Jojo: Das kann man so nicht sagen, die Statistik in Laborarbeiten beschränkt sich ja oft auf einfache Mittelwertsvergleiche, da ist die (M)ANOVA oft schon das höchste der Gefühle, während z.B. in epideniologischen Arbeiten der Studienaufbau in komplexerer Modellierung besteht, wenn man in Biomathe noch nicht mal bis zu multipler Regression gekommen ist, kann das sogar mehr und anstrengenderes Einlesen bedeuten als die Erarbeitung der speziellen Labortechniken, für die breite theoretissche Grundlagen zwangsläufig vorhanden sind.
Laborarbeiten sind zeitaufwändiger durch die Zeit, die im Labor mit Handarbeit verbracht wird, über die Kopfarbeit kann man das nicht allgemeingültig sagen. Nach meiner Beobachtung sind Laborarbeiten außerdem oft besser betreut, allein schon, weil der Kostenpunkt da mehr drückt.
Zustimmung an Alfons in allen drei Punkten!
Auch naturWISSENSCHAFTLICHE Methoden werden im Medizinstudium nicht gelehrt (pipettieren ist eine Labortechnik, noch kein wissenschaftliches Arbeiten). Weil das Medizinstudium kein wissenschaftliches Studium ist, sondern ein berufsführendes wie etwa das Lehramtsstudium, ist die Diss dann eine große Herausforderung - und trotzdem i.d.R. Ligen unter allen anderen Promotionen anzusiedeln, allein schon deshalb, weil es die erste Arbeit ist, die man schreibt, die unumgänglichen Anfängerfehler machen alle Anderen schon in der Diplom- oder Magistr- bzw. heute in deer Master- oder sogar schon in der Bachelorarbeit.
Als Medizinstudent hingegen hat man nicht mal gelernt, Papers zu LESEN, sehr wenig Ahnung von Statistik und keine von Experimentalmethodik. Ich denke, die Gehaltsunterschiede werden in Zukunft schrumpfen und Herr/Frau Doktor wird man von vielen Patienten so oder so genannt, daher rate ich, entweder sehr gut und langfristig zu planen, die nötigen Grundlagen anzueignen und darauf zu achten, dass in der anvisierten Arbeitsgruppe gut betreut wird, oder sich und dem PApier die ganze Sache nicht anzutun.
Interessanter Artikel. Der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass es noch einen dritten Typ inhaltlicher Art gibt: medizinhistorische Doktorarbeiten.
Wir wurden sogar explizit im 1. Semester auf diesen Typus hingewiesen, jedoch mit der Anmerkung, dass diese zu den zeitaufwändigsten gehören (überproportional viel Recherche). Zudem werden die Methoden der Geisteswissenschaften im Medizinstudium nicht gelehrt, sodass man hier ziemlich bei 0 anfängt.
Beides hat ihren Reiz, Alfons - aber du wirst wohl zustimmen müssen, dass die "experimentelle" Arbeit im gegesatz zur "statistischen" in der Regel wesentlich mehr Aufwand bedeutet, man sich i.d.R. mit mehr Sachen (incl. der Statistik) befassen muss und sie auch regelrecht länger dauert. Insofern ist es nur Gut und Recht, dass diese Arbeiten auch bessere Noten bekommen - schließlich kann man in jedem Teil der Arbeit dann auch mehr Fehler machen.
Die wissenschaftliche Qualität einer Dissertation lässt sich schlecht anhand Kategorien wie "statistisch", "klinisch" oder "experimentell" festmachen. Entscheidend ist ganz allein die wissenschaftliche Exzellenz. Und die lässt sich anhand der mit einer Dissertation verbundenen Publikation(en) bzw. deren Impact Factor beschreiben.
Insofern hat mein Vorredner Recht, dass es natürlich auch gute "statistische" Doktorarbeiten gibt - sofern sie zu publizierbaren Ergebnissen geführt hat. In der Regel sind jedoch die experimentellen Arbeiten die aufwendigsten und führen daher meist zu den besten Ergebnissen.
Interessanter Artikel, aber:
1. Die Doktorarbeit ist keine Hürde eines angehenden Arztes, da sie völlig freiwillig ist und keine Bedingung zum Erwerb des Approbation darstellt.
2. Auch experimentelle Arbeiten sind im Grunde statistisch. Oder wie sonst werden die Ergebnisse ausgewertet?
3. Es gibt - man mag es kaum glauben - "statistische" Arbeiten, die schwerer sind als experimentelle. Auch bei ihnen kann man viel lernen. Hängt halt auch davon ab, wie viel Initiative und Engagement man zeigt.
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