Kindesmissbrauch: Gestörte Einfühlung

26. August 2015
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Über sich selbst und andere nachzudenken, ist eine Fähigkeit, die sich nicht „einfach so“ entwickelt, sondern von Kindern durch engen Kontakt zur Bezugsperson erlernt wird. Bei sexuellem Missbrauch ist dieser Mechanismus enorm gestört, wie Forscher herausfanden.

Wie kann ein Kind eigentlich erkennen, was ein anderer sich wünscht und welche Absichten er hat? Kinder lernen es, über sich und andere nachzudenken, indem sie in engem Kontakt mit einer Bezugsperson stehen, die fähig ist, über das Kind nachzudenken. Der Einfachheit halber wird im Folgenden von der „Mutter“ gesprochen, obwohl jede enge Bezugsperson gemeint ist. Wenn eine Mutter in das Gesicht ihres Kindes schaut, dann „markiert“ sie ihren Gesichtsausdruck. Schaut das Kind überrascht, dann imitiert die Mutter den Gesichtsausdruck des Kindes in übertriebener Weise, wie Fonagy und Target in ihrer Studie (1997) zeigten [Paywall]. Sie zieht die Augenbrauen hoch und sagt: „Huch!“ Dabei kann man gut erkennen, dass die Mutter nicht selbst überrascht ist, sondern dass sie das Kind nur nachahmt.

Übertriebene Gesichtsausdrücke als Orientierungshilfe

Auch das Kind erkennt den „markierten“, übertriebenen Gesichtsausdruck und bemerkt: Was die Mutter mir zeigt, das bin ich. Die Mutter selbst fühlt sich nicht überrascht. Aber sie zeigt mir, wie ich gerade aussehe. Die Mutter füllt das, was sie dem Baby zeigt, mit Worten: „Da bist du aber überrascht!“, könnte sie sagen. Vereinfacht ausgedrückt: Indem die Mutter ihr Kind behandelt wie einen Menschen, der eine Psyche mit verschiedenen psychischen Zuständen hat, lernt das Kind, sich selbst als einen solchen fühlenden und denkenden Menschen zu begreifen.

In dieser feinen Kommunikation kann viel schief laufen. Zeigt ein Kind Angst und ist die Mutter gerade selbst in einem ängstlichen Zustand, dann spiegelt sie dem Kind die Angst so, dass es merkt: Die Mutter hat auch Angst. Das kann bewirken, dass das Kind das Gefühl hat, es hätte die Mutter mit seiner Angst angesteckt. Es wird überflutet von Angst. Reagiert die Mutter jedoch zu wenig auf den ängstlichen Gesichtsausdruck des Kindes, so bekommt das Kind das Gefühl, mit ihm stimme etwas nicht oder es werde mit seiner Angst alleingelassen.

Nachdenken und Sprechen über mentale Zustände

Nicht optimale Kommunikationsmuster kommen immer wieder vor. Sie sind jedoch nicht nur negativ zu bewerten, sondern sie stellen auch Entwicklungsreize dar. Das Kind lernt, sich von der Mutter zu differenzieren. Wichtig im Laufe der Entwicklung ist es, dass die Mutter immer wieder den Bezug zur psychischen Verfassung des Kindes findet. Die Mutter stellt dabei verschiedene Theorien auf, wie es ihrem Kind wohl gehen mag: „Ich glaube, du bist jetzt enttäuscht, weil wir nicht mehr bei der Oma vorbeigeschaut haben“, könnte sie sagen. Sie nimmt Bezug auf die Gefühle und begründet sie. Die Mutter hat eine Theorie über den psychischen Zustand ihres Kindes. Diese Theorie wird auch als „Theory of Mind“ (ToM) bezeichnet. Indem die Mutter Bezug auf das Seelenleben des Kindes nimmt und auch über ihre eigenen Gefühle spricht, schult sie das Kind darin, selbst eine Theory of Mind zu entwickeln und Worte für Gefühlszustände zu finden. Kinder nehmen dieses Beziehungsangebot begierig auf. Ist die Beziehung zur Mutter gut, dann lieben sie es, von ihr in dieser Weise psychisch genährt zu werden.

Was aber, wenn die Familie von Gewalt geprägt ist? Was geht in Eltern vor, die ihren Kindern Gewalt antun? Das möchte das Kind nicht wissen. Aber auch die Eltern wollen oder können nicht so genau wissen, was in den gewaltsamen Momenten in ihren Kindern vorgeht. Dies hat fatale Folgen für die Kinder: Zwar sind sie hypervigilant und haben gelernt, die Eltern genau zu beobachten, doch fühlen sie sich nicht wirklich in die Eltern ein. Was die Kinder erkennen würden, wenn sie die mentalen Zustände der Eltern verstehen würden, wäre zu schrecklich. Daher vermeiden sie es, die Eltern zu erforschen.

Ähnliches hat bereits der britische Psychoanalytiker Wilfred Bion 1959 beschrieben. Es wirkt dann, als würden die Kinder Lücken im Denken aufweisen. Auch traumatisierte Borderline-Patienten erscheinen einerseits auf eine eigentümliche Weise oft nur wenig fähig zur Empathie. Andererseits erfassen sie rasch, wo die Schwächen des anderen liegen und können treffsichere Bemerkungen machen. Diese Diskrepanz zwischen scheinbar fehlendem Einfühlungsvermögen einerseits und dem Erkennen des anderen andererseits wird als „Krohn’s Paradox“ bezeichnet.

Am häufigsten waren Väter die Täter

Wie reflexionsfähig Kinder sind, die sexuellen Missbrauch erlebt haben, untersuchten nun Karin Ensink und Kollegen. Sie verglichen Kinder, die intrafamiliären bzw. extrafamiliären sexuellen Missbrauch erlitten, mit Kindern, die ohne Missbrauchserfahrungen aufwuchsen.

An ihrer Studie nahmen 94 Mutter-Kind-Paare teil. 46 Kinder waren Missbrauchsopfer, 48 Kinder wuchsen „normal“ auf. Von den 46 Opfern hatten 22 intrafamiliären und 24 Kinder extrafamiliären Missbrauch erlebt. Die meisten Opfer waren Mädchen. Am häufigsten waren Väter die Täter, gefolgt von Geschwistern, Stiefvätern und Großvätern. Die gesunden Kinder entstammten aus ähnlichen sozioökonomischen Verhältnissen wie die missbrauchten Kinder. Das Durchschnittsalter der Kinder lag zwischen 9 und 10 Jahren.

Alle Mütter und Kinder wurden von geschulten Studienmitarbeitern interviewt. Die Wissenschaftler setzten das Child Attachment Interview (CAI) [Paywall] ein. Das CAI ist ein semistrukturiertes Interview und besteht aus 15 Fragen. Die Kinder sollen dabei erzählen, was sie selbst fühlen und denken, und was ihrer Meinung nach in den engsten Bezugspersonen vorgeht. Die Wissenschaftler kodierten die Aussagen dann mithilfe des Manuals der „Child Reflexion Functioning Scale“ (CRFS). Die Skala enthält die Werte -1 bis 9. Die Mütter wurden mithilfe des Parent Development Interview (PDI) interviewt. Es besteht aus 45 Items und enthält Fragen zu den Vorstellungen, die die Mütter über ihre Kinder und die Beziehung zu ihren Kindern haben. Auch hier ermittelten die Wissenschaftler den Reflective Functioning Score, der ebenfalls von -1 bis 9 reichte.

Bizarre Antworten bei fehlender Mentalisierung

Kinder, die Mentalisierung vermeiden, geben oft bizarre Antworten. Auf die Frage: „Wann hattest du das letzte Mal Spaß mit deiner Mama?“ kommen Antworten wie „Ich habe ein Video von der Sesamstraße“ oder „Es macht mir Spaß, mit Mama zusammen zu sein.“ Bei fehlender Mentalisierung erhalten die Interviewer oft die Antwort: „Ich weiß nicht“ – zum Beispiel auf die Frage: „Was passiert, wenn dein Papa böse mit dir wird?“ Manche Kinder können auch ausführlich von Erlebnissen mit ihren Eltern berichten, ohne ein einziges Mal auf mentale Zustände einzugehen: „Manchmal gehen wir samstags einkaufen und ich kann mir ein Kleid aussuchen oder Schmuck und dann gehen wir zu McDonald’s.“

Eine hohe Mentalisierungsfähigkeit zeigt sich zum Beispiel hier: „Was passiert, wenn deine Mama sich aufregt?“ – „Einmal regte sich meine Mama auf, weil sie dachte, ich hätte ein Geheimnis über sie. Ich wusste nicht, wie ich ihr sagen sollte, dass es nicht um sie geht und wie ich dennoch das Geheimnis für mich behalten könnte. Egal, was ich sagte – sie wurde immer sicherer, dass mein Geheimnis mit ihr zu tun hätte.“

Missbrauchserlebnisse schränken Reflexionsfähigkeit ein

Karin Ensink und Kollegen fanden heraus, dass die missbrauchten Kinder signifikant schlechter reflektieren konnten als die nicht missbrauchten Kinder (Mittelwert = 2,08 bzw. 3,25, p < 0,001). Insgesamt fand sich ein sehr geringer Reflexions-Score bei allen Kindern, was die Autoren darauf zurückführen, dass sie die Kinder der Kontrollgruppe nach einem sozioökonomischen Status ausgewählt hatten, der zu dem Status der missbrauchten Kinder passte. Kinder, die innerhalb der Familie missbraucht wurden, wiesen einen signifikant schlechteren Reflexions-Score auf, als Kinder, die außerhalb der Familie sexuell missbraucht worden waren. Die Autoren erklären sich dies damit, dass die außerfamiliär missbrauchten Kinder in der Familie mit ihren Eltern besser über das Geschehen reflektieren konnten. Kinder von Müttern mit einem niedrigen RF-Score wiesen ebenfalls niedrige RF-Scores auf.

Wie sehr die Entwicklung des Kindes vom psychischen Gesundheitszustand der Eltern bzw. der Bezugspersonen abhängt, konnten die Wissenschaftler dieser Studie eindrücklich zeigen. Im Kontext von sexuellem Missbrauch wird Reflexion erschwert. Gleichzeitig findet Missbrauch leichter statt, wenn Erwachsene sich nicht in die Kinder einfühlen können. Ein Teufelskreis. Aus ihm können Kinder entkommen, wenn Erwachsene da sind, die über ihre innere Verfassung nachdenken. Mangelnde Reflexionsfähigkeit kann ein Zeichen dafür sein, dass Kinder in einem Klima aufwachsen, in dem nicht viel über sie nachgedacht wird. Inwieweit andere diesen Mangel ausgleichen können, oder inwieweit die Reflexionsfunktion später noch verbessert werden kann, bleibt weiter zu erforschen.

Originalpublikation:

Mentalization in children and mothers in the context of trauma: An initial study of the validity of the Child Reflective Functioning Scale
Karin Ensink et al.; British Journal of Developmental Psychology, doi: 10.1111/bjdp.12074; 2015

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20 Kommentare:

Gast
Gast

zu # 15 : Ob es auch etwas mit Empathie zu tun haben könnte, sei dahingestellt.
Aber ich finde es schade, keine Reaktion auf die gestellte Frage erhalten zu haben. So wichtig alle Beiträge sind, so wichtig die persönlichen Erfahrungen, Odenwald-Schule, ob Borderliner oder nicht, Enstehungsgründe usw., so wichtig erscheint mir auch, ob und ggf. was man jetzt und auch in Zukunft machen kann.
Das erscheint mir umso wichtiger, als einiges darauf hindeutet, daß Empathie-Fähigkeit und auch Sensibilität in der zurückliegenden Zeit nachgelassen haben.
Das macht regelrecht Angst und hätte ja auch etwas mit Vorbeugung sexueller Gewalt zu tun…

#20 |
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Lena
Lena

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(Ursprungs-Zitat:) “Auch traumatisierte Borderline-Patienten sind einerseits auf eine eigentümliche Weise nicht fähig zur Empathie.”
Sie schrieben:
“So eine Aussage ist sehr beleidigend und gar nicht wahr. ich bin Borderlinerin, hab PTBS und kann sehr wohl Empathie empfinden..oft mehr als es mir lieb ist…”

Sie haben vollkommen Recht – der Satz war zu pauschal formuliert. Es ist ein schwieriges Thema und hat auch immer mit dem sogenannten “Strukturniveau” der Betroffenen zu tun, mit der jeweiligen Beziehung und mit den persönlichen Themen. Ich habe nun den Satz verändert, sodass er weniger allgemein klingt.
(Zitat Ende)
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Ein typischer Disput zwischen Bl und nicht Bl. Ein Borderliner moniert in Bl-Sprache:
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” So eine Aussage ist sehr beleidigend und gar nicht wahr. ich bin Borderlinerin, hab PTBS und kann sehr wohl Empathie empfinden..oft mehr als es mir lieb ist…”
_____________________________________________________________

Nein, du bist nicht empathisch, sonst würdest du anders formulieren. Weniger jammerig und ichbezogen. Du würdest die Position des Schreibers einnehmen und dich fragen, wie er zu einer solchen Einschätzung kommt. Warum schreibt er das, was ist der Hintergrund.

Mit deinen Gefühlen haben sich Aeonen von Wissenschaftlern und Psychiatern befasst, sicher nicht um dich zu diffamieren, sondern um die Welt von diesem verkappten Hass zu befreien.

Und was machst du ausser dich zu beschweren?

#19 |
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Gast
Gast

das Gequatsche über Sex und die ewige Sexproblematisierung kommt glaub ich aus USA,
kaum noch auszuhalten, Sigmund Freud, der Oberschwindler lässt grüßen.
Wichtiger scheint mir schlicht Gewalt gegen Kinder.
Da liegen allerdings nicht die Männer vorne.

#18 |
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Gast
Gast

Zur Borderline-Problematik konstatiert Wolfgang Wöller wie folgt:

“Frühere Hypothesen, nach denen Borderline-Patienten eine generell verminderte Fähigkeit zur Emotionswahrnehmung haben, lassen sich nach heutiger Auffassung nicht aufrechterhalten. Bei genauerer Betrachtung der Reaktionsmuster von Betroffenen ist sogar anzunehmen, dass ihre Fähigkeit zur Wahrnehmung negativer Reize erhöht sein kann […]. Dies passt zu unserer klinischen Beobachtung, dass Borderline-Patienten äußerst wachsam kleinste Veränderung [sic!] unserer Gesichtsmimik bemerken, die anderen Menschen nicht auffallen würden. Sie interpretieren aber das, was sie sehen, als negative Emotion. Offensichtlich ist also nicht ihre Fähigkeit der Emotionswahrnehmung eingeschränkt, sondern die als ’emotionale Intelligenz’ umschriebene Fähigkeit, die Emotionen zu verstehen und einzuordnen.”
(Wöller, Wolfgang: Bindungstrauma und Borderline-Störung, Schattauer 2014, S. 6)

Das korreliert mit der Beobachtung von Frau Roché.

#17 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

H.P. Scholz,

wie alles im Leben des Menschen entwickelt sich auch seine Sexualität von Anfang an. Allerdings unterscheidet sich die eines Kindes grundlegend von der Erwachsener. Die Natur hat auf dem Weg von der kindlichen zur erwachsenen Phase ja nicht ohne Grund die Pubertät eingebaut. “Sexualisiert”. d.h darauf konditioniert, die übergriffige Sexualität von Erwachsenen zu bedienen, werden Kinder leider in unserer Gesellschaft viel zu häufig. Oft gerade da, wo ihre Grenzen und ihre Autonomie nicht ausreichend gewahrt werden. Was in sehr konservativem wie auch in scheinbar “progressivem” Umfeld viel eher geschehen kann als da, wo Regelorientierung und Toleranz sich die Waage halten.
Im Zuge der ansonsten absolut notwendigen Sexuellen Revolution haben es Pädolobbyisten geschafft, Schlüsselpositionen zu besetzen, um ihre destruktiven Psychopathologien gesellschaftsfähig zu machen. Aber die Ursachen und Anfänge dafür liegen tief in unserer Menschheitshistorie verankert. Dass wir jetzt – endlich – anfangen offener und ehrlicher über das Missbrauchsthema zu sprechen, ist in der Hinsicht ein riesengroßer Fortschritt.
Frühe Aufklärung, immer an den jeweiligen Entwicklungsstand der Kinder angepasst ist wichtig. Auch damit ihnen Zusammenhänge vermittelt werden, sie über das notwendige Vokabular und Wissen verfügen, um sich gegebenenfalls Hilfe holen zu können. Sollten sie oder Kinder aus ihrem Umfeld sexuell bedrängt oder sogar ausgebeutet werden.
Das Buch “Sexualpädagogik der Vielfalt” auf das Sie in Ihrem Beitrag anspielen, ist in weiten Teilen ein solides, praktikables Unterrichtsmanual. Mit einigen wichtigen Einschränkungen. Dazu wurde unter Anderem auf “Amazon” ausgiebig diskutiert.

Dass Missbrauch keine Frage von Milieu und Gesinnung ist, zeigt der Liederabend “Schlafe mein Prinzchen”, der gerade am Berliner Ensemble dargeboten wird.

#16 |
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Gast
Gast

Bei einem Radio-Interwiev erwähnte die Gesprächspartnerin – allerdings Philosophin -, daß bei verlorengegangener oder von Anbeginn nicht vorhandener Empathie-Fähigkeit zwar Trainings stattfinden könnten, um in problematischen Situationen ( z. B. Thema Gewalt ) angemessen reagieren zu können, was aber eben nicht gleichbedeutend mit ( wieder – ) hergestellter Empathie-Fähigkeit sei.
Da der letzte Satz des Artikels hiermit zu korrespondieren scheint, würden mich hierzu Meinungen und evtl. durchaus bereits vorhandene Forschung interessieren..

#15 |
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Lieber Herr Tetzlaff,

(Ursprungs-Zitat:) “Auch traumatisierte Borderline-Patienten sind einerseits auf eine eigentümliche Weise nicht fähig zur Empathie.”
Sie schrieben:
“So eine Aussage ist sehr beleidigend und gar nicht wahr. ich bin Borderlinerin, hab PTBS und kann sehr wohl Empathie empfinden..oft mehr als es mir lieb ist…”

Sie haben vollkommen Recht – der Satz war zu pauschal formuliert. Es ist ein schwieriges Thema und hat auch immer mit dem sogenannten “Strukturniveau” der Betroffenen zu tun, mit der jeweiligen Beziehung und mit den persönlichen Themen. Ich habe nun den Satz verändert, sodass er weniger allgemein klingt.

Vielen Dank für das aufmerksame Lesen und Ihre Anregung!
Dunja Voos

#14 |
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HP W. Scholz
HP W. Scholz

Ich finde, daß im Zuge des Genderismus einzuführenden ‘Popospiele’ und anderes im Kindergarten ein langandauernder sexueller Übergriff von Bezugspersonen ist. Es gibt bereits Studien darüber das die Zerstörung der sozialen Fähigkeiten durch Frühsexualisierung zeigt. Welche verbogenen Charakter wollen daß unsere Kinder so zerstört werden; und Eltern reagieren oft mit Unglauben oder dem Spruch: “Das wird schon nicht so schlimm kommen.” Da kann ich nur sagen: es kommt noch schlimmer.
Daß die Sozialpädagogen hier nicht nur total versagen sondern sogar noch Vorreiter sind unter der Begründung der “sexuellen Kompetenz” macht die Sache besonders schlimm. Kindergartenkinder oder Vorpubertäre haben keine sexuelle Kompetenz zu haben. Aber das schafft in Zukunft viele Arbeitsplätze in der Psychiatrie.
Analog dem Standpunkt der östereichischen Neurologen die auf Mobilfunkstudien die eine verfünffachung von Hirnkrebs zeigten, bei Mobilfunknutzung unter 12 Jahren, eine Aufstockung der Neurologen fordert weil es in Zukunft mehr Bedarf gibt – alles zu Steigerung des Bruttosozialprodukts.
Es wird sich bei dem Begriff “Der Mensch ist ein sexuelles Wesen” auf Kinsey berufen. Dieser war in jeder Beziehung sexuell abartig. Er mißbrauchte nicht nur selbst Kinder und seine Mitarbeiter, sonder ließ Kleinstkinder von (auch verurteilten) Pädophilen mißbrauchen und deutete deren Schmerzensschreie als Orgasmen um.
Wirklich ein tolles Vorbild für gewisse, auch weibliche, Professoren die sich für die Frühsexualisierung einsetzen – sind das auch Kinderschänder die sich dann unter dem Deckmantel ausleben können?
Wo sind hier die Kinderschützer, Feministen und besonders die PorNO-Schwartzer?

Aber diejenigen die dagegen sind werden beschimpft als Rechtsradikale, Homophobe und beides zusammen, etc.

#13 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

@Dr. med. Jutta Kotter,

Ihr Hinweis ist sehr gut. Täter verfügen allgemein über ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen. Was sie allerdings in destruktiver, häufig sehr manipulativer Weise nutzen. Sie sind überproportional oft Sozio- oder Psychopathen. Oft mit sadistischen Neigungen. Ich bezeichne deren Charakterzustand als “psychosoziale Verwahrlosung”. Insofern war Gerold Becker ein ganz typischer Täter. Er hat seinen Tatort, die Odenwaldschule ganz gezielt ausgesucht und auch entsprechend gepflegt. Zum Beispiel, indem er die Schwächen der selbst ernannten Elite, die dort den Ton angab sehr gut erfasst hatte. Er bildete für diese Leute eine Art Projektionsfläche. Wer so narzisstisch ist wie der Klüngel, der die Odenwaldschule trug und zum Teil immer noch trägt, wird nicht in der Lage sein, für die Sicherheit von Kindern zu sorgen. Es ging den für die Odenwaldschule zuständigen Erwachsenen in erster Linie um die Erfüllung ihrer eigenen Bedürfnisse. Wozu auch ganz handfeste wirtschaftliche gehörten. Dysfunktionalität und Destruktion herrschen vor und werden mit dem Propagieren von abstrakten Idealen übertüncht. Die Schriften von Gerold Becker, Hartmut von Hentig und einer weiteren Koryphäe dieses Milieus, Helmut Kentlers nämlich, sind bei nüchterner Betrachtung zwar hübsche Prosa, aber relativ substanzlos, da vage. Eine Anhäufung von Anliegen. Wenig praktisch Nutzbares, kaum Überprüfbares. Bedingungen, die es TäterInnen erleichtern Übergriffe zu begehen. Die ExpertInnen von Zartbitter e.V. haben darüber schon vor 12 Jahren veröffentlicht. Weit vor dem “Canisiusday”, mit dem 2010 die Debatte begann.
Hier ähnelt das Missbrauchs- und Klüngelsystem, das an der OWS herrschte übrigens in frappierender Weise den Zuständen an einer anderen wegen systematischer und permanent vertuschter Missbrauchskriminalität in die Schlagzeilen geratenen vorgeblichen “Elite”-schule. Dem Aloisiuskolleg Bonn Bad Godesberg. Einer als sehr konservativ geltenden Schule vom anderen Ende der Gesinnungsskala.
Nur scheinbar kurios: der Chefmissbraucher am AKO, Pater Ludger Stüper SJ hat während seiner Ausbildung zum Jesuitenpriester an der Odenwaldschule ein Praktikum gemacht.

#12 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

Zum Thema Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch: in der Schweiz wurden sie vor zwei Jahren aufgehoben und in Großbritannien gibt es sie nicht. Grundsätzlich müssen für die gerichtliche Verfolgung von Verbrechen, für die es selten mehr als zwei Zeugen gibt (nämlich Opfer und Täter) und bei denen häufig langfristig keine Spuren zurückbleiben andere Bedingungen herrschen als beispielsweise für Raub oder Betrug.

Andererseits sind sexuelle Übergriffigkeiten so verbreitet und so tief in unserer Kultur verwurzelt, dass die Gerichte gute Gründe haben, zu befürchten, dass eine Aufhebung der Verjährungsfristen, noch dazu wenn es eine rückwirkende wäre, zu einem Anstieg an Verfahren führen. Da die deutschen Gerichte jetzt schon überlastet sind und Missbrauchsprozesse zu den besonders unangenehmen gehören – für alle Beteiligten! – ist die Zurückhaltung der Justiz in dieser Frage durchaus nachvollziehbar.

Wir sollten uns allerdings klar machen, dass viele Täterinnen und Täter gewohnheitsmäßig missbrauchen und im Verlaufe ihrer Karriere immer routinierter werden. In entsprechenden Foren geben sich die Missbraucher gegenseitig Tipps, wie sie eine Verfolgung am besten verhindern. Mit den nötigen finanziellen Mitteln ausgestattet, finden Sie leicht einen Verteidiger, der alles daran setzen wird, das Opfer und dessen Umfeld zu zermürben. Genauso wie das zuständige Gericht.
D.h. jeder wegen Verjährung nicht verurteilte Täter ist einer, der weiterhin Jagd auf Kinder machen kann. Und das ist verhältnismäßig einfach. Denn die Zielobjekte sind immer unterlegen. Trotz aller Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen, die gerade in jüngerer Zeit etabliert wurden.

Was die Psychotraumatologie und die Gedächtnispsychologie angeht, gibt es so viele neue Erkenntnisse, dass die vor 25 Jahren konzipierten Vorgaben für Glaubhaftigkeitsgutachten überholt werden sollten.

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Prof. Dr. Reinhard Breit
Prof. Dr. Reinhard Breit

Lieber Gast: Verjährung gibt’s doch nicht deshalb, weil nach einer gewissen Zeit alles vergessen und vielleicht sogar vergeben sein soll, sondern weil es immer schwieriger und dann unmöglich ist, gerichtlich die Wahrheit heraus zu bekommen. Das korrekte Erinnern des Menschen hat sehr enge Grenzen. (Das Mord jetzt nicht mehr verjährt – was Unsinn ist – verdanken wir unserer besonderen Vergangenheit und einer gewissen Besessenheit, sie immer wieder aufzuarbeiten.)

#10 |
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Dr. med. Jutta Kotter
Dr. med. Jutta Kotter

Die (vielen)Täter an der Odenwaldschule -allen voran der hoch gefeierte Schulleiter Gerold Becker-galten in der Öffentlichkeit und der pädagogischen Fachwelt bis vor kurzem geradzu als besonders einfühlsam und in besonderem Maße befähigt Kinder und Jugendliche zu erziehen und auszubilden.Die Eltern und die nicht missbrauchenden Lehrkräfte und Mitarbeiter wollen über Jahrzehnte nichts bemerkt haben.Besonders pikant finde ich auch ,das die Leitung des Max Planck Institutes für Bildungsforschung und der hochgelobte Star- Pädagoge Hartmut von Hentig nach eigenen Aussagenauch nie etwas bemerkt hatten!!!

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Heilpraktikerin

Vielen Dank für diesen interessanten Artikel.

#8 |
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Gast
Gast

Der Artikel beweist einmal mehr, dass es ein Unding ist, dass Mord zwar nicht verjährt, Missbrauch hingegen schon. Das Leben der Betroffenen ist zerstört, und wenn sie mit – sagen wir – 50 Jahren beginnen, die Geschehnisse zu entdecke(l)n und aufzuarbeiten, dann sagt der Gesetzgeber: “Pech gehabt, sieh zu, wie du allein damit klar kommst.” Und speziell zu den Missbrauchsfällen in der kath. Kirche: “Es ist ja nicht bewiesen, dass Priester XY Kinder missbraucht hat.” Die Kinder hingegen wissen schon, dass und wer es war. Und würden Kirche und Staat nicht so miteinander verfilzt sein, könnte die Politik schon längst die Gesetzte dahingehend geändert haben. Auch in Bezug auf Missbrauch seitens der Familie. Leute, hört (euren) Kindern aufmerksam zu, schenkt ihren Antworten Glauben, aber interpretiert nichts Abstruses herein, wo gar nichts ist.

#7 |
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Auch traumatisierte Borderline-Patienten sind einerseits auf eine eigentümliche Weise nicht fähig zur Empathie.
So eine Aussage ist sehr beleidigend und garnicht wahr. ich bin Borderlinerin, hab PTBS und kann sehr wohl Empathie emfinden..oft mehr als es mir lieb ist..
Psychopathen empfinden keine Empathie!!!

#6 |
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Stefanie Roché
Stefanie Roché

PTBS geht üblicherweise mit einer Amnesie für Traumainhalte einher. Über traumatische Ereignisse nicht reflektiert berichten zu können ist bei Traumastörungen völlig “normal”.
Das bedeutet nicht unbedingt, daß die Kinder die Wut/Grausamkeit/Gleichgültigkeit ihnen gegenüber nicht wahrnehmen. Der Abriß der Bindung ist für ein kleines Kind lebensbedrohlich, es kann sich nicht selbst sichern. Es muß die ihm entgegengebrachte Gewalt und Ablehnung ignorieren/verdrängen/auf sich selbst beziehen, und versuchen, die Bindung einseitig weiter aufrecht zu halten, trotz allem.
Mißbrauchte Kinder haben meist extrem feine Empathie was negative Emotionen angeht und bemühen sich, diese zu entschärfen. Ich kann mir gut vorstellen, daß die bizarren Antworten in vielen Fällen nicht ein mangelndes Einfühlungsvermögen darstellen, sondern die zerissene Logik, wie das unerträgliche Verhalten der Eltern mental verarbeitet wird, um in der traumatischen Situation zu überleben.

Was bleibt ist oft eine übermäßige Sensibilität für negative Stimmungen anderer, die Tendenz diese auf sich selbst zu beziehen, und reflexartige Beschwichtigungsmanöver, auch Jahrzehnte später.

#5 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

Die in der Studie beschriebenen Unterschiede zwischen den intrafamiliär und extrafamiliär missbrauchten Kindern könnten darauf zurückzuführen sein, dass ein soziales Gefüge, welches die sexuelle Ausbeutung von Kindern zulässt oder sogar fördert, immer dysfunktional ist. Was im Übrigen noch nichts über dessen sozialen Status aussagt. Übergriffigkeit ist nämlich in unserer Gesellschaft auch ein Erfolgsprinzip und verteilt sich über alle Milieus. Kinder, die in dissozialen Familien aufwachsen, werden natürlich viel häufiger stark geschädigt als Kinder, welche normal aufwachsen und später in eine destruktive Institution geraten. Ganz gleich ob es sich dabei um ein Heim handelt, ein Internat, eine kirchliche Jugendorganisiation oder einen Sportverein. Besonders schlimm ist die Situation für Mehrfachopfer. Im letzten Absatz des Artikels geht die Autorin ja auf etwas ein, was wir als Resilienzfaktoren bezeichnen. Resilienz fördernd sind in erster Linie Menschen, die den betroffenen Kindern beistehen und ihnen Halt geben. Geraten aber Kinder, die in den Familien Stress ausgesetzt waren dann in Institutionen, wo sich die Destruktion und Ausbeutung fortsetzt, hat das häufig eine Vervielfältigung der traumatisierenden Effekte zur Folge.
Andererseits ist die Gruppe der Menschen, die in der Kindheit missbraucht wurden so groß, dass wir davon ausgehen können, dass die Mehrzahl von ihnen es schafft , sich trotzdem einen guten Platz im Leben zu erobern. Und das OHNE die übergriffigen Traditionen fortzusetzen. Sonst wäre unsere Gesellschaft schon längst zerstört. Oder anders gesagt: viele Missbrauchsopfer haben schon als Kinder gelernt, unter Bedingungen zu überleben, die sich Nicht-Betroffene häufig nicht mal vorstellen können. Auch dies, wie ihnen das gelang wäre einmal eine Untersuchung wert.

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

#4 |
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Arne Forchheim
Arne Forchheim

Ich kann diesen Bericht/Studie nur bestätigen. In meiner Praxis sind 70% der Pat Opfer körperlicher Gewalt, meist im Alter zw. 4 und 11 Jahren. Die Auswirkungen, z.T. 50 Jahre später, sind enorm. Die seit dem Geschehen vergangene Zeit “verklärt” immer mehr das Ereignis und lässt so den Menschen funktionieren. “Damit bin ich durch/Das ist erledigt/Das packt mich nicht mehr, usw.” sind oft verwendete Sätze für ein massives Unterschätzen der “Bedrohung”. Erst das begleitete Durchschreiten des erlebten lässt Spielraum für Veränderung . Plötzlich kommt Bewegung in Denkmuster, Pat können sich wandeln, nicht immer in den vom Pat gewünschten Richtungen, aber meist in entspanntere Bahnen.
Ich kann jedem nur empfehlen, der es selbst erlebt hat, oder jemanden kennt, darauf hinzuarbeiten, sich mit dem richtigen “Behandler/Therapeut” aufzumachen, um seinen Schutzwall des funktionierens aufzubrechen.

#3 |
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Andreas Stark
Andreas Stark

Sehr schade, dass es immer noch üblich ist, in der Medizin oder Psychotherapie von Missbrauch zu schreiben oder zu sprechen. Schließlich impliziert dieser Begriff ja den auch ‘korrekten Gebrauch’ von Kindern, was zumindest meiner Auffassung von Humanismus widerspricht. Vorgänge, die als ursächlich für die Beeinträchtigungen in dem Artikel beschrieben werden, nennen Betroffene Sexualisierte Gewalt. Ich übrigens auch.

#2 |
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Randi Nebel
Randi Nebel

Der Artike ist so traurig.

#1 |
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