Lungenkrebs: SABR bietet Lobektomie die Stirn

3. August 2015
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Die stereotaktische ablative Radiotherapie (SABR), die eine exakte Bestrahlung ermöglicht, zeigt in klinischen Studien im Lungenkrebs-Frühstadium gleichwertige Ergebnisse zur Lobektomie. Weitere Studien sollen den Stellenwert der möglichen Therapiealternative ermitteln.

Das Lungenkarzinom ist daher die mit Abstand häufigste Krebstodesursache bei Männern (mit einem Anteil von 25 Prozent) und die dritthäufigste bei Frauen (14 Prozent). Ein Lungenkrebs im Frühstadium kann jedoch häufig geheilt werden. Die Standardtherapie ist derzeit eine Lobektomie.

„Die Heilungschancen wurden als höher eingestuft als bei einer Radiotherapie, bei der nicht geprüft werden kann, ob alle Krebszellen durch die Strahlung abgetötet wurden“, erläutert Professor Dr. med. Michael Flentje, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Würzburg. Eine Bestrahlung erhalten derzeit vorwiegend Patienten, für die eine Operation zu riskant wäre. Diese Einschätzung wird durch die stereotaktische ablative Radiotherapie (SABR) zunehmend infrage gestellt. „Mit der SABR werden die Strahlen millimetergenau auf den Tumor fokussiert. Es sind deshalb wesentlich höhere Strahlendosierungen möglich“, erläutert Professor Flentje: „Die Erfahrungen bei inoperablen Patienten haben gezeigt, dass die Tumorkontrolle und damit die Chance auf eine Heilung bei über 90 Prozent liegen.“

Unter 31 Patienten nur ein Todesfall

Rückblickende Vergleiche hatten diese Einschätzung auch für operable Patienten in den letzten Jahren zunehmend gestützt. Drei Studien haben aktuell Operation und stereotaktische Bestrahlung direkt und mit zufälliger Zuteilung bei Patienten verglichen, die noch operiert werden konnten. „Alle Studien mussten vorzeitig abgebrochen werden, weil zu wenige Patienten sich auf einen solchen Vergleich einlassen wollten“, berichtet der Strahlentherapeut. „Die Angst, eventuell durch eine Radiotherapie die Chance einer sicheren Heilung aufzugeben oder die Furcht vor einer eingreifenden Operation, waren im Einzelfall wohl zu groß.“

Forscher aus den Niederlanden haben nun die Daten von 58 Patienten aus zwei der drei Studien näher untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bedenken bezüglich der Strahlentherapie unbegründet sind. Nach der Operation starben in den ersten drei Jahren sechs von 27 Patienten, davon zwei am ursprünglichen Lungenkrebs und einer an einem neu entstandenen Lungenkrebs. Unter den 31 Patienten, die eine stereotaktische Bestrahlung erhalten hatten, gab es nur einen Todesfall. Hier war der Tumor trotz Radiotherapie weiter gewachsen.

Für viele Patienten die schonendere Therapie

„Wir wissen noch nicht endgültig, ob die Radiotherapie mit SABR der Operation gleichwertig oder überlegen ist. Das müssen weitere Studien klären“, kommentiert DEGRO-Pressesprecher Professor Dr. med. Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim. „Wir sind aber der Ansicht, dass die SABR zumindest gleichwertig ist.“ Ganz sicher sei sie für viele Patienten die schonendere Therapie. Eine Lungenoperation kann auch für körperlich fitte Patienten eine große Strapaze sein. Der Verlust von einem der insgesamt fünf Lungenlappen beschränkt auf Dauer die Sauerstoffzufuhr, was langfristig die Lebensqualität der Patienten herabsetzen kann.

Originalpublikation:

Stereotactic ablative radiotherapy versus lobectomy for operable stage I non-small-cell lung cancer: a pooled analysis of two randomised trials
Michael Flentje et al.; Lancet Oncol, doi: 10.1016/S1470-2045(15)70168-3; 2015

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Medizin, Onkologie

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1 Kommentar:

Gast
Gast

Das Hauptproblem eines solchen Vergleichs ist die fehlende Histlogie bei der Bestrahlung.
Das mit der “Chance auf eine Heilung bei über 90 Prozent” müsste eigentlich epidemiologischn erkenbar sein. Lungekrebs ist nicht unbekannt, Strahlentheraie ebenso wenig.
Bisher ist Inzidenzn und Mortalität immer noch (fast) identisch,
im krassen Gegensatz z.B. beim noch häufigeren Kolon-Ca.
31 Patienten sind zu wenig.

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