Das “Ex” in Examen

5. Oktober 2011
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Es erfüllt Lebensträume, zerstört Pläne und tötet Nerven: das Hammerexamen. Obwohl es alles besser machen sollte, könnte es bald wieder abgeschafft werden - um wieder mal alles besser zu machen.

Es ist wieder so weit: 3 Tage. 15 Stunden. 320 Fragen. Das sind die brutalsten Tage im Leben eines Medizinstudierenden. Das monströse Hammerexamen erwartet jeden – oder nicht?

Die 2. Ärztliche Prüfung (M2) gibt es in ihrer jetzigen Form seit Herbst 2006. Seit damals ist die Durchfallquote von anfänglich fast 10% auf nun im Frühjahr 2011 6,7% abgesunken. Das Physikum im gleichen Jahr hatte eine vergleichsweise gigantische Durchfallquote von 21,7%.

Trotzdem spielen die Anforderungen des Hammerexamens in einer ganz anderen Liga. In 3 Tagen wird das gesamte klinische Fachwissen, welches bis zum PJ gesammelt wurde, in altbekannter Multiple Choice-Fragenform abgeprüft. Da jedoch während des PJs wenig Zeit zum Lernen bleibt, wird es deutlich schwerer, plötzlich ein Jahr später das gesamte Wissen abzurufen. Zusätzlich erwartet den Studenten auch noch eine mündliche Prüfung, welche die Hälfte der Examensnote ausmacht. Weinmann, 2009 Vorsitzender des Sprecherrats der Medizinstudierenden im Marburger Bund, teilte damals dem Deutschen Ärzteblatt mit, dass die “Prüfungsinhalte oft wenig praxisorientiert” sind und “manches Thema auf Facharztniveau” behandelt wird.

Die guten alten Zeiten

Verträumt schwärmt mancher Ex-Student und Arzt von der Zeit vor dem Hammerexamen. Damals war alles besser und einfacher – und gute Ärzte sind sie auch geworden…

Die tragische Wende vollzog sich im Herbst des Jahres 2006. Davor hatte der Medizinstudent 3 große Prüfungen: das Physikum oder auch ärztliche Vorprüfung genannt, das 2. Staatsexamen in schriftlicher Form vor dem PJ und das 3. mündlich nach dem PJ. Außerdem waren die Fragen nach Fächern aufgeteilt. Heute muss alles praxisorientiert sein: Krankheitsbilder und Gesundheitsstörung mit Beschwerden, Diagnostik und Therapie werden abgefragt. Fächerübergreifend und fallorientiert. Der Gedanke hinter der Änderung 2006: Das PJ wird als praktische Erfahrung für das Examen benötigt.

Nichts bleibt wie es war?

Irgendwie hatte aber jeder etwas an dieser neuen Regelung auszusetzen und immer ist jemand anderes Schuld: die faulen Studenten, die schlechte Ausbildung an den Universitäten und natürlich die unangemessenen Prüfungsfragen des IMPP. Also lautet die Lösung: Neuer Wein in alten Schläuchen. Das Hammerexamen soll wieder aufgeteilt werden. Der schriftliche Teil erfolgt vor dem PJ, der mündliche nach dem PJ. Erklärtes Ziel ist es, die Medizinstudierenden zu fördern. War das nicht auch 2006 die Intention?

Was bleibt ist die Frage: Schwanken wir jetzt nur noch zwischen unseren Erfahrungen vergangener Tage hin- und her auf der Suche nach der Optimallösung? Wieso nicht auch einmal revolutionär denken? Eine Anregung: In Spanien verzichtet man auf das Examen vollständig. Wer seine Scheine bestanden hat, ist Arzt.

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