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Den Blutzucker über die Niere regeln

Beim gesunden Menschen verhindern unzählige kleine Pumpen in den Nierenkanälchen, dass der Blutzucker mit dem Harn ausgeschieden wird und dem Körper als wertvoller Rohstoff verloren geht. Bei Diabetikern ist der Rohstoff bekanntlich im Überfluss im Blut vorhanden und die Hemmung einiger Pumpen mit der Bezeichnung SGLT 2 (sodium dependent glucose transporter-2) könnte den Blutzucker senken. Genau dies wird mit neuen Wirkstoffen erreicht, die derzeit in klinischen Studien an Patienten getestet werden.

Die neuen Medikamente könnten Menschen mit Typ-2-Diabetes helfen, Insulin einzusparen. „Bei den Studienteilnehmern konnte die Dosis halbiert werden”, berichtet Professor Dr. med. Stephan Martin, Ärztlicher Direktor am Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum der Sana Kliniken in Düsseldorf. Ein weiterer Vorteil könnte darin bestehen, dass mit dem Zucker auch Kalorien über die Niere ausgeschieden werden. Viele Menschen mit Typ 2-Diabetes sind übergewichtig, und einige Diabetesmedikamente steigern das Gewicht noch weiter. Professor Martin: „Unter der Behandlung mit den SGLT 2-Hemmern nahmen die Patienten bis zur zwei Kilo ab.”

Abweichung von der physiologischen Norm

„Vorbild der SGLT 2-Hemmer ist eine Abweichung von der physiologischen Norm”, erläutert Professor Martin: „Beim sogenannten Nierendiabetes kommt es infolge eines Defekts im SGLT 2 ebenfalls zu einem Verlust von Zucker über den Urin, ohne dass die Patienten erkranken. Ein zweiter Transporter, SGLT 1, sorgt dafür, dass genügend Zucker ins Blut transportiert wird”. Eine Unterzuckerung, eine lebensgefährliche Komplikation der Diabetestherapie, werde so verhindert.
Initiale Studienergebnisse legen nahe, dass diese SGLT-2-Inhibitoren vermehrt Harnwegsinfekte und Genital-Mykosen verursachen können. Wie ausgeprägt diese Probleme sein werden und ob sie anhand typischer Patienteneigenschaften vorhergesagt werden können, muss geprüft werden. In diesem Jahr sind noch einige neue Studienergebnisse zu erwarten, die das Verhältnis von Nutzen und Risiko besser abschätzen lassen werden.

Daher sei es für eine abschließende Bewertung zu früh. „Ob die Medikamente auch langfristig ohne Risiken bleiben, kann derzeit noch nicht abgesehen werden“, meint Professor Martin. Er informiert dazu im Rahmen der 45. Jahrestagung der DDG in Stuttgart.

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Quelle

  • DDG
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Kommentare

  • 3
    User_default_image
    12.05.10 - 21:52
    Dr.med Friedrich Schuster
    Arzt/Ärztin

    Da will man wohl den Teufel mit dem Belzebub austreiben.
    Ich hatte einen schwer kranken ambulanten Patienten (Ausland ohne Möglichkiet der Insulintherapie) mit ausgeprägter Gucosurie. Er hatte fast ständig kaum behrrschbare Harnwegsinfekte, Proteinurie, Pyurie, und nahm in einem halben Jahr um ca 40kg ab. Im örtlichen Diabeteszentrum hatte man ihm geraten gelegentlich nach üppigem Essen eine Metformintablette einzunehmen!!! Einen solchen Zustand künstlich, wenn auch kontrolliert, herbeizuführen halte ich für ein Problem aber für keine sinnvolle Threapie eines Diabetes.Vor allem schädigt die hohe Glucoselast die Niere nachhaltig.

  • 2
    12.05.10 - 17:05
    Anne DA

    Wäre die Ursache, die Adipositas -hauptsächlich begründet durch eine hyperkalorische Fehlernährung und Bewegungsmangel dammit behandelt? Wohl kaum. Ernährungsschulungen und Beratungen wären sicher auch weiterhin angemessen. Denn andere Stoffwechselerkrankungen wie Gicht, oder vielleicht eine Mastfettleber klopfen vielleicht bereits an der Tür.

  • 1
    Icondirect
    11.05.10 - 17:07
    Dr. Artur Zimmermann
    Arzt/Ärztin

    Oben rein - unten raus - das könnte mir eine Diätassistentin und Diabetesberaterin sparen durch überflüssig gewordene Ernährungsschulung.
    Die Mehrkosten für dieses Medikament könnte man dann durch Wiedereinführung der billigeren Harnglukosetests ausgleichen...
    Nichts ist in der Diabetologie mehr unmöglich - nur macht es Sinn und können (wollen??) wir es noch bezahlen?

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