„Pflanzliches Antibiotikum“: Irreführende Werbung

28. Juli 2015
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Der Umstand, dass ein Produkt als „pflanzliches Antibiotikum“ beworben wurde, führte vor das Oberlandesgericht Celle. Solch eine Produktwerbung erzeuge eine Irreführung der Verbraucher, da es angeblich wie die bekannten chemisch definierten Antibiotika wirken würde.

Die werbliche Aufstellung im Rahmen der gesundheitsbezogenen Leistungen und Produkte, also das Marketing, spielt auch bei Arzneimitteln eine große Rolle, gerade wenn es um freiverkäufliche Mittel geht. So hatte jüngst ein Arzneimittelhersteller sein pflanzliches Arzneimittel als „pflanzliches Antibiotikum“ beworben mit einer „vorbeugenden Wirkung gegen Infekte“. Eine solche Werbung war von einem Wettbewerbsverband abgemahnt worden; die Angelegenheit landete im einstweiligen Rechtsschutz vor Gericht, sodass sich das Landgericht Hannover und nachfolgend das Oberlandesgericht Celle hiermit zu beschäftigen hatten.

Irreführung der Verbraucher

Der Kläger des Verfahrens ging davon aus, dass bei den Verbrauchern eine Irreführung eintrete, weil „beim Verbraucher die unzutreffende Vorstellung“ erzeugt werde, „das – auf der Basis der Wirkstoffe der Kapuzinerkresse und des Meerrettichs konzipierte – Produkt wirke wie die bekannten chemisch definierten Antibiotika“. Für eine vorbeugende Anwendung bei Infekten sei das Mittel indes auch nicht zugelassen.

Das Landgericht hat die beantragte einstweilige Verfügung erlassen. Da sich das pharmazeutische Unternehmen hiermit nicht abfinden wollte, legte es Berufung ein zum Oberlandesgericht Celle; dieses hat nunmehr mit Urteil vom 09.07.2015 (Az.: 13 U 17/15) entschieden und dabei – jedenfalls dem Grunde nach – die Entscheidung des Landgerichts bestätigt, wenn auch mit einem abweichenden Untersagungstenor.

Die Gefahr der Selbstbehandlung

Ungeachtet dessen ging aber auch das Oberlandesgericht davon aus, das die Aussage, „das pflanzliche Antibiotikum gegen Bakterien und Viren“ irreführend sei – dies schon deshalb, weil nicht jegliche Bakterien und Viren durch das Mittel bekämpft würden. Durch eine Fehlvorstellung der Wirkung des Mittels beim Verbraucher im Vergleich zum Einsatz von „klassischen“ Antibiotika entstünde zudem die Gefahr der Selbstbehandlung. Dem könne auch nicht entgegengehalten werden, Verbraucher würden erkennen, dass es sich um ein „milderes“ Arzneimittel für „harmlosere“ Infekte handele; eine solche Einschätzung teilte das Oberlandesgericht nicht.

Auch der Hinweis auf die „vorbeugende Wirkung“ sei im konkret verwendeten Zusammenhang irreführend, da selbst die pharmazeutische Unternehmerin nicht von einer derart umfassenden Vorbeugung ausgehe. Demnach war jedenfalls die konkrete Ausgestaltung der verwendeten Werbung irreführend und daher zu untersagen.

12 Wertungen (4.75 ø)

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3 Kommentare:

Gast
Gast

Der Richter hat natürlich recht, es muss schon drin sein, was drauf steht.

#3 |
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Gast
Gast

Aus der TK Statistik kann man schließen, dass bei 24,5 Prozent aller Patienten mit “Erkältungskrankheiten” ein Antibiotikum verschrieben wurde,
aber nicht, dass das zu viel war.
Vielleicht war es auch zu wenig.

#2 |
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“Wie die Techniker Krankenkasse (TK) berichtet, behandeln Ärzte Erkältungskrankheiten leichtfertig mit Antibiotika – vor allem bei Kindern. Als Basis der Untersuchung dienten Verordnungsdaten von 4,36 Millionen TK-Versicherten. Das Ergebnis: Selbst bei relativ kurzen Leidensphasen von bis zu drei Tagen bekamen 24,5 Prozent aller Patienten ein Antibiotikum verschrieben. Die hohe Zahl der Verordnungen bei kurzer Krankheitsdauer lässt TK-Experten zufolge darauf schließen, dass Antibiotika häufig auf Verdacht rezeptiert werden, obwohl Hinweise auf bakterielle Infektionen fehlen.” (http://news.doccheck.com/de/93362/antibiotika-auf-der-suche-nach-dem-roten-faden/)
Wegen solcher positiver Umsatzentwicklungen muss natürlich scharf durchgegriffen werden, wenn irreführende Werbung über die Wirkung von Phytoceuticals sich breit macht. Lieber leichtfertig ein nicht indiziertes Antibiotikum verordnen als leichtfertig auf das Antibiotikum verzichten – wo kämen wir sonst hin!

#1 |
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