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Marihuana-Derivat gegen Schmerzen

"MDA19 hat deswegen keine Nebenwirkungen, weil es nur an einen spezifischen Subtyp des Cannabinoid-Rezeptors bindet", so Mohamed Naguib vom Anderson Cancer Center an der University of Texas. "MDA19 hat das Potenzial neuropathische Schmerzen ohne Nebeneffekte im Zentralnervensystem hervorzurufen", so der Forscher. Für den österreichischen Mediziner Kurt Blaas, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft "Cannabis als Medizin" ist dies ein weiteres Beispiel des immer noch existierenden Stigma gegenüber dem natürlichen Hanf als Arzneimittel. "In der Zwischenzeit gibt es einige solcher synthetisch hergestellten Monosubstanzen wie MDA19", so Blaas gegenüber pressetext. "Eine natürliche Hanfplanze liefert hingegen zwischen 40 und 60 verschiedene Cannabinoide."

Kontrollierte Abgabe an Patienten

"Da Cannabis in den meisten Ländern als Suchtgift verboten ist, ist es rechtlich einfach, solche synthetischen chemischen Substanzen herzustellen. Sie unterliegen nicht gesetzlichen Verboten." Blaas ist das so häufig vorgebrachte Argument mit den Nebenwirkungen bekannt. "Bei Einhaltung der vom Mediziner verordneten Dosis ist eine Überdosis aber praktisch ausgeschlossen." Dennoch muss die Anwendung auf alle Fälle von qualifizierten Ärzten kontrolliert werden, betont der Mediziner.

Ein weiteres Problem ortet der Mediziner auch bei der Verabreichung von den synthetischen Monosubstanzen selbst. "Sie können der natürlichen Pflanze mit ihren zahlreichen Substanzen nicht Paroli bieten", so Blaas. Aus rechtlichen Gründen setzt man derzeit auch beim natürlichen Cannabis auf die zwei Mono-Substanzen Dronabinol und Cannabidiol, die beide aus kontrolliert angebauten Pflanzen gewonnen werden.
Für eine Legalisierung von Cannabis tritt Blaas nicht ein, wohl aber für eine Entkriminalisierung. "Wir wollen das natürliche Cannabis für die medizinische Anwendung fördern, denn dadurch ergibt sich eine breitere Behandlungspalette." Der klassische Einsatz liege ganz sicher in der Schmerztherapie. In der Zwischenzeit gibt es aber eine ganze Reihe von anderen Leiden, bei denen Cannabis sich bewährt hat.
"Bewiesen ist, dass Dronanbinol muskelrelaxierend, beruhigend, stimmungsaufhellend, appetitanregend, übelkeitshemmend, schmerzstillend, bronchienerweiternd und augeninnendrucksenkend wirkt", erklärt der Arzt.
Originalpublikation:
Pharmacological characterization of a novel cannabinoid ligand, MDA19, for treatment of neuropathic pain.
Mohamed Naguib et al.; Anesth Analg.
111(1): 99-109
(2010)
Originalmeldung:
pressetext.austria

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Quelle

  • pressetext.austria
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Kommentare

  • 4
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    19.07.10 - 17:41
    Dr. Harald Müller
    Chemiker/in

    Nun ja, die in Pflanzen vorkommenden Wirkstoffe sind bezüglich ihrer Menge, Qualität und Beiprodukten abhängig von vielen, vielen Einflußfaktoren (Düngung,Sonneneinstrahlung, Regen, Umweltverschmutzung, Schwermetallgehalte, Pestizide usw. usw.).

    Und da man einer Pflanze nicht ansehen kann, wie hoch die Dosis des gewünschten Wirkstoffes (und möglicher belastender Pestizeide, Schwermeatlle usw.) denn nun ist, macht es durchaus einen hohen Sinn, standardisierte, saubere Substanzen herzustellen, die man auch gut dosieren kann.

    Ob nun irgendwelche Mischungen besser sein können, als die reine Wirksubstanz, mußte man erstmal zeigen und beweisen.

  • 3
    15.07.10 - 12:41
    Axel Junker

    Was kostet die Entwicklung zugelassener Arzneimittel und was müssen/sollen solche Substanzen letztendlich erwirtschaften?
    Die Kosten pro Sativex-Hub sind beträchtlich. Ebenso wie bei Dronabinol oder Cannabis-Extrakt.

    Wieso greift man nicht auf das seit Jahrtausende bewährte, rein pflanzliche Naturprodukt zurück? Weil man es nicht patentieren kann und die Pharmafia die Politik ebenso im Griff hat wie (z.B.) das BfArM? Weil die Ärzte sich mit der natürlichen Variante des Cannabis nicht hinreichend auskennen? Weil man einem Mittel, das in Überdosierung im Gegensatz zu Opiaten nicht letal wirkt, nicht traut, weil es missbräuchlich verwendet werden könnte...so wie fast food, internet-porno und verschriebene Arzneimittel?

  • 2
    Defaultmedium
    14.07.10 - 14:13
    Dirk Wiederhold
    Gesundheits- und Krankenpfleger/in

    Es ist kaum zu Glauben, dass diese Substanz den meisten Patienten nicht zu Gute kommt.Besonders Mitarbeiter aus dem Bereich Palliative-Care wünschen sich die Anwendung solcher Produkte.

  • 1
    14.07.10 - 12:47
    Dirk Röllinghoff

    Interessanter als eine weitere isolierte Monosubstanz könnte das aus der Pflanze gewonnene Gesamtextrakt im Produkt Sativex der Firma GW-Pharmaceuticals sein, welches kürzlich im England zugelassen wurde. Ich kann mir vorstellen, dass gerade die ausgewogene Mischung der vielen aktiven Substanzen die Wirkung besser und verträglicher macht.

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