Ich geh' dann mal

13.12.2013
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Etwa 1-2% aller Krankenhauspatienten verlassen die stationäre Behandlung auf eigene Verantwortung gegen ärztlichen Rat und gefährden dabei ihre Gesundheit. Eine Kanadische Studie hat jetzt die Risiken untersucht. Die Ergebnisse überraschen nicht.

Jeder kennt die Situation, wenn ein Patient trotz guten Zuredens einfach nicht auf den behandelnden Arzt hören will, sondern entweder die stationäre Aufnahme ablehnt oder das Krankenhaus frühzeitig auf eigene Verantwortung verlässt. Die meisten Kliniken haben extra für solche Fälle ein Formblatt, auf dem der Patient durch seine Unterschrift dokumentiert, dass sein Verhalten explizit gegen ärztlichen Rat geschieht, um so vor Regressansprüchen durch mögliche Komplikationen geschützt zu sein. Die Rechtsprechung sieht vor, dass über entsprechende Risiken – nötigenfalls auch bis zum Tod – ausdrücklich aufgeklärt werden muss, und man sollte diese schriftlich auflisten.

Nun hat eine Kanadische Studie dieses Thema wissenschaftlich untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass Patienten, die sich selbst entlassen, ein um das Zwei- bis Dreifache erhöhtes Risiko tragen, innerhalb eines Monats erneut in ein Krankenhaus aufgenommen werden zu müssen. Zudem ist das relative Risiko binnen drei Monaten zu sterben ebenfalls um den Faktor 2,51 signifikant erhöht. Erst nach einem halben Jahr sank dieses Risiko wieder auf die Werte der Vergleichsgruppe ab. Für diese Studie wurden die Daten von fast zwei Millionen Klinikpatienten ausgewertet, von denen etwa 21.000 die stationäre Behandlung gegen ärztichen Rat verlassen hatten.

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Grund für die lange Dauer der Gefahr könnte sein, so spekulieren die Autoren, dass Patienten, die nicht auf den Rat der Krankenhausärzte hören, auch im normalen Alltag medizinische Empfehlungen eher misachten.

Es ist doch immer wieder schön, wenn die Wissenschaft die Erkenntnisse des gesunden Menschenverstandes bestätigt.

Quelle:

Garland A, Ramsey CD, Fransoo R et al. Rates of readmission and death associated with leaving hospital against medical advice: a population-based study. CMAJ (2013); 185: 1207-1217.

 

Titelbilder:

© Innenseite: Thommy Weiss / PIXELIO

© Außenseite: Merra Marie / flickr (http://www.flickr.com/photos/turnupthesun/6825405611/) / CC BY

Artikel letztmalig aktualisiert am 02.02.2014.

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Gast
@ Gast Die Empfehlung zu einer OP basiert auf einer ganzen Anzahl von Faktoren, der bennefit den der Patient davon zu erwarten hat ist leider nur ein Punkt auf der Liste und nach meiner Meinung oft nicht der Oberste. Ich halte die zahlen einer populären Zeitschrift von 50% unnötige OP`s aus meiner Erfahrung für zu hoch aber 10 – 20 % halte ich schon für wahrscheinlich. Ich bin leider nicht in der Lage zahlen zu bringen aber ich halte z.B. eine Private Krankenversicherung oft für eine die OP Indikation fördernden Faktor. Das bildet selbstverständlich nur meine Persönliche Meinung ab.
#15 am 01.02.2014 von Gast (OP-Pfleger)
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Dr.Bayerl
Ein guter und wichtiger Beitrag, da unsere "kollektive" Medizinwahrnehmung immer kostenorientierter wird und frühzeitige Entlassung, kommerziell stark gefördert, nun mal seine gut dokumentierte Opfer, selbstverständlich auch vermeidbare Todesfälle kostet. Wir hinken da ja traditionelle der USA etwas hinterher, obwohl z.B. die "fast track"- Dickdarmchirurgie von einem Dänen "erfunden" wurde, was dann gleich auch zusätzliche Todesfälle (alte Menschen) mit sich brachte. Die "Wiedereinweisung" nach Entlassung wegen der gleichen Erkrankung war früher eine Schande für das Krankenhaus. Heute brüstet man sich in USA teilweise schon mit einer so "niedrigen" Wiedereinweisungsquote von unter 20%. "Feinde der Medizin" hat es immer gegeben, warum auch immer.
#14 am 28.12.2013 von Dr.Bayerl (Gast)
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@Thomas Fehn, das Risiko einer abgelehnten empfohlenen Op wird wohl noch viel drastischer ansteigen!
#13 am 28.12.2013 von Gast (Gast)
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Krankenhausverwaltung
@Britta Lowsky: Für die Abrechnung ist ein kürzerer Aufenthalt heutzutage eher gewinnbringender, da die Fallpauschale innerhalb der Grenzverweildauer gleich bleibt, egal wie lange der Patient bleibt. Zwei zusätzliche Tage bedeuten dann mehr Unkosten und somit weniger Gewinn (oder höherer Verlust).
#12 am 26.12.2013 von Krankenhausverwaltung (Gast)
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Nun ja diese Studie stellt sicherlich die ein seite der Medaille da, die andere nämlich das es durchaus Vorteile haben kann nicht in unseren Heiligen Hallen zu verweilen wird leider nicht beleuchtet. Das Risko einer Infektion ? Risiko einer fehl oder Falschbehandlung ? das Risiko einer vermeidbaren OP ? ( ich verweise auf die im Focus veröffentliche Studie ) Ich in der Meinung das ein Stat. Aufenthalt sinnvoll sein kann aber nicht muss und das man der Empfehlung des Behandelnden Arztes aufgrund des bestehenden Interessenkonfliktes nicht trauen kann. Also ist es wie im richtigen Leben man sollte auf seinen Instinkt und seinen Gesunden Menschenverstand hören.
#11 am 14.12.2013 von Thomas Fehn (OP-Pfleger)
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Also aus eigener aktueller Erfahrung kann ich nur sagen, daß es durchaus nachvollziehbare Gründe für die Entlassung auf eigene Gefahr gibt. Wenn es z.B. keine andere Therapie gibt als die vom Hausarzt verschriebene, dann aber eine MRT-Untersuchung erst nach 2 Tagen geben soll, und mann/frau dann nur deswegen im Krankenhaus bleiben soll. Ohne Nutzen durch den Krankenhausaufenthalt macht das keinen Sinn. Es sei denn, für die Abrechnungsmodalitäten der Krankenhäuser.
#10 am 14.12.2013 von Diplom-Biologin Britta Lowsky (Biologin)
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Etwas zu einfach machen es sich die Nordamerikaner, egal ob USA oder Kanada, aber dies ist ja weltweit bekannt! Schöner wäre es gewesen, wenn die Studie darüber berichtet hätte, was leider auch in Krankenhäusern der Bundesrepublik Deutschland längst nicht mehr zur Rarität gehört, dass das Entlassen von PatientInnen, die eigentlich noch einer Krankenhausbehandlung bedürfen, aus Kostengründen zugenommen hat. Und dies sind einige, wie niedergelassene Ärzte in der Bundesrepublik Deutschland berichten! Und mit der Großen Koalition wird es noch schlimmer: Da entscheidet der Geldbeutel, wer wann und warum im Krankenhaus aufgenommen wird!
#9 am 13.12.2013 von Matthias Honold (Medizinjournalist)
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Kann man damit was anfangen? Man müsste Patienten mit gleichen Erkrankungen und auch Alter, Geschlecht etc. vergleichen. Außerdem ist es doch auch heute noch so, dass Patienten früher entlassen werden wenn "Hochbetrieb" herrscht und die Verweildauer länger ist wenn die Staion leer ist. Wurden die Patienten innerhalb eines Monats aus den gleichen Gründen wieder aufgenommen?
#8 am 13.12.2013 von Rita Altmeyer (Heilpraktikerin)
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Gast
@Pflegewissenschaftler: "Hier kann es auch mal sinnvoll sein, wenn man Ärzte auf neuere Leitlinien hinweist, die zeigen, dass eine i.V.-Antibiose nicht mehr indiziert ist und mit einem oralen Antibiotikum nach hause gehen will. Die Annahme, dass das Entlassungsmanagement vom "gesunden Menschenverstand" allein geregelt wird, ist wohl ein Irrglaube." Wie erklären Sie dann das erhöhte Risiko der Rehospitalisierung?
#7 am 13.12.2013 von Gast
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Allgemeinmediziner
Die Dauer der erhöhten Mortalität zeigt doch klar, dass es sich eben nicht um eine reine Akutsterblichkeit handelt und die Patienten auch im Krankenhaus in jeden Fall gestorben wären.
#6 am 13.12.2013 von Allgemeinmediziner (Gast)
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Gast
Es geht hier glaube ich nicht um mündige Patienten, die sich aus nachvollziehbaren Gründen selbst entlassen, sondern um solche, die aus medizinischer Sicht unvernünftig handeln.
#5 am 13.12.2013 von Gast
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Krankenhausverwaltung
Wenn eine Entlassung medizinisch vertretbar ist, werden sich die wenigsten Krankenhausärzte dagegen sperren. Schließlich macht in den Zeiten der DRGs eine unnötig lange Verweildauer auch betriebswirtschaftlich keinen Sinn mehr, da zusätzliche Tage den Gewinn eher schmälern als steigern. So sind Entlassungen an Sams- und Sonntagen in vielen Kliniken heutzutage keine Ausnahme mehr. Prüfungen der Verweildauer durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen sind hingegen an der Tagesordnung, und jeder Tag (aus deren Sicht) zuviel wird gnadenlos gestrichen. Auch in einem aussichtslosen Fall wird man kaum auf eine Entlassung gegen ärztlichen Rat bestehen, wenn der Patient gerne zu Hause sterben möchte.
#4 am 13.12.2013 von Krankenhausverwaltung (Gast)
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Gast
Eine Frage müsste noch geklärt werden: Ist tatsächlich das Strerberisiko höher oder gehören zu den sich selbst entlassenen Patienten vermehrt solche, die - ob mit oder ohne Krankenhaus - sowieso früher gestorben wären und womöglich aus diesem Grunde nach Hause wollten ... Nach meiner Erfahrung gibt es auch Patienten, die eher zu den unbelehrbaren gehören und insgesamt ein höheres Erkrankungs- oder Sterberisiko eingehen. Die meisten Patienten die ich kenne, haben aus nachvollziehbaren Gründen das Krankenhaus früher verlassen.
#3 am 13.12.2013 von Gast (Heilpraktiker)
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Gast
Ich stimme vollkommen mit "Pflegewissenschaftler" überein! Es zahlt sich heutzutage aus, ein mündiger Patient zu sein. Wenn ich das selber gewesen wäre, dann wäre mir das traumtischte Erlebnis meines ganzen Lebens mit einem Antibiotikum welches verheerende Gesundheitsfolgen hatte, erspart geblieben.
#2 am 13.12.2013 von Gast (Medizinjournalistin)
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Pflegewissenschaftler
Was kann man aus der Studie für Schlüsse ziehen: Der Arzt hat immer Recht?! Wohl kaum. In Zeiten eines informierten Patienten ist auch die Entlassung ein Aushandlungsprozess, bei denen Interessen, Bedürfnisse und Risiken abgewogen werden sollten. Was für Kanada gilt, muss noch lange nicht für Deutschland gelten. Hier kann es durchaus auchmal sinnvoll sein, wenn man sich selbst am Freitagabend, statt am Montagmorgen entlässt. Hier kann es auch mal sinnvoll sein, wenn man Ärzte auf neuere Leitlinien hinweist, die zeigen, dass eine i.V.-Antibiose nicht mehr indiziert ist und mit einem oralen Antibiotikum nach hause gehen will. Die Annahme, dass das Entlassungsmanagement vom "gesunden Menschenverstand" allein geregelt wird, ist wohl ein Irrglaube.
#1 am 13.12.2013 von Pflegewissenschaftler
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