Histaminintoleranz: Morbus Gouda

14. Februar 2013
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Histaminintoleranz wird nicht selten als eigenständiges Krankheitsbild in Frage gestellt. Ein Argument dafür: Der Körper könne nicht gegen einen biogenen Transmitter unverträglich reagieren. Seit 2012 hat die HIT eine eigene Leitlinie.

Bei einer Histaminintoleranz handelt es sich um keine echte Allergie im klassischen Sinne. Es kommt zu keiner Antigen-Antikörper-Reaktion, sondern der Körper kann exogen aufgenommenes Histamin nicht ausreichend abbauen. In Rotwein, gereiftem Käse, Rohwurst, Tomaten und Sauerkraut sind zum Teil erhebliche Mengen an Histamin vorhanden. Spitzenreiter ist Thunfisch. Bei den Patienten kommt es nach Genuss dieser Nahrungsmittel zu einer enteralen Histaminose.

Pathogenese unklar

Die Aktivität des histaminabbauenden Enzyms, der Diaminoxidase (DAO), im Darm wird gehemmt und Histamin dadurch vermindert abgebaut. Ein anderer Histaminabbauweg ist eine Methylierung durch Histamin-N-Methyltransferase (HNMT). Die Folgen sind Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden, Magen-Darmstörungen und Hautausschlag. Neben Histamin zählt auch Serotonin zu den biogenen Aminen. Es kommt unter anderem in Walnüssen, Bananen und Ananas verstärkt vor. Soweit zumindest die bisher angenommene Pathogenese.

Besonders histaminhaltige Nahrungsmittel
Fisch (z. B. Thunfisch, Makrele, Sardelle, Fischkonserven)
Käse (z. B. Hartkäse, Emmentaler, Camembert, Roquefort, Brie)
Hartwurst (z. B. Dauerwurst, Salami, Rohschinken)
Gemüse (z. B. Sauerkraut, Spinat, Tomaten)
Alkohol (z. B. Rotwein, Sekt, Weißwein, Bier)
Auch diese Lebensmittel enthalten biogene Amine: Schokolade, Nüsse, Eier, Milch, Ananas, Papayas, Erdbeeren.

HIT-Test ist kein Hit

Bisher existiert kein objektiver Parameter zum Nachweis der Histaminintoleranz. Zwar können der Plasmahistaminspiegel, Methylhistamin im Urin und die DAO-Aktivität im Serum gemessen werden, doch erlauben die Werte keine eindeutigen Schlussfolgerungen. Auch Provokationstests mit 0,75 mg/kgKG Histaminhydrochlorid sind nicht valide, auch einige gesunde Probanden reagieren darauf. Bei der medizinischen Puzzlearbeit sollte differenzialdiagnostisch an entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie, Kohlenhydratverwertungsstörungen oder “echte” Nahrungsmittelallergien gedacht werden.

HIT-Liste

Prof. Dr. Reinhart Jarisch, Allergologe aus Wien prangert folgende Nahrungsmittel als HIT-Auslöser an:

  1. Alkoholische Getränke
  2. Käse (insbesondere Hartkäse wie Emmentaler)
  3. Schokolade
  4. Salami und andere haltbar gemachte Rohwürste
  5. Nüsse
  6. Tomaten (= Ketchup = Pizza mit Tomatenmark)
  7. Erdbeeren, Zitrusfrüchte (nicht Vitamin C)
  8. Sauerkraut
  9. Spinat
  10. Fisch

Der Histamingehalt von Nahrungsmitteln kann je nach Reifegrad, Lagerdauer und Verarbeitung stark schwanken. So findet man beispielsweise beim Emmentaler einen Histamingehalt von < 0,1 bis zu 2000 mg/kg. Bei alkoholischen Getränken sind nicht der Alkohol, sondern die Begleitstoffe Histaminliberatoren. Im Fass gelagerter (Schwefel?) Rotwein oder Champagner ist HIT-verdächtiger als Weißwein aus dem Stahltank. Auf Nachfrage geben die Winzer den bestimmten Histamingehalt ihres Weines preis.

Das Chinarestaurantsyndrom ist fast schon so berühmt wie die Wanze von Loriot. Über die Realexistenz beider kann man streiten. Lange wurde eine Allergie gegenüber Glutamat für Flush-Reaktionen nach dem Besuch eines Chinarestaurants verantwortlich gemacht. Vermutlich ist es jedoch keine echte Allergie, sondern Glutamat fungiert als Abbauhemmer für DAO. Eine andere Theorie könnte auch Fischsoße oder Sojasoße als Auslöser sein. Üblicherweise verringert sich der Histamingehalt durch das Erhitzen von Speisen. Sojasoße bildet hier eine Ausnahme: der ohnehin hohe Histamingehalt nimmt noch weiter zu. Vor allem dunkle Soßen weisen hohe Histaminwerte auf. Und bei der Zubereitung von einigen Soßen wie Shoyu entstehen während der Fermentierung Flavone, die Histidin-Decarboxylase hemmen. Das führt dazu, dass freigesetztes Histamin nicht mehr abgebaut wird.

Mit der S1 zum Platz der Erkenntnis?

In der 2012 erschienenen S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI) wird die HIT zwar als Erkrankung anerkannt, die Pathogenese jedoch als unklar angesehen. “Die wissenschaftliche Evidenz für die postulierten Zusammenhänge ist begrenzt, eine verlässliche Laborbestimmung zur definitiven Diagnose nicht vorhanden”, so die ernüchternde Aussage. Nach aktuellem Kenntnisstand lassen beim Menschen – im Gegensatz zum Tiermodell – die Konzentrationen der DAO im Blut allerdings keinen Rückschluss auf die Enzymaktivität der DAO im Dünndarm zu. Der Begriff der “Histaminintoleranz” wurde in Anlehnung an den Begriff der Laktoseintoleranz geprägt. Bislang fehlen jedoch prospektive, kontrollierte Studien, die einen Enzym- und/oder Enzymaktivitätsmangel als Ursache einer Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin sicher belegen.

Therapie in drei Stufen

In den Leitlinien wird das Führen eines Symptomtagebuches über sechs bis acht Wochen und eine dreistufige Ernährungsumstellung empfohlen. Die 10- bis 14-tägige Karenzphase dient der weitgehenden Symptomreduktion.

  • In der Karenzphase heißt es: nur histaminarme Kost. Alkohol, geräucherte Fleischprodukte, bestimmte Fischarten (Thunfisch, Makrelen und Sardinen) sowie Käse werden vom Speiseplan gestrichen.
  • In der folgenden Testphase werden histaminreiche Nahrungsmittel nacheinander in den Speiseplan eingeführt und so die individuellen Verträglichkeiten ermittelt. Bei Diätfehlern sind H1- oder H2-Blocker einen Therapieversuch wert. “Es ist als pragmatisches Vorgehen denkbar, Patienten mit einer vermuteten Histaminunverträglichkeit über einen definierten Zeitraum mit H1/H2-Rezeptorblockern zu behandeln, um zu überprüfen, ob sich das Beschwerdebild verändert”, so die Empfehlung der Leitlinie.
  • Für die Phase III, die Dauerernährung, existieren individuelle, bedarfsdeckende Ernährungsempfehlungen. Erst danach sollte durch Titrierung mit Histaminhydrochlorid (in Zwei-Stunden-Abständen 0,5, 0,75 und 1,0 mg/kgKG) die persönliche Schwelle festgestellt werden.

Hustenmittel hemmen DAO

Zahlreiche Medikamente hemmen histaminabbauende Enzyme. In der Fachinformation ist dies dann mit der Klausel “kann Asthmaanfälle auslösen” oder “kann zu Flush-Reaktionen führen” gut versteckt. Brisant ist, dass auch viele Medikamente, die von Asthmatikern verwendet werden, DAO und andere Enzyme hemmen.

DAO-hemmende Pharmaka
Acetylcystein Haloperidol
Ambroxol Metamizol
Aminophyllin Metoclopramid
Amitriptylin Naproxen
Ciprofloxacin Noscapin
Docein Röntgenkontrastmittel
Diazepam Verapamil
Diphenhydramin

Ernährung? Beratung!

Die Leitlinienautoren raten behandelnden Ärzten, den Patienten einer fachkompetenten Ernährungsberatung zuzuführen. So ließe sich vermeiden, dass Patienten wissenschaftlich nicht gesicherte Diätformen befolgen, “die zu einer unnötigen Einschränkung der Lebensqualität führen”. Inwieweit eine Diät tatsächlich biologische Veränderungen erzielt bzw. wie stark die psychologische Komponente durch kompetente Beratung zum Tragen kommt, sollen weitere Studien klären. Die inkonsistente Datenlage zu biogenen Aminen in Nahrungsmitteln erschwert sichere Empfehlungen zur Diagnosestellung und Festlegung therapeutischer Maßnahmen.

Alternative oder adjuvante Therapien sucht man in den Leitlinien vergebens. Zahlreiche orthomolekulare Wirkstoffe und Nahrungsergänzungsmittel versprechen Besserung. In Anwendungsbeobachtungen haben sich die Vitamine C, B6 und die Mineralstoffe Zink, Calcium, Kupfer, Magnesium und Mangan als mögliche DAO-Förderer erwiesen. Ein auf dem Markt befindliches Produkt enthält Diaminooxidase plus einige Vitamine als Fixkombination. Leider fehlen auch hier valide Studiendaten.

210 Wertungen (4.39 ø)
Medizin

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14 Kommentare:

Lieber Kollege Dr. Karch,
wo kann man Ihre Fallstudien nachlesen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Mieke

#14 |
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Dr. med. Martin Kaiser
Dr. med. Martin Kaiser

Als 65-jähriger Schulmediziner traue ich mich kaum auf paramedizinische Ansätze zu verweisen. Meine Frau, selber Ärztin war für 14 Jahre an MCS erkrankt, da unser geliebte wissenschaftliche Medizin nicht sehr hilfreich war, haben wir uns mit großen inneren Widerstände um andere Ansätze bemüht.
Meine Frau behandelt sehr erfolgreich Nahrungsmittel-intoleranzen einerseits mit der vielgeschmähten Bioresonanztherapie und neuerdings mit Psychokinesiologie nach Dr. Dietrich Klinghardt.
Der Aufwand ist überschaubar, die Erfolge beeindruckend, leider muß das naturwissenschaftliche Weltbild einige Federn lassen. Es stellt sich die Alternative: Krank bleiben und sein Weltbild retten oder sein Weltbild erweitern und gesunden. Beides tut weh !! Dr. Matin Kaiser, Leimiss 54, 72270 Baiersbronn.e-mail:martheo.kaiser@gmx.de

#13 |
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Ingolf Spickschen
Ingolf Spickschen

Ich leide seit Jahren(auch vor der Anti-Stroke-Medikation und regelmäßigen Magnesiumzufuhr gegen Krämpfe) unter unnormal starker Gasentwicklung im(Dick-?)Darm. Einflüsse bestimmter Lebensmittel/Getränke konnte ich bisher nicht verifizieren. Auch Leitungswassertrinken hilft nicht. Allein an einer Übersäuerung kann es nicht liegen. Ich esse regelmäßig “Türkenkäse” mit roten Tomaten, viel Grau- und Schwarzbrot, vorzugsweise Kartoffeln mit Gemüse und regelmäßig, aber relativ wenig, Fleisch/Wurst. Wegen Übersäuerung trinke ich kaum Kaffee, dafür schwarzen Tee und Leitungswasser sowie unregelmäßig abends 1 Bier oder Glas Wein, regelmäßig 1-2 Obst pro Tag(meist Apfel, Zitrusfrucht, Kiwi).
Kein Arzt hat bisher eine Erklärung.
Gestern scheiterte der Urologe bei der Ultraschalluntersuchung der Galle, weil diese hinterm gasgefüllten Dickdarm kaum austzumachen war. Bauchschmerzen hatte und habe ich keine.
Weiß jemand Rat?
Ingolf Spickschen

#12 |
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Dr. Karl-Norbert Klotz
Dr. Karl-Norbert Klotz

Sehr geehrter Herr Bastigkeit,

im Kontext alkoholischer Getränke schreiben Sie, daß nicht der Alkohol, sondern Histaminliberatoren für Probleme verantwortlich zu machen sind. Dann wäre der Histamingehalt von Wein von sekundärer Bedeutung und die Frage an den Winzer würde sich erübrigen, oder?

Sie schreiben weiter, “. . . daß Flavone die Histidin-Decarboxylase hemmen. Das führt dazu, dass freigesetztes Histamin nicht mehr abgebaut wird.” Da die His-Decarboxylase für die Histaminbildung verantwortlich ist, würde ihre Hemmung ganz im Gegenteil die Histaminbildung vermindern!

#11 |
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Ursula Johannimloh
Ursula Johannimloh

Sehr geehrter Herr Rädel,

der Einsatz von Antibiotika ist allerdings ein interessanter Ansatz.

Auch ich als Diätassistentin habe oft mit Reizdarm und HIT- Betroffenen Patienten zu tun.
Erst letzte Woche habe ich einen Patienten betreut, der unter anderem auch schon zwei “Ernährungsberater” aufgesucht hat, sich ein Buch gekauft hat und letztlich durch jahrelange Mangelernährung 35 kg Gewicht verloren hat.
Hier bei uns gibt es neben der normalen Krankenhausbehandlung auch eine Psychosomatik, die uns in solchen Fällen hilft, Ängste zu lösen und Fortschritte zu machen.
Inzwischen ist der Speiseplan unseres Patienten von 6(!) Lebensmitteln auf immerhin schon 15 erweitert, und er hat deutlich weniger Bauchweh.

In ihrem Artikel schreiben Sie von qualitätsgesicherter Beratung. In diesem Zusammenhang ist es mir wichtig, nochmal auf den Berufsstand der Diätassistenten hinzuweisen.
Auch wir haben eine fundierte Ausbildung im Bereich Ernährung, im besonderen Maße der Ernährung kranker Menschen.

Angehörige beider Berufsgruppen sollten sich aber nach der Ausbildung/Studium auch weiter gebildet und möglichst zertifiziert haben.

Gute Berater zum Thema Allergien/Intoleranzen vermittelt deutschlandweit der DAAB, darunter finden sich sowohl Ökotrophologen als auch Diätassistenten.

Mit freundlichen Grüßen,
U.Johannimloh

#10 |
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Dipl.-Stom Renate Müller-Balzarek
Dipl.-Stom Renate Müller-Balzarek

Liebe Frau Augustin,
vielleicht können Sie hier Hilfe bekommen!!
Mir sind einige Menschen bekannt, denen es nun wesentlich besser geht, gerade bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
[Kommentar von der Redaktion gekürzt]

#9 |
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Prof. Dr. med. Barbara M.E. Kuntz
Prof. Dr. med. Barbara M.E. Kuntz
#8 |
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Prof. Dr. med. Barbara M.E. Kuntz
Prof. Dr. med. Barbara M.E. Kuntz

Es war und ist die Laus und nicht die Wanze: Steinlaus Petrophaga lorioti aus der Familie der Lapivora mit den Subspecies P.lorioti nephrotica (frißt Nierensteine), P.lorioti vesicae (frißt Blasensteine), P.lorioti cholerica (frißt Gallensteine) und nicht zu vergessen Die Gemeine Steinlaus, P. lorioti communis (frißt in der freien Nataur Silikate),Höhlenbewohner, Kommensale, Erstbeschreibung 1983, kleinstes einheimisches Nagetier, Nachweis außerordentlich schwierig, ggf. mit PCR,(mehr bei Pschyrembel)

#7 |
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Sehr geehrter Herr Rädel,

bei Durchfällen (aber auch Blähungen und ähnlichen Beschwerden) recht bald nach den Mahlzeiten liegt oft eine bakterielle Überbesiedelung (bzw. Fehlbesiedelung) des Dünndarms vor (Small Intestine Bacterial Overgrowth SIBO bzw. Dünn-Darm-Fehl-Besiedelung DDFB). Die Bakterien können selbst Histamin bilden und dadurch die Kapazität der DAO weitgehend auslasten, so dass dann mit der Nahrung aufgenommenes Histamin quasi das Fass zum Überlaufen bringt.
Ebenso können die Bakterien die Enzymproduktion in der Darmschleimhaut beeinflussen und so zu Histamin-, aber auch Laktoseintoleranz führen, die in diesen Fällen oft reversibel sind.

Ich freue mich für Sie, dass das Ciprofloxacin Ihnen so gute Dienste geleistet hat.
Bevor man allerdings ein “Reizdarmsyndrom” mit Antibiotika therapiert, wäre es meines Erachtens nach besser, vorher eine entsprechende Diagnostik bezüglich einer bakteriellen Überbesiedelung durchzuführen, wie z.B. einen mit Glucose als Testsubstanz durchgeführten H2-Exhalationstest. Allerdings sind hier Non-Responder-Raten von bis zu 10% möglich, weshalb ein negativer Test durch einen positiven Test mit Lactulose als Testsubstanz bestätigt werden sollte.

Natürlich schließt ein negativer Test auf DDFB nicht aus, dass eine empirische Antibiose (z.B. mit entsprechend hoch dosiertem Rifaximin, das hierfür in Deutschland wohl leider noch off-label verordnet werden muss) trotzdem die Symptome lindern kann. Eine Fehlbesiedelung kann z.B. auch im terminalen Ileum vorhanden sein, das von der Glucose als Testsubstanz ohnehin meist nicht erreicht wird.

Den Artikel zur Histaminintoleranz finde ich übrigens auch gut gelungen.

#6 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Lieber Herr Bastigkeit,
vielen Dank, dass Sie dieses komplexe Thema aufgreifen. In der Tat ist es medizinische Puzzlearbeit, die oftmals mehr als diffusen aber eben nicht weniger belastenden Beschwerden überhaupt erst einmal als (mögliche!) HIT zu identifizieren und dann differentialdiagnostisch abzuklären. Die Patienten rennen von Arzt zu Arzt, die auf diesem Gebiet noch stärker benötigte Interdisziplinarität zwischen Haus- und Fachärzten funktioniert einfach nicht. Ohne medizinisches Vorwissen und die analytischen Fähigkeiten, Untersuchungsergebnisse selbst zu verstehen, zu interpretieren und im Gespräch mit dem Behandler die richtigen Schlüsse zu ziehen, ist man als Patient leider aufgeschmissen. Bin selbst nicht betroffen, aber ein Familienmitglied. Wir haben mehr als 2 Jahre gebraucht, bis wir die Spur gefunden haben und nun durch Ernährungsumstellung (die in der Tat eine Einschränkung, aber kein Genussverzicht ist) eine Symptomlinderung zu erreichen.
Ich bin gespannt auf weitere Beiträge zz diesem Thema und danke nochmals sehr. Auch Ihnen, Herr Rädel!
Beste Grüße

#5 |
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Ernährungswissenschaftler / Ökotrophologe

Sehr geehrter Herr Bastigkeit,

als selber vom Krankheitsbild betroffener Ökotrophologe danke ich zunächst für Ihr Interesse am Gebiet der Histaminintoleranz und den guten Übersichtsartikel!

Zum Thema:

Häufig werden von Betroffenen im Zusammenhang mit HIT Verdauungsbeschwerden ähnlich eines Reizdarmsyndroms beschrieben, von denen man davon ausgeht, dass es

sich um direkte Auswirkungen des Histamin-Überschusses handelt. Bis vor 3 Monaten hatte ich selber jahrelang mit der genannten Symptomatik zu tuen.

Sekundärerkrankung war (neuerliche Tests stehen aus) unter anderem die Ausbildung einer Hypophosphatämie aufgrund massiver Phosphatverluste.

Die im Bereich der Komplementärmedizin zur Behandlung einer HIT empfohlene Darmsanierung mit Hilfe “guter” Darmbakterien in Pulverform hatte in meinem Fall

keinen Effekt, vielleicht fehlte es auch am nötigen Glauben… Trotz alledem, die Darmflora hängt unbestritten mit der Aktivität der Diaminooxidase zusammen.

Vor einigen Monaten musste ich mich zwecks Pneumonie-Prophylaxe einer Antibiotikatherapie mit dem auch im Artikel genannten DAO-Hemmer Ciprofloxacin

unterziehen. Außer den bei HIT-Patienten stärker zu erwartenden unerwünschten Nebenwirkungen wie Nesselsucht usw. hat sich meine Darmtätigkeit seit dieser

Behandlung absolut normalisiert. (erstmalig seit mindestens 3 Jahren! – davor mindestes 2x täglich wässrige Stuhlgänge nach den Mahlzeiten…)

Die Beschwerden des Jahrelangen “Reizdarms” haben sich vollständig zurückgebildet und auch die Auswirkung der HIT ließ in den folgenden Monaten, anhaltend bis

zum heutigen Tag, spürbar nach. Als Nicht-Mediziner erlaube ich mir die Mutmaßung, dass die eigentlich unerwünschte Eradikation der Darmbakterien durch das

applizierte Antibiotikum und anschliessende Neu-(oder Normal-)besiedelung des Darms diesen positiven Effekt induziert hat.

Selbstverständlich erhebt meine Beobachtung keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, ein guter Ansatz ist es aber vielleicht wert, von Ihnen weiter verfolgt zu

werden… allen Mitlesern empfehle ich daher bei Hinweisen auf den genannten Umstand sich auch einmal mit der auch neuerlich zur Darmsanierung bei

unspezifischem Reizdarmsyndrom erfolgreich eingesetzten (Doccheck berichtete…) Antibiotikatherapie im Falle einer Histaminintoleranz auseinanderzusetzen.

Evtl. besteht die Möglichkeit zu weiterer Forschung in diesem Bereich.

In jedem Fall eröffnet die proffessionelle und systematisch durchgeführte Beratung eine Option welche dem Betroffenen die Möglichkeit gibt,
ein weitgehend normales (und auch genussvolles) Leben zu führen. Ich bitte daher alle interessierten Behandler die Patienten unabhängig von sonstigen, in

ärztlicher Praxis durchgeführten Therapieverfahren, zur Durchführung der Ernährungstherapie an einen Ökotrophologen zu verweisen.

Eine Koinzidenz mit Glutamatunverträglichkeit kann ich darüber hinaus aus meinen persönlichen Erfahrungen heraus bestätigen.

Für weitere Fragen stehe ich gern zur Verügung und würde mich über eine dem Thema zugeneigte Kontaktaufnahme freuen!

MfG

P. Rädel

#4 |
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Medizinjournalist

Hallo Herr Gillert, da bin ich zoologisch wohl verrutscht, es war glaub ich wirklich die Laus und nicht die Wanze…

#3 |
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Lieber Herr Bastigkeit,
ich bin gerade dabei meine Fallbeobachtungsstudie über 5 Jahre bei mehr als 60 HIT Pat. abzuschließen und diese dann
zu publizieren,warten sie mal ab,hier gibt es schon einige
Besonderheiten Gruß HW KARCH FA Innere Medizin Gastroenterologe 55606 KIRN steinweg 14

#2 |
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Herr Friedemann Gillert
Herr Friedemann Gillert

Sehr geehrter Herr Bastigkeit,
in meiner Erinnerung war es die Steinlaus und nicht die wanze bei Loriot.
Mit freundlichem Gruß

#1 |
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