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Anamnese bei Aldi

"Walk-in"-Clinics in Wal-Mart-Märkten sind nichts Neues. Neu ist, dass inzwischen mehr als 25 davon mit einem Krankenhaus liiert sind. Und Wal-Mart kündigte gerade an, dass kurzfristig ein weiteres Dutzend an Retail-Kliniken mit Hospital-Anbindung dazu kommen wird. Die Cleveland Clinic hat der Handelskette des Pharmazieanbieters CVS ihre Namensrechte an deren "Walk-in"- bzw. Retail-Kliniken verliehen. Die Mayo Clinic betreibt zwei "Express Care"-Kliniken in einem Supermarkt und in einer Shopping Mall. Laut Merchant Medicine News gibt es in den USA inzwischen über tausend "Walk-in"-Kliniken. Zehn Prozent davon sind bereits eine Connection mit Hospitälern eingegangen. Tendenz wachsend, so die Kaufleute.

Marketinginstrument zur Patientengewinnung

Während amerikanische Hausärzte gegen den "billigen" und "unwürdigen" Wettbewerb protestieren, sehen die Kliniken darin eine Chance, mehr potenzielle Patienten zu erreichen und damit ihre Geschäftsbasis zu erweitern. Interessant ist nicht das Geld, das in den Supermarktketten mit medizinischer Basisversorgung verdient wird. Interessant ist das Commitment als Marketinginstrument zur Kundengewinnung und zur Kundenbindung. Der dafür geläufige Begriff aus der Wirtschaft, "Customer Relationship Management (CRM)", ist offensichtlich im amerikanischen Gesundheitswesen angekommen. Die Kundschaft, die neben Convenience Food die Vorteile der "Convenience Care" für sich entdeckt hat, sei genau die Zielgruppe - beispielsweise Frauen im gebärfähigen Alter -, deren Gunst man gewinnen möchte, so die Befürworter dieser Krankenhaus-Politik. Von Vorteil für Hospitalbetreiber ist sicherlich auch, dass man in den "Walk-in"-Clinics nur den behandeln muss, der bar zahlt oder eine Versicherung hat. In einigen amerikanischen Staaten dürfen Menschen, die zahlungsunfähig sind, laut Gesetz nicht von der Notfallaufnahme, den Emergency Rooms, abgewiesen werden.

Deutsches Krankenhausmarketing zurückhaltend

Auffällig ist, wie unverblümt amerikanische Klinikbetreiber über die wirtschaftlichen Hintergründe ihrer Marketingpolitik in den Medien sprechen. Ganz anders hier in Deutschland. Die privaten Klinik-Ketten wie Asklepios & Co haben zwar Marketing-Abteilungen, aber in der Öffentlichkeit möchte man nicht den Eindruck einer marketing-getriebenen bzw. gewinnorientierten Politik erwecken. Vornehm zurückhaltend spricht man vom Kommunikations- oder Informationskonzept. Und bei der inzwischen häufigen Liaison mit Gesundheits- oder Medizinischen Versorgungs-Zentren (MVZ) verfolgt man das Ziel einer "kooperativen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Patienten, Haus- und Fachärzten", so zu lesen bei Asklepios. Was ist eigentlich so verwerflich daran, dass eine Klinik wie ein marktwirtschaftliches Unternehmen geführt wird und für sich Werbung macht? Die Veränderungen im Gesundheitswesen seien noch nicht in den Köpfen angekommen, erklärt Susanne Heintzmann, Bereichsleiterin Marketing und Public Relations der Sana Kliniken AG. "Das Krankenhaus-Bild entspricht immer noch der Wahrnehmung von vor zehn Jahren". Tatsache ist, dass das Thema Patientengewinnung für deutsche Krankenhäuser mindestens so relevant ist wie in Amerika.

Nurses mit hohem Ausbildungsniveau

Der Erfolg der "Walk-in"-Clinics ist letztlich auch eine Antwort auf das marode Gesundheitssystem der Amerikaner. Es ist das teuerste der Welt, das sich schätzungsweise 40 bis 50 Millionen Menschen nicht leisten können. Das heißt, sie sind nicht krankenversichert. Für diese einkommensschwache Bevölkerung stellen die Supermarkt-Praxen eine willkommene Alternative dar, weil sie preiswerte und schnelle medizinische Basisleistungen anbieten. Im Vergleich zu den Hausarztpraxen arbeiten "Walk-in"- Kliniken kostengünstiger, weil sie hauptsächlich "Nurse Practitioners" beschäftigen. Wäre das in Deutschland überhaupt möglich? Dr. med. Stefan Palm, Gründer und Ärztlicher Leiter der PAN Klinik in Köln, kann sich vorstellen, dass es ähnliche Einrichtungen in 4 bis 5 Jahren auch hier gibt. Das Projekt der Hebamme AGnES sei so zum Beispiel ein Schritt in diese Richtung. In Amerika funktionieren laut Palm diese "Walk-ins", weil die "Nurse Practitioners" eine sehr gute Ausbildung, teilweise mit Bachelor-Abschluss, haben. Das gleiche System gebe es außerdem bereits in vielen anderen Ländern, um die medizinische Versorgung gewährleisten zu können. Im Rahmen kostendämpfender Maßnahmen wird sich auch Deutschland darauf einstellen müssen.

Vernetzung mit dem zweiten Gesundheitsmarkt

Und was können deutsche Krankenhäuser speziell zur Patientengewinnung machen? Laut Klinikdirektor Palm zeichnet sich ein Trend in die Vernetzung mit dem zweiten Gesundheitsmarkt ab. Im Vordergrund stehen präventive Maßnahmen wie Ernährungsberatung oder Bewegungstherapien. Die gesundheitlichen Schäden, die durch falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Nikotin oder Alkoholmissbrauch entstehen, so Palm, können in Zukunft nicht mehr von den Krankenkassen getragen werden. Der Patient werde zunehmend selber dafür Sorge tragen müssen, dass er gesund bleibt. Der gleiche Ansatz findet sich auch im "ConceptHospital", einem Brainpool, der von Dr. Markus Müschenich, medizinischer Vorstand der Sana Kliniken AG, initiiert wurde. Sein Plädoyer: "Kein Krankenhaus der Zukunft kann es sich erlauben auf einen Patienten nur deshalb zu verzichten, weil er nicht krank ist".

Super-Marked-Based-Medicine

Müschenichs Visionen basieren auf Marketing-Bausteinen aus Produkt-, Vertriebs-, Kommunikations- und Preispolitik, die die Wirtschaft seit Jahrzehnten praktiziert. Ob Frühbucher-Bonus, Treue-Rabattstaffel, Medical Meal Deal Preis oder Versteigerung von Schönheitsoperationen - alles ist wert, unter die Lupe genommen zu werden. Eine der ConceptUnits im Brainpool ist die "Super-Market-Based-Medicine". Laut Müschenich sind Szenarien vorstellbar wie beispielsweise: Krankenkassen kooperieren mit Supermärkten, Mergers & Acquisitions wie "Aldi kauft Asklepios" oder Produkt-Scans mit dem Personal onHealth Assistent nach dem Motto: "In Ihrem Einkaufswagen befinden sich Butter und Leberpastete. In Kenntnis Ihrer Anamnese und der Laborwerte vom 03.06.2008 werden alternativ folgende Marken empfohlen:". Und was hat das mit dem Krankenhaus zu tun? "Das Spital ist das Betriebssystem des Gesundheitswesens", so sein Vorschlag zum strategischen Leitbild für das Krankenhaus der Zukunft. Bevor die Emotionen jetzt hochschlagen - es ist eine Vision. Und die ist eigentlich interessanter als bei Wal Mart in eine "Walk-in" Clinic zu gehen.

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141 Bewertungen (Ø 3.98)

Karin Bäck

Medizinjournalist/in

Köln

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Kommentare

  • 37
    14.06.09 - 13:13
    Oliver

    Das Problem mit der Unzufriedenheit und den Kosten liegt m.E. schlicht und ergreifend daran das Arzte und Patienten den Arzt zuwenig als Dienstleister sehen. Ich glaube ein grosser Teil der Pat. hätte Verständniss wenn Ihm gesagt wird: Ich kann Sie jetzt (gegen Zuzahlung ohne Lange Wartezeit behandeln) oder kostenneutral später. Wir haben (abgesehen von der Notfallmedizin) 2 Klassen. Jeder der mehr Zahlt bekommt bessere Leistungen. Das ist überall so. Nicht nur in der Medizin. Der Patient hat die Wahl. Für mich wär`s ok wenn eine kurze Untersuchung dann halt 15,80 + KK kostet.

  • 36
    User_default_image
    12.06.09 - 15:41
    Dr. (SA) Layla Marline Sires-Kashgari
    Arzt/Ärztin

    sollten diese walk in Kliniken eine Art Zweigstelle von Praxen oder Krankenhaeuser sein, warum nicht? Sie fuehren zur Entlastung und wohnortnahe Versorgung von Interessenten.Keiner ist gezwungen dorthin zu gehen, wenn er nicht will.

  • 35
    12.06.09 - 13:42
    anonymous

    pervers

  • 34
    11.06.09 - 18:10
    anonymous

    Sehr gute Idee zur Kostendämpfung unseres angeschlagenen Gesundheitssystems.
    Vom Wort Horrorszenario möchte ich mich deutlich distanzieren.
    Ich denke gut Organisiert und Strukturiert wäre es auch in Deutschland machbar, natürlich sollte mann vorher an die entsprechende vorhergehende Schulung der Pflegekräfte denken.

  • 33
    11.06.09 - 17:09
    anonymous

    Medizin2000 das sind bereits über 30 Fachgebiete und 120 Untergruppierungen.
    Die sprechende Medizin teils philosophisch teils religiös curierend hat mehr "Nicht-Medizinstudierte" heute als "Approbierte Ärzte".
    Die auf Naturwissenschaft, Physik, Chemie und Technik aufbauenden Medizingebiete arbeiten nur noch in Teams eng mit diesen Fachleuten zusammen um überhaupt mit Genen zu behandeln oder "operating by wire" mit Chirurgierobotern durchzu-führen. Diese Medizin ist leider mit "exponentiell" wachsenden Kosten verbunden.
    Obama's Gesundheitsreform beruht primär auf einer Vernetzung von Daten mit Hilfe des Internet um das teuerste Gesundheitssystem der Welt besser und billiger zu gestalten. Bei uns hat dies zwar noch nicht geklappt dafür aber zu einem unerträglichen Controlling in der Kassenmedizin geführt. Durch Bürokratie wurde auch niemand gesund - so weit unsere Erkenntniss.
    Der homo sapiens sollte bei Unwohlsein im Sinne des Wortes seinen Arzt aufsuchen. Das ist immer noch das Beste
    Wenn er richtig krank wird ob "an Leib oder Seele"(und nur dafür wurden von Bismark die Krankenkassen aus der Taufe gehoben) sollte diesem leidenden Menschen das Beste und Modernste an Diagnostik und Thrapie angeboten werden. Unter dem Strich senkt dies die Kosten. Meine 40 jährige Erfahrung zeigte, daß es dem Kranken Jacke wie Hose ist, wer ihm hilft, wo man ihm hilft sowie wodurch man ihm hilft. Er kommt aber wieder wenn ihm geholfen wurde.
    Die Hauptsache ist für uns Alle in der Notsituation einer Krankheit daß wir uns genau das leisten können. Besser mit Aldi die Hilfe als Warten auf Goudot.

  • 32
    User_default_image
    11.06.09 - 15:22
    Dr. rer.nat. Annelie Weiske
    Biologe/in

    Ausgezeichneter Artikel - weil er zeigt, dass es möglich ist, in eingefahrene Systeme wieder kreative Veränderungsansätze zu bringen. Warum sollen Marketing- und Vertriebsansätze hier plötzlich unethisch sein? Wichtig ist doch nur, dass vernünftige Leistungen bei Bedarf niederschwellig und zu vernünftigen Preisen erhältlich sind. Nicht vergessen: auch in unserem ach so durchgestylten Staats- und Sozialwesen gibt es nicht wenige, die sich seit geraumer Zeit keine Krankenversicherung mehr leisten können!
    Wer bei solchen konzeptuellen Ansätzen aufheult, verschließt die Augen vor der momentanen Situation: solange Patienten ohne wirklichen Grund pro Quartal mehrfach und ohne Kostenbeteiligung zum Arzt gehen, weil sich dieses Ritual im Laufe vieler Jahre als kostenfreie Selbstbedienung entwickelt hat - und für nicht ausgelastete Gruppen unserer Bevölkerung zum psychosozialen Highlight des Monats wurde - solange braucht man keine Annahme dieses Angebotes zu befürchten. Aber jetzt, da viele Ärzte schon per Schild an der Praxistüre mehr als einen Besuch - und den auch bitte möglichst kurz - pro Quartal nicht zulassen, auch bei echtem medizinischem Bedarf, der Patient sich also - eigenfinanzierte - Alternativen suchen muss, da wird es interessant werden!

  • 31
    Defaultmedium
    11.06.09 - 13:09

    Soeben hatte ich bei der selektiven Durchsicht von "DocCheck News (Dienstag, 9. Juni 2009): Anamnese bei Aldi [A1]" den Beitrag "Anamnese bei Aldi" gelesen, und mein Interesse ließ mich nun auch "Die Axone des Bösen" ansehen.
    Danke den Autoren und Fragern und Diskutanten (und DocCheck)!

    Doch nun: Von nur gezielt selten ausgesuchten Blogs kenne ich das "anonymos/anonymus/anonymous[Netzaktivisten-Protestbewegung macht auch Gutes]" schon zu störender Genüge. (Bei einem pressepolitischen Blog hatte ich einmal den Eindruck, "A." war vom Blogwart bestellt zur Anheizung und dann zur Erstickung der Emotionen.) Warum nur muß ich diesem hier wieder so penetrant begegnen?! - mit solch nichtigen Äußerungen, die ich mir nach Lektüre der ersten fünf dann aber auch nicht mehr angetan habe.
    Natürlich will niemand eigentliche Zensur, aber dies "anonymos"-Phänomen kann vielleicht doch einmal diskutiert werden - in Abwägung anderer Leserinteressen. Ginge es auch ohne Zulassung von anonymen Beiträgen (wie an sich im Ärzteblatt [manchmal allerdings "Autor der Redaktion namentlich bekannt"])? Ein redaktionelles Aussortieren von Nichtigkeiten wäre sicherlich heikel, aber bei Wikipedia können aussortierte Meinungen noch unter "Versionen ..." behalten werden; vielleicht kann DocCheck irgendwie eine Karte "Hintan-Sortiertes" einrichten?
    Das Anonymus (jaja, das Wort ist maskulin) wird’s weiter geben dürfen sollen, und vor Störungen ist man im Leben nie befreit - mit davon leben wir Ärzte.

    Freundliche Grüße allen - auch an das "anonymous"

    '''''''''''''
    P. S.: Mein Infragestellen betrifft also nicht nur das Kommentieren zu "Die Axone des Bösen", sondern mehr noch jene sensibilisierende zu "Anamnese bei Aldi"; so wird es sogleich auch dorthin übertragen.

  • 30
    11.06.09 - 11:14
    anonymous

    Das ist keineFrage der Zeit mehr. Nur noch die Frage "wie sag ichs offen dem Volk". In bereits vielen Gesundheitsbereichen ist die Ethik eh nur noch vorgeschoben. Die EU hat als Maxime den totalen "freien Warenverkehr". Diese Maxime gilt erst recht im europäischen Gesundheitswesen, im Besonderen in Deutschland aks größtem Markt.. Die permanent klammen kommunalen wie privaten Kliniken haben ängst Marketingstrategien entwickelt, um mehr zahlungskräftige Privat- und Selbstzahlpatienten in getrennte private Abteilungen bei exzellenter Betreuung und Küche zu bekommen. Und auch hier müssen die Umworbenen nicht unbedingt krank sein. Ivents in Kliniken sind da nicht mehr weit. Was sollte daran an sich verwerflich sein?

    Die Pharmaindustrie drückt teure Arzneimittel und fragwürdige Impfungen in den Patientenmarkt mittels finanziell geförderter "neutraler" Gesundheitsgrupierung-
    en und Patietentenberatungen.
    So paßt auch der holländische Pharmaversandhändler ins Bild, der Deutschland mit einer Kette überziehen wollte, deren Besitzer eine Kapitalgesellschaft ist und die bereits halb Europa mit Apothekenketten überzieht. Das Ziel ist in allen Fällen keine Ethik, sondern reine Gewinnmaximierung. Verwerflich?

    Das ist nicht nur EU-gewollt mit der heftigen Unterstützung durch die OECD, sondern auch im Interesse der vernetzten "Gesundheitsindustrie", zu der alle Gruppierungen im Gesundheitswesen gehören.

    Da braucht keiner aufschreien und sich entrüsten. Deutschland ist schon längst dabei. Pecunia non olet.

  • 29
    User_default_image
    11.06.09 - 10:51
    bert kitzing
    Student/in der Humanmedizin

    gäbe es in sozialen brennpunkten solche praxis-supermarktkollaborationen mit entsprechend konsumerfreundlichem angebot wer weiss vielleicht würden mehr menschen die es nötig haben mal einen termin beim arzt wahrnemhmen

  • 28
    10.06.09 - 21:46
    anonymous

    Ist es nicht schlimm genug, dass Aldi, Lidl und andere Großmarktketten auf der Jagd nach mehr Profit die "Tante-Emma-Läden" zur Strecke gebracht haben? Die Schonzeit für Hausärzte ist wohl endgültig vorbei.Jetzt wird also indirekt die Treib-Jagd auf sie angeblasen! Viele unserer Kollegen wird bei steigenden Kosten und fallenden Punktwerten dann der Fangschuss der Gropßkonzerne in die ewigen Jagdgründe befördern. Halali!!

  • 27
    Defaultmedium
    10.06.09 - 20:43

    Sehr interessanter Artikel und viele gute, lesenswerte Kommentare. Auch ich finde es eher ein Horrorszenario, wenn ich mir vorstelle, demnächst neben der Supermarktkasse mit PatientInnnen über ihre psychischen Probleme und Suizidalität zu sprechen.
    Was aber hierdurch und durch das Nebeneinanderstellen von Medizin und Shopping-Mall m. E. deutlich gemacht wird, ist die Tatsache, dass Medizin auch Geld kostet und dass man sich Gedanken machen sollte, wer unsere "Spitzenmedizin" (haben wir die eigentlich noch?) in Zukunft bezahlt oder ob man vielleicht doch eine gewisse Abstufung vornimmt, damit die Spitzenmedizin weiterhin denjenigen PatientInnen zu Gute kommt, die sie benötigen (nicht nur denen, die sie sich leisten können), aber vielleicht eine Art Basisversorgung oder "Vorscreening"-Instanz durch eine noch zu schaffende "Mittelschicht" der Heilberufe, etwa vergleichbar den Nurse Practicioners, d.h. Pflegekräfte oder medizinische Fachangestellte mit besser qualifizierender Ausbildung oder entsprechender Weiterbildung (z. B. Bachelor) wahrgenommen wird. Erste Denkansätze in diese Richtung gibt es ja bereits aufgrund des Ärztemangels in Deutschland (Hausbesuche bei PatientInnen im ländlichen Bereich zunächst durch Gemeindeschwester, die dann telefonisch Rücksprache mit dem Arzt nehmen kann, ggf. mit telemedizinischer Unterstützung). Hier gäbe es sicherlich einiges zu optimieren/überdenken.
    Das führt zwar jetzt weg von der ursprünglichen Thematik der "Walk-In-Clinic" im Supermarkt, aber diese Gedanken drängen sich mir dabei auf.

  • 26
    10.06.09 - 17:13
    anonymous

    Und glücklicherweise werden dann alle von uns vor denen verschont, die sich mit ihrem Vorderwaninfarkt für Aldi entschieden haben...

    Diese Vorstellung bedeutet für mich die Perversion der medizinischen Versorgung.
    Nur ein Medizinsystem welches über Jahrzehnte von Bush und co vernachlässigt wurde kann solch krankhafte Konzepte wie dies erdenken.
    Wir sollte dies als abschreckendes Beispiel aber nicht als mögliches Konzept sehen.
    An diesem Punkt sind wir hoffentlich noch nicht! Noch ist es Zeit sich zu wehren, evtl mit eskalierenden Mitteln...

    Zeigen wir den Amerikanern das wir über mehr als 2 Synapsen verfügen!!!

    MkG

  • 25
    10.06.09 - 14:23
    Gerhard Reich

    Zum Glück haben wir unsere Heilpraktiker!!!

  • 24
    10.06.09 - 13:14
    anonymous

    Ein kleiner Hinweis zur zukünftigen Qualifikation der Pflegekräfte.
    Der Bundestag hat soeben die Zugangansvorausseztungen zum Beruf des/der Gesundheits-/und Kranhenpflegers/in im Krankenpflegegesetz geändert. Jeder mit Hauptschule (ohne Quali) kann jetzt den Beruf erlernen- bisherige Zugangsvoraussetzung war mind. Mittlere Reife. Deutschland geht genau den entgegngesetzten Weg aller anderen EU-Staaten. Unter diesen düsteren Aussichten wird wohl kaum eine Real - Wal-Mart oder Lidlklinik zu führen sein.

  • 23
    10.06.09 - 11:53
    Thomas Schidlack

    Also bitte – der Ansatz ist doch gar nicht so schlecht. Wir bekommen die 5 Klassen Medizin. Die 1. Klasse steht für alles was es heute braucht um 100 Jahre alt zu werden. Wenn keine Hausbesuche helfen, dann ein 5 Sterne Hotel mit privater ärztlicher 24 Std. Versorgung mit 2 Sterne Küche in der Suite. Die 2. Klasse steht für zahlungskräftigen Patienten mit TOP Versorgung und eigener Zuzahlung. Die 3. Klasse ist der heutige IST – Zustand und wird mehr und mehr gekürzt. Aber nun wird es spannend – es kommen 2 weitere Klassen hinzu.
    Die 4. Klasse wird dann möglicherweise beim Einkauf bedient. Vorstellbar in der Warteschlange an der Kasse ( 3 – 5 Min.), oder am Leergut Automat beim einwerfen der Flaschen. Der Pfandbon wird dann über die Krankenkasse verrechnet. Sollte der Patient diesen Service der Krankenkassen 1 Monat nicht in Anspruch nehmen, gibt es ein Bonusgutschein für den nächsten Einkauf mit doppelter payback Punktzahl.
    Jetzt noch Klasse 5. Diese ist mit besonderem Service hinterlegt. Das System heißt dann möglicherweise : „Arzt to GO“ oder „Arzt in Show System“. Eine Frau macht einen Termin beim Frisör. Da dieser dann mit den Haaren beschäftigt ist, könnte doch schnell mal ein Gynäkologe oder ein Orthopäde zwischendurch vorbei schauen.
    Bei einem möglichen „Drive in“ oder „Come in and ...... Doc out“, brauchen die Patienten noch nicht einmal das Auto zu verlassen. In der „Happy Hour“ gibt es dazu 2 : 1 (Gynäkologe / Orthopäde), mit einem Film Ihrer Wahl ! Die Kinder können an der bunten Hüpfburg abgegeben werden, da wir sowieso bei MC D..... sind. Ich bin gespannt was es für die Geburtstagsfeiern geben wird ?! ............OP ganz einfach mal selbst machen.......oder .....operieren nach Zahlen ? Schöne neue Welt – bei der mir jetzt schon ganz schlecht wird und ich überlege ob ich nicht direkt mal die 3. Klasse der Medizin nutzen sollte – bevor es die nicht mehr gibt !

  • 22
    10.06.09 - 11:43
    anonymous

    Was läuft denn jetzt bei uns so falsch, dass wir nicht mehr in eine andere Richtung steuern können? Meine HP Praxis läuft eh immer besser, je weniger die Menschen mit dem jetzigen Gesundheitssystem zurecht kommen. (Arzt hat zu, Termin erst in vier Wochen, ert zum Facharzt überwiesen wegen Wadenkrämpfen, ENG etc (ein rotes Blutbild hatte noch keiner gemacht --> deutlich erkennbarer B12 Mangel...)
    ABER ich kenne meine Grenzen und ich kann vieles NICHT behandeln. Was dann?

  • 21
    10.06.09 - 11:38
    Barfus

    Wir sollten wirklich allen Irrwegen folgen, die eines der marodesten Gesundheitswesen unter allen Industriestaaten geht. Dann werden wir unseren Spitzenplatz in der Welt aufgeben zugunsten einer Frisörideologie und Krabbeltischkultur. Am fatalsten: Die Versteppung der medizinischen Landschaft mit akademisch Schnellbesolten nimmt Fahrt auf hin zu den Verhältnissen der jüngeren Verganhenheit,in denen Chirurgen keine Mediziner waren. Gott bewahre uns vor Unternehmen, die uns alle in eine Krankheitsschutzhaft als Krankheitsvieh nehmen möchten.

  • 20
    10.06.09 - 11:29
    anonymous

    Keine angst Deutschland, der Systemvergleich past nicht. Im Grunde fuehren die amerikaner gerade ein System ein was es in Deutschland schon lange gibt, mit den untersuchenden Hausaerzten/Innnen und den Praeventionsempfehlungen der Heilpraktiker/Innen und Ernaehrungsberater/Innen.
    Sicherlich koennte das Taetigkeitsgebiet der Hausaerzte weiter ausgebaut werden und damit die Fachaerzte entlastet.
    Nur zugang zum Facharzt mit Ueberweisung vom Hausarzt, nach Praxistermin. Solche "Kleinnigkeiten" wie Muttermale kann doch auch der Hausarzt gut beurteilen, das muss doch nicht sofort der Hautarzt sein.
    Schoene gruesse aus den Niederlanden.

  • 19
    10.06.09 - 10:37
    Corinna Brückner

    Sehr gut !! Der Artikel gibt einen hervorragenden Einblick in die, dem normalen Bürger/ Patienten sonst eher verborgenen Zusammenhänge von Medizin und Medizinwirtschaft von heute und die zu erwartenden Entwickungen in der Zukunft.
    Wie immer, gibt es hier auch diverse Vor- und Nachteile.
    Letztendlich sind Patienten und Politiker gefragt praktikable, menschenwürdige Lösungen einzufordern. Bei einem Aufenthalt in den USA vor einigen Jahren hatte ich Gelegenheit einen solch beschriebenen supermarkt-drive- in-doctor zu konsultieren. Das Ganze war nicht gerade billig, allerdings sehr effektiv, ohne lange Wartezeiten und umständliche bürokratische Prozeduren und mit einer freundlichen und fachlich-komeptenten Hilfeleistung.

  • 18
    Defaultmedium
    10.06.09 - 10:31
    Thomas Zimmermann
    Medizininformatiker/in

    Der Vergleich des bundesdeutschen mit dem us-amerikanischen Systems ist extrem schwierig, weil sowohl das Finanzierungssystem als auch die Ausbildungen der Beschäftigten sehr stark unterscheiden. Was in Deutschland als Arzthelferin oder Rettungssanitäter unterwegs ist, dürfte in USA nicht tätig sein. Von daher ist für Deutschland der Medi-Walk-In nicht machbar, da es an einer "Mittelschicht" an Personal mangelt. Ein Arzt braucht als Ausbildungsvoraussetztung in D ein Spitzenabitur, die Arzthelferin den gleichen Hauptschulabschluss wie eine Friseuse. Hier hat sich die Schere zwischen "arm und reich" bereits traditionell seit Jahrzehnen verfestigt.

    Verständlich, dass ein Arzt nicht für weniger Geld arbeiten möchte, als er "verdient" (meine ich wörtlich). Verständlich aber auch, dass die Helferinnen nicht mehr machen können, als sie "können" (meine ich doppelsinnig).

    Nicht nur weil in USA alles schlecht ist, ist in EU automatisch alles besser!

  • 17
    10.06.09 - 09:11
    anonymous

    zitat: dr.markus müschenich: "kein krhs der zukunft kann es sich erlauben auf einen patienten nur deshalb zu verzichten weil er nicht krank ist.-" meine antwort:" jedes krhs wird in zukunft auf patienten verzichten können die krank sind und zahlungsunfähig!!

    die die wirklich hilfe brauchen bleiben auf der strecke-
    die anderen finanzieren ihr wochenendlifting-

  • 16
    10.06.09 - 09:04
    anonymous

    wenn jemand wirklich krank ist- findet er den gedanken nicht mehr witzig!

  • 15
    10.06.09 - 08:45
    anonymous

    Skurril! Gegen inovative Ansätze zur Minderung der Kosten im Gesundheitswesen ist nichts zu sagen - außer, dass die Vertreter der einzelnen am Gesundheitswesen partizipierenden Gruppen nicht immer nur an ihre eigenen Pfründe denken sollte - doch wie sieht es bei einem solchen Konzept mit der Qualität aus!? Außerdem erachte ich die Vernetzung von Konsumverhaltensdaten mit persönlichen Gesundheits-/Krankheitsdaten für äußerst bedenklich. Ein weiterer Schritt zum ohnehin schon gläserner Bürger.

  • 14
    User_default_image
    10.06.09 - 08:33
    Dr.med Yi Gao-Meilicke
    Arzt/Ärztin

    eigentlich gar keine schlechte Idee, um die lange Wartezeit bei manchen "Kleinigkeiten" zu umgehen. Vielleicht kann man es ja i.From von Selbstzabeteiligung machen.

  • 13
    10.06.09 - 08:21
    anonymous

    Wie so viele Artikel behandeln sie ein paar Punkte und erklären gar nicht worum es geht? Ein Beispiel für ein Walk in wäre interessant gewesen. Es waren ja nicht alle Leser - wie die Autorin möglicherweise - vor Ort. Oder war sie es auch nicht?

  • 12
    10.06.09 - 08:07
    anonymous

    Ich wundere mich über gar nichts mehr, allenfalls darüber, dass sogar Kollegen bei so einer "Aquise" mitmachen!

  • 11
    10.06.09 - 07:49
    anonymous

    Tja, nur wird auch diese Welle bald zu uns schwappen.

    Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung in den USA, vielleicht gar keine so schlechte Idee.

  • 10
    10.06.09 - 07:22
    anonymous

    Krankheit als Ware ?

    Poor America, wir müssen nicht alles mitmachen, oder ?!

  • 9
    10.06.09 - 07:15
    anonymus

    An sich praktisch, wenn sich der Hautarzt eben mal ein Muttermal ansehen kan, ohne das man drei Wochen vorher einen termin vereinabren muss und dann ewig in der Praxis wartet. ^^
    Passend zum Fast Food, die Fast Food Medizin.

    Ein Hautkrebsscreening heute im Angebot, dazu noch eine professionelle Zahnreinigung, Dauerwelle und ne Packung Spargel für nur 49,99 €

  • 8
    10.06.09 - 00:06
    anonymous

    Dazu fällt mir nur ein italienisches Sprichwort ein:
    "Wer alles nur des Geldes wegen tut, wird bald des Geldes wegen alles tun"!!!

  • 7
    User_default_image
    09.06.09 - 23:30
    Jens Bachmann
    Student/in der Humanmedizin

    Wenn ich mir vorstelle, dass sich an der Stelle meines supermarktes, wo sich momentan die Leergutannahme befindet, eine Praxis oder gar eine Klinik befinden soll, bekomme ich große Bauchschmerzen. Eine Entwicklung in die andere, patienten- und nicht profitorientierte Richtung wäre mir lieber.

  • 6
    09.06.09 - 21:34
    anonymous

    Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie so etwas abläuft, eine Schilderung, an einem Beispiel hätte den Artikel für mich interessanter und verständlicher gemacht.
    Aber interessant klingt das Ganze schon, warum eigentlich nicht?

  • 5
    09.06.09 - 21:20
    anonymous

    Wäre nett gewesen, wenn man aus dem Artikel auch hätte erkennen können, was das Konzept der "Walk-in-clinic" überhaupt bedeutet! Erst wenn man den ganzen Artikel gelesen hat kann man sich zusammenreimen, dass es soch offenbar um eine Art Sprechstunde ohne Anmeldung bei Paramedics handelt - oder??!

  • 4
    Defaultmedium
    09.06.09 - 21:17

    Mit Karl Marx zu antworten heißt das: "Im Kapitalismus ist alles erlaubt und wenn der Profit hoch genug ist dann werden auch die Menschenrechte mit Füßen getreten.In sofern ist das eben eine ganz normale Entwicklung, da es sich bei Patienten nichtg um kranke Menschen sondern um Konsumenten handelt bzw. Kunden.

  • 3
    User_default_image
    09.06.09 - 21:05
    dm matthias kittlitz
    Arzt/Ärztin

    da gibts nur ein wort

    HORRORSZENARIO

  • 2
    User_default_image
    09.06.09 - 17:11
    Dr. med. Markus Neumann
    Arzt/Ärztin

    Ein kleiner Hinweis sei erlaubt: alle Registered Nurses in den USA haben einen Bachelor-Abschluß - etwas, was man unsinnigerweise (aus Kostengründen??) den Pflegekräften in Deutschland verwehrt.
    Nurse Practicioners haben darauf aufbauend i.d.R. einen Master- oder Doktorgrad erworben. Je nach Staat sind sie dann vollständig selbständig oder in Kooperation mit Ärzten tätig.

  • 1
    09.06.09 - 17:10
    anonymous

    Armes Deutschland

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