Patienten Im- und Export gGmbH & Co. KG

09.12.2013
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Es ist nicht ungewöhnlich, dass Patienten gelegentlich eine weite Anfahrt in Kauf nehmen, selbst dass Kliniken gezielt im zahlungskräftigen Ausland um Privatpatienten werben. Aber manche Patientenströme rufen Verwunderung hervor.

Verstehen Sie mich nicht falsch: In diesen Zeiten wachsenden wirtschaftlichen Drucks, in deren es erklärtes politisches Ziel ist, Krankenhausbetten abzubauen, um die Kosten im Gesundheitswesen zu dämpfen, freuen wir uns natürlich über ausgelastete Betten und wachsende Fallzahlen. Aber die Art und Weise, wie einzelne Patienten zu uns gelangen, scheint gelegentlich unzumutbar. Zwei typische Beispiele:

 


1. Schickst Du mir deine Patienten, schick ich dir meine


Das St. Irgendwo Krankenhaus liegt von unserer Klinik etwa 20 Kilometer entfernt in einer benachbarten Großstadt, welche insgesamt acht Krankenhäuser beherbergt, von denen drei über eine urologische Fachabteilung verfügen, darunter eine in einem Haus der Maximalversorgung, welches nur fünf Autominuten von St. Irgendwo entfernt liegt. Aber St. Irgendwo gehört zufällig zum selben Konzern wie unsere Klinik, und es gibt die Direktive des Vorstandes, dass Patienten zu Konsilen und stationären Behandlungen möglichst konzernintern verlegt werden sollen. Dies wird in Folge auch entsprechend gehandhabt. Koste es, was es wollt, scheint es.

Wirtschaftlich gesehen mag dieses Vorgehen ja Sinn machen, bedeutet aber zumindest im Einzelfall für Patienten und deren Angehörige einen erheblichen Mehraufwand. Denn sie müssen sich buchstäblich an drei urologischen Abteilungen vorbei auf den Weg in die Provinz machen. Eine direkte Verkehrsverbindung zu uns (Bus- oder Bahnlinie) gibt es nämlich nicht. Auf dem Weg hierher muss man sich durch den Innenstadtverkehr quälen, einen Fluss überqueren und zweimal die Autobahn wechseln. Durchschnittliche Fahrzeit mit dem Auto: etwa 35 Minuten, zu Hauptverkehrszeiten länger. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: über eine Stunde.

Im Falle einer konsiliarischen Untersuchung ist dies ja noch recht unkompliziert und lediglich mit Transportkosten verbunden. Wenn jedoch ein Patient zur Weiterbehandlung zu uns verlegt wird, kann dies – meines Erachtens – besonders für ältere Patienten und deren Angehörige unangenehm sein. Möglicherweise bekommen sie deswegen zum Beispiel weniger Besuch. Eine heimatnahe Versorgung erscheint mir sinnvoller.

Das Ganze funktioniert natürlich auch im umgekehrten Fall: Gefäßchirugische Patienten verlegen wir bevorzugt in die Fachabteilung nach St. Irgendwo, obwohl es in der nur 5 Kilometer entfernten Kreisstadt ein zu einem großen, konkurrierenden Klinikkonzern gehörendes Krankenhaus mit einer herz- und gefäßchirurgischen Abteilung gibt.

 


2. Das können wir hier nicht


Unsere Klinik liegt in einem Ballungsraum am Rand einer Deutschen Großstadt, hat jedoch einen großen Einzugsbereich, welcher etwa 50 Kilometer in zwei angrenzende Mittelgebirgsregionen hineinreicht. Dort gibt es zwar mehrere kleinere Krankenhäuser, welche jedoch über keine Urologie verfügen. Soweit alles nichts Besonderes. Aber fachfremde Ärzte scheuen manchmal grundlos vor urologischen Notfällen zurück.

So ist es schon mehrfach vorgekommen, dass die Notfallambulanz eines etwa 35 Kilometer entfernten Krankenhauses Patienten mit akutem Harnverhalt mit dem Hinweis, man habe keinen Urologen, auf den Weg zu uns geschickt hat, obwohl es ein Einfaches gewesen wäre, die Akutsituation mit einem transurethralen Katheter zu beheben. Mehr leisten wir als Erstversorgung auch nicht, und die Patienten sind dankbar für die Hilfe. Wer schon einmal in einer Situation dringend wasserlassen musste, in der es gerade unmöglich war, hat vielleicht eine gewissen Vorstellung davon, wie unangenehm eine volle Harnblase sein kann. Eine Harnsperre ist schmerzhaft. In dieser Lage noch 45 Minuten über teils holprige Landstraßen zu brettern, ist die Hölle.

Es geht ja nicht um Fälle, in denen die Katheterisierung zum Beispiel aufgrund einer Harnröhrenstriktur kompliziert ist. In der Regel hat niemand auch nur versucht, den Patienten einen Katheter zu legen. Vorgeblich aus Angst, es könne bei einer vergrößerten Prostata nicht funktionieren. Und Tschüss...

Das grenzt in meinen Augen an unterlassene Hilfeleistung. Einen normalen Blasenkatheter zu legen, sollte jeder Arzt in der Lage sein, der im Notdienst tätig ist. Selbst Krankenpfleger/-schwestern lernen dies im Rahmen ihrer Ausbildung. Und falls es doch schwieriger sein sollte, kann man immer noch in die Urologie verlegen. Danke!

 

Titelbild: © El Kashef / PIXELIO

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 09.12.2013.

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