Zeigen, wie's richtig geht

08.12.2013
Teilen

In fast jeder zweiten Folge einer Arzt- oder Krimiserie wird kardiopulmonal reanimiert - leider aber mit schlechtem Vorbild für die Zuschauer.

Die Krankenhausserie Grey's Anatomy erreichte im Schnitt 1,6 Mio. Menschen, Srcubs - die Anfänger erreicht im Schnitt 1,75 Mio. Deutsche und für In aller Freundschaft schalteten 2011 über 6 Mio. Zuschauer ein. Diese Sendungen haben dabei eines gemeinsam: Sie sollen Krankenhaus, Ärzte und Patienten so zeigen, wie Zuschauer es sich vorstellen, denn diese Serien sollen der Unterhaltung dienen und nicht Wissen vermitteln.

Auch wenn viele Fachleute diese Serien nur zurecht belächeln können, sind viele Handlungsstränge und Taten noch akzeptabel, denn die Serien sollen immerhin ja unterhalten. Immerhin kann man ja auch nicht nur Ärzte ins Drehbuchteam setzen ohne beim Zuschauer eine potentiell lebensbedrohliche "TV-Narkose" zu provozieren.

Eine gewisse Verantwortung lässt sich den Arztserien allerdings nicht ausreden, nämlich wenn es darum geht, im Notfall richtig zu handeln - insbesondere wiederzubeleben. Hierzu eine kurze Sammlung von Ausschnitten aus Krankenhaus- und Krimiserien:

In allen drei Fällen wird dem Zuschauer ein falsches Vorbild für die kardiopulmonalen Reanimation gezeigt. Während Fachleute bestimmt das das eine oder andere mal schmunzeln musste, könnten Laien diese Vorgehensweisen für sich zum Vorbild machen, falsche Vorstellungen oder Ängste entwickeln. Die Möglichkeit, einen automatisierten externen Defibrillator (AED) heranzuziehen, wird gar nicht gezeigt. Diese Laien könnten allerdings auch neben Ihnen oder mir während eines Kreislaufstillstands stehen.

Derweil versuchen Verbände und Krankenkassen das Wissen um eine qualitativ hochwertige Wiederbelebung in die Bevölkerung zu bringen. Darüber, ob und wie weit die Darstellung einer guten Herz-Lungen-Wiederbelebungen in beliebten TV-Serien die Kenntnisse der Bevölkerung verbessert, lässt sich nur spektulieren. Am sichersten ist man natürlich immer mit einem Training durch einen erfahrenen Erste-Hilfe-Ausbilder. Schaden würden gute Reanimationsvorbilder im Fernsehen aber bestimmt nicht.

Artikel letztmalig aktualisiert am 06.12.2014.

36 Wertungen (4.78 ø)
1028 Aufrufe
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Eine Frage habe ich:Der Defibrillator depolarisiert die Muskelzellen ja was das Kammerflimmer usw. unterbricht. Wieso verwendet man den Defi. auch nach einer Herzdruckmassage? Liegt da dann noch immer eine Rhythmusstörung vor oder warum tut man das?
#9 am 23.06.2014 von Gast (Gast)
  0
Bei 0:31 sagt der arzt boom schock
#8 am 23.06.2014 von Gast (Gast)
  0
Boom Shock, sag ich dazu
#7 am 23.06.2014 von Gast (Gast)
  0
2. Bsp:Die ersten paar Sekunden find ich gar nicht so übel. Gerade hinter dem Auto sieht das Drücken doch schnell und fest (sprich suffizient) aus - ein Punkt den man nur sehr selten so realistisch dargestellt bekommt. Dass die Hände derart verkehrt liegen ist vermutlich unzureichendem schauspielerischem Talent und fehlendem praktischem Wissen geschuldet, der Patient macht seine Darstellung soweit sehr gut. Über den Rest brauchen wir nicht reden. Zu zweit völlig unkoordinierte HDM, die Rettungsdienstler, die den armen Patienten per Schock wieder umbringen und vermutlich aus Eigenschutz (um nicht vom Opfer für den Fall dessen Überlebens erkannt zu werden) das vorsorgliche Schließen der Augen nach etwa 3s. Den Notruf übrigens wieder halte ich für realistisch. Es kommt des Öfteren vor, dass Zeugen z.B. aus einer Wohnung heraus beobachten, selbst aber nicht tatkräftig helfen. Da gehen auch mal mehrere Notrufe ein, ohne dass einem Patienten von Laien geholfen wird. 3.Bsp: Da sind wieder viele Dinge zu bedenken. Ich kenne weder den Grund der OP noch die Dauer des beschriebenen Zustandes und auch nicht das Jahr, in dem diese Szene spielen soll. Das alles kann aber das ein oder andere Detail gleich in einem anderen Licht erscheinen lassen. Auf das EKG-Bild würde ich jetzt mal gleich gar nichts geben. Dass man 3 Schocks in kurzer Zeit verabreicht hat ohne HDM zwischendurch ist aber z.B. noch nicht allzu lange her und auch damals haben Patienten überlebt. Sicher insgesamt unrealistisch, aber was will man dem Zuschauer ein blassblaues Kind auf dem herumgedrückt wird, dem womöglich die Körpersekrete aus Mund und Nase laufen (Beatmung mit Maske...) und das am Ende mit wehenden Fahnen und immer noch völlig instabil auf die Intensivstation gefahren wird, zumuten? Es geht um Unterhaltung! Und dass die Szenen aus Zeitgründen stark beschränkt sind sollte doch auch klar sein. Teilweise fehlen minutenlange Anteile, die einfach völlig uninteressante und langweilige Pausen entstehen lassen würden. Eines bleibt als Positivbotschaft -Es muss geholfen werden! Und vor diesen Beispielen kann man sich auch kaum mehr blamieren...
#6 am 13.12.2013 von Bernd Lindenmaier (Student)
  0
Hmmm, mal auch n bisserl die andere Seite beleuchtet... sicher, im Fernsehen wird in Serien, Filmen etc. oft Humbug gezeigt. Ich finde aber durchaus auch positive Punkte bei den Beispielen. 1. Bsp: Naja, gut, ja, so wird das nichts mit einer suffizienten HLW. Aber sind wir mal ehrlich, das Ende war ja auch nicht erfolgreich ;-) Und außer, dass die Schwester Handschuhe anzieht und Dr. Cox sie bereits trägt, ist da wirklich nicht viel Positives zu sehen. Na gut, und es wird eben wenigstens etwas getan.
#5 am 13.12.2013 von Bernd Lindenmaier (Student)
  0
endlich wird dieser medizinische Humbug, der in diesen Serien fabriziert wird, richtig gestellt. Ganz toll finde ich immer, wenn bei einer EKG Nulllinie dem armen Patienten brutalst der Defi aufgedrückt wird... In meinen Unterrichten weise ich auch schon immer darauf hin, aber ich pflichte Herrn Rehberg bei, dass vor allem Laien darüber aufgeklärt werden müssen. Auf jeden Fall danke für den Artikel!
#4 am 11.12.2013 von Heilpraktikerin Andrea Börner (Heilpraktikerin)
  0
wird kardiopulmonal reanimiert - leider aber BEWUßT und GEWOLLT mit schlechtem Vorbild, Nun ratet mal warum Viele Grüße Dr. med. Faribors Marktanner
#3 am 11.12.2013 von Dr. med. Faribors Marktanner (Arzt)
  0
Das Thema würde sich auch bestens für die Ersthelfer-Ausbildung eignen. Falsche Vorbilder sind durchaus problematisch. So finden sich bis heute Ersthelfer, die versuchen, Bewußtlosen die Zunge aus dem Mund zu ziehen, weil sie das vor vielen Jahren bei "Klinsmann verschluckt die Zunge" (übrigens schon damals unter der Rubrik "Erste Hilfe aus der Antike" angesiedelt) so gesehen haben, statt die lebensrettende Kopf-in-den-Nacken-Maßnahme durchzuführen. Man lernt eben auch durch Zusehen: Im Guten wie im Schlechten.
#2 am 10.12.2013 von Manfred Büttner (Heilpraktiker)
  0
Wunderbar, der Artikel müsste aber in einem Forum für Laien diskutiert werden. Es darf auch vermittelt werden, das es eine intensive Form der Hilfsbereitschaft ist. Und nicht frei nach dem Motto, wenn ich Dir nicht helfen kann soll jemand anderes Dir helfen.
#1 am 10.12.2013 von Pflegefachmann Christian Rehberg (Gesundheits- und Krankenpfleger)
  0
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Es ist Eile geboten: Wenn eine hirnversorgende Arterie verstopft ist oder es zu einer Blutung innerhalb des mehr...
Zwei Schwestern vorm Stationscomputer. Ein Patient soll zum Röntgen. Kein Problem eigentlich, seit in der Klinik ein mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: