Onkologika: Für eine Handvoll Gold

7. August 2015
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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt vor exorbitant teuren Krebsmedikamenten, die nur wenig Gewinn an Lebenszeit bringen. Kritik an Herstellern lässt er außen vor – und das umstrittene AMNOG kommt ebenfalls nicht zur Sprache.

Professor Dr. Karl Lauterbach (SPD) will eigenen Worten zufolge alle Baby-Boomer wachrütteln. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland erklärte er, Preise von Onkologika stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen. „Hier können Medikamente sehr leicht Jahrestherapiekosten von 100.000 Euro verursachen. Aber es ist keine Seltenheit, dass sich dadurch das Überleben des Patienten nur um zweieinhalb Monate verbessert.“ Wenn das gleiche Prinzip überall im Gesundheitssystem gelten würde, so Lauterbach weiter, wäre es schon sehr lange unfinanzierbar. Auf die Frage, ob der Staat regulierend eingreifen soll, weicht er geschickt aus.

PR-Gag oder Kniefall vor der Industrie?

Nun gehören skandalträchtige Interviews zur erfolgreichen PR-Kampagne eines jeden Buches. Karl Lauterbach will momentan sein Traktat „Die Krebs-Industrie“ an den Mann und an die Frau bringen. Kritiker werfen dem Sozialdemokraten jetzt mangelnden Weitblick vor. Sogar Krankenkassen – ihres Zeichens generell auf Sparmaßnahmen bedacht – laufen Sturm.

„Nicht im Sinne der solidarischen Krankenkasse“

„So berechtigt eine intensive Diskussion über sehr teure Arzneimittel und deren Kosten-Nutzen-Verhältnis auch ist, eine Debatte, die letztlich auf dem Konflikt zwischen Beitragszahlern und Schwerkranken aufbaut, ist definitiv nicht im Sinne der solidarischen Krankenversicherung“, kritisiert Holger Langkutsch. Der Verwaltungsratsvorsitzende der Barmer GEK weiter: „Gerade wir Deutschen stehen in der ethischen Verantwortung, alles erdenklich Sinnvolle zu unterstützen, was die Lebensqualität von Schwerkranken verbessert. Als Vertreter der Patientinnen und Patienten weigere ich mich jedenfalls, eine Diskussion über den Wert eines Lebensmonats zu führen.“

Sparen mit Strategie

Eigentlich wären Kontroversen dieser Art überflüssig, wie ein Blick auf das umstrittene Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) zeigt. Im ersten Jahr nach Zulassung haben Firmen die Lizenz, Geld zu drucken. Holger Langkutsch zufolge wäre denkbar, „die Preise für Arzneimittel unmittelbar nach Markteintritt zu regulieren, um der Hochpreispolitik der Pharmaindustrie einen Riegel vorzuschieben.“ Nach Festsetzung des Erstattungsbetrages müssten Unternehmen zu viel gezahlte Beträge rückerstatten. Früher oder später muss sich Schwarz-Rot mit der unangenehmen Thematik befassen.

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