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Doktortitel: Mehr als nur zwei Buchstaben

Die medizinische Doktorarbeit ist immer wieder in der Diskussion und wird häufig in ihrer Wichtigkeit angezweifelt. Trotzdem besitzen heute zwei Drittel aller Ärzte den ominösen Titel, der sie zum Herrn (respektive Frau) Doktor macht. Die Vorteile liegen auf der Hand: Er ist natürliche Grundvoraussetzung für jede wissenschaftliche Karriere und soll bessere Anstellungschancen garantieren. Letzten Endes sorgt er vor allem auch für ein höheres Ansehen in der Bevölkerung, bei welcher der Titel häufig - fälschlicher Weise - mit Behandlungsqualität gleichgesetzt wird. So verdienen promovierte niedergelassene Ärzte im Schnitt 20.000 € mehr pro Jahr als ihre nicht-promovierten Kollegen.

Labormäuse oder dunkle Kellerräume

Gehört man zu denjenigen, die sich für den Titel entscheiden, muss man schon wieder wählen: zwischen einer experimentellen und statistischen Arbeit. Die experimentelle Arbeit verspricht meist bessere Noten, wertet den Lebenslauf auf und es können zahlreiche Fertigkeiten und Kenntnisse erworben werden. Aber mit einer Abbruchquote von 70% kann diese Doktorarbeit schnell zum Reinfall werden. Die statistische Doktorarbeit wird dagegen in 70% fertiggestellt. Sie ist meist schneller, dafür aber oft langweilig und dient "nur" dem Titelerweb.

Bei beiden Typen erkennt man trotzdem, dass man scheitern kann. Daher ist die richtige Vorbereitung und Herangehensweise beim Schreiben sehr wichtig.

Doktortitel aberkannt

Doch wer alles beachtet, kann immer noch Pech haben. Selbst ein "summa cum laude" kann dann im Nachhinein aberkannt werden… So ergeht bzw. erging es Mainzer Medizinstudenten. Es war am 15. Dezember 2011, an dem die Uni Mainz die Änderung der Ausführungsbedingungen bekannt gab. Geschmückt mit schönen Worten, dass die Qualität wissenschaftlicher Arbeiten angehoben werden soll, wird unter Mithilfe von studentischen Mitgliedern des Fachbereichsrates eine große Änderung verabschiedet: §4 besagt, dass eine Promotion nur noch anerkannt wird, wenn die Ärztliche Prüfung mit einer Gesamtnote von befriedigend (3) oder besser bestanden wird. Alle anderen werden nicht anerkannt, und die Arbeit war umsonst. Erst durch juristischen Druck seitens des Hartmannbundes wurde die Änderung am 10. Januar dieses Jahres zurückgenommen. Im Mai/Juni wird neu verhandelt. Diesmal möchte der Fachschaftsrat aufmerksam sein und hofft, dass die Zulassung der Promotion nicht durch die Studiumsendnote beeinflusst wird.

Der Einstieg

Die Suche nach der geeigneten Doktorarbeit sollte schon nach dem Physikum beginnen, da sie meist mindestens zwei Jahre, eher drei bis vier Jahre dauert und die Fertigstellung im Berufsleben erheblich schwerer ist. Leider konnte noch niemand den ultimativen Trick herausfinden, wie man sich die Doktorarbeit viel leichter gestaltet (außer man kauft sie sich). Daher nun zwei Tipps, die häufig missachtet werden:
  1. Die Planung am Anfang aller Experimente, gerade auch im zeitlichen Rahmen, wird häufig übersehen. Oft lohnt es sich schon vor den Experimenten bei der Statistikberatung nach der Power der Studie zu fragen und gegebenenfalls die Anzahl an Probanden zu erhöhen.
  2. Mit dem Schreiben sollte man schon frühzeitig, auch vor Beginn der Versuche beginnen. Außerdem gestaltet es sich am einfachsten, wenn man mit dem Teil "Material & Methoden" beginnt, da hier nur beschrieben werden muss, was man gemacht hat.
Alles in allem ist die medizinische Doktorarbeit - trotz der Bezeichnung als "Flachforscher" - eine große Herausforderung. Dafür bietet sie jedoch auch mehr als zwei Buchstaben vor dem Namen: viele interessante Erfahrungen, Einblicke in die lebendige Forschung und auch ein bisschen Spaß!

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37 Bewertungen (Ø 2.92)

Robert Kromer

Student/in der Humanmedizin

Leipzig

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Kommentare

  • 6
    10.02.12 - 13:15
    Liz

    Jojo: Das kann man so nicht sagen, die Statistik in Laborarbeiten beschränkt sich ja oft auf einfache Mittelwertsvergleiche, da ist die (M)ANOVA oft schon das höchste der Gefühle, während z.B. in epideniologischen Arbeiten der Studienaufbau in komplexerer Modellierung besteht, wenn man in Biomathe noch nicht mal bis zu multipler Regression gekommen ist, kann das sogar mehr und anstrengenderes Einlesen bedeuten als die Erarbeitung der speziellen Labortechniken, für die breite theoretissche Grundlagen zwangsläufig vorhanden sind.
    Laborarbeiten sind zeitaufwändiger durch die Zeit, die im Labor mit Handarbeit verbracht wird, über die Kopfarbeit kann man das nicht allgemeingültig sagen. Nach meiner Beobachtung sind Laborarbeiten außerdem oft besser betreut, allein schon, weil der Kostenpunkt da mehr drückt.

  • 5
    10.02.12 - 13:09
    Liz

    Zustimmung an Alfons in allen drei Punkten!

    Auch naturWISSENSCHAFTLICHE Methoden werden im Medizinstudium nicht gelehrt (pipettieren ist eine Labortechnik, noch kein wissenschaftliches Arbeiten). Weil das Medizinstudium kein wissenschaftliches Studium ist, sondern ein berufsführendes wie etwa das Lehramtsstudium, ist die Diss dann eine große Herausforderung - und trotzdem i.d.R. Ligen unter allen anderen Promotionen anzusiedeln, allein schon deshalb, weil es die erste Arbeit ist, die man schreibt, die unumgänglichen Anfängerfehler machen alle Anderen schon in der Diplom- oder Magistr- bzw. heute in deer Master- oder sogar schon in der Bachelorarbeit.

    Als Medizinstudent hingegen hat man nicht mal gelernt, Papers zu LESEN, sehr wenig Ahnung von Statistik und keine von Experimentalmethodik. Ich denke, die Gehaltsunterschiede werden in Zukunft schrumpfen und Herr/Frau Doktor wird man von vielen Patienten so oder so genannt, daher rate ich, entweder sehr gut und langfristig zu planen, die nötigen Grundlagen anzueignen und darauf zu achten, dass in der anvisierten Arbeitsgruppe gut betreut wird, oder sich und dem PApier die ganze Sache nicht anzutun.

  • 4
    Defaultmedium
    09.02.12 - 20:28
    Andreas Rheinländer
    Student/in der Humanmedizin

    Interessanter Artikel. Der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass es noch einen dritten Typ inhaltlicher Art gibt: medizinhistorische Doktorarbeiten.
    Wir wurden sogar explizit im 1. Semester auf diesen Typus hingewiesen, jedoch mit der Anmerkung, dass diese zu den zeitaufwändigsten gehören (überproportional viel Recherche). Zudem werden die Methoden der Geisteswissenschaften im Medizinstudium nicht gelehrt, sodass man hier ziemlich bei 0 anfängt.

  • 3
    08.02.12 - 21:19
    Jojo

    Beides hat ihren Reiz, Alfons - aber du wirst wohl zustimmen müssen, dass die "experimentelle" Arbeit im gegesatz zur "statistischen" in der Regel wesentlich mehr Aufwand bedeutet, man sich i.d.R. mit mehr Sachen (incl. der Statistik) befassen muss und sie auch regelrecht länger dauert. Insofern ist es nur Gut und Recht, dass diese Arbeiten auch bessere Noten bekommen - schließlich kann man in jedem Teil der Arbeit dann auch mehr Fehler machen.

  • 2
    08.02.12 - 17:42
    Dr. in spe

    Die wissenschaftliche Qualität einer Dissertation lässt sich schlecht anhand Kategorien wie "statistisch", "klinisch" oder "experimentell" festmachen. Entscheidend ist ganz allein die wissenschaftliche Exzellenz. Und die lässt sich anhand der mit einer Dissertation verbundenen Publikation(en) bzw. deren Impact Factor beschreiben.

    Insofern hat mein Vorredner Recht, dass es natürlich auch gute "statistische" Doktorarbeiten gibt - sofern sie zu publizierbaren Ergebnissen geführt hat. In der Regel sind jedoch die experimentellen Arbeiten die aufwendigsten und führen daher meist zu den besten Ergebnissen.

  • 1
    08.02.12 - 15:52
    Alfons

    Interessanter Artikel, aber:
    1. Die Doktorarbeit ist keine Hürde eines angehenden Arztes, da sie völlig freiwillig ist und keine Bedingung zum Erwerb des Approbation darstellt.
    2. Auch experimentelle Arbeiten sind im Grunde statistisch. Oder wie sonst werden die Ergebnisse ausgewertet?
    3. Es gibt - man mag es kaum glauben - "statistische" Arbeiten, die schwerer sind als experimentelle. Auch bei ihnen kann man viel lernen. Hängt halt auch davon ab, wie viel Initiative und Engagement man zeigt.

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