Verbot von "Schönheitschirurgie" für Kinder und Jugendliche?

11.12.2013
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Die Koalitionspartner von CDU, CSU und SPD wollen ein Verbot ästhetischer „Schönheits“-Operationen ohne vorliegende medizinische Gründe bei Kindern und Jugendlichen durchsetzen.

Dazu passt der ebenso disqualifizierend wie populistische Satz von Jens Spahn, immerhin gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktionen: "Eine Brustvergrößerung als Geschenk für eine 15-Jährige zu Weihnachten finde ich jedenfalls völlig inakzeptabel". Ob er sich dabei auf ihm bekannte Gesellschaftsschichten im Umfeld seiner Partei bezieht? Von einem angeblich zehn-prozentigen Anteil Jugendlicher wird bei ästhetischen Operationen berichtet.

Auch wenn es bei unseren selbsternannten Gesundheitspolitikern (an echte Krankheiten würden die sich nie 'ran trauen) in der Nosologie und im Medizin-Systemischen hapert: Es macht schon einen Unterschied, ob 


• medizinisch-plastisch zur Wiederherstellung und zum Funktionserhalt, 
• medizinisch-ästhetisch zur Verbesserung eines optischen Erscheinungsbildes, 
• schönheitschirurgisch zur Augmentation und Korrektur von Präformiertem,   
• modifizierend im Sinne von "Body-Modification"(BodMod) gearbeitet wird.


Letzteres ist im weitesten Sinne auch Piercing, Tattooing, Scaring, und "tribal body art". Auch kieferorthopädische Maßnahmen und Eingriffe haben neben einem funktionell-kurativen immer auch einen ästhetischen Schönheits-Aspekt. 

Doch unsere Politiker vergessen tunlichst, das plastische und wiederherstellende Chirurgie sich auch auf Missbildungen, Entstellungen, Unfallfolgen, Nasenbeinfrakturen, Septumdeviationen, Schlupflider, infizierte Bauchschürzen, Keloide, Verbrennungen, Narben, Verwachsungen, Dupuytren'sche Kontrakturen, Amputationsstumpf-Probleme, psychosoziale Folgen von abstehenden Ohren usw. beziehen können. 

In meiner Praxis habe ich im GKV- und PKV-Bereich eher mit Kostenübernahme-Problemen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu kämpfen, die als normal gebaute Männer voluminöse Brüste haben, als Frau überschwere Brüste, wegen abstehender Ohren Hänseleien nicht mehr aushalten können, nach erfolgreichem "Abspecken" eine "Fettschürze" mit sich herumtragen oder selten sich als Transsexuelle in einem "wrong-body-syndrome" einer Geschlechtsumwandlung nach ärztlich-psychologischem Gutachtenverfahren unterziehen wollen. 

D a s sind die 0,9 Prozent der Patienten unter 18 Jahre, die in Deutschland einen Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie aufsuchen, n i c h t die zehn Prozent, die in einer Art "schmutzigen Fantasie" in den Köpfen der Meinungsbildner und Entscheidungsträger herumgeistern.

(Abb. Praxis Dr. Schätzler: Ganglion re Handgelenk mit Spontanheilung)

Artikel letztmalig aktualisiert am 18.12.2013.

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Gast
Würde nun schmunzeln, wenn es nicht so grauenvolle Realitäten in Parallellgesellschaften gäbe. Indikationslose Ein- bzw. Übergriffe im Genitalbereich von Babys werden durchgewunken und nun dies. Sowas kann nur von einer Religionspartei kommen.
#8 am 18.12.2013 von Gast (Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent)
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Zur Problematik der rituellen Beschneidungen habe ich zuletzt einen Kommentar auf www.springermedizin.de geschrieben: Israel hatte sich auf diplomatischem Wege darüber beschwert, dass der Europarat in einer Resolution Beschneidungen von Jungen mit religiösen Genitalverstümmelungen von Mädchen gleichgesetzt habe. http://www.springermedizin.de/beschneidung-israel-empoert-ueber-resolution-des-europarates/4726668.html Auf Beschneidungen einzugehen, hätte aber den Rahmen des obigen DocCheck®Blog- Beitrag gesprengt.
#7 am 14.12.2013 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Gast
Die Indikation haben die kirchlichen bzw. religiösen Beschneider soeben in´s Gesetzbuch nachgeschrieben. Im GG ist unversehrt von Leib und Leben - auch für Minderjährige - garantiert. Staat und Kirche sind BRD-GG-lich getrennt. Nicht medizinisch indizierte Operationen gelten im BRD-Recht als schwere Körperverletzung. Für Beschneider ist das GG nicht mehr gültig. Das hatten wir alles schon mal - nur anders herum. Wie geht´s jetzt weiter?
#6 am 13.12.2013 von Gast (Arzt)
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Gast
Wollen also genau diejenigen "ästhetische" OPs für Minderjährige verbieten, die vor kurzem Beschneidungen aus religiösen Gründen legitimiert haben? Mir fehlt die medizinische Indikation in beiden Fällen! Warum wird das eine also gebilligt, das andere ist plötzlich verpönt?
#5 am 13.12.2013 von Gast (Studentin der Humanmedizin)
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Gast
Ich diagnostiziere Übersprungshandlung, da Auseinandersetzung mit den wirklich wichtigen Themen einfach zu anstrengend und zu unangenehm...
#4 am 13.12.2013 von Gast (Ärztin)
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Wir brauchen nicht Verbote und gesetzliche Regelungen in erster Linie sondern Verstand. Auch Seitens der Ärzte. Und nicht nur des Verdienstes willen. Nur weil Alkohol an Jugendliche verboten ist, hat die Zahl der Alkohol konsumierenden Jugendlichen nicht abgenommen. Mit Aufklärung und Verantwortungsbewusstsein erreichen wir mehr. Es wird Zeit auch die Medien unter die Lupe zu nehmen. Wer vermittelt Jugendlichen das Schönheitsideal und verführt sie so aussehen zu wollen, wie die Stars? Ich spreche nicht von notwendigen Maßnahmen. Es ist besser jungen Menschen zu helfen, sich und ihre Identität zu finden. Außerdem, wenn die gewünschte OP hierzulande verboten ist, ist es in anderen Ländern noch lange nicht......
#3 am 12.12.2013 von Edith Sonntag (Heilpraktikerin)
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Gast
Man kann ja auch kaum noch durch die Straßen gehen, ohne 15 Jährige mit gemachten Brüsten zu treffen! Wer die Ironie nicht erkennt, ist doof. Mal im Ernst, das ist ein dummes Nieschenproblem, das aber leider sehr öffentlichkeitswirksam ist wie man hier sieht. 10%? Das ich nicht lache.. Dringender Bedarf wie er andernorts besteht, wird von der Politik ignoriert.
#2 am 12.12.2013 von Gast (Medizinisch-Technischer Assistent)
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Es wird allerhöchste Zeit, dass von Seiten der Politik hier eingegriffen wird. Solche willkürlichen Verschandelungen am eigenen Körper werden meiner Meinung nach sehr unterschätzt, was die Gefährdung für Leib und Leben betrifft. Komplikationen vielfältiger Art können sich dabei entwickeln. Muss dann ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, geht das zu Lasten aller Versicherten.
#1 am 12.12.2013 von Christel Schöpgens (Nichtmedizinische Berufe)
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