Medikamenten-Dosierung für Hunde

18.11.2013
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Gelegentlich sehen wir in der Apotheke Rezepte von Tierärzten für Tiere. Hunde und Katzen hauptsächlich, gelegentlich auch für Vögel. Vor allem, wenn der Tierarzt ein Medikament aufschreibt, das eigentlich für einen Menschen gedacht ist und es dann ... umwidmet.

Ich muss zugeben – was die Dosierung da angeht, muss ich mich voll darauf verlassen, dass der Tierarzt weiss, was er tut, denn ich kenne mich nicht aus, was den Metabolismus von Tieren angeht. Ganz sicher sind Dosen für Menschen nicht einfach eins zu eins und nur auf das Körpergewicht bezogen anpassbar.

In Amerika ist ein Apotheker jetzt bei so einem Fall gebüsst worden.

Es ging um einen Hund, eine sehr hohe Valium-Dosierung auf dem Rezept vom Tierarzt und um eine besorgte Tierhalterin.

Der Hund war Roo, ein 6 Jahr alter etwa 48 kg schwerer Chesapeake Bay Retriever (wie im Bild), der eine Operation am Knie hatte.

Weil er nach der Operation sehr unruhig war und sich nicht schonte, verschrieb ihm der Tierarzt Diazepam. Die Tierklinik hatte keine Tabletten, die gross genug waren für einen Hund seiner Grösse, darum wurde das Rezept an eine Apotheke gefaxt, die die Hundehalterin ausgesucht hat.

Das Rezept war für 60 Stück 10mg Tabletten Diazepam. Mit der Dosierung 2 bis 4 Tabletten aufs Mal zu geben, alle 8 bis 12 Stunden, nach Bedarf.

Als der Apotheker dazu kam das Rezept auszuführen, fiel ihm die hohe Dosis auf.

Zum Vergleich: Beim Erwachsenen Menschen nimmt man initial 5-10mg, täglich maximal 20 mg. Die Einzeldosis soll nicht über 10mg liegen.

Wir reden hier also von einer Einzeldosis, die doppelt bis 4 x so hoch ist und von einer Tagesdosis, die maximal 8 x so hoch ist, wie empfohlen.

Der Apotheker versuchte den verschreibenden Arzt zu erreichen, der ist aber inzwischen in den Feierabend gegangen und die Tierklinik geschlossen.

...

Als die Tierhalterin das Medikament abholen kommt, weist der Apotheker sie auf die hohe Dosis hin: „Der Apotheker hat mir gesagt, die Dosis sei zu hoch. Tatsächlich hoch genug um einen Menschen umzubringen. Ich war verwirrt und verängstigt und habe ihn gefragt, was ich tun soll? Er hat mir gesagt, ich solle die Tabletten vierteln und meinem Hund nur je ¼ Tablette geben."

Das hat sie dann – was beim Hund dann keinen Effekt hatte: die Dosis war zu tief.

Sie war durch die Aussage des Apothekers so beunruhigt, dass sie – sogar nachdem sie noch einmal beim Tierarzt nachgefragt hat nicht die eigentlich verschriebene Dosis gegeben hat.

Mit dem Ergebnis, dass der Hund sein operiertes Bein nicht schonte, das dann nicht gut verheilt ist und der Hund weitere Operationen brauchte.

Deshalb hat sie den Apotheker angezeigt. Vor allem, weil er sich, wie sie sagte: uneinsichtig und reuelos zeigte.

Bei der Untersuchung sagte der Apotheker: „Ich habe nicht genug Resourcen um die Dosis für einen Hund zu berechnen. Die Resourcen in meiner Apotheke befassen sich alle mit der Dosierung für Menschen. ... die Patientin hat mich gefragt, was die Nebenwirkungen dieses Medikamentes seien. Ich habe ihr gesagt, dass für einen Menschen die Dosis sehr hoch wäre und dass sie sich so bald als Möglich an den Arzt wenden soll um sich zu versichern, dass sie dem Hund die richtige Dosis gibt. In der Zwischenzeit soll sie sich an die aufgeschriebene Dosierung halten.“

Was auch immer gesagt wurde – und wie es ankam ... der Apotheker bekam vom Board of Pharmacy einen Eintrag ins Leumundzeugnis (notice of correction) – aber keine weiteren Strafen, auch weil er bisher keine negative Vorgeschichte hatte und inzwischen auch Korrekturmassnahmen eingeleitet ... wie für die Apotheke ein Buch über Dosierung bei Tieren anzuschaffen.

Der Apotheker bestätigt auch, dass sie in der Uni oder durch ihre Vorgesetzten keine Ausbildung erhalten in Veterinär-Pharmakologie. „Niemand hat das“ sagt er. Und fügt hinzu: „Ich rate den Schulen an, dass sie damit anfangen.“

Quelle: http://news.vin.com/VINNews.aspx?articleId=28582​

Artikel letztmalig aktualisiert am 12.10.2015.

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Pharmazie
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Gast
1. Eine TierKLINIK ist per definitionem 24/7 erreichbar! 2. Die Apotheker (zumindest in Deutschland) verkaufen alles, was nicht festgeschraubt ist, an apothekenpflichtigen, veterinärmedizinischen Antiparasitika und BERATEN tatsächlich auch, obwohl sie "keine Ahnung" haben. Dies führt in regelmässigen Abständen dazu, dass wir Katzen mit Permetrin-Vergiftungen behandeln dürfen. Gleiches gilt gerne auch für Ophthalmologika, Wundslaben etc. Ich bin selber Tierärztin und habe so meine Probleme mit diesen Leuten (Ausnahmen bestätigen auch hier - wie sooft - die Regel)
#5 am 12.06.2017 von Gast
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Es ist vielleicht auch etwas zuviel verlangt, dass Tierärzte jedem Patientenbesitzer die unterschiedlich hohen Dosierungen bei den verschiedenen Spezies, inkl. Mensch darlegen. (wir behandeln zum Teil hunderte Spezies, den Menschen übrigens im Regelfall nicht) Wofür schreibt man denn ein Rezept. Da sollen sich die Leute dran halten. Es ist ja erfreulich, dass der Apotheker mitgedacht hat - ihn trifft tatsächlich überhaupt keine Schuld. M.A.n. hat als einziges die Besitzerin des Tiers sich nicht richtig verhalten und hat somit dem Tier in ihrer Obhut geschadet.
#4 am 08.03.2017 von Henrike Alma Gregersen (Tierärztin)
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Gast
Die meisten Apotheker denken mit, auch wenn es in Deutschland chick ist, ihnen und gern auch den Ärzten zu unterstellen, dass sie ihren Job nur so nebenbei machen, um Geld zu scheffeln. Der Mann hätte auch richtig gehandelt, wenn sein Patient menschlich gewesen wäre. Wenn man aber von einer Sache keine Ahnung hat, sollte man das sagen, klarmachen, dass man mit der Dosierung nichts anfangen kann und keine Haftung dafür übernimmt - und fertig. Sich in medizinische Angelegenheiten einzumischen, von denen man nach eigener Aussage absolut keinen Schimmer hat, fügt mehr Schaden zu als es hilft, wie das Beispiel auch zeigt.
#3 am 13.12.2015 von Gast
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Gast
Niemand ist mehr zu erreichen, weder der Tierarzt noch die Tierklinik. Der Apotheker liest das Rezept, denkt mit (was leider sehr selten ist), macht sich Gedanken um die Dosierung und teilt diese Bedenken der Halterin mit. Die weiß nun auch nicht, was richtig oder falsch ist und geht auf Nummer sicher. Dadurch tritt leider keine Wirkung ein und der Hund braucht wegen der fehlenden Schonung weitere Operationen. Schuld soll nun der sein, der am wenigsten dafür kann - der Apotheker. Da trifft man in unserer egoistischen Gesellschaft, die frei nach dem Motto lebt "Nach mir die Sinnflut" mal auf jemanden, der sich Gedanken um andere Menschen und Tiere macht und was passiert ? Siehe oben. Echt traurig. Lieber Apotheker, beim nächsten Mal geben sie den Menschen nur noch das, was auf dem Rezept steht. Sollte dann dadurch jemand zu Schaden kommen, dann kann es ihnen doch egal sein. Ist doch nicht ihr Problem, wenn da jemand stirbt. Es gibt sowieso zu viele Menschen und Tiere auf dieser Welt...
#2 am 18.04.2015 von Gast
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Ich finde die Antwort des Apothekers für völlig richtig, und kann die negativen Vorwürfe nicht nachvollziehen! Der Apotheker hat Aufgrund seines Wissens die einzige richtige Antwort gegeben, traurig ist das weder Tierarzt noch Tierklinik die Patientin aufgeklärt haben. Was wäre wohl passiert wenn die Halterin zu Hause die Packungsbeilage gelesen hätte und die niedrige Dosis für einen 80kg schweren Menschen gelesen hätte, Sie hätte Ihren Hund wohl in die Notaufnahme gebracht oder den Magen auspumpen lassen. Jeder halbwegs ordentliche Humanmediziner hätte bei dieser Dosis seine Zweifel bekundet. Und ich kann nicht erwarten dass mein Apotheker über die Dosierung von Hunden Ahnung hat. Zum Vergleich mein Hund bekommt pro Tag 2x150 mcg L-Thyroxin bei einem Gewicht von 7,0 kg, ein Mensch mit 80kg ca. 150mcg L-Thyroxin pro Tag.
#1 am 10.06.2014 von Jörg Taubert (Gesundheits- und Krankenpfleger)
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