MRSA: Im Einzelzimmer bei Frau Antje

12. Oktober 2011
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Deutsche Patienten, die in niederländischen Krankenhäusern aufgenommen werden, finden sich ab und zu isoliert in einem Quarantänezimmer wieder. Der Name der neuzeitlichen Plage, die in Deutschland wütet und vor der sich unsere Nachbarn fürchten: MRSA.

Etwa eine Millionen nosokomiale Infektionen registriert man jährlich in der Republik, meist sind Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA) die Ursache. 40.000 Menschen, so die Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, sterben jährlich an den Folgen der Infektion. Betrachtet man die epidemiologischen Daten, so ist ein Rückgang dieser Zahlen laut den Expertenmeinungen vorerst nicht abzusehen. Niederländische Ärzte schätzen zwar die Fertigkeiten ihrer deutschen Kollegen. Was aber die „Sauberkeit“ anbelangt, genießen die Deutschen – sehr vorsichtig gesagt – nicht den besten Ruf. Fast alle Patienten, die aus Deutschland kommen, sind erst einmal Hochrisikopatienten.

Weniger Antibiotika in den Niederlanden

Bis eine MRSA-Infektion oder Kolonisation des Patienten ausgeschlossen werden kann, wird er von anderen Patienten isoliert untergebracht. Laut den Statistiken scheinen diese Maßnahmen erfolgreich zu sein: Während in Deutschland über 20% der getesteten Staphylococcus aureus-Stämme Methicillin-resistent sind, beträgt diese Zahl in den Niederlanden, Dänemark und Finnland nicht einmal 1%. Doch was machen unsere Nachbarn besser?

Fragt man Dr. Ron Hendrix, Mikrobiologe am größten Krankenhaus der Niederlande, gibt es, was den Umgang mit Problemkeimen betrifft, eklatante Unterschiede zwischen den Nachbarländern. In den Niederlanden klingelt beim Mikrobiologen sofort das Telefon, falls der Krankenhausapotheke ein verschriebenes Antibiotikum „suspekt“ vorkommt. Dieser wiederum bietet daraufhin dem behandelnden Kollegen auf Station sofort und ungefragt Rat an. Dadurch könne man oftmals ein passenderes Medikament finden oder gar auf ein Antibiotikum verzichten, so Dr. Hendrix. Zudem sei die Zahl der Antibiotikaverschreibungen generell ungleich niedriger als in Deutschland.

Zusätzliche Hygienefachkräfte notwendig

In den hiesigen Krankenhäusern fehlt diese Kommunikation weitestgehend. Oft scheitert es schon daran, dass gar kein Mikrobiologe im Haus vorhanden ist. In Universitätskliniken oder größeren Häusern trifft man sie zwar immer häufiger als Teil des Visitenteams an, im Vergleich zu den Niederlanden aber gibt es in Deutschland deutlich mehr kleinere Spezialkliniken, in denen solch eine Umsetzung allein aus personeller Sicht nicht möglich ist. Abgesehen von einer sinnvollen und maßvollen Antibiotikamedikation jedoch hapert es schon an den grundsätzlichen Hygienemaßnahmen. Laut Klaus-Dieter Zastrow, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, wären in deutschen Krankenhäusern derzeit 1.500 zusätzliche Hygienefachkräfte nötig, um die nötigen Maßnahmen umzusetzen; damit seien 40% der Stellen unbesetzt.

Dass sich dieser finanzielle Aufwand auszahlen würde, liegt eigentlich auf der Hand. Die Kosten für Hygienefachpersonal und Umsetzung der Hygienemaßnahmen wären zwar hoch, doch würde man die Kosten doppelt und dreifach wieder reinholen, wenn man die Rate der Komplikationen infolge nosokomialer Infektionen senken würde. Von der Letalität mal ganz zu schweigen. Die Niederländer rechnen es uns vor: Die Kosten für ein MRSA Screening, um eventuelle Keimträger zu erfassen, betragen etwa 3-15 Euro pro Patient. Falls der Nachweis positiv ist, kommen noch einmal Folgekosten für Kontrollabstriche hinzu. Nosokomiale Infektionen mit MRSA würden allerdings mit durchschnittlich 17.000 Euro pro Patient zu Buche schlagen. Hält man sich vor Augen, dass 25% der MRSA-Kolonisationen Ursache für eine Neuinfektion sind, dann kostet alleine der Befall schon etwa 4.000 Euro. Dass sich diese Kosten in den Niederlanden amortisieren, belegen zahlreiche Studien. Ihre „search and destroy“-Politik scheint sich bewährt zu haben.

Dass es aber auch hierzulande besser funktionieren kann, demonstrieren unter anderem viele norddeutsche Kliniken. Das Universitätsklinikum Münster nimmt hierbei eine vorbildliche Rolle ein. Seit einigen Jahren nehmen mehrere Dutzend Krankenhäuser im Münsterland am grenzübergreifenden „MRSA-net Projekt“ teil, dessen Ziel es ist, die Anzahl der Neuinfektionen auf niederländisches Niveau zu bringen. Damit soll gleichzeitig auch das „Einschleppen“ von MRSA-Fällen in die Niederlande verhindert werden.

Zahl der Neudiagnosen steigt an

Ein wichtiges Ziel: Das konsequente MRSA-Screening bei neu aufgenommenen Patienten. „Momentan steigen aufgrund des verbesserten Screenings die Zahlen der Neudiagnosen von MRSA-Trägern an. Seit einiger Zeit werden auch die Kosten der von den Hausärzten verschriebenen Nasensalben zur Eradikation von den Kassen übernommen – zumindest im Westfalen-Lippe“, so Dr. med. Robin Köck vom Institut für Hygiene der Uniklinik Münster. „Bis die Anzahl der MRSA-Infektionen allerdings zurückgeht, werden noch einige Jahre vergehen. Dass sich das Warten aber lohnt, hat auch das Beispiel Dänemark gezeigt. Früher herrschten in Dänemark noch ‚deutsche Verhältnisse‘, nach der Einführung von Screening und anderen Hygienemaßnahmen aber muss sich das Land nicht mehr hinter den Niederlanden verstecken”, berichtet Dr. Köck weiter.

Die Hygienerichtlinien, was den Umgang mit MRSA-Patienten betrifft, unterscheiden sich zwischen Deutschland und den Niederlanden nicht wesentlich. Nur an der Umsetzung scheitert es an vielen Häusern noch oft. Einige Kollegen scheinen die Desinfektionsmittelspender vor den Patientenzimmern mehr als dekoratives Accessoire denn als Notwendigkeit zu betrachten. Um der MRSA-Plage Herr zu werden, baut man in manchen Kliniken schon kupferne Türklinken ein. Deren bakterizide Eigenschaften sollen die Keimbelastung senken. Warum auch einfach, wenn es schwer geht.

161 Wertungen (4.61 ø)
Allgemein

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23 Kommentare:

Dr. Regina Lorenz
Dr. Regina Lorenz

Niederländische Vorbilder finden oder Durchgangsschleusen(Schweineställe/Flughäfen::))

#23 |
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Rettungsassistent

Wie viel Patientenkontake hat jeder von uns pro Tag?
Wie viel Desinfektionsmittel braucht man pro hygienischer Händedesinfektion?
Und wieviel Händedesinfektionsmittel wird pro Tag im Krankenhaus / Rettungsmittel / Arztpraxis / what ever verbraucht?
Rechnet es mal nach. Meine Ahnung, höchstens nach jedem 10ten Patientenkontakt werden die Hände desinfiziert. Darüber kann man jede einzelne Abteilung kontrollieren. Und um Infektionen zu erkennen, muss man testen. Wenn erkannt, dann konsequent dagegen vorgehen und nicht verschleppen. Siehe Rettungsdienstpersonal in Schutzkleidung auf dem Fahrersitz, später dann in normaler Einsatzkleidung auf dem gleichen Sitz ohne Desinfektion, was bei Stoffsotzen eh nicht viel Sinn machen würde. Oder der Arzt, der ÜBERALL mit seiner Keimschleuder (ich meine den Kittel) rumrennt und das Ding selbst beim Essen anlässt (würg).
Das entlassende Krankenhaus, das vergisst, dem KTW mitzuteilen, dass derPatient MRSA hat.
Und hierbei handelt es scih um hausgemachte Probleme, wir verstoßen jeden Tag gegen bestehende Regeln.
Und zu guter Letzt, die letzten Antibiotika Einsätze im Freundeskreis erfolgten ausnahmslos alle ohne vorherigen Test, ob es sich überhaupt um eine bakterielle Infektion handelt. Und da waren einige Erkrankungen dabei, die genauso gut durch Viren kommen können.

#22 |
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Dr. med. Mathias Schröter
Dr. med. Mathias Schröter

Also, dass es an Geld fehlt, stimmt sicher nicht ! Das ist immer ein Totschlargument in westlichen Gesellschaften !
Denn dann müßren in armen Ländern Patienten wegen MRSA geradezu vergammeln !
Es ist auch mit wenig Aufwand sehr viel möglich, es liegt alleine am Menschen und an seiner Moral !! wie viele andere auch ! Auch Kunstfehler werden meist nur wegen Arroganz und Überheblichkeit oder gar aus Geldgier gemacht.

Das Innere das Menschen ist das Wesentliche !

MfG !!

#21 |
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Der Artikel weist eklatante Mängel auf: als einziger erklärender Grund für eine niedrigere Infektionsrate in den NL wird der geringere und gezieltere Antibiotikaeinsatz genannt – auch m.E. die alles entscheidende Komponente bei der Nicht-Heranzüchtung von multiresistenten Erregern. Wurde mir auch schon während meines Medizinstudiums in den 80er Jahren an der HHU so einleuchtend und nachdrücklich vermittelt.
Nahtlos wechselt der Autor dann auf die Frage der Anzahl von Hygienefachkräften. Ein Nachweis für deren Wirkung wird nicht erwähnt. Dann geht´s weiter zum screening – ohne jede Schlussfolgerung.
@ Frau Kollegin Friedrich: Sie haben nicht ganz Recht: die bakteriostatische Wirkung von (sauberen) Metall- (und Holz-)oberflächen setzt sofort ein. Es ist ein Punkt, der leider auch im Artikel nicht erwähnt wird, da er nicht ganz in die Argumentationslinie passt: die Oberflächen u. Türklinken in Khs. waren bis in die späten 60er in Metall ausgeführt, heute dominiert Kunststoff. Dazu kommen nachlässige, schlecht gebildete und angeleitete Pflegekräfte eines externen Sklavenhalters, die zwischen allen Khs.-bereichen springend eingesetzt werden und ideal der Keimverschleppung dienen.
Also: Selektionsdruck senken, allgemeine Hygiene, dazu gehört nicht nur die Händedesinfektion.

#20 |
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Michael Scholz
Michael Scholz

Alles in allem bleibt Festzustellen:

-Es fehlt an den nötigem Geld…die notwendigen prophylaktischen Maßnahmen können nicht abgerechnet werden (siehe SGB V) Ein politisch sanktionierter Systemfehler!

-Mangelhafter Anspruch des klinischen Personals an generellen Hygienemaßnahmen (Unkenntnis?-Frustration?-Bequemlichkeit?)

-Sorgloser Umgang mit Antibiotika durch die Verordner, Patienten UND Kostenträger

-Kein adäquates Netzwerk, nachlassende Hygieneerziehung in der Familie…usw.

#19 |
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Tierärztin

In der gerade laufenden Diskussion und die sicherlich berechtigten Beanstandungen am Fehlverhalten mancher Ktankenhäusern und/oder Krankenhausmitarbeiter fehlt mir der Hinweis auf den z.T. fahrlässigen Umgang mit Antibiotika, der doch der Ursprung allen Übels ist. Keime als solche sind nicht das Problem, sondern die RESISTENTEN Keime, die nach wie vor systematisch generiert werden, indem zu unbesorgt und in der verkehrten Art und Weise Antibiotika verschrieben, abgegeben und angewendet werden.

#18 |
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…und dann denke man auch an diese MEGA-Dreckschleudern unserer “Ärzte”-Kollegen, das Kitteltaschen-Werkzeug…

…z.B.das Stethoskop und bedenke das Staphylokokken in trockener Umgebung 2 Monate lang infektiös sind, wovon Enterobacteriacaen nur träumen könn(t)en…

…aber wann wurde das Stethoskop
* zuletzt
* Jemals??

desinfiziert? Wie sieht es aus mit MRSA-Kolonisierungen im Gehörgang von med. Personal? Das Biotop ähnelt dem des Nasenvorhofes enorm ein Paradies für Staph. & Co…

#17 |
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Dr. med. Mathias Schröter
Dr. med. Mathias Schröter

Es gibt in D mehrere Fälle, wo bei einer sehr risikolosen Kniespiegelung bei massiven Hygienefehlern
der Verlauf bis zur US-Amputation ging.

Und da ist NUR ein Fall ein Fall zuviel.

#16 |
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Dr. med. Mathias Schröter
Dr. med. Mathias Schröter

MRSA ???

Hallo ???????

Ich bin ARZT !!! Ich bin immer automatisch steril !!
ICH brauche mich nicht zu desinfizieren !!!

:-)))))))))))))))

#15 |
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Dr. med. Mathias Schröter
Dr. med. Mathias Schröter

Und wie sieht es in den OPs aus ??
Die Super-Chirurgen sind natürlich immer schon automatisch steril !! Meist die Chefs, die alles nicht mehr so ernst nehmen !
Bei den OPs wird die Maske von der Nase gezogen und oft NUR über den Mund !
Obwohl in den NASE das größte Keimreservoir sitzt !

Man mache mal eine Studie NUR über dieses von ALLEM operierenden Chefärzten !
aös Vorbildfunktion !!

Die ALLEINE hätte katastrophale Ergebnisse !!

VG !!!!!!!

#14 |
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Dr. med. Mathias Schröter
Dr. med. Mathias Schröter

Da scheinen die NL eher recht zu haben ! Was ich an deutschen Krankenhäusern an Hygienefehlern erlebt habe, geht auf keine Kuhhaut.
2 Beispiele:
1.

1 Kardiotechniker im ZK Augsburg hat eitrigen Schnupfen. Bei einer OP am offenen Herzen zieht er seine Maske runter und schneuzt direkt neben dem Patienten den Eiter in ein Tuch !

2.

An der Charite-Mitte setzt sich FÄ K. auf der Allg.chirurgie zum Anzeichnen der Venen vor einem Stripping mit dem weissen Kittel auf den BODEN des Patientenzimmers !

Beim nächsten Patienren setzt sie sich mit genau DIESEM Kittel IN das Bett !!

Dann hängt sie auf dem Flur dem Chef. Prof. M. am Hals und knutscht ihn (private Affäre…)
Und das an der ach soooooooo TOLLEN Charite !!

etc pp etc pp

MfG.

#13 |
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Krankenschwester Doris Jakob
Krankenschwester Doris Jakob

Für mich sieht es nach einer reinen Kostenfrage aus, warum MRSA nicht klein zu kriegen ist.Die Putzkolonnen stehen unter Zeitdruck, es wird nicht sauber genug geputzt. Das Pflegepersonal steht unter personellen Engpässen, weil bei zunehmender Arbeit aus Kostengründen Personal abgebaut wird.
Die Räumlichkeiten lassen keine Isolierabteilung, auch aus Kostengründen zu. Wenn die septischen Stationen mit diversen Krankheitsfällen überfüllt sind, liegen, wenn auch Zimmertechnisch isoliert, MRSA Patienten auf A-Septischen Stationen, werden vom A-Septischen Personal mitversorgt, sowie von EINER A-Septischen Nachtschwester.
Ich weiß wovon ich rede und finde das Gesundheitspolitisch ungeheuerlich. Man brauch keine Vergleiche mit Nachbarländern, man brauch keine Diskussionen, warum wieso weshalb. Man brauch keine neueren Hygienevorschriften-Kontrollen.Was gebraucht wird ist Geld um all diesen Fakten entgegen zu wirken.

#12 |
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17.000 ¿? pro Fall? pro speziellem Fall? Da können die Niederländer natürlich eine wesentlich bessere Kostenrelation aufstellen.
Gruß, K.

#11 |
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Dr. med. Bruno Selzer
Dr. med. Bruno Selzer

Früher hat es in Europa (DDR, Schweiz, Frankreich, Belgien, Italien, nur in der BRD nicht) eine Staphyllokokkenimpfung gegeben.
die wurde wegen Unwirtschaftlichkeit vom Markt genommen:
hat niemand benutzt, es waren ja Antibiotika da.
Bei Anwendung konnte man Abzesse schmelzen sehen.
Das gleiche galt für eine Coliimpfung, die wurde auch aus nicht erklärlichen Gründen vom Markt genommen.
Heute weiß keiner mehr, daß es sowas schon gegeben hat.
das nenne ich Arroganz der Medizin.

#10 |
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Weitere medizinische Berufe

In Kanada sah ich in einem Krankenhaus unmittelbar im Eingangsbereich eine Desinfektionsstation für die Hände der Besucher. Diese war so positioniert, dass alle Besucher daran vorbei gehen mussten. Entsprechende Schilder forderten zur Benutzung und Handdesinfektion auf.

Wäre gut so etwas auch bei uns dort einzuführen, wo es das noch nicht gibt. Viele Keime werden sicher auch von den Besuchern in die Kliniken eingeschleppt.

#9 |
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Timo Banemann
Timo Banemann

Hallo,

von Rettungsdienstlicher Seite her habe ich gemerkt, dass auch die Kommunikation zwischen Krankenhäusen was Infektionen angeht sehr bedenklich ist! Ich habe gerade demletzt erlebt, das wir einen Patienten von KH A nach KH B transportieren sollten, er als nicht infektiös eingestuft wurde obwohl das Screening Ergebnis noch nicht vorhanden war. Dazu sagen muss ich, dass der Patient offene Füße hatte und ein Pflegefall war…. also ein Risikopatient was eine nosokomiale Infektion angeht! KH B in dem ein Konsil stattfinden sollte wurde nicht über die potentielle Gefahr einer Infektion aufgeklärt! Geschweige denn, dass der Patient überhaupt kommt! Der Patient lief also als nicht infektiös…. auf unser drängen hin wurde er dann letzendlich doch als Infektiös behandelt, da man eine Infektion ja nicht ausschließen konnte! Meiner Ansicht nach ist manchen Mitarbeitern im KH (plegerisch/ärztlich) die Mehrarbeit, welche man mit Infektiösen Patienten hat einfach zu viel…. ich denke, dass öfters grob fahrlässig gehandelt wird um dem Mehraufwand zu entgehen! Im Rettungsdienst gibt es natürlich auch solches Personal! Solange nicht alle an einem strang ziehen wird es in Deutschland immer Schlupflöcher für die Keime geben! Desinfektionsrichtlinien müssen einfach penibel befolgt und jeder Patient suffizient auf eine mögliche Infektion hin untersucht werden.

#8 |
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@ Herr Müller:
Ich muss Ihnen da teilweise widersprechen, mich aber auch teilweise anschließen. Ich kann zwar nicht für die Kommilitonen der LMU sprechen, deren Skripte Sie vermutlich im “Klinikviertel” eingesehen haben, denn ich weiß nicht, wie es dort um die mikrobiologische und infektiologische Ausbildung bestellt ist. An der TUM wurde auf das Thema MRSA und auch andere multiresistente Keime, wie z.B. ESBL-Bildner, sowohl in den mikrobiologischen als auch in den infektiologischen Veranstaltungen wiederholt eingegangen. Auch in den studienbegleitenden Praktika und während des praktischen Jahres wurden wir stets sowohl von Hygienefachkräften als auch vom ärztlichen Personal, das uns betreut hat, für die Problematik nosokomialer Infektionen im Allgemeinen sensibilisiert. Hier hat sich (zumindest kann ich das für unsere Fakultät sagen) mittlerweile doch etwas getan, was vielleicht auch an eigenen leidvollen Erfahrungen mit hartnäckigen Erregern in der Vergangenheit liegt.

Letzte Woche habe ich am schriftlichen Examen des IMPP teilnehmen dürfen und war schon in der Vorbereitung mit den Altexamina erstaunt, dass bisher in kaum einer mikrobiologischen oder auch pharmakologischen Frage auf die Problematik der multiresistenten Erreger bzw. ihrer Therapie/Eradikation eingangen wurde. Hier darf noch nachgebessert werden!

Allerdings auch hier ein Lichtblick: In der gerade erwähnten Examensprüfung von letzter Woche wurde tatsächlich die Problematik von MRSA und seiner antimikrobiellen Therapie in einer Fallstudie abgefragt. Abwarten, was die künftigen Examina bringen.

#7 |
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Knut Schaffert
Knut Schaffert

Es wird derzeit MRSA Thematisiert. Das Problem der Resistenzen ist jedoch weit Umfangreicher. Das Thema heißt MRE also Multiresistente Erreger. In den Bezeichungen wie z.B. VRE usw. ist Buchstabe dabei der auf die Resistenz des Errerger hinweißt. Das Thema wird uns noch viele Probleme bereiten. Durch Maßnahmen die Hygiene, Persönliche Schutzausrüstung und Barriere bezogenes bewußtes arbeiten heißen, kann man schon einiges gegen Verbreitung der MRE tun. Es schadet auch keiner Berufsgruppe (in Weiser Kleidung) auch mal ein Einmalschutzkittel – Plastikschürze bei der Arbeit am Patienten zu tragen.
Weitere Möglichkeiten sind gezielte Kohorten zu bilden. Ach ja wenn da nicht die leidige Händehygiene wäre. Gut würde ich finden wenn mal endlich im niedergelassen Bereich die Bezahlung der Abstriche kein Thema mehr wäre.

#6 |
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Barbara Swinarski
Barbara Swinarski

Es ist schlimm, diese totale Ignoranz. Wenn man versucht nur auf MRSA aufmeksam zu machen(Hände waschen, Flächendesinfektion richtig anwenden) wird man wie ein blöder Übertreiber angeschaut. Ich kenne die Wege wie es verbreitet wird sehr gut. Aber wer will das schon wissen.

Altenpflegerin

#5 |
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rolf müller
rolf müller

Ich behandle die MRSA schwerpunktmäßig in meiner Münchner Praxis.
Interessehalber habe ich vor kurzem im Klinikviertel in die Scripten gesehen, die die Medizinstudenten für ihre Kurs Vor- und Nachbereitung kaufen – kein einziger Hinweis auf MRSA, dagegen werden exotische Keime aus Afrika in aller epischen Breite abgehandelt.
Hallo ihr akademischen Eierköpfe da oben (Prüfungsamt ect.) es ist Zeit aufzuwachen!

#4 |
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Monika Cyrol
Monika Cyrol

Das Thema sollte eigentlich allen längst bekannt sein. Dennoch scheint es immer wieder so, als hätten viele Mitarbeiter in KH und Arztpraxen noch nie davon gehört. Gleichzeitig liest und hört man immer wieder, “alles sei halb so wild” und würde “nur aufgebauscht”. Leider schauen diese Menschen nicht auf die Betroffenen, für die eine Infektion mit MRSA alles andere als “halb so wild” ist.
Auch in dem Artikel fehlt mir, was nach der Infektion kommt. Vielleicht hilft es ja, wenn das hygienefaule Personal mal mitbekommt, was passiert, wenn der Patient die Klinik wieder verläßt. Als Beispiel hierfür die Krankengeschichte meines Schwiegervaters.
Vor gut einem Jahr hatte er einen schweren Unfall und wurde in das nächstgelegene KH gebracht. Warum der komplizierte Oberarmbruch nicht chirurgisch versorgt wurde, bleibt weiter ein Rätsel. Aber nach 4 Tagen entdeckte man in letzter Sekunde einen sekundären Milzriss. In einer Not-Op wurde die Milz entfernt und 4 l Blut aus dem Bauch geholt. Auf der Überwachungsstation wurde er in ein künstliches Koma versetzt. Der Grund hierfür wechselte von: er kann nicht extubiert werden zu: wegen der riesen Bauchnarbe soll er nicht selber atmen, da er husten könnte. Nach einigen Tagen infizierte er sich mit MRSA, hatte mehrere Pneumonien und wurde reichlich mit Antibiotika behandelt, u. a. natürlich auch Vancomycin. Auch ein Therapieversuch mit der Truxin-NS wurde gemacht. Ohne Erfolg. Auch in der anschließenden Reha wurde versucht, den Keim wieder los zu werden. Weiterhin ohne Erfolg.
Für uns schwer nachvollziehbar war, dass unsere Tochter (damals 3,5 Jahre alt) in der Reha nicht zu ihm sollte, nach der Entlassung aber normalen Kontakt haben darf.
Aber die Schwierigkeiten fingen erst an. Der Hausarzt hat sich lange geweigert, einen Kontrollabstrich zu machen, obwohl wir es selbst gezahlt hätten. Das ist aber mitlerweile geklärt. Der Arzt macht in seiner Praxis den Abstrich, bezahlen muss mein Schwiegervater. Denn für die KK zählt auch der Kontrollabstrich als Screening und wird nicht übernommen. Da hab ich mir schon die Finger wund telefoniert!
Der erste Pflegedienst hatte eine merkwürdige Vorstellung von Hygiene, so wurde der “Schutzkittel”, ein normaler steriler Kittel, eine Woche lang genutzt. Der zweite Pflegedienst nimmt es sehr genau. Allerdings muss mein Schwiegervater die Kosten für das MRSA-Hygieneset selber tragen, was tgl. mit ca. 2 ¿ zu Buche schlägt.
Sein mittlerweile riesiger Narbenbruch (Kindskopf groß ist die offizielle Beschreibung), wird erst operiert, wenn er große Probleme macht, weil das Risiko durch die Infektion zu groß ist. Damit zu leben macht aber auch große Probleme!
Er ist nicht verpflichtet, z. B. beim Zahnarzt, von der Infektion zu erzählen, so dass er andere weiter anstecken kann. Wie wird es ambulant in den Niederlanden gehandhabt? Das wäre für mich interessant.
Ich kann nicht mehr zählen, wie oft und wie lange ich schon wegen des MRSA telefoniert habe. Leider treffe ich immer wieder auf Unwissenheit bei allen Beteiligten. Das Thema scheint die Wenigsten zu interessieren.

Es wäre auch nötig, das Personal in Sachen Hygiene immer wieder zu schulen und zu kontrollieren. In meiner Ausbildung als Kinderkrankenschwester im St. Franziskus-Hospital in MS war es die Regel, dass die Hygienefachschwester immer wieder unangemeldet auftauchte, um Abstriche zu nehmen und beim Personal einen Abklatsch von der Hand zu machen. Später, in einer Uniklinik, habe ich dies nicht mehr erlebt.
Da ich selber fast 20 Jahre im KH gearbeitet habe, weiß ich auch um den Zeitdruck des Personals. Aber eine gründliche Händedesinfektion bleibt immer das wichtigste im Kampf gegen MRSA und Co!

#3 |
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Nichtmedizinische Berufe

Die Nasensalben (Mupirocin-Salbe) werden zwar übernommen, doch nicht die nötigen antibakteriellen Mittel bei einer Kolonisierung an anderer Stelle. Ebenso tun sich Ärzte außerhalb von Kliniken immer noch schwer damit, die nötigen Tests zu verschreiben. Gerade bei Akne inversa Patienten mit großen offenen Wunden ist dies eine häufige Erfahrung.

#2 |
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Dr. Gisela Friedrich
Dr. Gisela Friedrich

und die Metalle wirken auch nur wenn sie lange genug Zeit haben, also geht nur erneut nach ca. 24 h in den Raum, dann haben sie erst gewirkt ;-)

#1 |
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