Fluorchinolone: Ihre Zeit läuft ab

15.11.2018

Hat das letzte Stündlein vieler Fluorchinolone bald geschlagen? Angesichts neuer Warnungen ist das recht wahrscheinlich. Europäische Experten raten zu weiteren Einschränkungen bei der Verordnung, und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft weist auf mehr Aneurysmen hin.

Fluorchinolone werden zur Behandlung unterschiedlicher bakteriellen Infektionen eingesetzt. In Deutschland haben Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin eine Zulassung. Bei Aufsichtsbehörden landen etliche Hinweise zu unerwünschten Effekten. 

Mehr Aortenaneurysmen und Aortendissektionen

In einem Rote-Hand-Brief weist die Arzneimittelkommission der Ärzteschaft auf erhöhte Risiken für Aortenaneurysmen und Aortendissektionen hin. Die Inzidenz liegt bevölkerungsweit bei 3-30 Fällen pro 100.000 Personen und Jahr. Epidemiologischen Studien zufolge verdoppelt sich das Risiko unter Fluorchinolonen (Daneman N. et al., Lee CC et al., Pasternak B. et al.). Besonders ältere Patienten, Patienten mit Gefäßerkrankungen oder mit Aortenaneurysmen bzw. Aortendissektionen sind besonders gefährdet. Als Warnsignale nennt der Rote-Hand-Brief plötzlich auftretende Bauch-, Brustkorb- oder Rückenschmerzen. 

Muskeln und Sehnen in Not

Wenige Wochen zuvor hat das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC), ein Gremium der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA), bereits Alarm geschlagen. Experten warnen vor Nebenwirkungen im Bereich der Muskeln, der Sehnen, der Knochen und des Nervensystems. Sie empfiehlt sogar, einige Wirkstoffe vom Markt zu nehmen.

Schon jetzt mit Bedacht verordnen

Das kann aber noch dauern, jetzt ist erst einmal der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA gefragt. Schon jetzt rät das PRAC, Fluorchinolone mit Bedacht einzusetzen. Die Antibiotika sollten nicht mehr bei harmlosen Infektionen, die auch ohne Therapie abklingen, verwendet werden. Dazu gehören Entzündungen des Halses. Auch im Bereich der Prophylaxe einer Reisediarrhöe oder einer wiederkehrenden Infektion der unteren Harnwege sind die Pharmaka tabu. Bei mittelschweren bis schweren Infektionen sollten Ärzte andere Wirkstoffe – falls möglich – vorziehen. Hatten Patienten in der Vorgeschichte bereits Probleme mit Fluorchinolonen, bleibt die Klasse generell tabu. Mit Vorsicht können solche Antibiotika bei älteren Patienten, bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen, bei Patienten nach einer Organtransplantation oder bei Patienten mit systemischer Kortikosteroid-Therapie verwendet werden.

Bildquelle: Blondinrikard Fröberg / Flickr, CC BY 2.0

Artikel letztmalig aktualisiert am 16.11.2018.

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