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Leis' vergeht der Dr. med.

Harte Kritik auch an den Inhalten: Die Projekte „entsprechen nur zu einem kleinen Teil einer originären Forschungsarbeit, wie sie in anderen Fächern üblich ist“, heißt es in dem kürzlich veröffentlichten Papier „Anforderungen an die Qualitätssicherung der Promotion“. Kern einer Dissertation sei die „eigene, selbständige und originäre Forschungsleistung, die zum Erkenntnisfortschritt im jeweiligen Fach beiträgt (…).“ Und hier hat der Wissenschaftsrat bei „akademischer Massenware“ so seine Zweifel. Das Niveau studienbegleitender Doktorarbeiten entspräche in der weit überwiegenden Zahl der Fälle nicht den Standards anderer naturwissenschaftlicher Fächer, nur etwa zehn Prozent der Arbeiten erfüllen diese Richtlinien. Dr. Ulrike Beisiegel vom Wissenschaftsrat spricht deshalb von „Pro forma-“ – beziehungsweise von „Türschildforschung“. Ihre Einschätzung: „Die Promotion in der Medizin ist das, was in anderen Fächern eine Master- oder Diplomarbeit ist – nicht mehr.“ Kein Wunder, dauern entsprechende Projekte oftmals nur ein halbes Jahr – im Vergleich zu drei bis vier Jahren bei anderen Disziplinen. Europäische Geldgeber sind der gleichen Meinung wie Ulrike Beisiegel, sie fördern nach komplexer Antragstellung Jungforscher mit einem Doktortitel – außer mit dem „Dr.med.“. Dagegen protestierten die Deutsche Forschungsgemeinschaft sowie der Marburger Bund unisono, allerdings ohne Erfolg.

Ausgebucht auf Jahre

Trotzdem plädieren Vertreter des Medizinischen Fakultätentages (MFT) weiter für die studienbegleitende Promotion. MFT-Präsident Professor Dr. Dieter Bitter-Suermann: „Wir müssen den wissenschaftlichen Nachwuchs bereits im Studium prägen.“ Jeder Arzt solle lernen, wie neue Erkenntnisse mit welchen Methoden gewonnen würden, aber auch, wie die Qualität einer wissenschaftlichen Veröffentlichung einzuordnen sei. Nachher, wenn der Großteil in der Facharztweiterbildung mit den enormen Anforderungen der Klinik stecke, sei es dafür zu spät. Bitter-Suermann hält es ohnehin für wenig wahrscheinlich, dass Kollegen zwischen Approbation und Weiterbildung noch eine mehrjährige Dissertation absolvieren und dafür drei bis vier Jahre – wie in anderen Naturwissenschaften – investieren.

Doktortitel erster und zweiter Klasse?

Der mögliche Ausweg: ein Zwei-Klassen-System. Neben wissenschaftlichen Weihen, als Promotion im Anschluss an das Medizinstudium nach hehren Standards erworben, gäbe es für Kollegen in Klinik und Praxis einen separaten Titel. Im Gespräch ist schon lange der „medizinische Doktor“ – dieser hat sich quasi vom akademischen Grad zur Berufsbezeichnung verselbständigt. Entsprechende „Berufsdoktorate“, die Absolventen ohne wissenschaftliche Arbeit verliehen bekommen, sind in den USA oder in Österreich bereits üblich. Letztlich scheiterte dieser Vorschlag zur Güte am Widerstand der Hochschulmedizin. Deren Befürchtung: Kaum ein Student würde mehr eine Doktorarbeit beginnen – „die Forschung würde austrocknen“, so Bitter-Suermann.

Auch für die spätere Praxis kann ein gewisses Grundverständnis wissenschaftlicher Methodik nicht schaden, müssen Kollegen später Studien lesen und vor allem auch interpretieren können. Sind die Daten nach objektiv-wissenschaftlichen Prinzipien erhoben worden oder der Marketing-Abteilung einer Firma entsprungen? Und was verbirgt sich hinter absoluten beziehungsweise relativen Risiken, etwa zur Beurteilung des Benefits von Vorsorgemaßnahmen wie Mammographie-Screenings? Allerdings bräuchte es dafür nicht unbedingt Doktorarbeiten, entsprechende Hochschulkurse könnten so manche Wissenslücke schließen.

„Akademischer Wurmfortsatz“

Manche Kollegen sehen das Thema ohnehin recht pragmatisch. „Der Doktortitel hat für viele die Bedeutung eines Wurmfortsatzes“, kommentiert Dr. Robert Oberpeilsteiner, praktischer Arzt aus Berchtesgaden, den Disput in der „Medical Tribune“. „Hat er ihn oder hat er ihn nicht? Keiner fragt danach. Keiner, der sagt, er nützt ihm wirklich.“ Als möglichen Grund für die Promotion notiert Oberpeilsteiner, dass die berufliche Laufbahn anfangs noch nicht feststehe und man sich alle Optionen offen halten möchte. „Irgendwann ärgert man sich dann über die bereits investierte Zeit und schließt, falls es möglich ist, die Arbeit noch ab.“

Patienten scheinen das anders zu sehen: Ärzte mit Doktortitel genießen in der Bevölkerung immer noch das größere Vertrauen. Ohne Empfehlung, bei Recherchen über Internet oder Branchenbücher, entscheiden sie sich weitaus häufiger für die „Frau Doktor“ oder den „Herrn Doktor“ mit den zwei Buchstaben vor ihrem Namen. Laut Gesundheitsökonomen schlägt dieser Effekt mit bis zu 20.000 Euro pro Jahr zu Buche. Lukrative Aussichten, doch lässt sich das akademische Anhängsel nicht auch stressfreier erwerben?

Was kostet die Welt?

Eine Promotion war noch vor Jahren neben der praktischen Tätigkeit recht einfach möglich – das „Institut für Wissenschaftsberatung“ in Bergisch Gladbach bot Unterstützung gegen Bares: Für rund 20.000 Euro übernahmen deren Mitarbeiter einzelne Dienstleistungen von der Themenfindung über Kontakte zu Doktorvätern bis hin zu Literaturrecherchen, statistische Arbeiten und Formulierungshilfen. Im Herbst 2009 kam das Aus der Institution – die Kölner Staatsanwaltschaft knöpfte sich 100 Dozenten, auch Humanmediziner, vor. Der Vorwurf: Bestechlichkeit. Mittlerweile ist Gras über die Sache gewachsen, meist wurden lediglich Geldstrafen verhängt. Ein Todesstoß für die Branche war das dennoch nicht. In Fachmedien bieten Wissenschaftler nach wie vor Hilfe beim Recherchieren, Schreiben oder Redigieren von Fachtexten an. Hochschulpolitiker fordern deshalb schon lange, bei jeder Dissertation die eidesstattliche Versicherung, alle Arbeiten ohne fremde Hilfe erledigt zu haben, mit aufzunehmen.

Qualität serienmäßig

Auch in anderer Hinsicht reagieren die vom Wissenschaftsrat so arg gescholtenen medizinischen Fakultäten, etwa durch spezielle Promotionskollegs. „Ohne eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung forschender Mediziner kann klinische Grundlagenforschung nicht erfolgreich sein“, betont Professor Dr. Heinz Beck von der Uni Bonn. Aus Hamburg oder Berlin kommen ähnliche Ansätze, um wissenschaftliches Arbeiten zu vermitteln. Eine strikte Trennung von Medizinstudium und Doktorarbeit ist jedoch in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.

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Dipl.-Chem. Michael van den Heuvel

Medizinjournalist/in

München

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Kommentare

  • 49
    Defaultmedium
    25.12.11 - 10:02
    Tino Hennig
    Altenpfleger/in

    @ Nr.48

    Gegenfrage: Was ist an Befürwortung von Heilpraktik (per se) schlecht? Die Frage muss doch wohl eher lauten: Wann wird das bestehende Anspruchsmonopol der herrschenden "Schulmedizin" (jeder weiß, was mit diesem Begriff gemeint ist) durchbrochen und weicht einer pluralistischen Konzeption effektiver Heilkunst? Und die nächste Frage lautet dann: Wem kann eine solche Entwicklung (vor allem aus kommerziellen Gründen) nicht recht sein? Haben sie sich schon einmal die Mühe gemacht, darüber ernsthaft nachzudenken?

    Genau der erwähnte Anspruch auf "Alleinherrschaft" einer pharmagestützten Schulmedizin verhindert ja eben, dass alternative Therapieansätze und Methoden auf wissenschaftlicher Ebene gefördert und finanziert werden. Weil hierfür eben die finanzkräftige Lobby fehlt.

    Ich denke, der überwiegende Teil der Patienten, die gezielt Heilpraktiker aufsuchen, hätte absolut nichts gegen eine bessere Ausbildung der von ihnen gewählten Therapeuten. Den gegenwärtigen Zustand finde ich genauso inakzeptabel wie Sie. Nur betrachten wir die Problematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

  • 48
    24.12.11 - 18:00
    ohnetitel

    Warum müssen sich hier eigentlich immer die Heilpraktiker-Befürworter äußern?
    Als Friseur benötigt man weitaus mehr Ausbildung, dann darf man die Haare bearbeiten, seltsamerweise als Heilpraktiker den ganzen Menschen. Ohne fundierte Kenntnisse werden Therapien für schwer Kranke durchgeführt teilweise wie im Mittelalter, möge dieser Unsinn irgendwann gestoppt werden.

  • 44
    Defaultmedium
    23.12.11 - 18:54
    Dr. med. H. Schindler
    Arzt/Ärztin

    Wieviele DrDr phil's oder jur's sind genau wie die statistischen Literaturarbeiten der Dr's med. auch nur "abgeschrieben"; hunderte von Zitaten belegen dies; rein wissenschaftlich-experimentelle Arbeiten gibt es bei den Geisteswissenschaften sowieso nicht; wobei Nachdenken über neue Thesen durchaus ein Experiment sein kann; wer Zeit und Lust und Geist zur Erarbeitung einer Dissertation hat und sie sich nimmt, sollte das tun dürfen, wann er Zeit erübrigen kann.

  • 43
    23.12.11 - 16:11
    lama

    die doktorarbeiten von andern fakultäten mogen länger dauern, sind aber dadurch nicht zwangsläufig besser... als käme es auf die dauer an pfff...ff

  • 41
    Defaultmedium
    22.12.11 - 20:47
    Dr. Katy Düsterhöft
    Zahnarzt/-ärztin

    Immer wieder tauchen, verständlicher Weise, solche Diskussionen auf...und es gibt durchaus Dissertationen, die den Titel nicht wert sind. Eine Anerkennung nach dem Studium ist nicht der Weg, wer forscht denn dann?? Wir machen keine Diplomarbeit und Masterarbeiten werden postgradual geschrieben... also troknet die Forschung nach und nach aus. Ich bin für eine deutliche Kennzeichnung wissenschaftlich oder statistisch. Die Arbeiten haben eine unterschiedliche Wertigkeit, die zu erkennen sein sollte. Wer keinen Titel hat, der hat eben keinen gemacht.
    So umgehen wir diese ständige Anzweifelung, auch um sich nicht immer ärgern zu müssen, wenn man wissenschaftlich gearbeitet hat und alle Welt behauptet dem wäre nicht so!

  • 40
    Defaultmedium
    22.12.11 - 20:21
    Tino Hennig
    Altenpfleger/in

    Aussage von Nr.6 (Anne Biesdorf)

    "Es gibt nun auch Patienten, die zu sehr kompeten[ten] Heilpraktikern gehen, diese haben eine harte Ausbildung hinter sich, aber keine Promotion."

    Diesbezüglich antwortet Nr.8 (Alfons)

    "Die "harte Ausbildung" der Heilpraktiker: eine amtsärztliche Prüfung, die dem Nachweis dient, keinen Schaden für die Volksgesundheit darzustellen, die elementarsten medizinischen Grundkenntnisse abfragt, und die man beliebig oft wiederholen kann. Pure Kompetenz."

    Dazu folgende Anmerkung: Den von Alfons erwähnten Nachweis (amtsärztlich erhoben für Heilpraktiker geltend)würde sich jeder Patient sicher auch für Ärzte wünschen, die diesen Nachweis jedoch weder erfüllen können noch müssen. Und das - logisch nachvollziehbar - aus unterschiedlichsten Gründen.

    Ich weiß natürlich nicht, wer sich hinter dem Pseudonym "Alfons" verbirgt. Leider aber gibt es auf dieser Welt zu viele solcher "Alfons". Menschen, die absolut unfähig oder nicht willens sind, anderen Menschen zuzuhören. (In diesem Fall genau zu lesen). Und das erscheint mir viel problematischer als die Frage nach einer qualitiativ hoch- oder minderwertigen Dissertation. Denn wir alle sind davon betroffen. Egal, ob nun direkt oder indirekt. Was Not tut ist gegenseitiger Respekt und Empathie. Und wer über diese Tugenden verfügt, der liest eben:

    "... die zu SEHR KOMPETENTEN Heilpraktikern gehen, DIESE haben eine harte Ausbildung hinter sich,..."

    Inwieweit sich ein Heilpraktiker diese Kompetenzen erwirbt, hat nicht im Geringsten etwas mit der amtsärztlichen Prüfung zu tun. Heilpraktiker ist nicht gleich Heilpraktiker. Und: Arzt nicht gleich Arzt.

    Nr. 20 schreibt zum Beispiel:

    "So wie sich schleichend die Berufsbezeichnung "Arzt" verabschiedet und schlechthin vom "Mediziner" gesprochen und geschrieben wird, "

    Man sollte sich dann aber auch fragen, warum das so ist? Ist der Arzt (eine kompetente Person, die eigenständig Entscheidungen trifft und den Menschen und dessen Leid in seiner Gesamtheit sieht) nicht eine vom Aussterben bedrohte Art? Ein Mediziner hingegen verordnet- wie der Begriff schon impliziert - Medizin. Ein sich über Jahrzehnte hin entwickelter Trend, der sich nun auch im Sprachgebrauch widerspiegelt. Den Linguisten trifft da keine Schuld.

  • 39
    22.12.11 - 15:03
    Dr. med. Harald Vogel

    @27

    Sehr geehrter Herr Kollege Quinten,
    darf ich Ihren Beitrag als Realsatire verstehen?
    Oder wie hat sich der Dr. in Ihren Nick-Name geschlichen?

  • 38
    Icondirect
    22.12.11 - 14:54
    Karsten Arsinakis
    Rettungsassistent/in

    Der Dr. vor dem Namen sagt aus, dass diese Person zur eigenständigen Forschung in der Jahre ist.
    Jetzt kenne ich im Freundeskreis viele Personen mit Dr., sowohl aus den Naturwissenschaften als auch aus der Medizin. Und die Mediziner konnten manches Mal nicht einmal erklären, wofür die erhobenen Daten waren. Die hätten Sie für Ihren Doktorvater sammeln sollen. Das ist keine Doktorarbeit. Ich ziehe meinen Hut vor jedem echten Dr., aber ein Mediziner ist ein Mediziner und ein Wissenschaftler ist ein Wissenschaftler. Wer beides sein möchte, muss beides leisten.

  • 37
    Icondirect
    22.12.11 - 14:47
    S Schein
    Gesundheits- und Krankenpfleger/in

    "Ärzte mit Doktortitel genießen in der Bevölkerung immer noch das größere Vertrauen."

    Meine Gyn Dozentin während der Ausbildung - gerade in der Facharztausbildung zur Gynäkologin - hat ihre Doktorarbeit übers Herz geschrieben (natürlich gibts da tausende Möglichkeiten, das genaue Thema ist mir verständlicherweise nicht bekannt).

    Aber soviel zu den Doktoren und den Fachärzten.
    Und ja, ich gestehe, früher hab ich auch aufs Dr. med. geachtet.

  • 35
    User_default_image
    22.12.11 - 13:24
    Tina E. L. Dyck
    Student/in der Humanmedizin

    Nicht nur in der Medizin ist die Dissertation oft eine Farce. So las ich kürzlich von einer Arbeit (München, Pädagogik) mit dem Thema :" Pilgerwege in Rom". die Verfasserin war nie in dieser Stadt. Wissenschaftliche Leistung?

  • 33
    User_default_image
    22.12.11 - 10:59
    Dr. med. Stephan Leander Nautscher
    Arzt/Ärztin

    Ich breche eine Lanze für alle Promovierten (und für solche, die es fast bis dahin geschafft haben und deren Leistung anderen Kollegen wiederum zum Fortkommen gereicht haben), die über mehrere Jahre mit viel Engagement, Zeitaufwand, "Urlaubssemestern" für Messreihen oder Datenerhebung, familiären Entbehrungen (Jahresurlaub mehrfach zuhause verbracht, um "am Stück" arbeiten zu können), unzähligen Stunden an Abenden und Wochenenden, etc. eine Dissertation und somit sich den "Dr. med." erarbeitet haben, was man sich nicht von unkenden Stimmen kleinreden lassen sollte!!! Diese Strapazen mit "nur berufsbegleitend" oder ähnlich pejorativen Attributen zu versehen ist unfair. Unverhohlen ist natürlich, dass es minimalistisch ausgelegte Dissertationen gibt, aber das muss jeder selbst vor sich verantworten...
    In anderen Naturwissenschaften geht's halt anders zu, im Übrigen nicht immer besser!

  • 32
    Icondirect
    22.12.11 - 10:45

    Dipl. oder Dr.med.(rer.nat.)? Praktisch-ärztliche Erfahrung, solides Urteils- und Kritikvermögen (Beiträge 2 und 5!) oder mitmenschliche Empathie mag kein Titel ausweisen.

    Als Doktor der Medizin/Heilkunde angesprochen sein -
    möchte das nicht simpel an berechtige Patientenerwartung erinnern?

    Warum's da zur Zeitenwende bloss so wenig Protz und Imagepflege gab?

  • 31
    User_default_image
    22.12.11 - 10:19
    Petra Stuckmann
    Arzt/Ärztin

    Zu Herrn Kollegen Pöhlmann: Mir ist in meiner fast dreißigjährigen ärztlichen Tätigkeit nicht ein einziger Fall untergekommen, in dem ein Patient von den Schulmedizinern "aufgegeben" und von einem Heilpraktiker "geheilt" wurde!! Vielleicht könnte ja mal Jemand eine Doktorarbeit über das Thema schreiben ...

  • 30
    Defaultmedium
    22.12.11 - 09:59
    Dr. med. Henning Kante
    Arzt/Ärztin

    Beitrag 25 ist voll zuzustimmen. Danach brauchte kein Dr. med. mehr den Vergleich mit anderen Wissens-Fachrichtungen zu scheuen...Beitrag 2 wird also absolut nicht zugestimmt!

  • 29
    Defaultmedium
    22.12.11 - 09:24
    Dr. Jutta Backert-Isert
    Tierarzt/-ärztin

    Die Diskuassion erregt die Gemüter und ein Umdenken tut not.Weg von elitärem Gedankengut und Elfenbeinturmmentalität huin zu Praxisnähe und Umsetzbarkeit. Gerade als Frau, die beruflich, aber vielleicht auch noch reproduktiv tätig sein möchte, wäre nach dem geforderten Promotionsverfahren nach einem medizinischen Studium die Familienbildung dann um die 40-50 Jahre anzusteuern. Qualität hat nicht unbedingt etwas mit Quantität zu tun und oft werden Studenten/Promoventen als billige Arbeitskräfte gehalten. Dann entscheidet wieder mal Papas Geldbeutel über Wohkl und Wehe der Promotionsmöglichkeit. Soll das so sein? Ich plädiere auch für ein einfacheres Verfahren, sich als berufstätige selbstständige (in meinem Fall) Tierärztin leichter einen Facharzttitel erarbeiten zu können. Die Uni Leipzig bietet solche Kurse neben der Praxis an, Bayern hat das bislang nicht anerkannt,.Warum auch immer. Mehr übergeordnete Zusammenarbeit, Absprache und weniger Eitelkeiten töten allen gut.

  • 28
    Defaultmedium
    22.12.11 - 09:19

    Die " Grünen " bestreben ohnehin den Doktortitel abzuschaffen.

  • 27
    User_default_image
    22.12.11 - 08:51
    Dr. Wolfgang Quinten
    Arzt/Ärztin

    Hallo

    Habe keinen Titel--Brauche keinen Titel- habe eine volle Praxis und zufriedene Patienten --und Spass am Beruf

    Frohes Fäscht

    W.Quinten, Allgemeinmedizin, Schweiz

  • 26
    22.12.11 - 08:20
    Dr. Uwe Borrosch

    Diese Diskussion ist so alt wie es diesen wissenschafftlichen Hochschultitel
    gibt. Schon 1783 mokierte sich C.F. Laukhard in seiner Biographie "Leben und
    Schicksale" über den Wert und Unwert solcher Arbeiten auf S. 367 f.
    "Dieser junge Mann hatte zwar keine Medizin studiert, d.h. war nicht auf der
    Universität gewesen, hatte da für schweres Geld keine Kollegia gehört, hatte
    sich endlich auch keine mit Grichisch verbrämte, und mit 199 Citaten versehene
    Dissertation von einem expedieren , allzeit fertigen Dissertationsfabrikanten für
    Bares Geld zusammenschmieren lassen, ( dergleichen Dinge einem solchen um so leichter werden, wenn wenn er die absurdesten Sätze hinzudeuten und die lateinische Sprache mit neuen barbarischen Wörtern und Phrasen bereichern kann....) hatte auch keine stumme Person auf dem Katheter agiert, war auch endlich nicht auctoritate imperatoria et regia zum Doktor geschaffen worden, das alles hatte er nicht gemacht."
    Man sieht diese Diskussion wird wohl niemals enden und die Gemüter weiterhin erhitzen. Am Besten es bleibt so wie es ist.

  • 25
    User_default_image
    22.12.11 - 07:40
    PD Dr. med. Dietrich Ebert
    Arzt/Ärztin

    Ich staune über die Inkompetenz der verantwortlichen Gremien: Fragen Sie doch mal 2 Generationen von Dipl-Med - Titelträgern aus der ehemaligen DDR! Dort hatte man das Problem bereits im Sinne der Gleichstellung mit Doktorarbeiten der Naturwissenschaften gelöst. Wer zwischen 1973 und 1990 promovierte, mußte eine von drei unabhängigen Gutachtern (nicht dem Betreuer!) beurteilte Dissertation vorlegen, die internationalen Veröffentlichungs-Kriterien entsprach. Die Wende brachte den wissenschaftlichen Rückschritt....

  • 24
    Defaultmedium
    22.12.11 - 00:38
    Wolfgang Neher
    Sonstige medizinische Berufe

    Mein Hausarzt hat kein Dr.Titel aber volle Kompetnez und anerkannt weit und breit, Note sehr gut.
    Vorgänger mit Dr. Titel da gab es solche und solche.
    Wir Deutsch mit unserer Obrikeitshörigkeit sehen einen Dr. eine Etage höher mit Ehrfurcht vom Dr. Tittel nicht unbedingt vom Können.
    Von Gewähleistung, wie in jedem Betrieb, gar nicht zu reden!

  • 23
    Defaultmedium
    21.12.11 - 23:32

    PS: ich habe meine Rechtschreibfehler inzwischen selber bemerkt - das liegt einerseits an dem fast nicht lesbaren Schriftbild, das DocCheck für die Kommnentare zur Verfügung stellt, mehr aber noch an einem anstrengenden 14-Stunden-Arbeitstag. Bitte um Entschuldigung, ich bin normalerweise der deutschen Sprache mächtig.
    Frohes Weihnachtsfest! Gutes Neues Jahr!

  • 22
    Defaultmedium
    21.12.11 - 23:27

    Sehr viele Meinungen - alle irgendwo richtig.
    Zum Arztsein gehört eben nicht zwangsläufig der Dr.-Titel. Einen guten Arzt (sowohl im Hinblick auf Patientenorientiertheit als auch wissenschaftiche Kompetenz)macht mer aus als ein akedemischer Grad. Für die Patienten ist das System nur schwer zu durchschauen: wer ist "nur" Arzt, wer ist "Doktor"? Ich höre immer wieder von Patienten, die vom Heilpraktiker als vom "Herrn Doktor" sprechen (bitte nicht mißverstehen: es gibt sehr gut Heilpraktiker). Die Differenzierung ist für die Lewute einfach nicht einfach. Eine genauere Differenzierung in der Bevölkerung wäre notwendig - auch in der Bewertung "nicht-akademischer" Kollegen.
    Um nicht in denfalschen Topf gesteckt zu werden: ich selber habe eine 6-jährige, experimentelle Doktorarbeit abgeliefert, sowohl studien- als auch dann berufsbegleitend.
    PS: Herr Kollege Davidis hat mir weitgehend aus dem Herzen gesprochen. Das ist keine Kritik an den Personen - eine Kritik am System.

  • 20
    User_default_image
    21.12.11 - 22:05
    Dr. Michael Peglau
    Arzt/Ärztin

    Vor dem Hintergrund der Diskussionen zu den Guttenbergs und Koch-Merins bin ich ob der pauschalen Disqualifizierung medizinischer Promotionen überrascht. Da dürfte ein breiterer Ansatz zum Thema Promotion erforderlich sein. Die Kolleginnen und Kollegen die ich kenne, haben jedenfalls deutlich mehr als 6 Monate mit ihrer Promotion verbracht und regelhaft auch mehr als 3 Seiten verfasst. So wie sich schleichend die Berufsbezeichnung "Arzt" verabschiedet und schlechthin vom "Mediziner" gesprochen und geschrieben wird, so scheint mir eine schon mal im Osten Deutschlands praktizierte "Gleichschaltung" Ziel mancher Wünsche zu sein: Der Diplom-Mediziner. Pflicht für alle Ärztinnen und Ärzte. Und wer da wollte, durfte auch noch eine zweite Arbeit mit dem Ziel des Dr. med. anschließen. Ich hoffe inständig, dass wir uns gegen solche Tendenzen zu wehren wissen.

  • 19
    Defaultmedium
    21.12.11 - 21:58
    Dr. Gottfried Resch
    Arzt/Ärztin

    Kein Akademiker steht dem Menschen so nahe wie der Arzt.
    Um den Titel ranken sich viele Gerüchte und Spekulationen in der Laienwelt-eben gerade wegen dieser Nähe.
    Deshalb ist der "Dr" eben der "Dr.", auch wenn er es gar nicht ist.
    Für mich ist der "Dr." ein schöner Schmuck. Meine Arbeit, auch studienbegleitend, erstreckte sich über 4 Jahre.
    Deshalb trage ich diesen Schmuck mit Stolz und gern.

  • 18
    User_default_image
    21.12.11 - 21:43
    Julian Renzland
    Student/in der Humanmedizin

    Natürlich ist der hochschulmedizinische Betrieb nicht daran interessiert den Dr.-Titel mit Abschluss des Studiums zu vergeben. Fehlt doch dann der Schwarm der emsigen Arbeitsbienen, die unentgeltlich und ohne viele Nachfragen als jederzeit verfügbare Laborgehilfen und Studienbetreuer ihre karge Freizeit opfern und somit den ganzen "Forschungsbetrieb" am Laufen halten.
    Gerne zeigt der Rest der akademischen Eliten mit dem Finger auf den Dr.med. und rügt die Pseudowissenschaftlichkeit. Ebensogerne wird jedoch übersehen, daß der Aufwand der medizinische Promotion größtenteils studienbegleitend in der Freizeit erbracht wird. Kritiker befinden sich häufig in der Luxusposition ihre Diplomarbeit/Promotionsarbeit als bezahlte Vollzeitkräfte in der Industrie oder Forschungseinrichtungen entwickeln, bearbeiten und fertigstellen zu können. Naturgemäss sollte dann auch entsprechend eine umfangreichere Arbeit das Ergebnis sein. Es sollte jeder dieser Diplomanten/Doktoranden selbstkritisch reflektieren, ob er eine solche Arbeit studienbegleitend und unbezahlt als Freizeitleistung hätte erbringen wollen und können.

  • 17
    User_default_image
    21.12.11 - 21:24
    Dr. med Horst Pöhlmann
    Arzt/Ärztin

    Wenn man etwas nichts versteht, wie z.B. der Alfons, sollte man lieber schweigen. Warum da wohl der Name verschwiegen wird? Warum wohl die Heilpraktiker so manchen Patienten heilen, der von der ach so klugen Pharma Medizin (auch Schulmedizin genannt) aufgegeben wurde? Aber dies hat wohl nichts mit der Promotion zu tun, eher mit Hochmut. Die Doktoranden machen meist die Forchungsarbeit, die der Doktorvater dann unter seinem Namen publiziert. Die Forschungs- (besser Bestechungs-) Gelder gehen an den Doktorvater. Und wenn die Arbeit der Pharma Industrie nichts nützt wird sie einfach totgeschwiegen. Auch wenn 3 Jahre Arbeit darin steckten. So sollte der Student wenigstens mit einem Titel belohnt werden wenn er schon jahrelang umsonst gearbeitet hat. Er weiß über das betreffende Gebiet ohnehin viel mehr als sein Doktorvater.

  • 16
    Defaultmedium
    21.12.11 - 20:21
    Dr. med. Ingo Müller
    Arzt/Ärztin

    Ich halte es für ausgesprochen oberflächlich, medizinische Doktorarbeiten pauschal mit Diplom- oder Masterarbeiten gleichzusetzen. Sicherlich gibt es medizinische Doktorarbeiten von geringer Qualität. Genauso sicher gibt es diese, wenn auch nicht in gleicher Häufigkeit, in jeder anderen Fachrichtung. Ich persönlich bin auf meine "magna cum laude"-Arbeit, in die ich drei Jahre Arbeit investiert habe, auch nach 20 Jahren noch stolz. Vielleicht liegt es ja auch nur daran, dass mein Doktorvater die Arbeit damals gelesen hatte, im Gegensatz zu den Ex-Dres. jur. zu Guttenberg und Koch-Mehrin

  • 15
    User_default_image
    21.12.11 - 20:11
    Dr. med. ERNST H. Tremblau
    Arzt/Ärztin

    Wer bitte steckt hinter dem <Wissenschaftsrat> ?
    < Leis vergeht der Dr.med.> ist wieder mal eine leere jouzrna-
    listische Formel !
    Welche Eignung haben die Leute von diesem Rat, die Universitäten
    zu bekämpfen ?
    Und: Unter der Hand erfährt man , dass der Master weniger als
    der Doktortitel sei.- Er wurde doch als das non plus ultra und
    besser als der Doktor gefeiert!
    Spalten und Herrschen ! Die Mediziner in Bausch und Bogen
    schlecht machen, andere Studienberufe aufwerten und dann
    Zwietracht säen. DIVIDE ET IMPERA war schon vor zweitausend
    Jahren praktikabel.

  • 14
    21.12.11 - 20:01
    Dr. med. Stefanie Peggy Kühnel

    Hm,
    ich persönlich denke, dass es schade wäre, wenn man sich immer entweder für oder gegen die Forschung entscheiden müsste, auch denke ich, dass es dem klinisch tätigen Arzt leichter möglich ist, praxisnahe und -relevante Forschungen zu initiieren. Hierfür ist eine gewisse Erfahrung vonnöten.
    Meine Diss hat insgesamt 5 Jahre, davon ein Freisemester in Anspruch genommen, war dafür aber auch eine biomechanische Arbeit mit Anwendung neuer Methoden und allem Drum und Dran. Ich profitiere heute noch bei der Entwicklung neuer Forschungsideen und -konzepte von dem, was ich damals lernte, vor allem methodisch. Ich würde befürchten, wenn man die Arbeit als solche irgendwie abschaffte bzw. nur noch für die reinen Forscher veranstaltet und es für alle anderen nicht nötig ist, dies zu machen, verliert man wichtigen Input von Leuten, die sich eben nicht ausschliesslich für einen Hungerlohn oder für eine Pharmafirma der Forschung widmen wollen. Im klinischen-chirurgischen Alltag nebenbei noch mal eben schnell Forschungsgrundlagen zu erlernen, wie das im Rahmen einer Diss geschicht, erscheint mir utopisch, da stehen Facharztweiterbildung, OP-Zahlen und vieles mehr dann viel zu sehr im Vordergrund.
    Ich denke, man darf einfach die "alibi-Doktorarbeiten" nicht mehr durchlassen und soweit ich das weiss, war das beispielsweise vor 8 Jahren an meiner Uni auch schon nicht mehr so einfach, man vergibt sich sonst die Chance auf gute und ideenreiche Forscher. Ich denke ich würde heute keine Forschung machen, wenn nicht im Rahmen der Diss meine Lust darauf geweckt worden wäre.

  • 13
    User_default_image
    21.12.11 - 19:30
    Dr. med. Frieder S. Katz
    Arzt/Ärztin

    Interessant, dass bisher kein Dr. med. Stellung bezieht. Ich sehe keine Notwendigkeit, die Promotion durch „billige“ medizinische Promotionsangebote zu entwerten. Gute Patientenversorgung bedarf keiner wissenschaftlichen Qualifikation. Solide medizinische Grundlagenforschung ist zeitintensiv, bewirkt klinischen Erfahrungsrückstand und wird bei uns kaum honoriert. (Mein Forschungsstipendium war ein Taschengeld.) Einkommensrückstände infolge wissenschaftlicher „Auszeiten“ im weiteren Berufsleben zu kompensieren ist recht und billig. Nur eine akademische oder höhere klinische Laufbahn bedarf wissenschaftlicher Qualifikation. Ich plädiere für eine stärkere klinische Orientierung der Medizinerausbildung inc. Journal-Club und gegen zweitklassige medizinische Promotionen.

  • 12
    21.12.11 - 19:11
    Ingo

    Zwar hab ich schon mehrmals medizinische Dissertationen mit weniger als 40 Seiten gesehen, aber auch schon öfters hochwertige Arbeiten z. T. mit mehr als 200 Seiten, für die man genauso gut einen Dr. phil. oder Dr. rer. nat. vergeben könnte - und diese wurden studienbegleitend verfasst (im Gegensatz zu Doktorarbeiten in anderen Fächern). Vor diesem Hintergrund ist mir dieses Dr.-med.-Bashing zu pauschal.

  • 11
    User_default_image
    21.12.11 - 19:03
    dr. med. Matthias Komp
    Arzt/Ärztin

    Schon in meiner Studienzeit (den 68ern) wurde dahingehend diskutiert,dem Arzt mit dem Examen den dr.med. zu verleihen, weil schon damals die meisten Arbeiten Fleißarbeiten waren bzw. wie bei einem Studienfreund und mir der "Doktorvater" am Ergebnis beider Laboruntersuchungsreihen interessiert war (nachdem das Ergebnis vorlag-für einen Vortrag in Prag-war sein Betreuungsinteresse sehr schnell erloschen). So war damals der Konsens,für den Studienabsolventen den Dr.med. , für den echt forschenden den Dr.med.rer.nat. Vielleicht wäre auch dies nach 40 Jahren als "neue Idee" bedenkenswert ?

  • 10
    User_default_image
    21.12.11 - 18:22
    Michael Thiele
    Sanitätsdienst Bundeswehr

    Die beste Lösung wäre hier wirklich das Berufsdokorat.
    In keiner anderen Disziplin wird der Dr.-Titel so einfach vergeben wie in der Medizin. Mein Vater hat dafür 3 Seiten wissenschaftl. Text in einer Fachzeitschrift dafür aufgewendet.
    Meine Frau brauchte bereits für ihre BA-Arbeit mehr als das 10-fache an fundierter wissenschaftlicher Arbeit.
    Wer wirklich wissenschaftlich gute Arbeit leistet/
    geleistet hat, hat sich habilitiert.

  • 9
    21.12.11 - 18:15
    Stefan

    Ich stimme Frau Gras zu:

    Die Forschung würde ganz sicher nicht austrocknen. Diejenigen, die ausreichend motiviert sind, real zu forschen, würden auch weiterhin eine Promotion mit entsprechender Qualität anstreben. Wenn tatsächlich derzeit nur 10% der med. Doktorarbeiten dieses Kriterium erfüllen, wie im Artikel angesprochen, kann man auf die übrigen 90% inflationären Dissertationen gut und gerne verzichten. Es geht nicht um Quantität, sondern Qualität.

    Das ist halt wie mit der Europäischen Zentralbank: einfach die Geldpresse anzuschmeißen, tut dem EURO auch nicht wirklich gut.

  • 8
    21.12.11 - 18:04
    Alfons

    Die "harte Ausbildung" der Heilpraktiker: eine amtsärztliche Prüfung, die dem Nachweis dient, keinen Schaden für die Volksgesundheit darzustellen, die elementarsten medizinischen Grundkenntnisse abfragt, und die man beliebig oft wiederholen kann. Pure Kompetenz.

  • 7
    Defaultmedium
    21.12.11 - 18:03
    Dr. med. vet. Frank Ahrens
    Tierarzt/-ärztin

    Ich denke, dass sich jeder Doktorand darüber im klaren sein muss, dass er in seiner Dissertationszeit eine zusätzliche Ausbildung durchläuft. Jeder sollte (muss) abwägen, ob dies neben dem Studium möglich ist. Unmöglich kann es nicht sein, doch wahrscheinlich eher die Ausnahme!
    Dass manche Lehrstühle (und hier kann ich natürlich nur für die Tiermedizin sprechen) rein als "Durchlauferhitzer" fungieren, ist leider ein unbekämpfter Skandal. Dies gefährdet nur den Ruf der Wissenschaft.
    Dabei könnte man, aus meiner Sicht, recht einfach die Qualität steigern: nur noch bezahlte Stellen und Promtionsordnungen, die (unbefreundete) externe Gutachter fordern oder die kumulative Dissertationen mit (mindestens 2) Veröffentlichungen einfordern, die in Zeitschriften veröffentlicht wurden, deren Impact-Factor besser als der Durchschnitts-Impact der Zeitschriften des Fachgebietes ist.
    @ Herrn Florian Th. Davidis: Ich war auch einmal dafür alle Abgänger mit Dr. med. bzw. DR. med. vet. "auszustatten", und den wissenschaftlich bewanderten eine PhD Ausbildung durchlaufen zu lassen. Doch dann sagte ein befreundeter (promovierter) Physiker zu mir, dass es doch komisch wäre, eine traditionsreiche, erfolgreiche Einrichtung Deutscher Universitäten zu degradieren und auszutauschen, bloß weil die Mediziner ein "Qualitätssicherungsproblem" haben. Und seitdem denke ich anders darüber!

  • 6
    Icondirect
    21.12.11 - 16:49
    Anne Biesdorf
    Heilpraktiker/in

    Sofern eine ordentliche Doktorarbeit (nach allgemein anerkannten Richtlinien) geschrieben wurde, steht einem Dr. Titel in meinen Augen nichts im Weg, und ist eine sehr große Leistung. Doch stellte ich nach Abschluß meiner Diplom-Arbeit (200 Seiten, ein neues Thema, wurde so bis zu diesem Zeitpunkt nicht beschrieben) und Antrag meines Professors, mich bei einer Doktorarbeit zu gleichem Thema zu unterstützen fest, dass in der Medizin Doktorarbeiten z.T. wesentlich weniger aufwendig waren, als meine Diplomarbeit. Als ich das mal in Medizinerkreisen kund tat, wurde ich fast gesteinigt. In meinen Augen ist ein Umdenken notwendig und auch möglich. Es gibt nun auch Patienten, die zu sehr kompeten Heilpraktikern gehen, diese haben eine harte Ausbildung hinter sich, aber keine Promotion. Ob Patienten einen Arzt bevorzugen oder nicht, mag noch z.T. an der Promotion liegen, aber es gibt noch ganz andere Kompetenzen, die leider viele Ärzte nicht erwerben. Größere Transparenz würde mit Sicherheit auch ein nutzen der Promotion in der heutigen Zeit in Frage stellen.

  • 5
    21.12.11 - 16:07
    Lab-Maus (Black6)

    Hallo,
    ich bin grad dabei meine Dr.-Arbeit zu schreiben (nach 2,5 Jahren Labor mit Zellkultur,Real-Time-PCR, Proteiniso usw. unentgeldlich ca. 15-20h/Woche) neben dem Studium.
    Biologen machen das gleiche und werden aber dafür mit 1.500€ bezahlt.
    Es hat mir auf jedenfall etwas gebracht, auch wenn es Blut, Schweiß und Hektoliter an Frustbier gebraucht hat um fertig zu werden. Diese Laborerfahrung muß eigentlich jeder während des Studiums gemacht haben.

    Man betrachtet Aussagen wie " a novel mechanism that regulates..." ganz anders und verliert die Blauäugigkeit gegen über der Pharmaindustrie( Die z.B. Antikörper als Allheilmittel anpreist. Wer mit Western-Blots gekämpft hat glaubt so einen Blödsinn einfach nicht mehr!)

    Diese Erfahrung ist einfach nicht zu bezahlen, erspart den Patienten unnötige Qualen und der zukünftigen Klinik u.U. eine Menge Geld.

    Deshalb finde ich den Unterschied in der Bezahlung auch okay.

    Frohes Fest

  • 4
    User_default_image
    21.12.11 - 12:07
    Gilda Gras
    Student/in der Humanmedizin

    Warum die Sorge „die Forschung würde austrocknen“? In Österreich und den USA wird doch auch geforscht. Vielleicht verbessert das die Forschung und besonders die Betreuung der Doktoranden wenn es sie nicht mehr wie Sand am Meer gibt.

  • 3
    Defaultmedium
    20.12.11 - 21:32
    Andreas Hoffmann
    Arzt/Ärztin

    Das Hauptproblem wurde benannt, doch nicht gelöst: Otto-Normal-Patient versteht den Unterschied zwischen Dr.med. und fach(ärzt)licher Kompetenz einfach nicht! Solange das so ist, wird das Streben nach dem Türschild-Titel anhalten - hier fehlt der politische Mut, das Berufsdoktorat gegen den MFT-Widerstand durchzusetzen. Dies ist nicht nur ein Vorschlag zur Güte, sondern m.E. die einzige Lösung!

  • 2
    Icondirect
    20.12.11 - 10:22
    Florian Th. Davidis
    Arzt/Ärztin

    Genau richtig - der Dr.med. ist eine Berufsbezeichnung, sollte h.c. jedem Studenten verliehen werden, der die "Mühle" unbeschadet überstanden hat! Denn was wird dort gelernt? Jedenfalls nichts zur Gesundwerdung oder Gesunderhaltung (Salutogenese) - patentierfähige Krankheitsbilder werden mit patentierfähigen Substanzen beschrieben, gelernt und - angewendet (Pathogenese) ... egal ob der Mensch das "braucht" oder nicht. Die statistische Wirksamkeit zu kennen (doppelt blind) reicht doch zur Entscheidung aus... Sancta Simplizitas hält die Hand über den Wissenschftler: Arzt, so intensiv, dass er als Heilkundiger im Nebel steht. Übrigens kommt ja der Begriff Heilkunst nicht aus der Ecke der "schönen Künste", sondern von "Können" und "Kunde/kundig" (es wurde (wird?) vom Arzt erwartet, dass die Kunde der Funktionsweise des Menschlichen Organismus zur Fähigkeit des Arztes wurde). Heute reicht es offenbar aus als Arzt anerkennung zu finden (wo?), wenn er weiss wer welche Studie wann gemacht hat und ob dabei die Statistischen Gesetze befolgt wurden - der Mensch ist nur Mittel zum Zweck (der Profilierung?)
    Etwas mehr Staunen vor der Komplexität der Funktionsabläufe im menschlichen Körper schaden nicht... immerhin geht es: Epigenetik und Chronobiologie finden langsam Eingang in unser Handeln.
    Nicht jeder ist Pianist, der dem Klavier Töne entlocken kann oder meint, dass die Tasten kaputt sind, wenn es nicht klappt - nicht jeder heilt, der bei Beschwerden chemische Einzelsubstanzen einsetzt, oder Organe ersetzt.

  • 1
    Defaultmedium
    19.12.11 - 23:15
    Tino Hennig
    Altenpfleger/in

    Wenn mir als Außenstehender dazu eine Bemerkung gestattet ist: Die Universität Witten/Herdecke bietet für promovierte Mediziner ein viereinhalbjähriges PhD - Programm parallel (bzw. integriert) zur fachärztlichen Weiterbildung an. Teilnehmende Nichtmediziner (z.B.) Biologen können im gleichen Angebot wahlweise als PhD oder Dr.rer.nat. promovieren.

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