Wo sind all die Grippe-Vakzine hin?

15.11.2018

In manchen Gegenden sind Influenza-Impfstoffe wieder einmal zur Mangelware geworden. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig einen Lieferengpass. Vielmehr handele es sich um ein Verteilungsproblem, so der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts. Woran liegt das?

Einige Regionen in Deutschland melden derzeit Engpässe bei Grippeimpfstoffen. Mit Nachschub ist nicht zu rechnen: Sanofi (Vaxigrip Tetra), GlaxoSmithKline (Influsplit Tetra) und AstraZeneca (Fluenz Tetra) berichten gegenüber dem PEI, ihre Lagerbestände bereits abverkauft zu haben. Laut PEI wurden bis zum 2. November 2018 rund 15,7 Millionen Imfstoffdosen freigeben.

Gut versorgt trotz Verteilungsproblem

Dass manche Patienten länger auf ihre Impfung warten müssen, bedeutet aber nicht zwangsläufig einen Lieferengpass. Vakzine können sich irgendwo im Dunstkreis zwischen Großhändlern, Apotheken, Krankenhäusern oder Arztpraxen bewegen. Genau das erklärt auch, warum es nur in vielen, aber nicht in allen Regionen zu Problemen kommt, u.a. in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen oder Hamburg.

Nur eine handvoll Großhändler arbeitet überregional, während viele Grossisten bestimmte Gebiete beliefern. Wer welche Mengen eingelagert hat, ist unklar. Gegenüber dem ARD-Morgenmagazin gibt PEI-Präsident Professor Dr. Klaus Cichutek zu, dass es zu regionalen Engpässen komme. Er sieht zwar Verteilungsprobleme, geht aber trotzdem „von einer guten Versorgung der Bevölkerung aus“.

Waren Heilberufler zu zögerlich? 

Lag es an der Industrie? Wohl kaum: Anfang Oktober bestätigten alle führenden Hersteller gegenüber DAZ.online, ihre Produktion erfolgreich abgeschlossen zu haben. Sie würden ihren Lieferverpflichtungen der aktuellen Saison nachkommen, erklärten mehrere Firmensprecher. Von Produktionsausfällen war nicht die Rede.

Eine andere Vermutung drängt sich auf. Erinnern wir uns an die Saison 2017/2018. Krankenkassen erstatteten lediglich den schlechteren Dreifachimpfstoff. Auch Ärzte wurden angehalten, die trivalente Vakzine zu verwenden. Im November 2017 hat die Ständige Impfkommission (STIKO) beschlossen, quadrivalente Influenzaimpfstoff zu präferieren. Erst am 5. April 2018 veröffentlichte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Informationen zu den Leistungsansprüchen gesetzlich versicherter Patienten. Möglicherweise führte die Unsicherheit zu weniger Vorbestellungen von Health Professionals. Firmen planen anhand dieser Informationen ihre Produktion. Nicht abverkaufte Chargen sind ab 2019 nur noch Müll: ein großer Unterschied zu anderen Impfstoffen, die nicht regelmäßig geändert werden.

Regional umverteilen

Um die chaotische Lage zu sichten, ruft das PEI Heilberufler und Patienten auf, Lieferengpässe online zu melden. „Das PEI kann so Erkenntnisse gewinnen, in welchen Regionen es Engpässe für Influenzaimpfstoffe gibt“, heißt es in einer Meldung. Auch Umverteilungen sind denkbar.

Bildquelle: Gratisography, pexels

Artikel letztmalig aktualisiert am 15.11.2018.

0 Wertungen (0 ø)
323 Aufrufe
Medizin, Innere Medizin
Um zu kommentieren, musst du dich einloggen. Einloggen
Fluorchinolone werden zur Behandlung unterschiedlicher bakteriellen Infektionen eingesetzt. In Deutschland haben mehr...
In Europa hatten sich zuletzt mehr als 32.000 Menschen mit Gonorrhö (Tripper) infiziert, Stand 2010. Genaue Zahlen mehr...
In der Grippesaison 2017/18 gab es laut Robert Koch-Institut 1.674 Influenza-assoziierte Todesfälle. Verglichen mit mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2019 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: