Der depressive Mann und das Testosteron

22.11.2018

Depressive Männer mit einem geringen Testosteronspiegel profitieren von einer Testosteronsubstitution. Das ist schon lange klinische Praxis. Jetzt fand man heraus: Selbst depressiven Männern mit normalem Spiegel kann die Substitutionstherapie helfen.

Testosteron lindert Depressionen, auch bei Patienten mit einem normalen Testosteronspiegel. Dies zeigte eine Metaanalyse von Walter et al. Der Effekt war schwach, aber signifikant.

Klinische Praxis ist bislang, denjenigen depressiven Männern, die einen zu niedrigen Wert für freies Testosteron haben, Testosteron zu substituieren. Das ist leitliniengerecht und gut nachvollziehbar. Unklar war aber bislang, ob auch depressive Männer mit einem normalen Testosteronwert von einer Substitution profitieren.

Die Metaanalyse ergab, dass ein geringer positiver Effekt auch für diese Patienten feststellbar zu sein scheint. Dabei profitierten ältere Männer mehr als jüngere und eine Dosis von 500 mg pro Woche war effektiver als niedrigere Dosierungen.

Einschränkend muss man sagen, dass die Studien, die für diese Metaanalyse herangezogen werden konnten, recht heterogen waren und möglicherweise einem Publikationsbias unterliegen.

Mein persönliches Fazit

Bislang ist es nicht durchgehend etabliert, bei depressiven Männern den Testosteronspiegel überhaupt zu bestimmen. Ich will dies in Zukunft regelmäßig machen. Bei einem Mangel sollte man Testosteron substituieren. Wenn kein Mangel vorliegt, kann man unter Abwägung von Vor- und Nachteilen immer noch im Einzelfall erwägen, Testosteron zu geben, dann am ehesten in einer Dosis von 500 mg/Woche.

Bildquelle: Graham Richardson, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 23.11.2018.

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Medizin, Psychiatrie
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Gast 1: Und wie bingt man seinen Psychiater dazu, den Spiegel überhaupt erstmal bestimmen zu lassen? #1 Mit Wissen und Einfordern . Ganz oft ist die Reaktion ein "Ja, könnte man machen" oder zumindest "Nein, das kommt aus..... nicht in Frage. ", also eine Erklärung. Psychiater, die sich angegriffen fühlen, weil der Patient mitdenkt, sind imho ohnehin nicht die richtigen Behandler für einen.
#13 am 29.11.2018 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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ohneHelm
Seit Jahren ,wenn nicht Jahrzehnten, bekannt aufgrund der Dysbalance im endogenen GC-Stoffwechsel und dessen indirekten Folgen.Amüsant,dass es nun in dt. Leistungserbringung ankommt.
#12 am 27.11.2018 (editiert) von ohneHelm (Gast)
  2
@ Katja Chaber #10 - Das gesamte Labor ist in der vertragsärztlichen GKV-Praxis der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland seit 1.4.2018 budgetiert. Das bedeutet, ab einem bestimmten Laborumfang müssen der Kassenarzt selbst und nicht die Gesetzliche Krankenkasse der GKV über die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) die erbrachten Laborleistungen bezahlen. Ausnahmen nach EBM-Ziffer 32001 ff. bei Systemerkrankungen wie Diabetes, Tumorerkrankungen mit Chemo, Rheuma, meldepflichtigen Infektionen usw. gelten seit 2018 nur für ganz wenige, definierte Laboruntersuchungen. Die Testosteron-Bestimmung ist somit eigentlich eine private IGEL-ZUSATZLEISTUNG, insbesondere bei Normalbefunden ohne Pathologie.
#11 am 27.11.2018 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  0
Innerhalb der Familie leiden gleich mehrere (männliche) Mitglieder an einer Depression und bei keinem wurde bislang aus ärztlicher Sicht der Testosterinwert in Betracht gezogen. Wenn ich mir überlege, wie strapaziert die Hausärzte darauf reagieren bei einer Depression die Pflanzlichen Mittel wie LAIF900 oder VIT-B12 (hochdosiert) zu verschreiben, frage ich mich, wie kann ich einen Arzt von der Notwendigkeit der Testosteronbestimmung überzeugen? Gibt es aus Ihrer kollegialen Erfahrung einen Tip für den "otto-normalen" Betroffenen?
#10 am 27.11.2018 von Katja Chaber (Diätassistentin)
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1.)Alle meine Pat. hatten vorher schon Antidepressiva, auch Kombinationen und auch PT. 2)Ernährung u.a. Omega 3 ist wissenschaftlich auch nicht so einfach zu beweisen, ich denke aber bringt auch etwas. Fetten wirken teilweise neuroprotektiv. 3) Was Prostataca. und Testosteron betrifft ist Alles nicht so klar. Unter Test. etwas mehr Prostataca. aber von niedriger Malignität.
#9 am 25.11.2018 von Marius Miclea (Arzt)
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Ich bin niedergelassener Neurologe und Psychiater. Seit ca. vier Jahre substituire ich Testosteron bei Pat. mit geringem Testosteronspiegel als eine der ganz wenige in D. !!!! Leider auch die Unikliniken zeigen dabei kein Interesse. Habe dabei gute Ergebnisse erzielen können u.a. Pat. die nach 2,3 Jahren Arbeitslosigkeit wieder arbeiten!! Wissenschaftlich aufgearbeitet, deutsche Studie in einer Praxis. DOI: 10.1055/s-0043-125214 Freue mich auf weitere Fragen.
#8 am 25.11.2018 von Marius Miclea (Arzt)
  2
sehr lesenswert auf jeden Fall
#7 am 25.11.2018 von Marc Lang (Zahnarzt)
  1
Die Testosteron-Spritze für den Mann ist ein Hype - und meist Quatsch "Anders als von manchen Ärzten angenommen, verbesserte die Testosteron-Behandlung nicht Gedächtnis, Stimmung oder kognitive Leistung" https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/hormone-die-maer-vom-jungbrunnen-1.3388347
#6 am 24.11.2018 von Dr. med. Karl-Heinz Seemann (Arzt)
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warum werden die möglichen Nebenwirkungen nicht erwähnt, z.B. Förderung des Wachstums von Prostatatumoren? Das Arznei-Telegramm sieht die Testosteron-Ersatztherapie nicht so positiv. Depressionen lassen sich auch mit artgerechter Ernährung positiv beeinflussen.
#5 am 24.11.2018 von Eberhard Zittrell (Zahnarzt)
  14
ich halte die alleinige Gabe von Testosteron nicht für richtig .Es sollten immer -ausser die Laboruntersuchungen sprechen dagegen - PROGESTERON u. Östrogen in die Therapie einfliessen lassen . Da meist begleitend die MITOCHONDRIENfunktion verringert ist , sollte die Atmungskette unterstützt werden .
#4 am 24.11.2018 von dr. med.dent. Wolfgang Stute (Zahnarzt)
  5
Frage, wann gibt es endlich einmal die eigenständige Fachrichtung Männermedizin, oder soll es so bleiben, daß der Urologe quasi nebenbei den Männerarzt macht. Dann wäre vielleicht auch die Bestimmung des Hormonspiegels kein Stiefkind mehr.
#3 am 23.11.2018 von Robert Wagner (Heilpraktiker)
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Ja das sollte eigentlich Standard sein erstmal die wichtigsten Hormone zu überprüfen bevor man an eine Psychopharmakatherapie geht, bei Männern rutscht die Kontrolle des Testosteronspiegels leider oft durch. Die Hormone der Damen werden glücklicherweise doch öfter mal kontrolliert beim Frauenarzt etc. Viele Männer könnten sicher davon profitieren, jedoch darf Testosteron auch nicht leichtfertig verordnet werden grade in hohen Dosen (Cave Hämatokrit Blutdruck etc. = Rezept für Schlaganfall)
#2 am 23.11.2018 von Jens Schaefer (Pharmazie-Ingenieur)
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Gast
Und wie bingt man seinen Psychiater dazu, den Spiegel überhaupt erstmal bestimmen zu lassen?
#1 am 23.11.2018 von Gast (Naturwissenschaftler)
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