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Doppelblind belegt: Gentherapie bei Parkinson

Innerhalb eines halben Jahres waren die Patienten beweglicher als eine Kontrollgruppe, die keine Viren erhalten hatte. „Dennoch ist die hier vorgestellte Therapieform noch nicht über den Status eines erfolgreichen Experimentes hinausgekommen“, dämpft Prof. Wolfgang Oertel, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), die Erwartungen. „Patienten sollten sich daher keine kurzfristigen Hoffnungen machen und zunächst weiterhin auf eine Reihe bereits etablierter und sicherer Behandlungsverfahren setzen“, so Prof. Oertel weiter.

Viren beruhigen überaktive Region im Gehirn

An der Studie nahmen Patienten im Alter zwischen 30 und 75 Jahren teil, deren Zustand trotz Medikamenteneinnahme nicht durchgehend verbessert werden konnte. Außerdem litten diese Patienten zeitweise an Komplikationen der Pharmakotherapie wie Überbewegungen (Dyskinesien), berichten die Studienautoren um Michael Kaplitt vom Weill Cornell Medical Center. Da bei der Parkinson-Krankheit ein tief im Gehirn liegender Nervenzellkern – der Nucleus subthalamicus – überaktiv ist, haben die Forscher versucht, diese Überaktivität mit dem dämpfenden Botenstoff GABA zu lindern. Dies gelang durch die Injektion von Milliarden gentechnisch veränderter Viren, die die molekulare Bauanleitung für GABA in ihrem Erbgut trugen und so die Produktion dieses Botenstoffs förderten.

Jahrzehntelange Forschung vor dem Eingriff

Dem aktuellen Eingriff waren jahrzehntelange Experimente in Zellkulturen, mit Versuchstieren und schließlich auch Studien mit Patienten vorausgegangen. Dabei hatten schwedische und US-amerikanische Arbeitsgruppen wiederholt Verbesserungen gemeldet, bei denen aber nicht auszuschließen war, dass diese eine Folge des Placebo-Effektes waren, bei dem bereits die Erwartungshaltung des Patienten eine Verbesserung bewirkt. Die wenigen kleinen Placebo-kontrollierten Studien konnten die anfänglichen Erfolgsmeldungen nicht bestätigen.
Die nun publizierte Studie ist die erste, in der die Wirkung einer Gentherapie bei der Parkinson-Krankheit in einem doppelblinden Studienansatz gezeigt werden konnte. Doppelblind bedeutet, dass weder der Patient noch der Arzt wussten, ob der Patient die Viren injiziert bekommen oder lediglich eine Scheinoperation erhalten hatte. Auf der einheitlichen Bewertungsskala UPDRS verbesserte sich die Beweglichkeit von 16 Patienten binnen sechs Monaten um 23 Prozent. Hingegen verbesserte sich auch die Beweglichkeit von 21 weiteren Patienten, die lediglich eine Scheinoperation erhielten. Hier betrug der Unterschied zur Ausgangssituation im Mittel nur 13 Prozent. Die absolute Verbesserung, die der Gentherapie zugerechnet werden kann, lag demnach zwischen 10 und 15 Prozent. „Dies entspricht der Wirkung einiger milder bis mittelstarker Medikamente, wie sie heute für Parkinson-Patienten zur Verfügung stehen“, bemerkt Oertel.
Angesichts dieses eindeutigen, wenn auch insgesamt lediglich mittelstarken Effektes sehen die beteiligten Wissenschaftler in der Gentherapie eine Alternative zur herkömmlichen Behandlung mit Medikamenten oder chirurgischen Eingriffen. „Ob die Methode eine erfolgversprechende Option auch für andere neurologische Erkrankungen darstellt, wie Kaplitt und Kollegen meinen, bleibt abzuwarten“, meint Oertel. Der DGN-Präsident verweist auch darauf, dass es in der neuen Untersuchung bei den Dyskinesien und bei der Lebensqualität keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den beiden Studiengruppen gegeben hat. Weiterhin bleibt zu prüfen, ob die an einer kleinen Zahl von Patienten erhobenen Ergebnisse in einer größeren Studie bestätigt werden können. „Zusammenfassend ist diese Studie also von hohem wissenschaftlichem Interesse, für die Behandlung der Parkinson-Patienten im Jahre 2011 hingegen hat sie noch keine therapeutische Bedeutung.“
Originalpublikation:
AAV2-GAD gene therapy for advanced Parkinson´s disease: a double-blind, sham-surgery controlled, randomised trial
Peter A. LeWitt et al.; Lancet Neurology, DOI:10.1016/S1474-4422(11)70039-4; 2011

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Quelle

  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie
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Kommentare

  • 1
    Icondirect
    06.04.11 - 09:47
    Hans Erwin Schäfer
    Sonstige medizinische Berufe

    Die Methode, die schon( DURING et alt.) universitär in Neuseeland durchgeführt wurde, hat den Vorteil, dass sie autonom abläuft,wenn die Gentherapie erfolgreich war.
    Der hemmende Neurotransmitter GABA, ist, wie post mortem Untersuchungen an Parkinson Patienten zeigten, bei diesen vermindert.
    Die orale Therapie mit GABA scheiterte bislang daran, dass die Blut/Hirnschranke für GABA nicht durchlässig ist, sodass keine Wirkung eintritt.
    Allerdings haben die Russen eine Molekülvariante aus Niacin und GABA entwickelt, die nach oraler Applikation innerhalb von ca. 20Minuten in verschiedene zerebrale Bereiche penetriert und zu einer signifikanten Verminderung von Parkinsonsymptomen führen kann. Sie nutzen deshalb diese Wirkung zur Parkinsontherapie und haben damit gute Erfolge, besonders, wenn L-Dopa bedingte Fluktuationen auftreten. PICAMILON ist in Russland Standard ebenso wir PHENIBUT, dass noch eine wesentlich stärkere Wirkung zeigt und ebenfalls lquorgängig ist. Phenibut kann allerdings zu Abhängigkeit führen, weshalb man es nur intermittierend zur PICAMILON Therapie gibt.

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