Zahnmedizinstudium: Her mit der Männerquote?

30. Juli 2015
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Dass sich immer mehr Frauen für ein Studium der Zahnmedizin einschreiben, beunruhigt die niedersächsische Gruppe des FVDZ. Sie fordern eine Männerquote. Die Bundesvorsitzende des FVDZ findet dies hingegen „diskriminierend“ und nennt Alternativen.

Annette Apel, die Vorsitzende des FVDZ-Landesverbandes Niedersachen, forderte kürzlich angesichts des hohen Frauenanteils in den Hörsälen eine Männerquote für das Zahnmedizinstudium. „Bleibt es bei einem Frauenüberschuss, droht ein Rückgang von Praxen, vor allem auf dem Land“, sagte Apel. Die in Göttingen praktizierende Zahnärztin warnt weiter: „Denn nur wenige Frauen würden später eine eigene Praxis eröffnen. Das liege an der schwierigen Vereinbarkeit mit der Familienplanung und dem Wunsch nach Teilzeitarbeitsmodellen. Auch die finanziellen Risiken seien sehr hoch.“ Zusätzlich zu der Männerquote sei die Politik vor allem gefordert, die Rahmenbedingungen für junge Zahnärzte zu verbessern, damit sie sich weiterhin selbstständig machten, forderte Apel.

Kritik aus der Führungsriege

Vom eigenen Bundesverband erntete Apel jedoch Kritik: Kerstin Blaschke, die Bundesvorsitzende des Freien Vereins deutscher Zahnärzte e. V. (FVDZ): „Wir brauchen in Deutschland keine Männerquote für den Zugang zum Zahnmedizinstudium. Eine derartige Steuerung der Studienplatzvergabe ist diskriminierend und deshalb lehne ich sie ab. Was wir tatsächlich brauchen, sind bessere Auswahlverfahren an den Universitäten, die sich an den Anforderungen an unseren Beruf orientieren.“

Universitäten in die Verantwortung ziehen

Die Studienplatzvergabe in Deutschland richtet sich nach den Abiturnoten. Je besser der Schulabschluss, desto größer sind die Chancen auf einen Studienplatz. Zwar haben die Universitäten die Möglichkeit, bis zu 60 Prozent ihrer Studienplätze nach eigenen Kriterien in einem eigenständigen Auswahlverfahren zu besetzen. Doch davon machen die wenigsten Gebrauch. Darum fordert Blaschke die Universitäten auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Die Hochschulen seien in der Pflicht, ein geeignetes Auswahlverfahren bei der Studienplatzvergabe anzuwenden, dass nicht nur die Abiturnote, sondern auch die soziale und praktische Eignung für den Zahnarztberuf berücksichtigt würde.

Ob sich die Hochschulabsolventen später in eigener Praxis niederließen, hänge aus der Sicht der Bundesvorsitzenden weniger vom Geschlecht, sondern vielmehr von den Niederlassungsbedingungen ab. Hier sei die Politik gefordert. Anstatt Medizinische Versorgungszentren zu fördern und die Versorgung zentral zu steuern, solle sie die Rahmenbedingungen für freiberufliche Praxen verbessern. Nur so bliebe die Niederlassung für junge Kollegen attraktiv und die Versorgung gesichert.

20 Wertungen (3.95 ø)

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18 Kommentare:

Gast
Gast

#17 vermutlich nicht feministisch genug

#18 |
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Erwin Last, Zeitungsleser
Erwin Last, Zeitungsleser

[Kommentar von der Redaktion entfernt.]

#17 |
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Analytische Kinder- und Jugendlichenpsyc Isabelle Seibold
Analytische Kinder- und Jugendlichenpsyc Isabelle Seibold

Ob ein Zahnarzt Mann oder Frau ist, ist völlig irrelevant. Er/sie muss ihr Handwerk verstehen. Geschlechterquoten sollte es in Berufen geben, die mit Erziehung zu tun haben und wo männliche Vor- und Leitbilder für männliche Heranwachsende erforderlich wären. Wir brauchen Lehrer, Erzieher, Sozialarbeiter und auch männliche Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Ob Quotenregelungen hier eine Lösung sind? Nein. Eher geht es darum, junge Männer für diese Berufe zu gewinnen.

#16 |
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Zahnärztin

MEINE Kinder ( immerhin bald 5!) haben Vater UND Mutter und somit betrifft das Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf einen Mann UND eine Frau……
In letzter Konsequenz würde diese Art der Argumentation wohl heißen: Frauen zurück an den Herd! Für Euch lohnt eine derartig aufwendige Berufsausbildung nicht- schließlich werdet Ihr daheim den Nachwuchs betreuen, während der holde (Ex)gatte das Geld verdient…..
Es muß sich zweierlei ändern: Das Bewußtsein, daß Kinderbetreuung nicht das alleinige Problem der Frau ist und daß es neben der häuslichen auch weitere Betreuungsmodelle gibt oder geben könnte.
Ob sich die Zulassungsmodalitäten ändern sollten, kann man natürlich diskutieren, aber einen Studienplatz aufgrund einer Geschlechtszugehörigkeit und der damit verbundenen impliziten Erwartungshaltung an den Bewerber zu vergeben, ist purer Blödsinn.
Mit der gleichen Berechtigung könnte man auch einen Gesundheitscheck einführen- wahrscheinlich bleiben Bewerber, die nicht rauchen, Sport treiben und sich gesund ernähren, dem System länger erhalten als die anderen…..
Und bei manchen Kommentaren muß man sich arg zusammenreißen, um sachlich und wohlwollend zu bleiben……

#15 |
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Sabine Joachim
Sabine Joachim

Ich verstehe die Diskussion um Nichtvereinbarkeit von Kindern und Praxis nicht. Gerade in eigener Praxis hat man doch alle Möglichkeiten, sich die Arbeitszeiten so zu legen, wie man sie braucht. Und falls es doch zu viel wird, dann kann man problemlos eine/n Kollegen/in zur Entlastung einstellen oder als Partner mit reinnehmen. Bessere Arbeitsbedingungen als als in eigener Praxis bekommt man nirgends!

#14 |
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Ärztegemeinschaft Amedis
Ärztegemeinschaft Amedis

Mir muss mal einer erklären warum Frauen zum Ärztemangel führen. Ah habs kapiert ja natürlich Ärztemangel gibt es dann in der männlichen Form, aber die Ärztinnen kompensieren das schon. Keine Angst. Wenn mal Ausnahmsweise in einer alten Männerdomäne sich die Frauen etablieren, brauchen wir nicht gleich die Männerquote. Liebe Geschlechtsgenossen entspannt Euch!!
Den DAX Unternehmen würde etwas mehr nüchterner weiblicher Einfluß gut tun. Die Deutschland AG unter Frau Merkel wird doch auch sehr gut geführt. Frauen können das was Männer können und dazu noch Kinder bekommen. Ist schon hart für uns Männer :-) :-)

#13 |
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Ärztegemeinschaft Amedis
Ärztegemeinschaft Amedis

Der Freie Verband versucht sich wieder als PEGIDA der Zahnmedizin. Hallo aufwachen!! Auch Frauen gründen Praxen!! Mal mit offenen Augen durch die Stadt gehen und Praxisschilder lesen. Und Frauen arbeiten vielleicht auch gerne kooperativ in einem MVZ. Das geht natürlich bei Freien Verband gar nicht. Warum eigntlich???
@Streicher ich habe sogar schon Frauen sehr gut operieren sehen. Unglaublich für Sie, aber wahr!! Es gibt sogar MKG Chiruginnen und lieber Kollege wir schreiben das Jahr 2015 und nicht 1915!!!

#12 |
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Gehts noch? das kann auch nur dem Freien Verband einfallen.

#11 |
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Apotheker

Natürlich ist eine Männerquote diskriminierend, genau wie eine Frauenquote. Ich persönlich bin weder für die eine noch die andere Quote.
Was vielleicht sinnvoller wäre, wäre eine Alternative zum NC, wie auch immer die dann ausgearbeitet aussehen würde.
Ob mehr Männer auch gleichzeitig mehr Niederlassungen heißt, ist so zunächst auch mal fraglich.

#10 |
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Dr. med. dent Theo Streicher
Dr. med. dent Theo Streicher

Theo Streicher
Zahnarzt
Na, ist die Standespolitik endlich aufgewacht.
Wenn in einem Semester (Uni München) von 50 Zahnmedizinstudenten nur 4 männlich sind und davon noch 2 in Richtung MKG gehen, dann läuft hier was gewaltig falsch.
Warum? Weil bei Fortbildungen in Chirurgie genau das umgekehrte Verhältnis vorliegt, in Prothetik ähnlich.
Wer macht den später mal die ganze (einfache) Chirurgie?
Die MKG Praxis um die Ecke? Gibts nur in Großstädten. Also Niederlassung der meisten Kolleginnen dort oder angestellt bei einem Kollegen, am besten auch in oder nahe der Großstadt.
Landpraxen können ja ohne Nachfolger/in einfach schließen.
Das ist keine Übertreibung von mir, sondern längst Realität!

#9 |
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Wie, um Himmels Willen, kommen Sie auf das schräge Boot, dass Frauen sich nicht niederlassen würden?
In meinem Kollegenkreis gibt es vorwiegend Kolleginnen, die, selbst alleinerziehend, die Niederlassung, die Praxisgründung und das Fortkommen der Kinder erfolgreich gemeistert haben. Was sind das für schräge Ansichten, die Sie hier äußern?
Vorschlag für Frauen: Man (Frau) sollte sich nicht in sozialen Brennpunktgebieten, sondern eher im ländlichen Raum niederlassen.
Der Beitrag selbst und auch einige Kommentare sind für mich diskriminierend. Sorry.
Lassen Sie doch Ihre Quoten stecken, investieren Sie in Kinderbetreuung und Sie werden sehen, dass sich die sehr gut ausgebildeten eigenen Fachkräfte noch schneller auf dem Markt etablieren.

#8 |
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Eine Quote nach Geschlechtschromosomensatz ist grundsätzlich eine Form rassistischer Diskriminierung. Sie nützt nur den Politikern und politischen Kräften, die sich von der Auflösung sozialer Bindungskräfte in der Gesellschaft Vorteile zur Machtausübung versprechen, daher auch der ganze Genderkram.
Das wird ja massiv beworben und mit der Geschlechtschromosomenquote für Frauen in Vorstandsetagen sitzen wir bereits tief drin.
Selbstverständlich wird es keine Quote für Männer geben, das werden die Herrschaftsverhältnisse nicht zulassen, das ganze ist eine Scheindiskussion.

#7 |
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CL
CL

Eine Männerquote ist also diskriminierend? Für wen denn? Die Männer oder die Frauen?
Seltsam, dass keine Frau gegen eine Frauenquote in Führungsjobs ist…

#6 |
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Rudolf Ratlos
Rudolf Ratlos

Liebe Frau @Eva-Brigitta Kruse was ist archaisch?
gut oder schlecht?

Zum Beispiel hieß es doch total archaisch bei Rettungsaktionen:
Frauen und Kinder zuerst, diskriminierend?
Modern ist jeder gegen jeden, und alle für mich, deshalb auch keine Kinder mehr.
Feindschaft der Geschlechter in der Ehe, Feindschaft im Beruf,
Recht auf Abtreibug recht auf Scheidung immer zu Lasten natürlich des “archaischen” Vaters.

#5 |
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Eva-Brigitta Kruse
Eva-Brigitta Kruse

Auch eine Frauenquote wird von vielen als diskriminierend gesehen und sehr kontrovers diskutiert.
Und die Aussage, dass der Ärztemangel darauf beruht, dass es mehr (Zahn-) Ärztinnen gibt als früher, zeugt auch von einem ziemlich archaischen Bild der Rollenverteilung in einer Familie…

#4 |
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Gast
Gast

Die zwei Seiten der Quote *Politik

Man erinnere sich an das Auswahlverfahren der Medizin in Wien (Frauenbonus).
Oder ganz allgemein gedacht in Deutschland

Jetzt wo es Probleme mit der Verweiblichung gibt “wird aufeinmal nachgedacht”. Dabei habe ich es schon kommen sehen. Und es musste so kommen

Ärzte lasst euch grüßen!

#3 |
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CandMedMa
CandMedMa

Ps.: eine Frauenquote in Führungsetagen ist nicht diskriminierend aber eine Männerquote im Studium?! Sorry aber wenn dann überall Gleichberechtigung und nicht nur dort wo es ‘politisch’ passt….

#2 |
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CandMedMa
CandMedMa

Ich bin sehr stark für diese Quote, auch in der Humanmedizin!!!
Mit der Quote würde der Ärzte-Mangel nicht existieren!!!

#1 |
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