Kindeswohl gefärdet ist. Schon ab dem sechsten Lebensmonat müssten die Eltern "die Beschneidung in einer seinem Alter und Entwicklungsstand enstprechenden Art und Weise besprechen und die Wünsche des Kindes [...] berücksichtigen".

Die müssen auch Ärzte in Betracht ziehen, wenn sie rituelle Zirkumzisionen durchführen.

 

Titelbild: © Thorben Wengert / PIXELIO

Artikel letztmalig aktualisiert am 15.10.2014.

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aber aber Frau @Dipl.-Biol. Anja Riggers, auch wenn Ihnen die männliche "Situation" unwichtig erscheint, gerade als egoistischer Frau fehlt Ihnen die heute doch so wichtige sexuelle Aufklärung: http://www.cirp.org/library/anatomy/ohara/ diese kanadische Studie zeigt auch für die Frau beim Koitus erhebliche Vorteile der FEHLENDEN Verstümmelung des Mannes, nur ein Auszug: weniger "Vaginal discomfort" Verdopplung der "Likelihood of vaginal orgasm" sowie mehr "Orgasm frequency" und "Multiple orgasm" und ganz besonders mehr "Positive postcoital feelings" insgesamt ein rating des erhaltenen Penis gegenüber dem "beschnittenen" von 8 zu 1 mfG
#15 am 27.12.2013 von Gast (Gast)
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Dr.Bayerl
Schande über unsere Regierung, die im Jahre 2012 gegen die eindeutige Mehrheit ihrer Wähler (wieder einmal) ein solches Gesetz verabschiedet hat, bei Minderjährigen eine sexuelle Verstümmlung zu erlauben. Danke den Richtern in Hamm für dieses Urteil! Wer hier noch von pseudomedizinischer Rechtfertigung redet, offenbart nur seine mittelalterliche antisexuelle (religiöse?) Verklemmung. mfG
#14 am 26.12.2013 von Dr.Bayerl (Gast)
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"Tägliche Intimhygiene ist auch eine Alternative! Würden wir noch in einem Zeitalter leben, wo Wasser und Seife nicht für Jeden zugänglich sind [...]" Als Urologe kann ich nur sagen, man wundert sich gelegentlich, wie es unter Deutschen Vorhäuten aussieht, auch wenn die Patienten keine Phimose haben. Die Intimhygiene wird leider zu oft vernachlässigt.
#13 am 26.12.2013 von Gast (Gast)
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Israel protestierte gegen eine Resolution des Europarates (ER): Der hatte Beschneidungen von Jungen und Mädchen mit „besonderer Besorgnis“ gesehen. Die israelische Äußerung, Beschneidungen seien „von alters her Teil der religiösen Traditionen zweier wichtiger Religionen, des Judentums und des Islams“, ist konstruiert. 1. gibt es Unterschiede der Beschneidungsriten beider verfeindeter Religionen: Jüdische Jungen bis zum 8 Lebenstag; im Islam erst mit 7-14 Jahren. 2. historisch gewachsene Traditionen in der Geschichte der Weltreligionen wären auch die Beibehaltung von Hexenverbrennung, Folter, Unterdrückung, Inquisition, Kreuzzug, Glaubenskriege, Genozide und Teufelsaustreibung. 3. Nazi-Terror, Pogrome, Verbrechen gegen die Menschlichkeit hat die neuere Deutsche Rechtsgeschichte geahndet und sich zugleich der Überwindung von Rechtswillkür gewidmet. Vgl. http://www.springermedizin.de/beschneidung-israel-empoert-ueber-resolution-des-europarates/4726668.html
#12 am 22.12.2013 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Dr.Höfler Frauenarzt Ich finde es schlicht einfältig, Beschneidung und den Geldbeutel der Ärzte in Zusammenhang zu bringen. Oder ist mir entgangen,daß im Islam Ärzte seit ca. 1400 Jahren und beim mosaischen Glauben seit 2000+x verdient haben. Genau so schwachsinnig ist , daß wir Gutmenschen so nebenbei versuchen können, religiöse Tradition zu ändern .
#11 am 21.12.2013 von Dr. med. Hans-Heinz Höfler (Arzt)
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Gast
@ Dipl.-Biol. Riggers: Durch stetes Wiederkäuen wird Nonsense nicht richtiger! Zumindest bei einer Studie, die Vorteile der Genitalverstümmelung des Mannes für das Krebsrisiko der Frau postuliert, ist die ideologische Fälscherabsicht klar dokumentiert. Was Ihren Professor angeht: eminenzbasierte Medizin sollte endlich begraben werden! Die sogenannten Beweise die über Qran und Thora hinausgehen würde ich gerne mal studieren - vielleicht ist ja irgendwo nicht zielgerichtet gemogelt worden. Warum eigentlich soll die Genitalverstümmelung des Mannes gut sein und die der Frau böse?!? p.s.: Waschen sollte Mann sich schon!!!! Ansonsten wird's einfach unappetitlich.
#10 am 21.12.2013 von Gast (Zahnarzt)
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@ Herrn Dr. Graf : Laut unseren Profs am UKE Hamburg gilt der Zusammenhang zwischen männlicher Hygiene im Intimbereich und zervixcarcinomen bei Frauen nicht mehr als vermutet , sondern als bewiesen , und somit auch der von Herrn Dr. Lützenrath bemerkte Fakt . Ein Zitat eines unserer Gyn Profs : wer sonst bringt all den Dreck in den Körper von Frauen .... Somit macht eine "prophylaktische " zircumcision für mich durchaus Sinn ...
#9 am 21.12.2013 von Dipl.-Biol. Anja Riggers (Ärztin)
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Herr Kollege Lützenrath: Was bekannt ist, ist noch lange nicht erwiesen; es gibt keine medizische Rechtfertigung für eine rituelle oder sonstwie prophylaktische Zirkumcision oder Appendektomie oder Vergleichbares. Der Segen einer HPV-Impfung für Frau und Mann sollte inzwischen Allgemeinwissen sein. - Frohe Weihnachten
#8 am 20.12.2013 von Dr. Johannes Graf (Arzt)
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Endlich hat sich ein Gericht gegen den Geldbeutel der Ärzte und für das Wohl des Kindes entschieden. Leider bindet das Urteil nicht in seiner Auswirkung andere Gerichte! Und so müssen junge Männer immer noch die Körperverletzung durch Ärzte ertragen! Zirkumzision sind nicht unbedingt notwendig! Wenn man frühzeitig dem Kind beibringt, wie man die Vorhaut zurück zieht und das Glied richtig reinigt, können auch keine Ablagerungen und dementsprechende Keime entstehen! Ich bin froh, dass meine Eltern so vernünftig waren und nicht auf den Arzt gehört haben und ich deshalb noch heute mit meiner Vorhaut leben darf! Und dies bei bester Gesundheit! Nur Ärzte, die an das Geld, statt an das Kindeswohl denken, empfehlen, die Vorhaut zu entfernen!
#7 am 20.12.2013 von Matthias Honold (Medizinjournalist)
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die Zirkunzision birgt viele Vorteile. Bekannt ist, dass Partnerinnen von beschnittenen Männern deutlich seltener an Portiocarcinom erkranken. Ich halte eine HPV-Impfung der Frauen für viel invasiver.
#6 am 20.12.2013 von Dr. med. Wolfgang Lützenrath (Arzt)
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Ohne medizinische Notwendigkeit absolut abzulehnende Körperverletzung, und religiöse und kulturelle Traditionen muß man halt versuchen zu ändern, Aufklärung tut not, noch immer. Also: ein langer Atem zur Vernunft ist nötig.
#5 am 20.12.2013 von Prof. Dr. Siegmar Breckle (Biologin)
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Gast
"Wenn keine medizinische Notwendigkeit besteht, sollte es nicht gemacht werden. Punkt." Leicht gesagt, aber es gibt halt religiöse und kulturelle Traditionen, die man nicht per Dekret abschaffen kann. Und es ist besser, der Eingriff wird fachgerecht durch einen Arzt und in Narkose durchgeführt als illegal in einem Hinterzimmer.
#4 am 20.12.2013 von Gast
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Wenn keine medizinische Notwendigkeit besteht, sollte es nicht gemacht werden. Punkt.
#3 am 20.12.2013 von Marion Genzel (Diätassistentin)
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Gast
Wenn keine medizinische Notwendigkeit besteht, sollte es nicht gemacht werden. Punkt.
#2 am 20.12.2013 von Gast (Diätassistentin)
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Gast
Interessantes Urteil, wobei ich mich frage, wie man einem sechs Monate alten Säugling eine Zirkumzision erklärt.
#1 am 19.12.2013 von Gast
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