Psychose-Ausbruch: Fischöl setzt Tempolimit

13. August 2015
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Das Risiko einer Psychose bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen könnte bei einer Langzeitbehandlung mit Fischölkapseln mit mehrfach ungesättigten Omega 3-Fettsäuren deutlich gesenkt werden. Gleichzeitig kann die Zugabe von Fischöl auch den Ausbruch einer Psychose verzögern.

Für die aktuelle Studie wurden die Daten von 71 Patienten zwischen 13 und 25 Jahren über einen Zeitraum von 6,7 Jahren untersucht. Die veröffentlichten Resultate basieren auf den Ergebnissen einer Studie aus dem Jahr 2010, als an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Medizinische Universität Wien festgestellt wurde, dass die Gabe von Fischölkapseln mit mehrfach ungesättigten Omega 3-Fettsäuren das Risiko, an einer Psychose zu erkranken, über den Zeitraum eines Jahres um 22 Prozent senkt.

„Es hat sich gezeigt, dass die Langzeitwirkung einen doppelten Effekt zeigt: Einerseits kann das Risiko, eine Psychose zu bekommen, deutlich gesenkt werden, andererseits lässt sich der Ausbruch der Psychose mit Gabe des Fischöls verzögern“, erklären die Studienautoren. In der Gruppe, die die hoch dosierten Omega 3-Fettsäuren erhielt, sank das Risiko für das Auftreten einer Psychose auf 9,8 Prozent. In der Placebogruppe lag der Wert bei 40 Prozent.

Die veröffentlichten Ergebnisse stärken die Hoffnung, mit einer natürlichen Substanz künftig den Ausbruch psychotischer Störungen bei Risikogruppen auch längerfristig verzögern und möglicherweise verhindern zu können. Dazu müssen die Resultate aber in einer zweiten Studie bestätigt werden. Diese läuft bereits.

Originalpublikation:

Longer-term outcome in the prevention of psychotic disorders by the Vienna omega-3 study
Bernd Bukau et al.; Nature Communications“, doi: 10.1038/ncomms8934; 2015

23 Wertungen (4.65 ø)
Medizin, Neurologie, Psychiatrie

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5 Kommentare:

Gast
Gast

Der Schwachpunkt der Arbeit scheint mir in der Definition des “subthreshold psychotic state” zu liegen, einem jahrelangen bedenklichen Trend, die Grenze von Neurose (Psychologie) oder auch nur “Normabweichung” und Psychose (Psychiatrie) immer mehr zu verwischen.
Ich glaube nicht, dass man eine Schizophrenie bei einem Gesunden vorhersagen kann.
Der hier gezeigte biochemische Zusammenhang zeigt jedenfalls eine ORGANISCHE Ursache oder Mitursache einer solchen Erkrankung ebenso wie die sehr eindrocksvolle Wirkung von entspr. Medikamenten.
Deshalb ein sehr interessanter Beitrag.
Danke doccheck!

#5 |
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Diätassistent

@ Gast: Vielen Dank für den Link.
1 Esslöffel Leinöl ist doch machbar! Aber im Sinne einer 3: 6 Ausgewogenheit muss dann doch etwas gerechnet werden und dann wird man feststellen, dass je nach Ernährungsgewohnheit auch Fischölkapseln das Blatt nicht wenden können.

#4 |
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Gast
Gast

@Gerhard Wilhelm, das liegt daran, dass ALA (alpha linolenic acid), also Linolensäure nur zu ca. 10% in die essentiellen omega-3-FS “EPA und DHA” umgewandelt werden.
z.B. hier:
http://www.budwig-stiftung.de/service/omega-3omega-6.html
soll keine Reklame sein,
ist hier nur rel. einfach aber richtig erklärt.
Viele Pflanzenfette/öle wie das Sonnenblumenöl haben zu viel omega-6 dabei.
Das sehr preiwerte Rapsöl nicht.

#3 |
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Von “Dopaminhypothese” zu “Omega 3 Fettsäuerenmangel”. Ein weiter Schritt.
Die Psychiater sollten endlich die Hosen runterlassen und zugeben, dass sie nichts aber auch rein garnichts wissen, und nur aufgrund irgendwelcher kruder Hypothesen im Gehirnstoffwechsel herumpfuschen und ansonsten im Dunkeln tappen.
Den Menschen mit psychischen Problemen wäre damit sehr geholfen.
Ein meiner Ansicht guter Artikel zur “Schizophrenie”:

http://www.badische-zeitung.de/gesundheit-ernaehrung/weg-mit-der-schizophrenie–108365966.html

#2 |
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Diätassistent

Warum wird bei Omega 3 immer auf Fischöl (verschmutzte Meere und Tierschutz) hingewiesen und nicht auf Leinöl. Welche Gründe gibt’s dafür?

#1 |
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