Influenza: Neues Virustatikum in Sicht

11.11.2018

Erhalten Patienten mit unkomplizierter Influenza-Infektion Baloxavirmarboxil als Einmalgabe, verbessern sich ihre Symptome rund 24 Stunden schneller als unter Placebo. Das hat eine herstellerfinanzierte Studie gezeigt. Offen bleibt: Ist bei dieser Gruppe überhaupt eine Behandlung erforderlich?

In der Grippesaison 2017/18 gab es laut Robert Koch-Institut 1.674 Influenza-assoziierte Todesfälle. Verglichen mit der Saison 2016/17 haben sich die Zahlen mehr als verdoppelt. Strategien gegen die Impfmüdigkeit sind nur eine Möglichkeit. Der Bedarf an Pharmakotherapien ist ebenfalls hoch. Oseltamivir als einer der wichtigsten Substanzen ist um stritten. Laut Analysen der Cochrane Collaboration verkürzte sich die Erkrankungsdauer von 7 auf 6,3 Tage. Schwere Verlaufsformen mit Pneumonie oder Bronchitis traten ähnlich oft auf wie unter Placebo. Jetzt stellt Frederick G. Hayden von der University of Virginia School of Medicine Daten zum Wirkstoff Baloxavirmarboxil vor

Sicherheit und Wirksamkeit 

Die erste Studie wurde bereits 2016 in Japan durchgeführt, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Baloxavirmarboxil bei 389 Erwachsenen zwischen 20 und 64 Jahren zu bewerten. Alle Probanden litten an einer unkomplizierten Influenza. Sie erhielten entweder einmalig das Medikament (10 bis 40 mg) oder ein Placebo. Unter Verum verkürzte sich die Dauer ihrer Beschwerden um 23,4 bis 28,2 Stunden als bei den Teilnehmern, die ein Scheinmedikament erhalten hatten. 

Vergleich mit Oseltamivir 

Die zweite Studie wurde in den USA und in Japan während der Grippesaison 2016/2017 durchgeführt. Forscher verglichen Baloxavirmarboxil mit einem Placebo und einem zugelassenen Medikament, nämlich Oseltamivir. An der Untersuchung nahmen 1.064 Personen mit nachgewiesener Influenza, aber ohne sonstige Vorerkrankungen im Alter von 12 bis 64 Jahren teil.

Baloxavirmarboxil verkürzte die Zeit bis zum Abklingen typischer Symptome um 26,5 Stunden, verglichen mit Placebo. Oseltamivir führte zu ähnlichen Ergebnissen, musste aber fünf Tage lang verabreicht werden. Bei Baloxavirmarboxil war nur eine einzige Gabe erforderlich. 

Neuer Wirkmechanismus 

„Da Baloxavir eine neuartige antivirale Wirkung bei der Hemmung der Endonuklease des Virus hat, hemmt das Medikament Influenza-A- und Influenza-B-Viren, einschließlich solcher, die gegen derzeit verfügbare Medikamente resistent sein könnten“, kommentiert Hayden in einer Meldung. Oseltamivir und Zanamivir gehören zur Klasse der Neuraminidase-Hemmer

In beiden Studien war die Rate an Nebenwirkungen ähnlich, unabhängig davon, ob den Teilnehmern ein Placebo oder Baloxavir verabreicht wurde. Mit einer Entscheidung der US Food and Drug Administration (FDA) rechnet Hayden bis zum 24. Dezember. In Japan wurde das Pharmakon bereits im Februar 2018 zugelassen. 

Wirklich ein Mehrwert für Patienten? 

Beide Studien zeigen, dass Baloxavirmarboxil die Erkrankungsdauer um zirka einen Tag verringert. Dabei wurden jüngere Patienten ohne sonstige Vorerkrankungen untersucht. Ob diese Gruppe mit geringem Komplikationsrisiko tatsächlich von der Pharmakotherapie profitiert, ist fraglich. Influenza erhöht die Mortalität bei älteren, multimorbiden Menschen und bei Schwangeren. Ob sie von Baloxavirmarboxil profitieren, bleibt unklar. 

Bildquelle: © thierry ehrmann, Flickr, CC BY 2.0

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.11.2018.

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