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Das "Ex" in Examen

Es ist wieder so weit: 3 Tage. 15 Stunden. 320 Fragen. Das sind die brutalsten Tage im Leben eines Medizinstudierenden. Das monströse Hammerexamen erwartet jeden - oder nicht?
Die 2. Ärztliche Prüfung (M2) gibt es in ihrer jetzigen Form seit Herbst 2006. Seit damals ist die Durchfallquote von anfänglich fast 10% auf nun im Frühjahr 2011 6,7% abgesunken. Das Physikum im gleichen Jahr hatte eine vergleichsweise gigantische Durchfallquote von 21,7%.

Trotzdem spielen die Anforderungen des Hammerexamens in einer ganz anderen Liga. In 3 Tagen wird das gesamte klinische Fachwissen, welches bis zum PJ gesammelt wurde, in altbekannter Multiple Choice-Fragenform abgeprüft. Da jedoch während des PJs wenig Zeit zum Lernen bleibt, wird es deutlich schwerer, plötzlich ein Jahr später das gesamte Wissen abzurufen. Zusätzlich erwartet den Studenten auch noch eine mündliche Prüfung, welche die Hälfte der Examensnote ausmacht. Weinmann, 2009 Vorsitzender des Sprecherrats der Medizinstudierenden im Marburger Bund, teilte damals dem Deutschen Ärzteblatt mit, dass die "Prüfungsinhalte oft wenig praxisorientiert" sind und "manches Thema auf Facharztniveau" behandelt wird.

Die guten alten Zeiten

Verträumt schwärmt mancher Ex-Student und Arzt von der Zeit vor dem Hammerexamen. Damals war alles besser und einfacher - und gute Ärzte sind sie auch geworden…

Die tragische Wende vollzog sich im Herbst des Jahres 2006. Davor hatte der Medizinstudent 3 große Prüfungen: das Physikum oder auch ärztliche Vorprüfung genannt, das 2. Staatsexamen in schriftlicher Form vor dem PJ und das 3. mündlich nach dem PJ. Außerdem waren die Fragen nach Fächern aufgeteilt. Heute muss alles praxisorientiert sein: Krankheitsbilder und Gesundheitsstörung mit Beschwerden, Diagnostik und Therapie werden abgefragt. Fächerübergreifend und fallorientiert. Der Gedanke hinter der Änderung 2006: Das PJ wird als praktische Erfahrung für das Examen benötigt.

Nichts bleibt wie es war?

Irgendwie hatte aber jeder etwas an dieser neuen Regelung auszusetzen und immer ist jemand anderes Schuld: die faulen Studenten, die schlechte Ausbildung an den Universitäten und natürlich die unangemessenen Prüfungsfragen des IMPP. Also lautet die Lösung: Neuer Wein in alten Schläuchen. Das Hammerexamen soll wieder aufgeteilt werden. Der schriftliche Teil erfolgt vor dem PJ, der mündliche nach dem PJ. Erklärtes Ziel ist es, die Medizinstudierenden zu fördern. War das nicht auch 2006 die Intention?
Was bleibt ist die Frage: Schwanken wir jetzt nur noch zwischen unseren Erfahrungen vergangener Tage hin- und her auf der Suche nach der Optimallösung? Wieso nicht auch einmal revolutionär denken? Eine Anregung: In Spanien verzichtet man auf das Examen vollständig. Wer seine Scheine bestanden hat, ist Arzt.

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Robert Kromer

Student/in der Humanmedizin

Leipzig

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Kommentare

  • 7
    06.10.11 - 15:18
    Glyko

    Das Hammerexamen zeitlich zu unterteilen ist sehr sinnvoll!
    Denn wer der schriftlichen Teil vor dem PJ bestanden hat, hat anschließend viel mehr davon.
    Ich habe das Hammerexamen 2010 bestanden und beim Lernen nochmal gemerkt, was ich alles im PJ gesehen habe.
    Anderesherum wäre es noch sinnvoller gewesen.
    Deshalb kann man dieses Gesetztesänderung nur begrüßen!

  • 6
    06.10.11 - 00:36
    Katharina Shakir

    Das Hammerexamen ist eine wertvolle Erfahrung, sie man als zukünftiger Arzt machen sollte...jedoch meiner Meinung nach zu spät.Das schriftliche Teil sollte vor dem Pj stattfinden, damit man das erworbene Wissen anwenden und damit auch festigen kann.Dies hätte ich mir gewünscht,bevor ich mein Examen gemacht habe.Nachhinein kann ich nur sagen, dass der Inhalt der schriftlichen Prüfung viel zu umfangreich ist und man sich eher auf das Wesentliche und Wichtige konzentrieren sollte.Was nutzt es schon ,Alles und doch Nichts zu wissen! Das Mündliche sollte die Krönung des Studium darstellen und dem zukünftigen Arzt das Wichtigste und das Nötigste abverlangen. Für mich hab ich festgestellt, dass man doch zu wenig im Studium lernt, weil die schriflichen Prüfungen nicht den Kern des Wissens treffen und man kann auch ohne wirklich gelernt zu haben bestehen..für die Zukunft bringt es aber nichts! Ich hab erst durch das Hammerexamen erkannt, was wirklich wichtig ist, leider meiner Meinung nach zu spät...Hätte man angagierte Ausbilder gehabt, die das " worauf es ankommt " aufzeigen, hätte man früher erkannt "worum sich das Ganze dreht".
    Ich hoffe, dass es in der Zukunft besser wird....

  • 5
    05.10.11 - 17:52
    DS

    Es stimmt meines Wissens nicht, dass es in Spanien kein abschließendes Examen gibt. Bevor man eine Ausbildung zum Facharzt beginnen kann (also überhaupt als Assistenzarzt irgendwo anfangen kann) muss man das examen MIR (medico interno residente) machen, das immerhin auch aus 225 Fragen besteht...

  • 4
    05.10.11 - 17:48
    Domantas Petrick

    Um in Spanien als Assistenzarzt zu arbeiten, muss man einen spanischen Hammerexam "MIR" bestehen. Ohne MIR kann man in einer Privatklinik arbeiten.

  • 3
    05.10.11 - 16:56
    Medizinstudentin

    Neben Spanien hat auch Polen kein Staatsexamen am Endedes Medizinstudiums. Hier hatte man ein Staatsexamen eingeführt um es nach wenigen Jahren wieder abzuschaffen, da es keinerlei Vorteil in der Klinik bot.
    Und was "Technikfreie-Untersuchungen" (also mal kein CT o. MRT bei jedem zweiten Patienten) angeht, sind die polnischen Ärzte meiner Erfahrung nach den Deutschen weit überlegen.
    Als Student kann ich nur sagen, dass das Studium zumindest an meiner Uni absolut Theorielastig ist und der Student oft (dank ausgefallener Vorlesungen oder unmotivierten Dozenten) mit einem Leerbuch dasteht und selbst entscheiden muss, welches Wissen überflüssig ist, und was doch als Basics betrachtet werden muss.
    Tatsächlich sind einige Prüfungen dafür bekannt dass man sie auch ohne Lehrbuch besteht.... andere dafür haben bei uns zumindest inzwischen Facharztniveau erreicht, eben immer abhängig davon wie motiviert/eingespannt der Dozent ist. Einige unserer Dozenten haben leider auf Grund der Klinik Belastung gar keine Zeit mehr für gute Lehre, ob dies auf die Privatisierung des Uni-Klinikums zurückzuführen ist kann ich leider nicht beurteilen, aber der Gedanke drängt sich auf.
    Mein Fazit, ob man ein guter Arzt wird oder nicht, ist denke ich unabhängig von einem stressigen Hammerexamen, sonder ist sehr darauf zurückzuführen welche Vorbilder einem die Dozenten und Ärzte waren die einem während des Studiums so begegen, denn wer motiviert ist lernt auch ohne den Druck einer Prüfung. Stress und Angst blockieren da nur häufig die Wissensaufnahme.

  • 2
    05.10.11 - 16:21
    Kristian Harms

    Kurze Korrektur: Vor Herbst 2006 (alte ÄAppO) gab es nicht drei, sondern 4 große Prüfungen: Ärztliche Vorprüfung (Physikum, 320 Fragen), 1. StEx (schriftlich, 290 Fragen), 2. StEx (schriftlich, 580 Fragen, + mündlich), 3. StEx (mündlich). Die beiden schriftlichen Anteile (zusammen 870 Fragen) wurden dann nach neuer ÄAppO zum schriftlichen Teil des "Hammerexamens" zusammengefasst (320 Fragen), die beiden mündlichen Teile zum mündlichen Teil des HEx. Hieraus wird deutlich, wie sehr die Prüfung komprimiert wurde. Konte man nach alter AO "unliebsame" Fächer noch beim Lernen weniger berücksichtigen (die ungefähre Anzahl der Fragen pro Fach war festgelegt), ist "Lernen auf Lücke" für das HEx gefährlich, da die Schwerpunkte sich von Examen zu Examen unterscheiden.

    Die Abschaffung des Staatsexamens insgesamt wäre jedoch Unsinn, da es die einzig normierte Prüfung des Studiums darstellt.

  • 1
    05.10.11 - 15:36
    Dr. S. Müller

    Auf ein zentrales Staatsexamen zu verzichten, wie von den Autoren beschrieben, ist meiner Ansicht nach kompletter Unsinn! Jeder weiß doch, dass die Prüfungen von der Qualität her an einigen Uni's bzw in einigen Fächern sehr schwanken- während man in einigen randfächern seinen Schein ggf durch bloße Anwesenheit erhält, musste ich auch Prüfungen in Freiburg absolvieren, die inhaltlich Facharztwissen abgefragt haben! Wo bleibt also die Fairness bzw der Vergleich, gerade wenn es später um Bewerbungen um eine Assistentenstelle geht? Ist es dann nicht die logische Konsequenz, dass man sich als Student eher an solchen Uni's bewirbt, wo man vermeintlich einfacher zum Erfolg kommen kann? Und kann das im Sinne einer guten Ausbildung sein, wenn die Uni's aus Angst Studenten zu verlieren ggf ihr Niveau senken? Ich bin überzeugt, dass das der falsche Weg wäre!

    Meiner Ansicht nach braucht es eine für alle verbindliches, vergleichendes Abschlussexamen um die Fairness und chancengleichheit zu wahren! Ob dies so ablaufen muss, wie das jetzige Hammerexamen, dass zugegebener Massen z.t. extrem hohe Ansprüche stellt, sollte tatsächlich hinterfragt werden! Andererseits habe auch ich und alle meine Freunde diese Bürde erfolgreich gemeistert!

    Deshalb: Reformen ja, aber nicht jeden "furz" mitmachen- ganz im Sinne einer hervorragenden Ausbildung, die wir allesamt in diesem Land genießen!

    Dr. S. Müller

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