Mediziner – Deutsch, Deutsch – Mediziner

20. Oktober 2011
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Der Beginn des Medizin-Studiums ist für viele ein neuer Lebensabschnitt, der nicht nur eine neue Wohnung in einer anderen Stadt mit sich bringt. Auch eine völlig unbekannte Sprache wartet darauf, verstanden zu werden.

Neuer Lebensabschnitt, neue Stadt, neue Wohnung, neue Leute. All das verbindet man mit dem Beginn des Medizin-Studiums. Doch wie ist es eigentlich mit der Sprache? Wird an der Uni normales Deutsch gesprochen oder sind Fachsimpelei und für Nicht-Eingeweihte unverständliches Kauderwelsch an der Tagesordnung? Damit ihr zum Studienbeginn nicht jedes Wort verzweifelt im Flexikon oder dem Pschyrembel nachzuschlagen versucht, hier einige mit einem Augenzwinkern zu betrachtende Hilfestellungen.

Uni & Co

Dass an der Uni die Uhren ein wenig anders ticken als im normalen Leben, merken viele Studenten schnell, wenn sie pünktlich zur angesetzten Vorlesungszeit morgens um 08:00 Uhr vor leeren Hörsälen stehen und nur vereinzelt Menschen zu sichten sind. Der Professor und die meisten anderen Mitstudenten trudeln hingegen erst um 08:15 Uhr ein. Mysteriöse Zeitverschiebung? Kollektive Unpünktlichkeit? Nein, die meisten Veranstaltungen an der Uni beginnen „c.t.“ (cum tempore = mit Zeit), d.h. eine Viertelstunde später. Pünktliches Beginnen wird durch das Kürzel „s.t.“ (sine tempore = ohne Zeit) angezeigt. Angeblich leitet sich die Viertelstunde vom zwischenzeitlichen Nickerchen des Professors ab, vielmehr ist es jedoch so, dass die Zeit zwischen voller Stunde und viertelnach für einen Wechsel der Vorlesungsräume genutzt wird.

Apropos Vorlesungen, Seminare und Praktika. Damit man weiß, was einen dabei erwartet, eine kurze Einführung:

  • Vorlesung = Frontalunterricht durch den Dozenten mit großer Personenstärke, Zwischenfragen in den Pausen oder durch Streber auch mittendrin.
  • Seminar = kleinere Gruppenstärke, theoretisch interaktiv, meist jedoch dozentischer Monolog, unterbrochen durch Nervensägen-Studenten mit großem Rede- und Profilierungsbedürfnis und meist nur mäßigen Wortbeiträgen.
  • Praktikum = Tooltime! Tim Allen hätte hier seine Freude! Selbst Hand anlegen ist gefragt, dabei sich auch ruhig mal was trauen. Teilweise lästige Vor- und Nachbereitung durch Lernkontrollen und Versuchsprotokolle. Gemeinsames Zusammenarbeiten mit den Kommilitonen (Mitstudenten, lat. für Waffenbruder/Kriegsgefährte) spart Zeit, schafft Freundschaften und bringt Zeiträume für gemeinsame Aktivitäten auch außerhalb der Uni.

Mensa

Ein leerer Bauch studiert nicht gern, das ist allgemein bekannt. Dass die meisten Uni-Mensen nicht gerade kulinarische Höchstleistungen vollbringen, allerdings auch. Trotzdem gehört gemeinsames „mensen“ zum studentischen Leben hinzu und sei es nur der Gemeinschaft und dem anschließenden Fresskoma (Auch PPVRS = Postprandiales Vigilanzreduktionssyndrom genannt, d.h. Müdigkeit nach vielem Essen) in der nachfolgenden Veranstaltung wegen!

Bibliothek, Bücher & Prüfungen

Beim Lernen ist jeder individuell, entweder zuhause vorm heimischen Schreibtisch oder in einer extra dafür vorgesehen Umgebung, wie in einer Unibibliothek (= UB oder auch Bib). Ausprobieren kann man beides, der persönliche Erfolg entscheidet. Bücher werden in der Uni nach dem Nachnamen des Autors bezeichnet, so weiß man dann auch theoretisch, was der nett gemeinte Tipp eines Kommilitonen bedeuten soll. („Lies doch mal das Kapitel im Lüllmann nach, da steht alles Wichtige drin!“). Falls nicht: Lächeln, nicken und den Namen anschließend googlen.

Das Medizinstudium hält eine Fülle an Prüfungen bereit, damit es den Studenten nicht langweilig wird. Da diese in der Humanmedizin sowohl an der Uni wie auch in den Staatsexamen meist als Multiple-Choice (MC) Ankreuz-Klausuren gestaltet sind, hat sich der Begriff „kreuzen“ für das Durcharbeiten von Altklausuren etabliert. Die beiden Staatsexamen der ärztlichen Prüfung (1. Und 2. ÄP) haben dabei Eigennamen (1. Ärztliche Prüfung = Physikum = Fies-i-kum (der hohen Durchfallquote wegen)) und Hammerexamen (= HEX) für die 2. ÄP, da die Stoffmenge so umfangreich und das Lernen parallel zum PJ (=Praktisches Jahr, letztes Jahr im Medizinstudium) alles andere als angenehm ist.

Auf Station

Früher oder später landet jeder Medizinstudent im Krankenhaus. Dann allerdings nicht als Patient, sondern hoffentlich auf der richtigen Seite der Nadel. Um als Famulant oder PJ’ler (sprich Peeeh-Jottler, in einigen Kliniken auch Piih-Jay) im Klinikjargon nicht als Unwissender aufzufallen, gilt es viele medizinische Abkürzungen und Begriffe zu wissen, die den Rahmen dieses Artikels deutlich sprengen würden.

Sehr bekannt und auch in den deutschen Klinikalltag übernommen sind Begriffe aus dem Buch „House of God“ wie z.B. die abwertende Bezeichnung für alte, schwerkranke Menschen als Gomer (= Get out of my Emergency Room!). Aber auch andere Begriffe wie „turfen“ (Abschiebung in eine andere Abteilung) oder ein „Turfback“ (Ein Zurückkommen dieser Abschiebung, auch Bounce genannt, bei mehrmaligem Vorkommen Double/Triple/Quad-Turfback) gehören zum Vokabular. Daneben gibt es noch viele weitere medizinische Kunstworte wie die Compliance, also die Mitarbeit eines Patienten bei der Therapie, z.B. Medikamenteneinnahme (Neuerdings Adherence genannt).

Fazit

Wie ihr seht, verfolgen euch also der Fachjargon, entsprechende Abkürzungen und Begriffe durch das Studium und die Uni, aber auch durch den ärztlichen Berufsalltag. Bevor ihr jedoch anfangt, alle möglichen medizinischen Vokabeln zu pauken und auch im Schlaf von Gomers zu träumen: Nichtwissen zuzugeben schadet auch nichts und es macht keinen schlechteren Arzt aus einem, wenn man nach 5 Semestern Studium noch nicht weiß, was ein ACVB bei LAD-Stenose ist.

Daher ab und zu auch mal einen Gang herunter schalten und beim ganzen Studieren nicht vergessen, dass das Studium nicht nur aus Arbeit und Lernen besteht und auch die „fertigen“ Ärzte nur mit Wasser kochen… Natürlich kann man das gesammelte Vokabular jedoch super nutzen, um Laien zu verwirren.

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