Tumorentstehung: Calcitriol mit Schutzfunktion

7. August 2015
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Calcitriol spielt eine wichtige Rolle beim Hedgehog-Signalweg: Es blockiert dessen Aktivierung, indem es in aktiver Form die Funktion des Proteins „Smoothened“ hemmt. Das Wissen um den Signalweg könnte zu neuen Therapien bei Hedgehog-assoziierten Krebserkrankungen führen.

Der Hedgehog-Signalweg führt bei übermäßiger Aktivierung oder Entgleisung zu unterschiedlichen Krebsarten, wie Haut-, Hirn- oder Muskeltumoren. Bislang war bekannt, dass die Transmembranproteine „Patched“ und „Smoothened“ eine wichtige Rolle bei der Regulierung dieses Signalweges spielen. Wie aber genau die Interaktion zwischen diesen Proteinen abläuft, war bisher nicht entschlüsselt. „Wir wussten, dass diese beiden Proteine nicht durch direkten Kontakt interagieren. Dies führte uns zu der Annahme, dass das Protein „Patched“ die Freisetzung eines kleinen signalübertragenden Moleküls reguliert, das wiederum das Protein „Smoothened“ hemmt“, sagt Dr. Benedikt Linder, Erstautor der Publikation und neben Dr. Anja Uhmann Teil des Forscherteams vom Institut für Humangenetik der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

„Patched“ mit essentieller Funktion

Die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler bestätigen diese Annahme: Die Forscher fanden heraus, dass „Patched“ essentiell ist, um Calcitriol, die hormonell aktive Form von Vitamin D3, durch die Membran in den Extrazellularraum zu transportieren. Zusätzlich zeigen ihre Analysen, dass Calcitriol die Funktion von „Smoothened“ hemmt, indem es dessen Einwanderung in das primäre Zilium verhindert. So wird die Aktivierung des Hedgehog-Signalweges blockiert. „Wir hatten schon lange vermutet, dass Calcitriol eine entscheidende Rolle im Hedgehog-Signalweg spielt“, sagt Uhmann. „Unsere Daten geben einen entscheidenden Hinweis darauf, dass Calcitriol der erste physiologisch existente Hemmstoff des Signalwegs ist.“

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Calcitriol bewirkt den Austritt von Smoothened aus den primären Zilium und damit die Hemmung des Hedgehog-Signalweges. © umg/Journal of Biological Chemistry

Die vorliegenden Forschungserkenntnisse eröffnen neue Möglichkeiten, um zielgerichtete Therapieansätze zur Behandlung von Hedgehog-assoziierten Krebserkrankungen zu entwickeln. Daher untersuchten die Forscher weiter, ob die Wirkung von Calcitriol auf den Hedgehog-Signalweg durch Kombination mit anderen Stoffen verstärkt werden kann. Tatsächlich fanden sie an kultivierten Zellen heraus, dass das Antimykotikum Itrakonazol die Wirkungsweise von Calcitriol verstärkt, somit also beide Stoffe synergistisch den Hedgehog-Signalweg hemmen.

Originalpublikation:

A functional and putative physiological role of calcitriol in Patched1/Smoothened interaction
Benedikt Lindner et al.; The Journal of Biological Chemistry, doi: 10.1074/jbc.M115.646141; 2015

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6 Kommentare:

Gast
Gast

Ach, Humor wird tatsächlich auch noch bei DocCheck gliefert ? Vielleicht ist das ja der Königsweg und nicht das Wetter ? Übrigens, was ist bei Regen, Schnee, Hagel, Erdrutschen/-beben etc. und dann im Winterhalbjahr sogar noch mit Vit. D ?
Günstig scheint mir gerade bei Ärzten ( auch Biologen ? ) zu sein, daß sie zudem das Herz frei bekommen, oder ?
In diesem Sinne auch Ihnen… :-) :-) :-)

#6 |
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Ja das kann ich gut verstehen. Ärzte sollten sich zwar fortbilden, aber leider ist auch der Spalt zwischen der Forschung und der Klinik manchmal größer als er sein sollte.
Ich denke im Krankheitsfall sollte man im Zweifel einfach das Wetter genießen und bei einem kurzen Spaziergang versuchen den Kopf frei zu bekommen und den eigenen Körper VitD3 machen lassen.

Alles Gute weiterhin

#5 |
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Gast
Gast

Danke und ich verstehe das. Mit den Ärzten ist es nach bisherigen Erfahrungen allerdings so eine Sache, wenn es sehr speziell wird….
Das förderliche des Vit. D3 war ja bisher quasi der rote Faden, deshalb der Nachtrag. Wenn es jedoch widersprüchlich wird wie bei den gen. Phytoöstrogenen ( unterschiedliche Studienergebnisse und Interpretationsmöglichkeiten ), erfogt ein abraten seitens verschiedener Stellen.
Doch im Kontext mit ” Ärzten “, die selbst offenbar in diesem Bereich zu
” schwimmen ” scheinen, hängt man dann praktisch zwischen den Stühlen….

Freundliche Grüße

#4 |
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Ich konnte auf den Seiten von Mamazone jedoch auch sehen, dass es auch aktuellere Artikel gibt, die eher von den förderlichen Seiten von VitD3 sprechen. Das ist auch das was mir eine kurze Google gezeigt hat (vitamin D breast cancer – englische Suchen liefern i.d.R. mehr Fachartikel).
Falls Sie von Brustkrebs betroffen sind würde ich solche Fragen mit ihrem Onkologen besprechen, da der vor allem wissen sollte welchen Krebstyp sie haben und auf was sie achten sollten.
Wegen ihrer Frage zu VitD2 vs D3: Ich habe bislang nur einen wirklichen Fachartikel gefunden der die beide Stoffe vergleicht und unterm Strich hieß es, dass VitD3 eine etwas höhere Wirksamkeit hat.
Wie sie oft ist sicherlich das richtige Maß, die richtige Entscheidung. Und wenn ich von Selbst-Supplementierung mit VitD3 rede dann meine ich Dosen bis zu 400 IU (10 µg). Das sind die Mengen, die man in den gängigen Drogerien kaufen kann.
Sollten Sie unter Erkrankungen leiden sollten Sie tatsächlich immer vorher Ihren Arzt fragen. Ich selbst bin “nur” Biologe und möchte deswegen keine klare Aussage treffen. Da ich mich nicht auf Brustkrebs spezialisiert habe fehlt mir auch schlicht das Detailwissen um Ihnen etwas an- oder abzuraten.

Viele Grüße

Dr. B. Linder

#3 |
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Gast
Gast

# 2 : Danke für Ihre Information, und naturgemäß konnte die Frage insoweit nur vereinfachend gestellt werden.
Nun las ich zufällig auf den Seiten von ” mamazone ” einen Artikel ( s. dort gen. Quelle ) mit der Überschrift ” Vitamin D3 ” – Bei Brustkrebspatientinnen nicht unbeding unbedenklich “, was natürlich schon von daher verunsichernd wirken kann…….
Nebenbei, kommt grundsätzlich auch Vit. D2 zur Supplementierung in Betracht oder könnte es – bei Brustkrebs, evtl. auch Prostatakrebs – wegen evtl. phytoöstrogenen Gehalts problematisch sein ? Vielen Dank.

#2 |
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Gast
Gast

Die reine Forschung, verschiedenste Interaktionen sind für einen Laien nicht unbedingt verrständlich, und manchmal kann ein einzelnes Wort das Gegenteil des Gemeinten hervorrufen. Deshalb, verstehe ich es richtig, daß Vit. D3 inform von Calcitriol eine positive Wirkung zur Krebsabwehr hat ?
Und, fällt Brustkrebs auch in den angesprochenen Bereich der Krebsarten ?
Vielen Dank.

#1 |
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