Heilsamer Schreck

26.11.2013
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Die Geschichte ist schon ein paar Jahre her, aber trotzdem wert erzählt zu werden.

Es geht um ein gefälschtes Rezept und einen offenbar heilsamen Schreck. Allzu viele gefälschte Rezepte habe ich in meiner Laufbahn noch nicht zu sehen bekommen, aber an dieses erinnere ich mich gut. Und auch an die Umstände: das war eine wirklich unangenehme Situation.

Denn die Frau, die uns das gefälschte Rezept für Xanax gegeben hat, war schon seit Jahren Kundin bei uns. Und ich weiss bei ihr sogar, warum sie das Medikament bekommen hat. Sie ist in den frühen 50ern und hat vor kurzem ihren Sohn verloren – er hat sich mit einer Armeepistole erschossen ... und sie hat ihn gefunden. Sie ging dann zum Psychiater, der ihr eine Menge Antidepressiva und Mittel gegen Panikanfälle aufgeschrieben hat.

Es wurde irgendwann ziemlich deutlich, dass sie anfing mehr zu nehmen, als die vom Arzt aufgeschriebene Dosis – das merkt man daran, dass die Abstände beim Bezug immer kürzer wurden.

Und dann kam also der Tag, an dem sie uns ein Rezept gab für Xanax 2mg – bisher hat sie immer 1mg verschrieben bekommen ... und uns sagte, sie würde es bezahlen, wir sollten es nicht über die Versicherung nehmen. Das Rezept sah ungewöhnlich aus für den Arzt – eine neue Dosierung ... und sie war wieder zu früh dran, also rief man rasch in der Praxis an und fand heraus, dass sie im letzten Monat nicht dort gewesen war ... und sie dort das Rezept nicht ausgestellt haben.

Das wäre eigentlich ein Grund für eine Strafanzeige, denn ein Rezept zu fälschen ist illegal. Es kann bestraft werden mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe.

Aber will ich das wirklich? Vor allem bei ihr?

Stattdessen habe ich mit ihr geredet und ihr die Situation sehr deutlich gemacht. Grundsätzlich habe ich ihr gesagt, ich verstehe, dass sie eine schwere Zeit durchmache, dass es aber hochgradig illegal ist, was sie da gemacht hat ... und dass, falls das wieder vorkommt, sie eine Anzeige bekommt, ich aber hier darauf verzichte.

Sie hat verstanden.

Dann habe ich nochmals dem Arzt angerufen, der sich einverstanden erklärte auch keine Anzeige zu machen und versprach das in den nächsten Sitzungen zu Rede zu bringen und ihr zu helfen.

...

Ein Jahr später ... und es geht ihr erstaunlich gut.

Nach dieser für sie erschreckenden Erfahrung bei uns hat sie sich geschworen von ihren Medikamenten runterzukommen ... und das hat sie. Sie hat die Beruhigungsmittel mit Hilfe des Arztes stetig abgebaut. Und sie hat daneben angefangen mehr auf ihre Ernährung zu achten und tatsächlich wieder etwas Sport z machen ... mit dem Ergebnis, dass man sogar ihre Cholesterinmittel absetzen konnte und bei ihrem Blutdruckmedikament die Dosis verringern konnte.

Manchmal kann auch etwas Gutes aus dummen Handlungen kommen.

Artikel letztmalig aktualisiert am 09.01.2014.

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Pharmazie
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Gast
Oh Mann... Wenn ich sehe, wieviel Zeit manche haben, um in fremden Blogs böse Kommentare zu schreiben, ... Kann es sein, dass hier bei manchen ein bisschen Neid mitspielt? Dass andere die Aufmerksamkeit bekommen, die man sich selbst wünscht? Manche Leute fühlen sich wahrhaft gezwungen, fremde Blogs zu lesen, auch wenn es ihren Geschmack nicht trifft... Auch ich lese manchmal Schrott im Internet. Das ergibt sich einfach aus der Gauß'schen Verteilungskurve von dummen und nicht-dummen Menschen auf der Welt. Dennoch - wenn ich feststelle, dass jemandes Text für mich wie Schwachsinn klingt, dann gehe ich meist kommentarlos wieder raus und suche mir etwas Interessanteres. Und um etwas klarzustellen: diesen meinen Kommentar hier schreibe ich nicht für solche Kommentierer, die sind es meist nicht wert. Ich schreibe es vielmehr für Pharmama, damit sie nicht an manch neidischen Kommentaren verzweifeln muss. Liebe Pharmama, mir gefällt Ihr Blog sehr. Grüße aus Deutschland
#8 am 09.01.2014 von Gast (Ärztin)
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Gast
Wo sind die übrigen Kommentare geblieben? Wer entscheidet und nach welchen Kriterien was hier publiziert werden darf und was nicht? Ist es nicht verlorene Zeit Internetseiten zu besuchen, die von inkompetenten "Experten" zensuriert werden?
#7 am 15.12.2013 von Gast (Arzt)
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ein anderer Gast
an #4 :Der Besuch dieser Seite, das Lesen des Beitrages und der Kommentare! ist höchst freiwillig. Sie müssen sich das nicht antun. Sie dürfen sogar eine Wertung abgeben, aber bitte bewerten Sie nicht die Meinung der anderen Leser.
#6 am 12.12.2013 von ein anderer Gast (Selbstst. Apotheker)
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Lieber Gast. Wie alle Socialmedia Plattformen, darf man sich auch hier öffnen und andere teilhaben lassen. Geschichten, Erzählungen, Erlebnisse hinterlassen Spuren im Ich und im Sein. Ich finde es schade, das Sie offensichtlich an einem guten Miteinander kein Interesse haben. Hochachtungsvoll....
#5 am 11.12.2013 von Pflegefachmann Christian Rehberg (Gesundheits- und Krankenpfleger)
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Gast
Wenn ich sehe wieviele Personen noch Zeit haben um Pharmamas Schrott zu lesen, ... Eigentlich immer dasselbe. Gute Apotheke, heile Welt. Und dann auch noch als sehr gut bewerten ?! Ich erlebe genug mit unseren lieben Kunden tagtäglich, wer nicht ? Aber muss das aller Welt offenbart werden ? NEIN.
#4 am 09.12.2013 von Gast (Apotheker)
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Manchmal ist es eben wirklich gut sich nicht an die normalen Regeln zu halten, sondern Verständnis und auch etwas Einfühlung zu zeigen, ich finde die für die meisten Apotheker etwas ungewöhnliche Reaktion wirklich beeindruckend
#3 am 08.12.2013 von Sabine Nattermann (Apothekerin)
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Wie ich gerade an anderer Stelle gebloggt habe Schulmedizin vs. Komplementärmedizin (Blogg über Bachblüten©), beweist sich wieder einmal, was psychisch möglich ist. Solche Handelnden im Gesundheitswesen mit Einfühlungsvermögen wie sie, sollte es mehrere geben. Bravo!
#2 am 02.12.2013 von Günter Grad (Krankenpflegehelfer)
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Gast
Sehr sehr gut gemacht! Stimmt, nicht jede illegale Handlung verdient Strafe, manchmal ist Verständnis der richtigere Weg.
#1 am 29.11.2013 von Gast (Tierärztin)
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