„Schmerzen da unten“

05.11.2018

Als Pädiater sieht man seine Patienten groß werden. Besonder schön ist es, wenn sie auch im Jugendalter noch zu uns kommen. Vielleicht sogar so viel Vertrauen haben, dass sie jene Themen mit uns besprechen, die ihnen vor den Eltern peinlich sind.

Letztens hatte ich einen „geheimen Termin“, so nennen wir etwas kryptisch die Termine, wenn Eltern nicht sagen wollen, um was es geht (übrigens schwierig für die fMFA, weil die ja abschätzen muss, ob sie einen kurzen, mittleren oder langen Termin vergeben muss).

Dieser Termin war mit einem jungen Mann von 16 Jahren, der sich vorstellte, weil er „Schmerzen da unten“ hatte. Genauer gesagt beim Masturbieren und ja, auch beim Geschlechtsverkehr. Da er schon 16 ist, muss er ziemlich lange gewartet haben, bis er zum Arzt gegangen ist, aber vielleicht wurde es mit der ersten Freundin nun wirklich zu unangenehm.

Ich habe ihn jedenfalls beglückwünscht, dass er den Mut und die Weitsicht hatte, vorbeizukommen, mit seinen Eltern wollte er nicht darüber reden. Den Termin hat er bei uns allein ausgemacht. Und genau das wünschen wir uns als Kinder- und Jugendärzte. Wir hoffen, dass die Jugendliche sich während unserer Betreuung zu eigenverantwortlichen Menschen entwickeln, die ihrem Arzt vertrauen.

Schließlich hätte er ja auch googeln können (hat er nicht). Der Junge hatte ein so genanntes Frenulum breve preputii, ein verkürztes Penisvorhautbändchen, das bei der Erektion und natürlich beim Geschlechtsverkehr sehr unangenehme Schmerzen bereiten kann, da die Vorhaut nicht ausreichend zurückziehbar ist oder sogar die gesamte Peniseichel nach unten verzogen wird. Eine Frenulotomie (Durchtrennung des Bändchens) oder ein Frenuloplastik oder Frenulektomie (bei der das Bändchen komplett entfernt wird, um ein kosmetisch schöneres Ergebnis zu erhalten) ist vonnöten.

Viele Urologen führen gleichzeitig eine Zirkumzision der Vorhaut durch, was aber nicht zwingend notwendig ist und vermieden werden sollte. Dem Jungen ging es wie allen Patienten: Er war froh über die schnelle Diagnose und dass „das“ auch bei anderen vorkommt. Er sagte, er habe wirklich Zweifel gehabt, ob bei ihm alles normal verlaufe und ob er nun sein Leben lang Beschwerden beim Geschlechtsverkehr haben werde. Unter besagten Schmerzen leiden übrigens viele Männer, die nicht um Rat bitten. Zwei Wochen später war er operiert. Das Frenulum breve. Ein eher unbekanntes Phänomen.

Infobroschüre des BVKJ zu allem rund um den Penis.

 

Bildquelle: Free-Photos, pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 05.11.2018.

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Medizin, Pädiatrie
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Ich hatte für meine Töchter auch so einen tollen Pädiater, zu dem sie Vertrauen hatten und der sie von klein auf kannte. Leider hörte diese Zeit schlagartig auf, als sie 18 wurden . Meine eine Tochter hat Asthma und musste sich gleichzeitig von ihrem Kinder-und Jugendlungenfacharzt verabschieden, und hat dann nicht gleich wieder einen Facharzt gefunden bzw mit Wartezeit. Schön wäre eine Übergangszeit - aber das ist wohl in einer Zeit, in der nicht einmal mehr alle Kinder einen Arzt finden , da Patientenstopp, ein unerfüllbarer Wunsch. Wenigstens hat der junge Mann im Artikel noch zwei Jahre beim Kinderdoc vor sich....
#2 vor 13 Tagen von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Ja, da hat der junge Mann alles richtig gemacht. Ich habe mich mit dem gleichen Sachverhalt nämlich mehr als 20 Jahre herumgequält, bevor ich mich dazu überwinden konnte, mit diesem Problem beim Facharzt vorstellig zu werden und ein unkomplizierter Eingriff dann endlich für komplette Abhilfe gesorgt hatte. Das musste wirklich nicht sein ! Was Hänschen nicht lernt, muss dann leider erst der Hans lernen.
#1 vor 14 Tagen von Gast (Biochemiker)
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