| Bericht GWK |
| Bund-Länder-Kommission |
| PwC-Studie |
Spannend!
Ich bin momentan mitten im PJ und ich habe ein mulmiges Gefühl dabei in ungefähr einem Jahr Assistenzärztin zu sein. Und zwar nicht wegen der vielen offensichtlichen Gründe wie z.B.viel Neues, plötzlich Verantwortung zu übernehmen und einem sehr hierarchischen System der Medizin zu folgen und in ihm zu überleben und eine gute ärztin zu werden.
Nein, vor allem, weil ich keinen blassen Schimmer habe wie ich ohne bis ins kleinste Detail meine Zukunft zu planen, schaffen soll Kinder und Beruf zu organisieren? Ja, ich möchte Kinder und ja, ich möchte Kinder bevor ich 40 bin. Dann klappt es ja meistens noch so gerade den beruf mit dem Kinderhaben zu vereinbaren. Soll ich jetzt wirklich schon mit Kalkül berechnen wann ich zum günstigsten Zeitpunkt schwanger werde? Geht es nur so?
Und ... warum reden (fast) alle beinah ausschließlich von den Müttern. Ist es einem männlichen Familienmensch vergönnt seine Prioritäten auch bei Familie zu setzen und in Teilzeit zu arbeiten? Wird erwartet, dass zumindest die Männer (wo die Frauen es ja schon nicht tun) standhaft bleiben und 100 % (also de facto 120%) zu arbeiten. Frei nach dem Motto: warum bleibt deine Frau nicht Zuhause?
Irgendwann ging mal ein Schrei durch das Land: "Akademiker vermehret euch!!!"
Wann denn?
Warum ändert sich nichts an den Strukturen "da oben"? Da wo Menschen sitzen und einfach beschließen, dass es nicht so getan wird. Machen nicht 2x50% = 1x100% ?
Ich habe das Gefühl, dass es sehr wohl geht, aber dass es eben immer anders war und deswegen wird es nun nicht geändert.
Und wenn es so bleibt, dann bitte keine Beschwerden wenn wir alle Auswandern oder Vollzeit-Familienmenschen werden. Es sind nicht wir, es sind die Umstände.
Voller Hoffnung
Es geht auch anders.
Meine Frau und ich sind beide leitenden Oberärtze in zwei unterschiedlichen Häusern in einer Stadt.
Wir arbeiten seit der Geburt unseres ersten Kindes vor 4 Jahren in Teilzeit mit 75%. In meiner Abteilung gibt es 2 weitere Oberärztinnen in Teilzeit, da auch sie Kinder haben. Es bedarf Organisation und Flexibilität, aber es funktioniert.
Im Assistentenbereich ist die Teilzeit bei jungen Müttern inzwischen die Regel. Unser Haus legt den Kolleginnen keine Steine in den Weg, sondern bietet alle Möglichkeiten zwischen 25 und 80% Stellen. Wir haben aktuell keine Probleme unsere Stellen zu besetzen, sondern haben eher Luxusprobleme.
Ich denke, dass ein Umdenken auch in den Führungsebenen schon stattfindet und auch bemerkt wird, dass das Arbeitsklima in solchen Fällen nur gefördert wird. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass einer für den anderen einsteht, weil jeder weiß, es gleicht sich im Verlauf immer aus.
Ich bin trotz Spirale ungeplant im Studium schwanger geworden. Habe von der 24. Woche bis zum Geburtstermin mein erstes PJ-Tertial durchgestanden, dank einer Sondergenehmigung durfte ich dann auch 4 Monate pausieren, bevor ich die anderen beiden Tertiale angetreten bin um dann dort im 50km entfernten Krankenhaus Milch abzupumpen (was besonders im Chirurgie-Tertial für große Missstimmung sorgte). Mutterschutz gilt nicht für Studentinnen. Ich hätte ja auch aufhören können. Muttergeld gab es ebenfalls nicht, weil ich in keinem Arbeitsverhältnis stand. Da ich mit kleinem Kind nicht noch zusätzlich neben dem PJ arbeiten konnte, um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren, häuften sich Schulden an, die ich heute noch abzahle.
Dankenswerterweise arbeite ich seit meinem Examen in einer wirklich familienfreundlichen Psychiatrie-Abteilung. Der überwiegende Teil der Assistenzärzte arbeitet in Teilzeit, sowohl männliche, als auch weibliche Kollegen. Oberarztstellen und Chefarztstelle sind allerdings tatsächlich in Vollzeit besetzt.
Bei all dieseen Diskussionen gewinnt maan schon den Eindruck, dass die Interessen der stationären Patienten und der Kinder in den Familen doch sehr wenig Beacchtung finden.
Ja ich habe vier Kinder, davon drei während des Studium bekommen, meine Facharztausbildung teils in Vollzeit teils in Teilzeit gemacht, das war recht mühsam und kraftraubend. Meine Chefs kamen mir nicht in der Arbeitszeit und kaum in der Dienstplangestaltung entgegen. In der Teilzeitstelle hieß es:" sie können trotz der höheren Qualifikation nicht die Stationsleitung übernehmen denn sie sind ja nicht immer da". Nun "teile " ich mir als Fachärztin mit 15 Jahren Berufserfahrung eine Stelle mit einer Kollegin die seit einem Jahr arbeitet, aber immerhin zu den Zeiten, die ich mir vorstelle und dem Gehalt, welches ich forderte. Oberarztstelle in TZ nicht in Sicht. Mal sehen wann das umdenken anfängt, ich werd es nicht mehr erleben.Mein Fazit man muss alles einfordern und zwar vehement dann hat man evtl eine Chance einen kleinen Anteil zu bekommen.
Mittlerweilöe befinde ich mich im 4. Jahr meiner FA-Ausbildung in der Augenheilkunde und erlebe, dass man eigentlich nur Steine in den Weg gelegt bekommt.
Nicht nur, dass generell in unserer Klinik seitens des Chefs keine Teilzeitarbeit möglich gemacht wird, trotz katastrophaler Stellenbesetzung, sondern auch, obschon man nach einem Jahr Elternzeit wieder voll eingestiegen ist, einem keinerlei Entgegenkommen in puncto 24h-Diensten gemacht wurde. Entweder ganz oder gar nicht lautete die Devise!
Zur Zeit befinde ich mich allerdings wieder in Elternzeit mit Kind Nr.2-diese rasche Abfolge drängte sich quasi auf, um die Dienstbelastung so zu reduzieren.
Nach der jetzigen Elternzeit bleibt mir allerdings nichts anderes übrig, als z.B. in einer Praxis das letzte Jahr meiner WB-Zeit zu absolvieren, um so wenigstens keine 24h-Dienste mehr zu haben, die sich mit Kindern m.E. äusserst schlecht vereinbaren lassen.
Eine Klinikkarriere bleibt mit so auf jeden Fall verwehrt...
Ich habe zwei meiner drei Kinder während des (dadurch überlangen) Studiums bekommen, als ich dann sehen konnte, dass es für mich als Frau in einem operativen Fach faktisch keine Chance gab, brach ich das Studium ab und machte mich in einem anderen Gebiet selbständig. Ich habe meine drei Kinder eigenhändig großgezogen und parallel dazu selbständig gearbeitet, nur so konnte ich Familie und Broterwerb verbinden. Nun ist das Häuschen bezahlt, die Kids groß. Jetzt habe ich meinen Jugendtraum erfüllt, mein Studium beendet und bin jetzt im dritten Jahr meiner Facharztausbildung Orthopädie und Unfallchirurgie. Früher wäre das nicht gegangen, mit kleinen Kindern auch heute nicht. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Weg, dennoch muss ich als Frau auch heute noch viel mehr um OP's kämpfen als die Jungs. Trotzdem- ich würde alles wieder genaus machen.
Gerade bin ich mit 2 Kindern in genau dieser Situation. Ich habe angefangen zu studieren, als meine zweite Tochter einen KIGA Platz bekam. Alles lief gut (abgesehen davon, dass das Studium oft absolut familienfeindlich strukturiert ist, Pflichtveranstaltungen z.T. um 18.00 abends...) Nun mussten wir umziehen und plötzlich bekam ich keinen Kiga-/Hortplatz wegen voller Wartelisten und die Mittagsbetreuung hat nur geöffnet bis 14.00. Also bin ich faktisch - trotz guter Noten und regulärer (!) Studienzeit - nun maximal ausgebremst.
Ich denke, es muss das Studium familienfreundlicher möglich sein UND die entsprechenden Betreuungsmöglichkeiten geschaffen werden. Die skandinavischen Länder sind uns da weit voraus, sowohl in Quantität als auch in Qualität der Betreuung.
Das Studium ist so immer wieder sehr frustrierend, gerade weil man sich in so einer Lebenssituation aus purer Leidenschaft für den Beruf entscheidet und genug "Leidensfähigkeit" beweist, um dann gegen Wände zu rennen.
Ausserdem sollten doch auch die Väter endlich einen Wandel vollziehen und keiner mehr belächelt werden, weil er mit den Worten "meine Tochter ist krank" nach Hause fährt... sind wir in D wirklich noch so mittelalterlich?
Ich wünschte mir einen Teilzeit-Artikel, bei dem auch geschildert wird, wie es den Teilzeit-willigen Männern geht. Als meine Frau nach einem Jahr Vollzeit-Mutter-Dasein wieder (problemlos) arbeiten gehen wollte, musste/wollte ich reduzieren, um ihr a) dies zu ermöglichen und b) um mich selbst auch ums Kind zu kümmern. Eigentlich sollte man meinen, dass sowas in der Anästhesie am problemlosesten zu regeln sei... In meiner Abteilung war es das auch, aber nur für die weiblichen Kollegen. Mir hat man Steine in den Weg gelegt und zu verstehen gegeben, dass von mir als Mann Vollzeit erwartet wird. Ab zum Betriebsrat => vergeudete Zeit, Ergo: Arbeitsgericht oder Klinikwechsel. Ich habe mich für die 2. Option entschieden und ärgere mich maßlos über dieses Arbeitgeber-/Politiker-Gequatsche, dass man alle Arbeitsmarktprobleme damit lösen könnte, indem man Beruf und Familie vereinbar macht. Als ob es mit dem Ausruf einer solchen Parole getan wäre... Es gehören verbindliche Regelungen für Arbeitgeber her, die, wenn sie sich nicht daran halten, auch für Ihr Fehlverhalten sanktioniert werden können. Es ist wie in allen Bereichen der Gesellschaft: erst mit der Strafandrohung verhalten sich die meisten regelkonform, alles andere ist für die Katz...
Im Übrigen schließe ich mich dem Kommentator 1 Succi an und frage nur anders: Warum ist Deutschland nicht in der Lage oder willens, es genauso oder zumindest ähnlich zu machen wie es andere Länder tun, die die Patientenversorgung auch hin- und den Arzt- und Pflegebedarf gedeckt bekommen??
ein frustriert gewesener Anästhesist
Bravo! Der letzte Paragraph bringt es auf den Punkt: "Damit Medizinerinnen auch Karriere machen, müsste ein generelles Umdenken in der Ärzteschaft in punkto Familienphase stattfinden"
Angesichts der demographischen Entwicklung in Europa dürfte man dieses Credo jedoch auf sämtliche Berufsfelder ausdehnen. In Berufen wie denen im medizinischen Bereich, welche nach einem langen Studium eine lange arbeitsintensive Weiterbildung erfordern, wird das Problem allenfalls akzentuiert deutlich.
Kritisch möchte ich die Überschrift des letzten Paragraphen anmerken. Warum wird nur ein "Umdenken in der männlichen Ärzteschaft gefordert"? Sind Frauen unfähig selbständig umzudenken? Auch hier ist meines Erachtens das Phänomen aus der Ärzteschaft Vorbote eines Problems der Gesamtbevölkerung.
Vielleicht sollte man den Wunsch nach Familie bereits vor Beginn der Berufstätigkeit unterstützen, damit (wie im Artikel beschrieben) die "Kinder bereits aus dem Gröbsten heraus" sind, "wenn Mutter Oberärztin oder Chefärztin wird". Diese Forderung würde allerdings einschneidende Veränderungen in der Lebensplanung von jungen Männern und Frauen bedeuten.
Von einem sechsjährigen Studium und einer Krippenfähigkeit ab dem dritten Lebensjahr ausgehend, würde das eine Mutterschaft während des Studiums bedeuten. Hierfür fehlt jedoch sowohl die Infrastruktur als auch die gesellschaftliche Akzeptanz. Die Infrastruktur liesse sich sicher mit Kinderkrippen im Bereich von Studentenwohnheimen schaffen. Schwieriger wird es mit der gesellschaftlichen Akzeptanz, nach dem Motto: "Bist Du wahnsinnig? Schwanger? Ohne Dein Studium abgeschlossen zu haben?" Der grösste Wandel müsste aber wohl in der Denkweise der potentiellen Eltern im Studium zu stattfinden. Es hiesse nämlich: sich früh für einen Partner zu entscheiden, früh für Kinder zu entscheiden und Verzicht auf viele Freiheiten während des Studiums. Damit diese Denkweise möglich wird, sollte die Idee der studierenden Eltern nicht nur eine gesellschaftliche Akzeptanz, sondern auch Unterstützung finden.
In der Hoffnung, in Zukunft mehr junge Eltern in einer medizinischen Ausbildung zu sehen.
Andere Länder sind uns ein ganzes Stück voraus. Z.B. in der Schweiz ist es bald schon üblich, daß die Oberärzte Teilzeit (50 - 80 %) arbeiten. Dies geht problemlos und sollte auch in Deutschland bald Standard sein.
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