Heroinabhängigkeit: Clean dank Cortisol?

29. Juli 2015
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Heroin ist eine Droge mit einem sehr hohen Abhängigkeitspotenzial. Das Stresshormon Cortisol kann offenbar das Suchtverlangen um durchschnittlich 25 Prozent reduzieren. Auch bei Nikotin-, Alkohol- oder Spielsucht könnte sich Cortisol positiv auswirken.

Das Forscherteam um PD Dr. Marc Walter und Prof. Dominique de Quervain von der Universität Basel hatte in früheren Studien entdeckt, dass Cortisol den Gedächtnisabruf verringert – das Gehirn konnte also nach der Einnahme des Hormons Erinnerungen schlechter abrufen. So lindert Cortisol beispielsweise die Symptome von Patienten mit Angsterkrankungen, indem es das Angstgedächtnis der Patienten hemmt. Die Wissenschaftler vermuteten, dass sich Cortisol auch auf das Suchtgedächtnis hemmend auswirkt und damit das Verlangen nach dem Suchtmittel reduzieren könnte.

In der aktuellen Studie erhielten 29 Patienten, die sich in einer heroingestützten Behandlung befanden, vor der Heroinabgabe entweder eine Tablette mit Cortisol oder ein Scheinpräparat. Die Cortisoleinnahme führte bei den Süchtigen zu einer Abnahme des Suchtverlangens um durchschnittlich 25 Prozent im Vergleich zum Scheinpräparat. Neben anderen Tests mussten die Teilnehmer die Stärke ihres Suchtverlangens auf einer Visuellen Analogskala anzeigen. Zu beobachten war diese Abnahme bei den Patienten, die von einer relativ niedrigen Dosis Heroin abhängig waren, nicht aber bei schwer abhängigen Patienten.

Hemmende Wirkung im Alltag noch unklar

Ob sich die hemmende Wirkung von Cortisol auf das Verlangen nach Heroin auch auf das Suchtverhalten der Patienten im Alltag auswirkt, ist derzeit noch unklar. „Deshalb möchten wir untersuchen, ob Cortisol den Patienten hilft, die Heroindosis zu reduzieren oder länger von Heroin abstinent zu bleiben“, sagt Marc Walter, Chefarzt an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel.

Weitere Studien sind bereits geplant, denn „die hemmende Wirkung von Cortisol auf das Suchtverlangen könnte sich auch bei der Nikotin-, Alkohol– oder der Spielsucht positiv auswirken“, sagt Dominique de Quervain, Direktor der Forschungsplattform Molecular and Cognitive Neurosciences der Universität Basel.

Originalpublikation:

Effects of cortisol administration on craving in heroin addicts
Marc Walter et al.; Translational Psychiatry, doi: 10.1038/TP.2015.101; 2015

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Medizin, Neurologie, Psychiatrie

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1 Kommentar:

Fiona Brockmann
Fiona Brockmann

Aber Cortisol wird doch bei Stress ausgeschüttet?! Und in Stresssituationen ist doch das Verlangen nach Suchtmitteln besonders stark..

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