In pain (aka „On the other side Vol. 3“)

11.12.2013
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Und ich denke an unsere Patienten in den deutschen Krankenhäusern. Die Patienten, die bebend auf den roten Klingelknopf drücken, der so baldige Linderung verspricht. Nur dann kommt keiner.

Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung umschrieben wird. (IASP, Int. Ass. Study of Pain, 1986)

„Ja, da guckst du“ sage ich höhnisch zu mir selbst. „Nein, das hättest du nicht gedacht, mh?“

Nein, das hätte ich zugegebenermaßen nicht. ICH dachte, Tonsillen raus (schrecklich), Schmerzmittel rein (mhhh), ein paar mal mehr schlafen und gut.

Das es so weh tut. SO WEH. Ich wusste von der netten Schwester seit dem 3. post-OP Tag, nachdem ich nachts wankend und erstaunt von VAS 8-9/10 vor dem Stationszimmer stand und um noch eine IBU bat (SCHNELL), dass es „ersma immer schlimmer wird, Frau Doktor, ja, ich mach meinen Patienten nix vor. Nee. Bei manchen dauert’s 6 Tage, bei manchen 3 Wochen. Nee, da mach ich Ihnen nix vor.“ Okay. Shit...

Heute ist der 7. post-OP Tag. Mein Schlund, eine brennende, beißende, stinkende Röhre. Essen kann ich, wenn überhaupt, weiche Nudeln mit Butter. Schlafen nur im Stundentakt. Eiswürfel sind ein Gottesgeschenk. Meine Smartphone-Weckfunktion erinnert mich alle 2-3 Stunden welchen meiner drei Painkiller ich nehmen darf.  Nicht zu vergessen das Antibiotikum.

Und ich denke an unsere Patienten in den deutschen Krankenhäusern. An die Patienten, die nicht nur eine kleine OP haben, und dann nach Hause können und wissen, dass es irgendwann vorbei sein wird. An die Patienten, die in Fall-Pauschalen gepeinigten Abteilungen mit ihrem Schmerz liegen und von überlasteten Assistenzärzten und unterbezahltem Pflegepersonal versorgt werden. Die Patienten, die bebend auf den roten Klingelknopf drücken, der so baldige Linderung verspricht. Nur dann kommt keiner. Weil zu viel los ist auf der Station der Uniklinik. Weil der MRSA-positive Tetraplegiker mit einseitigem Handekzem, dass UNBEDINGT übers Wochenende stationär behandelt werden muss (and again, Stichwort Fallpauschale!) von zwei der drei diensthabenden Schwestern fertig gepflegt werden muss. Weil die 86-jährige Privatpatientin mit aktinischen Keratosen am Capillitium, die zwar als Carcinomata in situ gelten, aber weiß Gott nicht zweizeitig stationär operiert werden müssen, zu wenig getrunken hat, etwas verwirrt ist im Oberstübchen und schon wieder über die Treppe abhauen will.

This is real life, Ladies and Gentleman!

Das muss anders werden. Wir brauchen keine steigenden Tarif-Löhne, sondern mehr Personal. Wir brauchen Chefs, die nicht nach den belegten Betten entlohnt werden. Zumindest in bestimmten Fachrichtungen brauchen wir mehr ambulante und weniger stationäre Versorgung. Auch wenn’s nicht so viel Kohle bringt.

Ja, ich echauffiere mich. Autsch. Mein Smartphone vibriert und ordnet Voltaren dispers an.

 

Some like it doc. 

Artikel letztmalig aktualisiert am 12.12.2013.

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sooo desperate?! keep oooon!
#2 am 12.12.2013 von Gast (Gast)
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Gast
Bump for moar!
#1 am 11.12.2013 von Gast (Student der Humanmedizin)
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On The Other Side Vol. 2   Hahaaaa, we made it. OP vorbei, alles gut gegangen, ich lebe. Danke an alle mehr...
Morgen kommt der Tag der Tage. Morgen wechsel ich die Seiten. Morgen bin ich Patientin. Nicht Ärztin. Und dabei mehr...

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