Kokain-Abusus: Streckmittel schaden dem Gehirn

09.11.2018

Regelmäßiger Kokain-Konsum verschlechtert die kognitive Leistung. Das liegt nicht nur am Molekül selbst, sondern auch an Levamisol, einem häufigen Mittel zur Streckung. Nicht allen Konsumenten gelingt der Entzug. Staatliche Programme zum Test von Drogen könnten als Plan B Schlimmeres verhindern.

Neben Cannabis ist Kokain eines der wichtigsten illegalen Betäubungsmittel auf Deutschlands Straßen. Dealer strecken die Droge mit wirkungslosen Substanzen wie Milchzucker, um die Handhabung der extrem potenten Substanz zu erleichtern. Kriminelle Machenschaften sind ein weiterer Beweggrund. So soll das extrem toxische, aber preiswerte Strychnin Effekte nachahmen. Immer wieder fanden Chemiker auch Insektizide oder Schwermetalle. Mittlerweile lässt sich Levamisol immer häufiger nachweisen. 

Wirkung nicht ganz geklärt

Bei Levamisol handelt es sich um ein Medikament gegen Wurmkrankheiten (Anthelminthikum). Es wird nur noch in der Tiermedizin eingesetzt. Warum dieser Zusatz gewählt wurde, ist unklar. Toxikologen vermuten eine Verlängerung oder Potenzierung der Wirkung von Kokain. Älteren Schweizer Daten zufolge ließ sich Levamisol in 70% aller untersuchten Proben nachweisen. Der Anteil lag im Mittel bei 13,2%. Bislang war bekannt, dass das Molekül bei Kokainkonsumenten zu Hautnekrosen oder Blutbildveränderungen führt. Auch Gefäßveränderungen sind bekannt.

Verschlechterung der Gehirnleistung

Jetzt fanden Forscher der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (UZH) einen weiteren unerwünschten Effekt. Sie verglichen die kognitiven Leistungen von 26 Kokainkonsumenten mit niedriger Levamisolexposition (weniger als 25% Zusatz), 49 Konsumenten mit hoher Levamisolexposition (mehr als 25% Zusatz) und 78 Kontrollen ohne jeglichen Abusus miteinander. Zu diesem Zweck untersuchten sie Haarproben der Studienteilnehmer.

Wenig überraschend führte der BtM-Abusus zu Defiziten bei der Aufmerksamkeit, beim Arbeitsgedächtnis, beim Langzeitgedächtnis und bei höheren Planungsfunktionen (etwa der Fähigkeit, sich langfristige Ziele setzen und diese zu verfolgen). Unter hoher Levamisolbelastung wurden die höheren Planungsfunktionen deutlich stärker in Mitleidenschaft gezogen. Im MRT war bei der Gruppe mit hohen Levamisolwerten die Hirnrinde des mittleren Stirnhirnes klar dünner. Sie wird schon lange mit höheren Planungsfunktionen in Verbindung gebracht.

Ausstieg oder Drug-Checking

„Wir gehen davon aus, dass nicht nur das Kokain selbst das Gehirn verändert, sondern das Streckmittel Levamisol zusätzlich schädigend wirkt“, kommentiert Boris Quednow von der UZH in einer Meldung. „Kognitive Beeinträchtigungen, die Kokainkonsumenten ohnehin schon aufweisen, verschlimmern sich dadurch möglicherweise.“

Abstinenz ist und bleibt deshalb der Königsweg. Sollte dies nicht möglich sein, fordert Quednow, staatliche Drug-Checking-Programme auszubauen: „Auf diese Weise können Konsumenten die Reinheit der erworbenen Substanz testen lassen und sich vor extrem Levamisol-belasteten Kokainproben besser schützen.“

Bildquelle: Imagens Evangélicas / Flickr, CC BY 2.0

Artikel letztmalig aktualisiert am 15.11.2018.

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Medizin, Neurologie
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Kokain ist kein Opiat.
#1 am 13.11.2018 von Alexander Kuhn (Student)
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