Morbus PJ - Krank im Krankenhaus

13.01.2019

 

“Morbus PJ”

Krank durch das letzte Studienjahr?

 

 

Definition: Ein während des letzten medizinischen Studienjahres den Großteil der Studierenden ereilender Zustand, der sich in sehr unterschiedlicher Weise manifestiert

 

Symptome: Übermüdung, Minderwertigkeitskomplexe, depressive Symptome, Überforderung, Geldnot, Dysphorie

 

Epidemiologie: ca. 50% der PJ-Studierenden, Tendenz steigend

 

Ätiologie: meist hervorgerufen durch unkoordinierte überdimensionierte Stationsarbeit und fehlende Lehre  

 

Diagnostik: Anamnese

 

Therapie: 5-Säulen-Schema (Goldstandard)

1. BAföG-Höchstsatz als Aufwandsentschädigung und für alle über 25-jährigen zusätzlich den Krankenkassenbeitrag

2. Das Gewähren von Krankheitstagen in gesplitteten Tertialen
3. Mindestens 4 Stunden Lehrveranstaltungen und mindestens 8 Stunden Selbststudium pro Woche
4. Persönlicher Zugang zum Patientenverwaltungssystem
5. Eigene Arbeitskleidung und eigene Aufbewahrungsmöglichkeit für Kleidung und persönliche Gegenstände

Das Praktische Jahr, als letzter Ausbildungsbschnitt des Medizinstudiums befindet sich in der Krise!

Fehlende oder unzureichende Lehre bei 40 Stunden Stationsarbeit pro Woche sind die Regel. Laut einer Umfrage der bvmd diesen Jahres erhielten 55% der Studierenden zwei oder weniger Stunden Lehre pro Woche, wobei 51% der Befragten die erhaltene Lehre mit einer Schulnote von 3 oder schlechter bewerteten.

Lernzeit zur Examensvorbereitung wird den PJlern nur in wenigen Krankenhäusern zugestanden, von ganzen Lerntagen, wie es sie vor der Reformierung des Hammerexamens gab, ganz zu schweigen.

Ein Großteil der PJler übernimmt zudem ärztliche Kernleistungen ohne Aufsicht von ärztlichen Betreuern, 18% müssen teilweise sogar völlig alleine Stationsdienste bestreiten (Umfrage MB 2018). Das führt nicht nur zu hohem Stress und Gewissenskonflikten bei den Studierenden, sondern vor allem auch zu Patientengefährdung!

Aktuell arbeitet die Mehrheit der PJ Studierenden in Vollzeit in den Kliniken und bekommt keine, oder nur eine sehr geringfügige Bezahlung, sodass 40% der Medizinstudierenden auf ihr Erspartes zurückgreifen müssen oder zusätzlich zu den 40 Stunden wöchentlich noch auf Nebenjobs (28%) angewiesen sind (Umfrage der bvmd 2015).

Ein Großteil der jungen Ärzten im Praktischen Jahr ist völlig überlastet, ausgebrannt und sogar Burnout-gefährdet (watson.de “So werden junge Ärzte in Deutschen Krankenhäusern verheizt”).

Und das schon vor dem Start der eigentlichen Berufstätigkeit!
Doch bei den derzeitigen “Ausbildungsumständen” eigentlich kaum erstaunlich.
Höchste Zeit also, dass sich etwas ändert.

Das dachten sich auch die Medizinstudierenden selbst und haben daher eine Petition ins Leben gerufen, die sich direkt an das Bundesministerium für Gesundheit richtet.

Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden Deutschlands e.V. fordert in ihrer Petition:

1. BAföG-Höchstsatz als Aufwandsentschädigung und für alle über 25-jährigen zusätzlich den Krankenkassenbeitrag
2. Das Gewähren von Krankheitstagen in gesplitteten Tertialen
3. Mindestens 4 Stunden Lehrveranstaltungen und mindestens 8 Stunden Selbststudium pro Woche
4. Persönlicher Zugang zum Patientenverwaltungssystem
5. Eigene Arbeitskleidung und eigene Aufbewahrungsmöglichkeit für Kleidung und persönliche Gegenstände

Bereits mehr als 40.000 Personen haben diese Petition unterschrieben. Sie ist unter www.openpetition.de/!fairesPJ zu finden.

Am Mittwoch, 16.01.19, wird außerdem ein bundesweiter Aktionstag stattfinden, um auf die Umstände im PJ aufmerksam zu machen. An diesem Tag wird in vielen Unistädten sogar zur Demo aufgerufen.

Es bleibt spannend, ob es den Studierenden damit gelingt bei den Politikern Gehör zu finden.

 

 

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.01.2019.

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Medizinstudentin
Es ist traurig, dass derartige Forderungen überhaupt nötig sind. Ausbildung findet wenig statt, dafür werden andere Stellen durch die kostenlosen PJler ersetzt. Im PJ werde ich im Endeffekt teilweise das gleiche tun, was ich als Hakenhalter zuvor für 10 Euro pro Stunde gemacht habe, nur dass ich dann keinen Cent dafür bekomme. Ich weiß nicht, wie ich mir dieses Jahr finanzieren soll und es kommt mir das Grauen, wenn ich daran denken muss. Wenn wenigstens genügend Zeit wäre, um sich ordentlich auf das Staatsexamen vorzubereiten und man Lehre bekommen würde, wäre es ein wenig erträglicher. Aber da werden uns doch lieber noch unsere Krankheitstage von unseren Fehltagen abgezogen. Da sollte es nicht wundern, dass immer mehr MedizinerInnen in die Schweiz abwandern, wenn sie durch die schlechten Bedingungen im Praktischen Jahr bereits im Studium in Deutschland ausgebrannt werden.
#1 vor 37 Tagen von Medizinstudentin (Studentin der Humanmedizin)
  Der Aktionstag ist vorbei, all deine Freunde und Verwandten haben die Petition schon unterschrieben, weshalb mehr...

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