Neurologie: Neue Hirnzellen wachsen lassen

8. Mai 2013
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Wissenschaftlern ist nun in einer Studie gelungen, das Wachstum bestimmter Gehirnzellen zu stimulieren. Dies könnte langfristig dazu beitragen, neue Ansätze für die Therapie neurologischer Krankheiten wie der Multiplen Sklerose zu finden.

Das Gehirn von Erwachsenen kann sich nur in einem sehr geringen Umfang regenerieren. Die Ausnahme sind einige Regionen, in denen die dort ansässigen Stammzellen neue Gehirnzellen bilden: zum einen Nervenzellen, die für die Informationsweitergabe zuständig sind, und zum anderen Gliazellen, die ganz unterschiedliche Aufgaben im Gehirn übernehmen. Beispielsweise bilden die so genannten Oligodendrozyten Myelinscheiden, die die Nervenzellfortsätze umhüllen.

Rasche Signalweitergabe wichtig
Diese Markscheiden wirken als eine Art Schutzmantel, ähnlich wie Isolierschichten eines Kabels, und helfen so dabei, die elektrischen Impulse zwischen den Nervenzellen ungestört zu übertragen. Für die zielsichere, schnelle Weitergabe von Signalen im Gehirn aber auch im Rückenmark sind intakte Myelinscheiden äußerst wichtig. Bei der Multiplen Sklerose zum Beispiel sterben die Oligodendrozyten ab, und die Folge davon sind die für die Krankheit typischen neuronalen Funktionsstörungen.

Signal identifiziert
Die Forschergruppe, an der Prof. Dr. Dieter Chichung Lie, Institut für Biochemie der FAU, beteiligt ist, hat nun ein Signal identifiziert, das im Modell die Vermehrung der Oligodendrozyten im Gehirn stimuliert. Wird dieser Übertragungsweg blockiert, bildet das Gehirn umgekehrt keine neuen Oligodendrozyten. Die Wissenschaftler wollen diese Erkenntnisse nutzen, um bei neurologischen Krankheiten wie der Multiplen Sklerose die abgestorbenen Oligodendrozyten durch neu gebildete Zellen zu ersetzen.

Originalpublikation

Oligodendrogliogenic and neurogenic adult subependymal zone neural stem cells constitute distinct lineages and exhibit differential responsiveness to Wnt signalling.

F. Ortega et al.; Nature Cell Biology, doi:10.1038/ncb2736, 2013

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Medizin, Neurologie

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1 Kommentar:

Wie kann man nur seit Theodor Schwann und Jean-Martin Charcot’s Zeiten – 150 Jahre – behaupten, die Wiederbemarkung der nur entmarkten Nervenfaser sei’n normaler Vorgang, der im ZNS ein paar Monate dauert?
Haben uns diese Leute Unsinn verpasst? Oder müssten die MS-Forscher nur drauf kommen, warum die Remyelinisierung der (nicht gerissenen) Axone bei der MS nicht klappen will?
dr.franz.schelling@gmail.com; Dr. med. univ. Franz Schelling

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