Quelle: Wilhelm-Sander-Stiftung,
15.10.2009
Studie zu Kopf-Hals-Karzinom
Forscher untersuchen den Signalweg der Gefäßneubildung beim basaloid-squamösen Karzinom. Neben Erkenntnissen über das biologische Verhalten sollen molekulare Marker identifiziert werden, die das Erkennen von Metastasen ermöglichen soll.
Basaloid-squamöse Karzinome stellen eine seltene Unterform herkömmlicher
Plattenepithelkarzinome der Kopf-Hals-Region dar. Neben feingeweblichen Charakteristika unterscheiden sich basaloid-squamöse gegenüber herkömmlichen Plattenepithelkarzinomen hinsichtlich ihres biologischen Verhaltens. Während bei herkömmlichen Plattenepithelkarzinomen Halslymphknotenmetastasen einer Fernmetastasierung in aller Regel vorausgehen, liegen bei basaloid-squamösen Karzinomen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung häufig
Lymphknoten- und/oder Fernmetastasen vor. Die molekularen Ursachen, die diesem biologisch aggressiven Verhalten zugrunde liegen, sind nicht hinreichend geklärt, wenngleich Störungen im Signalweg der Gefäßneubildung angenommen werden.
Forscher der Wilhelm Sander-Stiftung möchten nun den Signalweg der Gefäßneubildung basaloid-squamösen Karzinomen untersuchen.
Häufigste Tumorart der oberen Atemwege
Plattenepithelkarzinome des Kopf-Hals-Bereichs stellen die häufigste Tumorart der oberen Atem- und Speisewege dar. Basaloid-squamöse Karzinome wurden erstmals 1986 von Wain et al. als aggressive Form herkömmlicher Plattenepithelkarzinome der Kopf-Hals-Region beschrieben. Ein vermehrtes Vorkommen für den
Kehlkopf, unteren Schlund und Zungengrund wird postuliert, wenngleich Vorkommen außerhalb des Kopf-Hals-Bereichs ebenfalls beschrieben wurden. Die
Inzidenz basaloid-squamöser Karzinome ist weitaus niedriger als jene der herkömmlichen Plattenepithelkarzinome dieser Region. Das feingewebliche Charakteristikum der basaloid-squamösen Karzinome sind Läppchen aus unreifen, basaloiden (kubischen, basalzellartigen) Zellen mit prominenten interzellulären Hyalisierungen und fokaler abrupter
Keratinisierung. Damit teilen basaloid-squamöse Karzinome feingewebliche Eigenschaften sowohl mit Basalzellkarzinomen der Oberflächenhaut als auch mit herkömmlichen Plattenepithelkarzinomen der Kopf-Hals-Region. Es ist nicht bekannt, ob eine der beiden Zellkompartimente das biologische Verhalten determiniert.
Späte Erkennung von Fernmetastasen
Neben feingeweblichen Besonderheiten differieren basaloid-squamöse gegenüber herkömmlichen Plattenepithelkarzinomen hinsichtlich ihres biologischen Verhaltens. Basaloid-squamöse Karzinome weisen zum Zeitpunkt der Diagnose bei relativ kleiner Tumormasse häufig Halslymphknoten- und/oder Fernmetastasen auf. Dementsprechend kommt den bildmorphologischen Nachweisverfahren einer Fernmetastasierung beim basaloid-squamösen Karzinom eine besondere Bedeutung zu. Allzu oft lassen sich jedoch Fernmetastasen erst im weiteren Krankheitsverlauf darstellen, was die Prognose für den jeweiligen Patienten dramatisch verschlechtert.
Die molekularen Ursachen, die dem biologisch aggressiven Verhalten des basaloid-squamösen Karzinoms zugrunde liegen, sind nicht hinreichend geklärt. Störungen in Signalwegen der Gefäßneubildung und Metastasierung, wie sie für herkömmliche Plattenepithelkarzinome bereits nachgewiesen worden sind, kommen als Ursache in Betracht.
Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der molekularen Charakterisierung basaloid-squamöser Karzinome in Hinblick auf Störungen im Signalweg der Gefäßneubildung. Entsprechend der zellulären Kompartimente werden sowohl gegenüber Basalzellkarzinomen der Oberflächenhaut als auch gegenüber herkömmlichen Plattenepithelkarzinomen der Kopf-Hals-Region molekulare Unterschiede erarbeitet. Sie möchten zum einen zur Klärung der Ursache des biologisch aggressiven Verhaltens beitragen, zum anderen möchten sie Zielstrukturen identifizieren, die für eine molekulare Bildgebung einsetzbar sind
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