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Hasta la vista, Hörsaal

Ein schlichter Vorhang vor einem Juwel

Eine knappe unscheinbare Startseite finden die Studenten der Rheinisch-Technischen Westfälischen Hochschule Aachen, wenn Sie den einfachen Link zum E-Learning-Portal L2P der Hochschule eingeben, den sie in der ersten Vorlesung vom Professor vorne an die Tafel geschrieben bekommen haben.
Ein Kennwort und ein Username werden gefragt, das ist jedoch kein Problem: Durch ein intelligentes Identity-Management des Rechen- und Kommunikationszentrums der Hochschule sind das die selben, wie zum eMail-Account.
„Vorher muss man sich im Campus-System für die Vorlesung anmelden“, erklärt Nils Reuter, der seit 3 Jahren an der RWTH studiert. Das jedoch ist kein Problem, die Hochschule hat schon vor Jahren das telefonbuchdicke Vorlesungsverzeichnis durch das System Campus ersetzt. Hier kann nicht nur jeder Student seine Stundenpläne zusammenstellen oder automatisch Terminänderungen erfahren. Auch die Logistik wurde dadurch einfacher – die Institute wissen sofort, wer an welcher Vorlesung teilnehmen wird. Meterlange Schlangen von den Instituten gehören in der Hochschule der Vergangenheit an. Die Anmelde-Informationen werden ins E-Learning-Portal übertragen.
Im E-Learning-Portal sind dann die Möglichkeiten unbegrenzt. „Bisher werden meist nur die Vorlesungsfolien, Studienpläne und Kursordnungen bereitgestellt“, sagt Frederik Steiner, Medizin-Student am Universitätsklinikum Aachen. Aber es geht noch mehr, und wird schrittweise eingeführt: Virtuelle Sprechstunden im E-Learning-Forum sind geplant, in denen die Studenten ihrem Dozenten mit Fragen bombardieren dürfen – und sollen, da E-Learning ausdrücklich interaktiv sein soll. Ein weiterer Vorteil ist der schnelle Informationsfluss: Wenn noch Inhalte nachgereicht werden müssen, die in der Vorlesung keinen Platz mehr hatten, sind hier jederzeit Uploads durch die Kursleiter möglich.

Vernetzung im Netz

Die drei Ruhrgebiets-Universitäten in Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen haben sich bereits 2007 zur Universitätsallianz Metropole Ruhr zusammengetan. Der RuhrCampusOnline ist ein gemeinsames Projekt – die Studenten der einzelnen Universitäten nutzen das Portal gemeinsam. So erschließen sich immer mehr Inhalte, der Student kann Vorlesungen besuchen, die vor einigen Monaten noch eine längere Bahnfahrt, frühes Aufstehen und viel Bürokratie erfordert hätte. Das ist vorbei: Die in den Veranstaltungen im RuhrCampusOnline erbrachten Leistungen erkennen die Universitäten gegenseitig an.

The Killers, Britney Spears, Tokio Hotel, Myokardinfarkt

Während den meisten im iTunes Store bisher nur die Stars aus Musik und TV begegnet sind, werden nun auch typisch universitäre Themen im Apple-Medienportal hoffähig. Hinter dem Projekt iTunes-University verbirgt sich die Erweiterung des E-Learings um ganze Vorlesung und Lehrvideos. In der iTunes-University der RWTH Aachen präsentieren verschiedenste Fachbereiche Vorlesungsreihen zum anschauen in der heimischen Küche. Die Architekten, Geographen waren am Anfang die ersten – und der Pathologe Dr. Alberto Perez-Bouza mit seinem Prohekt „PathoCast“(wir berichteten). Weltweit kann jeder die Vorlesungen ansehen, ein ganz neues Publikum. Aber auch verloren geglaubtes Publikum kehrt zurück: Auch Studenten, die die Vorlesung im Hörsaal nie besucht hätten, können nun beim Lernen darauf zugreifen.

Klausuren online

Soweit geht es bisher noch nicht. Zwar werden in Aachen mittlerweile einige Klausuren am Rechner geschrieben – aber bisher nur im Computer-Pool unter Aufsicht, selbst wenn es sich um eine „Kofferklausur“ handelt, in denen sprichwörtlich Mitschriften und Bücher „im Koffer“ mitgebracht werden dürfen. Zuhause geht das nicht, den Täuschungsversuche sind dennoch möglich: Noch kann man nicht überprüfen, ob der Freund aus dem höheren Semester hinter dem Prüfling steht.

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Stud.med. Jan Brünsing

Student/in der Humanmedizin

52072 Aachen

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Kommentare

  • 3
    11.03.09 - 19:20
    Hilko

    ...oder die Rheinländer haben einfach die bessere Pressearbeit :-)

  • 2
    11.03.09 - 18:53
    Thilo

    Wir Rheinländer sind halt Spätzünder. Aber dafür funkts dann auch besser. ;-)

  • 1
    11.03.09 - 18:28
    Frank

    Sie sind ja wirklich von der schnellen Truppe. Seit mehreren Jahren gibts in München die Plattform Casus und seit zwei Jahren Podcasts der Vorlesungen.
    Sehr gute Journalistische Arbeit

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