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Allo, allo...allopurinol

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Die Wirksamkeit von Allopurinol bei der Hyperurikämie beruht auf der Hemmung des Enzyms Xanthinoxidase, das Purine aus der Nahrung zu Harnsäure abbaut. Die Bildung von Harnsäure und Harnsäurekristallen wird unterbunden, sodass sich diese nicht mehr an den Gelenken ablagern können. Typische Gelenkentzündungen und damit verbundene Schmerzen bleiben aus. Doch das Ganze ist nicht immer nebenwirkungsfrei (DocCheck berichtete).

Höhere Belastbarkeit bei Angina pectoris

Jetzt aber punktet der günstige Wirkstoff auch noch bei anderen Erkrankungen: Etwa bei Patienten mit stabiler Angina pectoris, fanden der Kardiologe Allan Struthers der Universität von Dundee in Angus, Großbritannien, und Kollegen heraus. Wie vorab online im Journal Lancet berichtet, erhöhte hoch dosiertes Allopurinol die körperliche Belastbarkeit bei Studienteilnehmern mit angiographisch nachgewiesener koronarer Herzkrankheit.
65 Patienten hatten sechs Wochen lang täglich 600 mg Allopurinol oder Plazebo erhalten. Anschließend wechselte das Therapieregime beider Gruppen gegenseitig, sodass alle Teilnehmer beide Behandlungen erhielten. Unter der hoch dosierten Allopurinolbehandlung verlängerte sich die durchschnittliche Zeit bis zu ST-Senkung bei Belastung von 232 Sekunden auf 298 Sekunden. Unter Plazebo ließ sich ebenfalls eine Wirkung feststellen, die Zeit verlängerte sich auf 249 Sekunden. Die absolute Differenz zwischen Plazebo und Allopurinol betrug 43 Sekunden. Allopurinol steigerte die Dauer der Schmerzfreiheit von initial 234 Sekunden auf 304 Sekunden (Plazebo 272 Sekunden). Auch die durchschnittlich mögliche Belastungszeit ließ sich verlängern.
Wie ist das möglich? Die Struktur der Harnsäure benötigt Sauerstoff. Da Allopurinol die Harnsäurebildung unterdrückt, wird weniger Sauerstoff für dessen Entstehung verschwendet. Sauerstoff steht dann wiederum vermehrt dem Herz zu Verfügung – so die Theorie.

Nierenkranke profitieren

Ihr Herzrisiko reduzieren können auch chronisch nierenkranke Patienten, wenn sie Allopurinol erhalten. Das ist aber längst nicht alles. Auch Entzündungsparameter lassen sich senken und die Progression des Funktionsverlusts der Nieren verlangsamen, konnten der Spanier Marian Goicoechea und sein Team vom Hospital General Universitario Gregorio Maranon in Madrid in einer Studie belegen.
In der spanischen Studie hatten 113 Patienten mit einer Glomerulären Filtrationsrate (GFR) unter 60 mg/min entweder 100 mg Allopurinol täglich erhalten oder ihre gewöhnliche Medikation beibehalten. Nach dem zweijährigen Untersuchungszeitraum waren Serumharnstoffwerte und der Entzündungsmarker C-reaktives Protein bei mit Allopurinol behandelten Patienten signifikant abgefallen. Unabhängig von Alter, Geschlecht, Diabeteserkrankung, Serumwerten des reaktiven Proteins, einer Albuminurie und der Einnahme von Renin-Angiotensin-System-Blockern wiesen Studienteilnehmer mit Allopurinoltherapie eine verlangsamte Progression ihrer Nierenerkrankung auf, während sich die Nierenfunktion bei Patienten der Kontrollgruppe verschlechterte.
Darüber hinaus reduzierte die Allopurinolbehandlung das kardiovaskuläre Risiko, das bei nierenkranken Patienten ein großes Problem darstellt. Gegenüber Patienten mit Kontrollbehandlung traten zu 71 Prozent weniger kardiovaskuläre Ereignisse auf. Das Hospitalisationsrisiko sank um 62 Prozent.

Allopuriol: Billig und erprobt

Die Ergebnisse beider Studien sind viel versprechend. Allopurinol wäre für viele Patienten möglicherweise nicht nur eine kostengünstige, sondern auch sichere, weil bereits lange Zeit erprobte Therapieoption. Allerdings sind die Patientenzahlen beider Studien zu gering, um derzeit eine endgültige Beurteilung des möglichen Nutzens von Allopurinol bei Herz- und Nierenkranken zuzulassen.

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115 Bewertungen (Ø 4.17)

Dr. Julia Hofmann

Medizinjournalist/in

Grafing

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Kommentare

  • 7
    22.07.10 - 15:03
    Mike Wieland

    Ich persönlich bin dem Tod gerade mal so von der Schippe gesprungen (Sommer 2009) nach dem mein Hausarzt mit das ALLOPURINOL bei Niereninsuffienz) vor meiner einjährigen Auslandsreise im Mai 2009 verschrieben hatte.

    Gott sei Dank hatte ich in Cebu mit dem Chong-Hua Hospital eine Klink mit sehr guten spezial Ärzten gefunden und Dr.John T.Li und Dr. Arlene Guitierrez konnten das Stephen-Johnson-Syndrom nach 14 tägigen Klinikaufenthalt, heilen. Eine Mitpatientin (35 J) starb wenige Tage zuvor an ALLUPURINOL!
    Bei mir löste sich die gesamte Haut am Körper in 2 Schichten. Weitere Medikamente die ich zusammen mit ALLOPURINOL einnahm (seit längerem) waren ENAPRIL und METROPOLOL.

    Also Vorsicht bei der Einnahme von ALLOPURINOL. Erste Merkmale waren: Hautjucken, Hautausschlag, Fieber.

  • 6
    Defaultmedium
    22.07.10 - 13:25
    Artur Nosul
    Arzt/Ärztin

    Das Kommentar des Kollegen Bangert finde ich sehr zutreffend. Das Allopurinol hat auserdem eine vergleichsweise sehr hohe Komplikationsrate in Form des (potenziell lebensbedrohlichen) Stevens-Johnson-Syndroms (Erythema exsudativum multiforme).

  • 5
    Defaultmedium
    22.07.10 - 11:14
    Dr. Gerd Kruse
    Zahnarzt/-ärztin

    Ich kann nur von mir berichten: ich habe zu hohen Blutdruck und erhöhte Harnsäurewerte (gehabt). Durch die Einnahme von 300 mg Allopurinol p.d. ist bei mir der Blutdruck um über 10mmHg gesunken, sodaß ich auf HCT nun verzichten kann und trotzdem meine Blutdruckwerte wieder im Normalen (ca. 130/70) sich bewegen. Offensichtlich wird dem aber in der Kardiologie wenig Aufmerksamkeit geschenkt, jedenfalls ist im Internet dazu sehr wenig zu finden.

  • 4
    22.07.10 - 11:12
    peter gadischke

    Sehr geehrte Frau Dr. Hoffmann,

    Sie berichten über 2 Studien (Studie Dundee,Studie Madrid) die leider nicht im Orginal als Langfassung vorliegen.

    Beim lesen Ihres Artikels kommt mir als erstes der Verdacht, wollen sich die Hersteller von Allopurinol einen zusätzlichen Markt erschliessen? Den der CNI-Patienten. Sie schliessen Ihre Arbeit mit dem Satz:"Allerdings sind die Patientenzahlen beider Studien zu gering, um derzeit eine endgültige Beurteilung des möglichen Nutzens von Allopurinol bei Herz- und Nierenkranken zuzulassen." Nachdem Sie vorher ausführen:
    "Das Hospitalisationsrisiko sank um 62 Prozent." Der Weihnachtsmann lässt grüssen.

    Sie schreiben:"Die Struktur der Harnsäure benötigt Sauerstoff" interessant. Harnsäure ist das stärkste Antioxidanz im menschlichen Körper, das hat die Evolution so eingerichtet, daher wird auch Harnsäure mehr resorbiert als abgebaut. Der µM/L-Wert liegt bei 160-450 (nach H.Sies). Gerade bei Dialysepatienten kommt es durch die Dialyse zum Verlust der antioxidativen Kapazität (siehe,Dissertation: Untersuchungen zum oxidativen Stress bei Hämodialysepatienten)

    Schon 1996 schrieb das pharmakritische arznei telegramm (a-t 1996; Nr. 2: 23):"Als Vorzeichen der Immunreaktion setzen Fieber und Eosinophilie meist innerhalb von zwei bis sechs Wochen nach Therapiebeginn ein. Hepatitis, Nierenversagen und schwerste mukokutane Reaktionen enden für über 20% der Betroffenen tödlich." und weiter "Während Firmen wie Boehringer Mannheim (UROSIN) und Glaxo Wellcome (ZYLORIC) eine Dosisreduktion erst unterhalb einer Kreatinin-Clearance von 20 ml/min empfehlen (Rote Liste 1995, 43 016 und 43 017), erscheint uns die US-amerikanische Empfehlung einer kontinuierlichen Anpassung der Dosis an die Nierenfunktion ratsam, z.B. 200 mg/Tag bei einer Kreatinin-Clearance von 60 ml/min"

    Ich denke, das Mittel sollte weiter ausschlieslich zur schweren Gichtbehandlung eingesetzt werden.

    es grüsst peter

  • 3
    22.07.10 - 07:37
    Ärztin Cornelia Scholz

    Die Ausführung über die Niere sind mir nicht verständlich. Gerade bei Niereninsuffizienz und erhöhten Krea - werten muß Allupurinol ja reduziert bzw. kann aufgrund Nephrotoxizität gar nicht gegeben werden.

  • 2
    Defaultmedium
    21.07.10 - 22:01
    Michael Bangert
    Arzt/Ärztin

    Der Artikel zielt u.A. sicher auf die Frage ab, ob eine Hyperurikämie so etwas wie ein kardiovaskulärer Risikofaktor ist. Allerdings haben sich die Fachgesellschaften, nicht ohne Grund, bereits eine Meinung dazu gebildet. Dazu könnte man beispielsweise noch einiges schreiben...


    Der Zusammenhang zwischen Progress einer Niereninsuffizienz (bei welchen Grundkrankheiten???) und der Allopurinol-Einnahme erschließt sich mir nicht. Eventuell gibt es auch andere empirische Daten? Sind die gemessenen Marker überhaupt aussagekräftigt? Handelt es sich vielleicht um ein Epi-Phänomen? Warum wurde nicht das Kreatinin, als anerkannter verlässlicher Marker gemessen, oder die GFR?

    In jedem Fall ist das Nutzen Risiko-Verhältnis bei Allopurinol geradezu berüchtigt! Eine Neue Erkenntnis muß sicher in diesen klinischen Zusammenhang eingereiht werden. erst dann wäre eine sinnvolle für und Wider-Abwägung möglich!

  • 1
    User_default_image
    21.07.10 - 18:54
    Dr. med. Otto P. Happel
    Arzt/Ärztin

    Sehr guter Artikel

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