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Reproduktionsmedizin: Zu wenig Aufklärung

Die Befragung von über 1.500 Patienten, 230 Reproduktionsmedizinern sowie 66 Psychosozialen Beratern ergab, dass Reproduktionsmedizinern ihre Patienten deutlich besser über die Erfolgschancen und über die unmittelbaren körperlichen Risiken künstlicher Befruchtungen aufklären, als über die Risiken und Belastungen aus möglichen Mehrlingsschwangerschaften oder über die emotionalen Risiken und Belastungen künstlicher Befruchtungen. „Diese Informationen sind jedoch für eine gute, patientenzentrierte Kinderwunschbehandlung unerlässlich“, erklärt Dr. Oliver Rauprich, Leiter der Nachwuchsgruppe. Er plädiert daher für die Einführung von verbindlichen Checklisten und ähnlichen Instrumenten, mit denen die Qualität der Patientenaufklärung in der Reproduktionsmedizin verbessert und kontrolliert werden kann.

Bei überwältigendem Kinderwunsch verkümmern alle anderen Lebensziele

Obwohl die Paare die Behandlung vor allem emotional als sehr belastend erleben, fällt es ihnen schwer, sie zu beenden, wenn der Erfolg ausbleibt. Dreiviertel der Befragten gaben einen überwältigenden Kinderwunsch an, der andere Lebensziele in den Hintergrund treten lässt. Jeder zweite hatte das Gefühl, die Kontrolle über die Situation zu verlieren. Nach Angaben der Experten ist die Fähigkeit der Patienten, selbstbestimmt über die Beendigung einer Behandlung mit geringer Erfolgsaussicht zu entscheiden, häufig eingeschränkt. Jedoch würden die Reproduktionsmediziner von sich aus die Behandlung in den meisten Fällen nicht beenden.

Rechtzeitige Ausstiegstrategie hilft vor unrealistischen Erwartungen

Vor diesem Hintergrund sollte nach Ansicht der Autoren eine Strategie zur Beendigung der Behandlung bei Erfolglosigkeit fester Bestandteil jeder ärztlichen Betreuung von Kinderwunschpaaren sein. Die Paare müssen frühzeitig und wiederholt auf die Probleme unrealistischer Erwartungen, überwältigender Kinderwünsche und Kontrollverluste aufmerksam gemacht werden. Feste Kriterien für Kontraindikationen, Auszeiten und Beendigungen der Behandlung sollten von vorneherein vereinbart werden. Nur so könne vermieden werden, dass stark belastende und mit Risiken behaftete Behandlungen trotz geringer Erfolgsaussicht durchgeführt und alternative Bewältigungsstrategien der Kinderlosigkeit verzögert werden. Alle Paare sollten die Möglichkeit haben, auf Kosten der Kassen eine unabhängige psychosoziale Beratung in Anspruch zu nehmen.
Originalpublikation:
Information provision and decision-making in assisted reproduction treatment: results from a survey in Germany
O. Rauprich et al.; Human Reproduction; doi: 10.1093/humrep/der207; 2011

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Kommentare

  • 1
    Defaultmedium
    06.08.11 - 11:43

    In einer kinderfeindlichen Gesellschaft
    haben es solche Menschen naturgemäß schwer,
    leider auch nicht selten mit Medizinern, die nur davon leben.

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