Palliative Chemotherapie: Qual statt Qualität

25. August 2015
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Selbst im Endstadium erhalten Tumorpatienten häufig eine palliative Chemotherapie. Sie profitieren weder von mehr Lebenszeit noch von mehr Lebensqualität. Wissenschaftler fordern deshalb, mit Augenmaß zu behandeln – und vor allem besser zu kommunizieren.

Rund 500.000 Menschen erkranken pro Jahr in Deutschland neu an Krebs. Trotz guter Prognosen gelingt es Ärzten und Apothekern nicht immer, maligne Erkrankungen erfolgreich zu therapieren. Hier kommen palliative Ansätze ins Spiel, um die Lebensqualität zu verbessern. Beispielsweise nennt die aktuelle S3-Leitlinie Palliativmedizin pharmakotherapeutische Möglichkeiten gegen Atemnot, Tumorschmerz, Depression und Obstipation. Daneben sehen organspezifische Leitlinien bei unheilbaren Krebserkrankungen meist eine palliative Chemotherapie vor. Schätzungen zufolge erhält fast jeder zweite Patient am Lebensende Onkologika – nicht immer zum eigenen Wohl.

Gute Behandlung – schlechtes Ergebnis

Bereits im letzten Jahr lieferte die „Coping with Cancer“-Studie wenig erbauliche Hinweise. Dr. Alexi A. Wright und Professor Holly G. Prigerson aus Boston werteten Daten von 386 Patienten mit metastasierten Krebserkrankungen aus. Die prognostizierte Lebenserwartung lag bei maximal sechs Monaten. Zu Beginn der Erhebung erhielten 56 Prozent eine palliative Chemotherapie. Sahen sich Forscher nur die letzten acht Lebenswochen an, waren es sogar 62 Prozent. Wer Zytostatika bekam, entschied sich nicht so oft für eine rein symptomatische Therapie (26 versus 39 Prozent) und sah seltener die Tragweite seiner eigenen Krankheit (35 versus 50 Prozent), jeweils gemessen an der Vergleichsgruppe ohne Zytostatika. Patienten mit palliativer Chemotherapie starben seltener zu Hause (47 versus 66 Prozent), dafür aber häufiger auf einer Intensivstation (11 versus 2 Prozent). Auch medizinisch war es um sie schlecht bestellt. Ärzte griffen deutlich häufiger zu intensivmedizinischen Maßnahmen als bei der Vergleichsgruppe (14 versus 2 Prozent). Ein Gewinn an Lebenszeit ließ sich nicht nachweisen – ein Verlust an Lebensqualität scheint möglich zu sein. Wright glaubt aber nicht, dass „die palliative Chemotherapie in diesem Stadium sinnlos ist“.

Wozu weiter therapieren?

Damit ließ es Holly G. Prigerson nicht bewenden. Ihre nächste Fragestellung: Profitieren wenigstens Patienten mit gutem Allgemeinzustand von einer palliativen Chemotherapie? Hinweise lieferten ihr ältere klinische Studien. Um ihre Hypothese zu untersuchen, rekrutierte die Onkologin 312 Patienten mit metastasierten Karzinomen und geschätzt maximal sechsmonatiger Lebenserwartung. Anfangs wurden verschiedene Parameter erfasst, unter anderem der WHO/ECOG-Performance-Status. Bei Werten zwischen 0 und 1 waren alle Personen in der Lage, sich selbst zu versorgen und normalen Tätigkeiten nachzugehen. Kurz nach dem Tod befragten geschulte Teams Angehörige zur Lebensqualität. Auch hier überraschte das Ergebnis: Weder lebten die Studienteilnehmer länger noch hatten sie eine höhere Lebensqualität. Im Gegenteil: Behandlungen mit Zytostatika führte zu zahlreichen unerwünschten Effekten. Lag der WHO/ECOG-Status von Krebspatienten zu Beginn bei 2 oder 3, zeigten sich allerdings weder signifikante positive oder negative Veränderungen.

Im Trüben gefischt

Charles Blanke und Erik Fromme, Portland, lassen diese Arbeit nicht unkommentiert. Im Editorial schreiben sie, dass „Chemotherapien nur Sinn machen, um das Leben von Palliativpatienten zu verlängern und/oder zu verbessern“. Soweit, so klar. Daraus folgern sie aber nicht, auf palliative Behandlungen gänzlich zu verzichten. Prigerson erfasste WHO/ECOG-Scores nur recht ungenau – über die retrospektive Befragung von Laien. Auch fehlten der Forscherin Details über Art und Dosierung zytostatischer Wirkstoffe. Beide Editorial-Autoren raten Ärzten deshalb, mit Augenmaß zu therapieren – und Patienten stärker in Entscheidungen einzubinden. Nicht allen Menschen mit Krebs war bewusst, was es mit einer palliativen Chemotherapie auf sich hatte. Sie schöpften falsche Hoffnung und kämpften, wo es nichts mehr zu gewinnen gab.

Reden ist Gold

Kommunikative Missverstände tauchen an weiteren Stellen auf. „Studien haben gezeigt, dass die Einschätzung der Lebensqualität durch einen Arzt Diskrepanzen zu den Aussagen von Patienten aufwies“, sagt Professor Dr. Dirk Vordermark, Halle (Saale). Auch würden Therapiemaßnahmen nicht immer die positiven auf die Lebensqualität der Patienten erzielen, die Behandler sich erhofften. Deshalb hat der Onkologe ein spezielles Tool getestet. Er setzt bei älteren Krebspatienten nicht nur auf einen europaweit standardisierten Basis-Fragebogen zur Lebensqualität (EORTC-QLQ-C30), sondern zusätzlich einen neuen Modul-Fragebogen (QLQ-ELD14). Einige Resultate: Vordermark zufolge standen sechs Monate nach der Therapie bei Menschen mit Krebs vor allem Sorgen um die Zukunft sowie die Last der Krankheit und die familiäre Unterstützung im Fokus. Auch hatte sich die physische Verfassung oft verschlechtert. Zwar ging es nicht speziell um palliative Chemotherapien. Die Resultate lassen sich aber auf Personen mit unheilbaren Krebserkrankungen übertragen, um neue Möglichkeiten der Intervention zu finden.

Originalpublikationen:

Associations between palliative chemotherapy and adult cancer patients’ end of life care and place of death: prospective cohort study
Alexi A Wright et al.; BMJ; 348 doi: 10.1136/bmj.g1219; 2014

Chemotherapy Use, Performance Status, and Quality of Life at the End of Life
Holly G. Prigerson et al.; JAMA Oncol., doi: 10.1001/jamaoncol.2015.2378; 2015

162 Wertungen (4.59 ø)

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25 Kommentare:

Patient
Patient

@24 Sie verwechseln offenbar die brutale Konfrontation mit einer schockeirenden Diagnose mit Begenung auf Augenhöhe. Sowas wie Empathie und eine empathische Gesprächsführung ist Ihnen ein Begriff?

Es geht zwar durchaus auch um Faktenvermittlung, es geht aber auch darum die Bedürfnisse des Patienten wahrzunehmen und sich zu vergegenwärtigen. Dazu muss man auch hinhören (können). Eine Begegnung auf Augenhöhe ist gerade NICHT einseitige Konfrontation mit Fakten sondern Dialog!

Es geht auch nicht draum mit aller Macht unbedingt Unheilbarkeit zu kommunizieren, mit dem Ziel Hoffnung zu zerstören, Hoffnung ist einer wichtigsten Faktoren. Es geht gerade darum ein halbwegs vernünftiges Verhältnis der Betroffenen zu ihrer Erkrankung zu erlangen und sie gerade dadurch und durch den Aufbau von Vertrauen aus den Armen von Scharlatanen herauszuhalten.

Ich habe auch nirgends etwas von Pauschalverurteilung gelesen, das ist offenbar ein Schuh, den Sie sich selbst anziehen.

#25 |
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Gast
Gast

Was hier immer gerne mit “Augenhöhe” und “eigenverantwortlich” gefordert wird ist ein bischen unmenschlich!
Ein Patient wird bei aller Aufklärung kein Arzt, insbesondere wenn er mit der schockierenden Krebsdiagnose konfrontiert wird und dann noch die “Unheilbarkeit”, die man aus Verantwortung nur bei absoluter Sicherheit äußern darf, wobei ein Zeitrahmen fast unmöglich sicher vorherzusagen ist. Diese Unheilbarkeit wird ebenso nicht selten abgelehnt und treibt sie in die Hände unseriöser Wunderheiler, die alles versprechen, das gab es immer und wird es wohl auch in Zukunft geben.
Von einem guten Arzt erwarte ich daher einen guten Rat
und nicht das was man hier hört:
Hier sind alle Fakten, bitte selbst entscheiden.
Natürlich muss auch nicht jeder Rat befolgt werden, das hat noch nie jemand verlangt, wer reist sich als Arzt schon um eine Behandlung die sicher tödlich endet?
Hier werden PAUSCHVERURTEILUNGEN ausgesprochen,
die sicher ungerecht sind.

#24 |
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Patient
Patient

@#19
Mit Ihrem 2. Absatz haben leider nur zu Recht. Aus der Selbsthilfe sind mir ebenfalls Betroffene aus allen möglichen Situationen, vom Schockzustand der Erstdiagnose über verschiedene Therapiestationen, bei Rezidiven und auch in palliativen Situtationen bekannt. Zwar ist das sicher nicht bei allen Betroffenen so und auch nicht alle Ärzte handhaben es so, aber die Unkenntnis vieler Betroffener hinsichtlich dessen was ihre Erkrankung konkret für sie bedeutet, was sie erwartet, was Therapien mit ihnen tun werden, was sie von Therapien erwarten können und auch was nicht ist teilweise erschreckend. Nicht jeder Betroffene ist in jeder Situation in der Lage alles, was ihm erklärt wird zu verstehen oder sich ggf. auf anderem Wege benötigte Informationen zu besorgen. Es muss Sache der Ärzte sein so lange aufzuklären, bis ein Patient eine tatsächlich fundierte Entscheidung treffen kann. Zumindest aber muss man ihm im Zweifel Quellen nennen, bei denen er ggf. weitere Informationen erhält.

Ich will das keineswegs auf alle oder auch nur den größten Teil der Ärzteschaft verallgemeinern, aber bin mir nicht sicher, ob von einem Teil der Ärzteschaft der aufgeklärte und auf Augenhöhe eigenverantwortlich über oftmals erheblich invasive Behandlungen entscheidende Patient überhaupt erwünscht ist.

Wenn dem nicht so ist, kann das aus meiner (Patienten)sicht hauptsächlich zwei Gründe haben:
1. mag sich ein Behandler nicht vorwerfen lassen wollen, “nicht alles machbare versucht zu haben”, um am Ende nicht eventuell von Angehörigen vorgeworfen zu bekommen, man habe den Patienten zu früh aufgegeben. Das ist verständlich, aber es geht nun mal um den Patienten selbst und dessen Präferenzen, und diese können, wie ich unten bereits anmerkte, sehr unterschiedlich sein.
2. gibt es immer noch ziemlich viele Ärzte mit einem sehr paternalistischen Modell der Arzt-Patientenbeziehung, das sich im Wesentlichen zusammenfassen lässt als “ich weiß schon was für Sie gut/am besten ist, mehr brauchen sie nicht zu wissen”. Dieses Interaktionsmodell sollte aber eigentlich der Vergangenheit angehören, wiewohl es tatsächlich einzelne Betroffene gibt, die gerade dieser Interaktion bedürfen, sich zufrieden völlig in die Hände ihrer Behandler begeben wollen. Das dürfte aber heutzutage kaum mehr die Mehrheit sein, und diejenigen, die es betrifft, werden es ihre Ärzte schon früh genug wissen lassen, wenn das ihr Bedürfnis ist.

#23 |
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Gast
Gast

Ein sehr schlechter Artikel wie der Arzt #8 richtig sagte

#22 |
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Dr. med. Ralf-Achim Grünther
Dr. med. Ralf-Achim Grünther

Sehr guter Artikel. Wer als Arzt mit krebskranken Sterbenden arbeitet, sieht die Situation manchmal auch aus der menschlichen und familiären Seite, die die wiss. in der Klinik arbeitenden Mediziner nicht mehr kennen.

#21 |
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Arzt
Arzt

Als nächstes werden auch Operationen bei Krebs von Laien und Medien kollektiv schlecht gemacht, die Krankenkassen werden es gerne hören.

#20 |
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Gast
Gast

Was mich als junge Assistenzärztin mit noch wenig Berufserfahrung am meisten erschreckt ist die Tatsache dass viele der Patienten denen ich begegne (und ich begegne ihnen in fast jeden Stadium ihrer Tumorerkrankungen, bei manchen ist es die Erstdiagnose, andere sind mitten im Staging, wieder andere treffe ich nach Jahren der Beschwerdefreiheit im Rezidiv und viele auch auf ihrem letzten Weg in den letzten Wochen oder Tagen ihres Lebens) keine Ahnung haben was eine bösartige Tumorerkrankung überhaupt ist oder wie eine Chemotherapie funktioniert. Manche haben auch keine Ahnung davon, dass sie sich bereits in einer Palliativsituation befinden.

Wie kann man von jemandem dem man nicht einmal erklärt hat ist was seine Erkrankung mit seinem Körper überhaupt anstellt erwarten sich für eine Therapie zu entscheiden deren grundlegende Idee er nicht versteht? Das gehört einfach dazu, egal ob man selbst die Therapie für sinnvoll erachtet oder nicht.

@ Dr. Richter und Dr. Lorenz: Ein anderer Punkt, den ich hier noch einmal ansprechen wollte ist der, dass sehr viele Tumorpatienten einen wie sie beide so treffend sagten “elenden” Tod sterben unabhängig davon ob sie ihre letzten Kraftreserven für eine palliative Chemotherapie opfern oder diese ihrer konsumierenden Erkrankung anheim fallen. So oder so ist es in den meisten Fällen tragisch wie spät ihnen oft Palliativtherapie in Form von angepasster Schmerztherapie, einer PleurX-Drainage o.ä. angeboten wird. Niemand sollte “elend” sterben müssen, egal ob er sich mit palliativer Chemo noch ein paar Wochen Lebenszeit erkauft hat oder nicht (oder ob er sich bis zu diesem Zeitpunkt “auspendeln” hat lassen.)

#19 |
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Lieber Herr Kollege Lorenz
danke für Ihre Verbesserung. Selbstverständlich handelt es sich um Lymphknoten Ihr Erstkommentar hat mir überhaupt nicht gefallen Fäkalien sollte man bei dieser sehr ernsthaften Diskussion nicht bemühen. Versöhnt hat mich jedoch Ihr 2. Kommentar, auch wenn ich selbst nach wie vor -ob adjuvant oder palliativ- die Chemotherapie als den größten medizinischen Irrtum halte.
Vielleicht muß man selbst ein hohes Alter erreichen, wenn man die Einschläge immer näher auf sich zukommen sieht und viele Freunde , Bekannte und Familienangehörige in den Krebstod begleitet hat. Erst dann erschließt sich eine Sichtweite,aus der manche wissenschaftliche Veröffentlichung zweimal hinterfragt
werden sollte. Eine Frage: Ist Ihr Herr Vater mit oder ohne adjuvante Chemotherapie elend verstorben? Und wenn dem so sei, dann müssten Sie sich doch fragen, wie weit die Chemo sinnvoll war.
Mein Schwager ging nach radikal operiertem Magen – Ca und adjuvanter Chemotherapie elendig zugrunde.
Und eine weitere Frage: Wenn Sie -wie ich annehme aufgrund der von unseren Koriphaen vorgeschriebenen Leitlinien-alle Ihre Patienten adjuvant behandeln, wie können Sie dann einen prozentualen Vergleich zu einem nicht adjuvant behandeltem Klientel anstellen ?
Bitte unterbreiten Sie mir ,sehr verehrter Herr Kollege Lorenz,die a b s o l u t e n Zahlen der von Ihnen und Ihren Kollegen behandelten Patienten.
Ich bleibe dabei; adjuvant oder fraglich kurativ würde ich für mich persönlich jede Chemotherapie ablehnen ! Zum Glück brauche ich nicht mehr aufgrund meines Alters Patienten eine solche Therapie anbieten, denn würde ich entgegen meiner ärztlichen Erfahrung und meiner Überzeugung nicht leitliniengerecht die Chemotherapie zu mindest anbieten, könnte ich mit Sicherheit meine Approbation an den Nagel hängen.
Lieber Herr Kollege Arzt, zum einen bin ich keineswegs unwissend und zum anderen
kann ich es mir leisten, mich sogar sehr weit aus dem Fenster zu lehnen.Mit der Onkologie habe ich mich anfangs im großen Umfang tierexperimentell,(da haben Sie sicherlich noch in den Windeln gelegen) später sowohl in der Chirurgie als auch in der Gynäkologie auseinandergesetzt.
Bei sauberer Operationstechnik konnte ich auf eine adjuvante Antibiotikaprophylaxe verzichten.
Ihnen beiden wünsche ich den Mut bei einem Teil Ihrer Patienten auf die adjuvante oder palliative Chemotherapie zu verzichten. Dann können Sie Zahlen absolut und prozentual vergleichen. Aber bitte schreiben Sie nicht die Zahlen anderer Autoren ab.

#18 |
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Aus meiner langjährigen Tätigkeit in der Onkologie weiß ich, dass viele Patienten soviel Therapie wie möglich “ausschöpfen” wollen, man kann das sicher getrost als Kampf um ihr Leben verstehen. Ein Problem dabei kann sein, dass auch Ärzte Menschen sind, die nicht gerne aufgeben, und dann wider besseren Wissens und vielleicht sogar selbst unbemerkt so etwas wie Optimismus vermitteln. Viele Patienten klammern sich an alles, was der Doktor sagt – oder was sie zu vertehen glauben. In jedem Fall stimme ich allen zu, die eine ehrliche, offene und intensive Kommunikation zwischen Arzt und Patient als unerlässlich erachten – und dann sollte der Wille des Patienten respektiert werden. Auch ein Stück Hoffnung kann zur Lebensqualität beitragen.

#17 |
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Dorothea Kaufmann
Dorothea Kaufmann

@Zensor (Redaktion)
Was schrieb Isabella Wohlgemuth “Gefährliches”, dass Sie meinen, es erwachsenem Fachpublikum nicht zumuten zu können?

#16 |
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Was die palliative Chemotherapie betrifft, denke ich, gibt es kaum ein Gebiet, das mehr zwischen dem Onkologen und dem Patienten intensiv besprochen werden muss. Wenn der Patient bereit ist, zu verstehen, daß er nicht wieder gesund werden wird, ist der Weg geebnet, über das Finale zu sprechen. Hier entscheidet es sich, ob der Patient nach dem letzten Stohhalm greifen will, den sollte man ihm dann auch geben. Wenn er sagt, ich möchte möglichst nebenwirkungsfrei die Welt verlassen, sollte auch das möglich sein. Das ist höchst individuell, niemals kategorisierbar. Auch bei einem jungen Patienten kann es sich “lohnen”, alles zu geben. Vielleicht möchte er seine Tochter oder seinen Sohn noch den Schulabschluss machen sehen. Ich denke, daß standartisierte Fragebogen nicht immer der Sache gerecht werden. Es sollte m.E. immer eine individuelle Entscheidung zwischen einem klugen Onkologen und dem Patienten bleiben.

#15 |
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@ Herrn Richter – im Ruhestand: die Diskussion darf nicht entgleiten zwischen adjuvanter, neoadjuvanter oder palliativer Chemotherapie.
Zu Ihrem Freund mit den Lymph”drüsen”metastasen (seit ungefähr 40 Jahren sagt man “Lymphknoten”): noch 1996 war bei Colon-Ca. mit N2-Status keine adjuvante Chemo üblich, heute schon bei N1. Mein Vater ist elend eingegangen an Metastasen nach einem N2-Status bei Z.n. Colon-Ca. Reden Sie bitte keine Schei.e, wovon Sie nichts verstehen. Da werde ich sauer.

#14 |
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Arzt
Arzt

@Dr. Alfred Richter, die Wette haben Sie schon verloren, wie kann man sich als Unwissender nur so aus dem Fenster lehnen.
Ich bin selbst Chirurg und habe sehr früh an solchen Multi-Centerstudien mitgewirkt mit eigene selbst operierten Patienten.
Das waren lebende Menschen, keine tote Statistik.
Das gleiche Prinzip gilt auch für andere Tumoren, zum Beispiel das viel bösartigere Magen-Ca.
1) subtile Ausräumung der LK im Tu-Abflussgebiet, hier sind die Japaner bekanntlich Weltmeister, weil dort das Magen-Ca sehr häufig ist.
2) Nachbehandlung mit Chemotherapie.

Mit 1)+2) ist die Heilungsrate BETRÄCHTLICH gestiegen.

Kommt man zu spät, weil man unbedingt auf eine nachweisbares “Rezidiv” warten will, ist das dann fast immer das Todesurteil.

Keine Theorie, sondern Fakt.

#13 |
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Dr.Alfred Richter
Dr.Alfred Richter

Kommentar zu 11
Lieber Herr Kollege unbekannt,
Gratuliere Ihnen zu Ihrer Statistikgläubigkeit Mit Statistik lässt sich vortrefflich habilitieren.
Wetten,dass man über kurz oder lang die Chemotherapie als obsolet betrachten wird.
Einzig bei der lymphatischen Leukämie überzeugt die Chemotherapie .Hier findet sich eine Hemmung von Thymidin in die DNS

#12 |
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Angestellter Apotheker

Patient

Meine eigene Erfahrung, nur ähnlich nicht genau. Vor 5 Jahren Nierenkarzinom leider bei mir gefunden, operiert. 2014 Metastasen in Lungen, Leber und Lymphdrüsen festgestellt. Meine einzige Möglichkeit – eine Biologische Behandlung mit Sutent. Behandlung führte zu zahlreichen unerwünschten Effekten – Durchfälle, starke Nasenblutungen, weil ich Warfarin einnehmen muss und das Slimmste noch – Zerfall von Operationsnarben meines Fussgelenkes (13 Jahre alt/ – also zweimal grosses krural Ulcus sehr schmerzhaft – ich konnte fast ausschliesslich liegen. Vor der Behandlung konnte ich fast alles ohne Begränzung tun. Es gibt noch 2 oder 3 ähnliche Arzneimittel, aber ich fürchte, dass ich nach der Heilung meiner Wunden nich mehr vortsetzen kann. Die unerwünschten Effekte werden fast dieselben sein.
Also man kann sagen – ein Verlust an Lebensqualität.
Bitte, verzeihen Sie meine schriftlichen Fehler – ich bin kein Deutscher, noch im vorigem Jahr ein Apotheker.

#11 |
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Patient
Patient

Sowohl der Artikel als auch einige der Kommentare verkürzen die Problematik m.E. unzulässig. Zunächst müsste man sich mal einig sein, was man unter palliativer Chemotherapie überhaupt verstehen will. Aus meiner Sicht trifft die Bezeichnung durchaus auch noch auf therapeutische Bemühungen zu, von denen zwar keine Heilung (ein unglücklicher Begriff) im Sinne von Tumorfreiheit mehr möglich ist, aber durchaus noch eine evtl. Verlängerung der Lebenszeit zu erwarten ist. Auch in diesem Falle wird oft schon von palliativer Chemotherapie geredet, und da ist sie durchaus sinnvoll, wenn die mögliche Lenbenszeitverlängerung im Interesse des Patienten ist.

Garantieren kann dem Patienten niemand, dass die Lebenszeit tatsächlich verlängert wird, ob das im Durchschnitt der Fall ist, darüber sollten Studien allerdings Aufschluss geben önnen. Im Artikel wird die Palliative Chemo im Wesentlichen auf die Endphase eingeschränkt, wenn sich die Restelbenserwartung nur noch in wenigen Monaten bemisst. Auch in dieser Situation kann eine systemische Therapie durchaus angebracht sein. Das kann selsbt dann der Fall sein, wenn keine auch geringe lebenszeitverlängerung aus der Studiedenlage zu erwarten ist.

Viel zu wenig wird m.E. der Aspekt einer informierten Entscheidungsfindung durch den Patienten, gemeinsam aber eben in Augenhöhe mit dem behandelnden Arzt den / Ärzten beachtet. Lebensqualität, kann für Patienten sehr unterschiedliche Bedeutung haben. Allein die Tatsache, das Gefühl “etwas” unternommen zu haben, kann für einige Betroffene von großer Wichtigkeit sein, wohinter die Wahrnehmung von Beeinträchtigungen durch Nebenwirkungen auch zurücktreten kann. Anderen mag es genau umgekehrt gehen. Der eine nimmt vielleicht gern die Nebenwirkungen von z.B. Tyrosinkinaseinhibitoren in Kauf, wenn er auch bei statistisch gleichem Gesamtüberleben dafür eine längere progressionfreie Zeit bekommt, andere werden die Nebenwirkungen als so große Einschränkung sehen, dass sie sich eher nicht darauf einlassen wollen.

Eine Wertfreie Information durch die Ärzte über mögliche Optionen und deren konkret mögliche Auswirkungen auf den Alltag, ohne den Betroffenen das eigene gerade gern gerittene Steckenpferd bzgl. Therapieoptionen aufschwatzen zu wollen und eine anschließende gemeinsame fundierte Entscheidungsfindung nach den individuellen Präferenzen des Patienten wäre aus meiner (Patienten-)Sicht wünschenswert, ist aber leider noch lange nicht die Regel.

#10 |
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Arzt
Arzt

@Dr. med. Alfred Richter gerade über den häufigsten bösartigen Tumor, wenn man Mann und Frau zusammen betrachtet, gibt es ausreichen Studien, schon seit über 40 Jahren, die beim Kolonca. MIT regionalen Lk-Befall, aber chirurgischer sicherer R0-Resektion (histol.definiert) folgendes zeigen:
Ohne nachfolgende Chemotherapie ist die Heilungsquote (5 Jahre reichen beim Kolon zur Beurteilung) um die 60%, mit NACHFOLGENDER Chemotherapie bei über 90%. Mit Chemotherapie alleine, wie bei fast allen soliden Malignomen kann man nicht definitiv heilen. Offensichtlich ist die Tuormenge dabei also sehr sehr wichtig, denn bei einer R0-Resektion gilt der Patient ja tumofrei, es kann sich also nur um mikroskopische Spuren handeln und hier ist sie effektiv. Gerade das hierfür geeignete 5FU ist rel. gut verträglich.

#9 |
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Arzt
Arzt

zu #7 So pauschaliert ist der Beitrag einfach falsch!
Weder gibt es “den Kebs”, noch gibt es “die Chemotherapie”.

#8 |
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Nele Lange
Nele Lange

Die Kommentare verwirren mich nun doch etwas. Sprechen Sie nun davon, dass von einer regulären Chemotherapie gesprochen wurde oder von einer palliativen?
Letztere soll ja nur “lindernde” Effekte bei einer infausten Prognose bieten, oder? Und wenn man dieser Studie Glauben schenken kann (was mir durchaus realistisch erscheint, da Zytostatika so starke Nebenwirkungen haben) erscheint mir das Ergebnis durchaus realistisch. Ob also eine pall. chemo noch als schützende “Ummantelung” gesehen werden kann wäre nach Ergebnis der Studie fraglich.
Stellt sich mir eher eine ethische Frage, da viele tödlich Erkrankte sich Hoffnungen in einer palliativen THerapie machen und sich derer Bedeutung oft nicht bewusst sind.

Meiner persönlichen Meinung nach sollte die Evidenz von der Palliativen Chemo gründlich überprüft werden. (Und damit auch der Einsatz)
Die Hemmung der Symptome die durch den Krebs entstehen und das erhalten von Lebensqualität bis zum Schluss ist dabei am Wichtigsten, nicht irgendwelche Experimente.

#7 |
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Einer meiner Freunde wurde wegen eines Colon-Ca mit lokalen Lymphdrüsenmetastasen vor 8 Jahren operiert. Anschließen sollte sich eine Chemotherapie. Er suchte meinen Rat. – Aus meiner eigenen operativen Tätigkeit ohne nachfolgender Strahlen – und Chemotherapie glaube ich behaupten zu dürfen, daß sich die Überlebenszeit meiner damaligen Patienten durchaus messen lassen konnte gegenüber einer routinemäßigen Chemotherapie.-
Meinem Freund gab ich lediglich den Rat eigener Entscheidung. Er verzichtete auf eine nachfolgende Chemotherapie und erfreut sich bis jetzt bester Gesundheit.

#6 |
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Heilpraktikerin

Gerda Hammer
Ich kann Frau Wohlgemuth nur beipflichten, ich habe das Gleiche erlebt und auch die Chemotherapie abgelehnt (vor 6 Jahren). Weil ich mir keine Chemo machen ließ und der Krankenkasse viel Geld erspart habe, “durfte” bzw. bekam ich nach der Darmoperation keine Kur. Da ist man ja schließlich körperlich nicht so kaputt! Strafe muss sein!

#5 |
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Isabella Wohlgemuth
Isabella Wohlgemuth

[Der Kommentar wurde von der Redaktion entfernt.]

#4 |
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Gast
Gast

Die Palliative Chemotherapie dient überwiegend den Interessen der Pharmaindustrie!

#3 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Dieser Ansatz ist sicherlich der Forschung dienlicher als dem Patienten, wer weiß über Zufälle wurde schon so viel entdeckt und sicher versteckt sich in der palliativen Chemo auch immer etwas Hoffnung, dass ein neues Mittel längere Überlebenszeit gibt. Und zu Mitteln, welche sich nicht bewährt haben könnte man sicher den Abstand nehmen.

#2 |
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Medizinisch-Technischer Assistent

Toller Artikel, vielen Dank! Selber gerade im Freundeskreis erlebt..Vieles, auch in der Onkologie, dient eher der Egopflege der Mediziner, als dem Wohle des Patienten. Man sollte in der Behandlung eher darauf abzielen, dem Patienten einen würdigen Abschied zu ermöglichen. Das Gegenteil ist der Fall, oft ist dieser Patient auch noch Studienobjekt, nicht immer zu seinem Vorteil. Es gibt sehr engagierte Palliativmediziner, die oft zu spät involviert werden oder sich nicht gegen andere Fachrichtungen durchsetzen. Auch Mediziner sollten lernen, dass lebenswertes Leben und Leben an sich, manchmal grundverschiedene Dinge sind.

#1 |
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