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Grüner Star: Genveränderung als Ursache

Der grüne Star (Glaukom) ist eine der häufigsten Ursachen für Blindheit in der entwickelten Welt. Neurotrophine sind kleine lösliche Signalproteine, die in vielen Tierarten das Überleben zahlreicher neuronaler Zellverbände einschließlich RGCs unterstützen. Allerdings war bisher nicht klar, ob Neurotrophine für das Überleben und den Erhalt von Nervenzellen auch bei erwachsenen Menschen erforderlich sind. Die Arbeitsgruppe von Professor Dr. André Reis aus dem Humangenetischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg zusammen mit der Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen berichtet nun in der amerikanischen Zeitschrift American Journal of Human Genetics über die Entdeckung von sieben verschiedenen Mutationen im Gen für eines der Neurotrophine (Neurotrophin 4, NT 4), die die Aminosäurezusammensetzung verändern. Insgesamt fanden das Team von Prof. Reis Mutationen bei 15 Patienten (1,7%) aus einem Kollektiv von 892 Glaukom-Patienten aus Deutschland und den Niederlanden.
Auf Grund von Daten einer Computermodellierung vermuteten die Forscher, dass diese Mutationen die Bindung von NT 4 an seinen spezifischen Tyrosinkinase-Rezeptor (TrkB) stören. Damit wäre die Signalübertragung gestört und NT 4 könnte seine stimulierende Wirkung auf die Nervenzellen nicht mehr voll entfalten. Die Bestätigung dieser Hypothese gelang den Forschern in anschließenden zellbiologischen Untersuchungen, die in der Arbeitsgruppe des Neurobiologen Prof. Yves Barde vom Biozentrum in Basel (Schweiz) durchgeführt wurden. Beim Vergleich von normalem und mutierten NT 4 zeigte sich, dass das veränderte Protein den Rezeptor auf Nervenzellen in der Tat schlechter binden und aktivieren kann. Als Folge daraus beobachtete die Gruppe eine geringere Aussprossung und geringeres Wachstum der Nervenzellen als Zeichen der verminderten Stimulierung durch das veränderte NT 4.
Die Forscher, deren Arbeit im Rahmen des DFG-Sonderforschungsbereichs 539 "Glaukome und Pseudoexfoliationssyndrom" gefördert wurden, glauben, hiermit einen neuen Ursachenmechanismus in der Entstehung des Glaukoms gefunden zu haben, bei dem es aufgrund des Verlustes der Neurotrophin 4 Funktion zum Nervenzellenuntergang kommt. Diese Beobachtungen eröffnen möglicherweise auch die Chance, Substanzen, die den TrkB Rezeptor aktivieren können, als Arzneimittel zur Verhinderung des Untergangs der Nervenzellen einzusetzen. Damit könnte eventuell das Fortschreiten der Erkrankung aufgehalten und letztendlich die Erblindung der Patienten verhindert werden.

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Quelle

  • Uni Erlangen-Nürnberg
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Kommentare

  • 2
    User_default_image
    19.09.09 - 23:05
    Dr. med. Stefan Krüger
    Arzt/Ärztin

    Super Artikel, aber

    Liebes DocCheck Team,
    ich habe schon mehrfach darum gebeten: stellt doch bitte immer den Link zur Originalpublikation mit ein. Das spart dem Leser einfach Zeit und Nerven.

    Ihre Aufbereitung interessanter Publikationen ist wirklich sehr lobenswert, aber die wirkliche Information steht nun mal im paper, nicht im Ihrem Kommentar dazu. Ihr Motto ist doch: "Journalismus ist Dienstleistung". Danke.

  • 1
    Defaultmedium
    18.09.09 - 23:13

    Sehr interessanter Artikel. Es stellt sich sofort die Frage, ob die bekannten TK-Inhibitoren zur Behandlung geeignet sind.

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