Auf den Zeitpunkt kommt es an

10.12.2013
Teilen

Warum schon falsche Ergebnisse in Lehrbüchern gelandet sind. Oder: Evidenzbasierter Absturz, Teil 4

In einem Kommentar zu dritten Teil meines kleinen Statistik-Exkurses wurde die Frage gestellt, warum es für die Qualität publizierter Studienergebnisse bedeutsam sein kann, ob es sich um eine (geplante/ungeplante) Zwischenauswertung oder um die Endergebnisse handelt. Ich möchte dies am einem einfachen Beispiel erläutern.


Ein Wettrennen gewinnt, wer als Erster die Ziellinie überquert, und nicht, wer in der Mitte des Rennens vorne liegt.


Im Zusammenhang mit den 2009 zeitgleich, an prominenter Stelle im renomierten New England Journal of Medicine veröffentlichten PSA-Screeningstudien der Amerikanischen PLCO und Eurpäischen ERSPC wurde bereits erwähnt, dass wissenschaftliche Studien über das Prostatakarzinom aufgrund der besonderen Tumorbiologie dieser Krebserkrankung eine besonders lange Laufzeit von mindestens zehn Jahren benötigen, um valide Aussagen über Endpunkte wie das tumorspezifische Überleben treffen zu können. So sieht die derzeit laufende PREFERE-Studie zur Therapie des lokal begrenzten Prostatakarzinom bei einer geplanten Gesamtlaufzeit von siebzehn Jahren ein Follow-up der in den ersten vier Jahren zu rekrutierenden 7.600 Patienten von dreizehn Jahren vor (Kosten: 25 Millionen Euro), um am Ende sagen zu können, ob eine der Therapieoptionen (radikale Prostatektomie, externe Strahlentherapie, LDR-Brachytherapie und Active Surveillance) überlegen ist.

Das Zwischenergebnis einer Studie könnte nämlich so aussehen:63189762f3adbcd7345121fba5755f4a_m.jpg

Es zeigt sich ein hochsignifikanter Unterschied zwischen der Standardtherapie und der getesteten neuen Behandlung, welche überlegen erscheint: p<0,005. Ein solches Ergebnis wurde nicht nur schon publiziert, sondern hat im Einzelfall sogar den Weg in medizinische Lehrbücher gefunden. Und was dort steht, muss ja stimmen, oder?

Um mit Radio Eriwan zu sprechen, im Prinzip ja. Aber leider etwas vorschnell, denn das endgültige Ergebnis am Ende der Studie sah etwas anders aus:69afc660330ff37e4ded2432f34f402e_m.jpgSkepsis ist also geboten.

 

Titelbild: © Guenter Hamich / PIXELIO

Artikel letztmalig aktualisiert am 26.12.2013.

27 Wertungen (4.96 ø)
457 Aufrufe
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Könnte man die Teile nicht einmal zu einem einzigen Artikel zum Thema medizinische Statustik und EbM zusammenfassen.
#2 am 26.12.2013 von Gast (Gast)
  0
Gast
Medizin ist eben keine exakte Wissenschaft.
#1 am 13.12.2013 von Gast
  0
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Herr R. ist 63 Jahre alt und wird von seinem behandelnden Urologen zur Prostatastanzbiopsie ambulant zugewiesen. mehr...
Die Top-10-Anzeichen, dass das Restaurant, in dem du gerade bist, schlecht ist: Das „Schnitzel Wiener Art” mehr...
Immer wieder treffen wir auf Patienten im fortgeschrittenen Alter, die sich in einem passablen, guten oder sogar sehr mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: