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Mehr als 600 Lehrkrankenhäuser in Deutschland

Im Durchschnitt haben die Medizinischen Fakultäten Deutschlands mit 16 - 17 ausgewählten Krankenhäusern vertraglich geregelte Kooperationen zur Vertiefung der praktischen Ausbildung beim Medizinstudium.

"Mit mehr als 600 Akademischen Lehrkrankenhäusern verfügt Deutschland über ein breites und fachlich differenziertes Angebot für Studierende im Praktischen Jahr (PJ)", sagt Professor Dieter Bitter-Suermann, Präsident des MFT Medizinischen Fakultätentags. Nach Plänen des Bundesgesundheitsministeriums soll sich das aber nun ändern.

Künftig sollen die Universitäten nicht mehr gemeinsam mit den Ländern die kooperierenden Krankenhäuser auswählen. Ab 2013 sollen Länderbehörden alleine ein Verzeichnis der Stätten erstellen, die PJ-Studierende ausbilden dürfen. Damit soll insbesondere der Landarztmangel bekämpft werden.

"Bei der Auswahl der Krankenhäuser soll dann mit den Universitäten kein Einvernehmen mehr hergestellt werden. Dennoch sollen die Universitäten aber die Aufsicht über die Ausbildung von in ganz Deutschland verteilten Studierenden übernehmen. Dies lehnen wir ab", erläutert Bitter-Suermann. "Schließlich gibt es keinen Mangel an praxisbezogenen Ausbildungsplätzen. Im Gegenteil, wir haben bereits heute ein Überangebot an Plätzen für die klinische Ausbildung im PJ." Dass Ministerien nicht nur nach sachlichen Kriterien entscheiden, sondern mitunter auch politischen Einflüssen nachgeben, zeigt überdies die Erfahrung.

Landarztmangel: Nicht durch Umverteilung Studierender zu beseitigen

Im Land Brandenburg, das selbst keine Medizinische Fakultät hat, verfügt alleine die Charité – Universitätsmedizin Berlin über elf Akademische Lehrkrankenhäuser. Hinzu kommen in Brandenburg weitere Akademische Lehrkrankenhäuser, die mit den Universitäten in Rostock und Greifswald zusammenarbeiten. Ländergrenzen sind also kein Hindernis für Lehrkooperationen, doch die Ärzte sind weit mobiler als es der Politik lieb ist.
So ist auch die Anwesenheit einer Medizinischen Fakultät in einer Region unerheblich für die Dichte an praktizierenden Ärzten. Das Land Bremen verfügt wie Brandenburg über keine Medizinische Fakultät, hat aber dennoch die höchste Dichte an Vertragsärzten pro Einwohner in Deutschland. "Die Verlegung des PJ in ländliche Bezirke ist deshalb kein geeignetes Instrument, um junge Mediziner langfristig dort zu binden. Dafür sind andere Faktoren wie Arbeitsbedingungen und Möglichkeiten der Lebensgestaltung ausschlaggebend", gibt Rüdiger Strehl, Generalsekretär des Verbandes der Universitätsklinika, zu bedenken.

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3 Bewertungen (Ø 2)

Quelle

  • MFT
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Kommentare

  • 2
    02.11.11 - 18:40
    el nino (doccheck-user mit anonymitätswunsch)

    Der Standpunkt des Medizinischen Fakultätentages wird hier leider kaum im Zusammenhang dargestellt. Der MFT vertritt die Interessen der Medizinischen Fakultäten und damit auch fast nur die Universitätsklinika. Wie man von vielen Uniklinika über die grauen Kanäle hört, ist dort die PJ-Ausbildung gerne mal auf niedrigem Stand und besteht aus Blutentnahmen, Aufnahmen und Haken halten. An unserer Uniklinik werden bei Mangel an kostenlosen Arbeitskräften die PJ-Studenten einfach behalten und weniger an auswärtige Kliniken geschickt, was im kommenden PJ-Semester dazu geführt hat, dass ein Maximum an Auslandsaufenthalten von allen Studenten mit entsprechender Finanzkraft ausgereizt wird.

    Der MFT hat noch nicht verstanden, dass (soweit möglich schon jetzt) mit Füßen abgestimmt wird. In Zukunft müssen sich die fast ausschließlich öffentlich-rechtlichen Uniklinika den Realitäten des Marktes stellen; die erbärmlichen Argumentationen beruhen auf der ungewohnten Situation, auf einmal in Konkurrenz treten zu müssen und dabei auf kostenlose Arbeitskräfte zu verzichten.
    Im Umkehrschluss wird allerdings bei der nächsten Ärzteschwemme die Ausbildungsqualität und Bezahlung wieder leiden. Das gehört auch zu einem freien Markt.

  • 1
    Defaultmedium
    02.11.11 - 16:54
    Maria Kraus
    Student/in

    Ich fände es schön, wenn man im PJ wirkliche Mobilität hätte. Ich darf als Charité-Studentin nur in Berlin oder Brandenburg PJ machen. Ich bin wegen der "Studentenüberfüllung" der Uni-Kliniken auch nach Brandenburg gegangen für ein Tertial und wäre aber auch gern in andere Bundesländer gegangen (hatte in NRW gute Famulatur-Erfahrungen). Das Gute daran wäre: es gäbe Konkurrenz um PJler - bessere Lehre, bessere Arbeitsbedingungen und vielleicht sogar Bezahlung....

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