B-Zell-Lymphome: CAR-T-Therapie als letzte Hoffnung

12.11.2018

Die FDA und die EMA haben eine neue CAR-T-Therapie zugelassen. Im Fokus stehen Patienten mit B-Zell-Lymphomen, bei denen Erstlinientherapien versagt haben. Eine kleine Gruppe profitiert, doch die Nebenwirkungen sind immens.

Patienten mit rezidiviertem bzw. refraktärem, diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) oder mit primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom (PMBCL) hatten bislang schlechte Karten. Obwohl die 5-Jahres-Überlebensrate in der Erstlinientherapie zwischen 60% und 70% liegt, werden bis zu 50% nach der Behandlung refraktär oder entwickeln ein Rezidiv. In diesem Fall sind die Prognosen ziemlich schlecht, wie aus der SCHOLAR-1-Studie hervorgeht. 

Hohe Mortalität beim Therapieversagen

Von 861 Patienten aus mehreren Kohorten erfüllten 636 die Einschlusskriterien für therapierefraktäre B-Zel-Lymphome. Nur 26 Prozent sprachen auf weitere Therapien an, und bei lediglich sieben Prozent kam es zur kompletten Remission. Als medianes Gesamtüberleben geben die Autoren 6,3 Monate an. In dieser Gruppe ist der „unmet medical need“, der Bedarf an neuen Therapien, groß. Solche Lücken könnte YESCARTA™ (Axicabtagene Ciloleucel) schließen. Sowohl in den USA als auch in Europa wurde diese CAR-T-Zelltherapie mittlerweile zugelassen.

Wie funktioniert das Verfahren: Ärzte entnehmen aus dem Blut von Patienten T-Zellen und modifizieren diese im Labor. Das transgene Konstrukt (CAR-T-Zellen) trägt chimäre Antigen-Rezeptoren auf seiner Oberfläche und richtet sich gegen CD19 als Antigen. Diese Oberflächenstruktur kommt nicht nur auf Lymphomzellen, sondern auch auf gesunden B-Zellen vor. Deshalb kommt es nach der Reinfusion der CAR-T-Zellen oft zu einem „Zytokinsturm“ als potenziell lebensbedrohlicher Immunreaktion. Hier sind intensivmedizinische Interventionen erforderlich: ein Grund, warum das neue Therapieprinzip Patienten mit schlechter Prognose vorbehalten bleibt.

Prognose verbessert

An der herstellerfinanzierten Zulassungsstudie nahmen 111 Patienten mit DLBCL oder PMBCL teil, bei denen Erstlinientherapien versagt hatten. Von ihnen bekamen 101 (91%) eine CAR-T-Zelltherapie. Bei den anderen missglückte die Herstellung im Labor. Die Ansprechrate lag bei 82%, und bei 54% kam es sogar zur Remission. Nach 15,4 Monaten zeigte sich bei 42% der Patienten immer noch ein Effekt, und 40% waren in Remission. Die Gesamtüberlebensrate nach 18 Monaten betrug 52%. 

Wie zu erwarten war, traten zahlreiche schwere Nebenwirkungen auf, etwa Neutropenien (bei 78% der Patienten), Anämien (43%) und Thrombozytopenien (38%). Einen schweren Zytokinsturm entwickelten 13%, und zu neurologischen Symptomen kam es bei 28% aller Patienten. Drei Personen starben während der Behandlung. Ob ihr Tod mit der Grunderkrankung oder mit der Therapie in Verbindung steht, lässt sich nicht sagen. CAR-T-Zelltherapien bleiben ein Rettungsanker, sollten alle anderen Strategien versagt haben. 

Bildquelle: thierry ehrmann, Flickr, CC BY 2.0

Artikel letztmalig aktualisiert am 14.11.2018.

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