Assistenzberufe: Von der Maus zur Managerin

7. August 2015
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PTA und andere Assistenzberufe aus dem Gesundheitswesen sollen mehr Kompetenzen erhalten. Das fordern die Gesundheitsminister der Länder. Bei der Umsetzung ziehen nicht alle Akteure an einem Strang. Zentrale Frage: Welche Rolle kommt Apothekenleitern künftig zu?

Klare Worte bei der Gesundheitsministerkonferenz: „Die Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren für Gesundheit der Länder bitten das Bundesministerium für Gesundheit, eine Novellierung der Berufsgesetze der bundesrechtlich geregelten therapeutischen Berufe und Assistenzberufe im Gesundheitswesen in die Wege zu leiten“, heißt es in der einstimmig verabschiedeten Resolution. Multiprofessionelle und interdisziplinäre Teams hätten bei Versorgungsfragen künftig einen „überragenden Stellenwert“. Davon sind im Apothekenbereich vor allem Pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten (PTA) betroffen.

Gemeinsam statt gegeneinander

Von der Theorie zum Test: Gesundheitsminister wollen jetzt wissen, inwieweit Voraussetzungen für Modellvorhaben gemäß SGB V greifen. Der Paragraph 64a nennt explizit Projekte zur Pharmakotherapie. Politiker wünschen sich mehr Verantwortung für Assistenzberufe, verbunden mit Leistungen, die gesetzliche Krankenkassen übernehmen. „Die Aufforderung an den Bundesgesundheitsminister, dies durch Änderungen der bundesrechtlichen Berufsgesetze in die Wege zu leiten, kommt genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagt BVpta-Chefin Sabine Pfeiffer. „Schon jetzt sind PTA für die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung unverzichtbar. Ihre Bedeutung wird durch die Einführung des Medikationsmanagements und die dadurch zunehmende Belastung der Apothekerinnen und Apotheker noch weiter ansteigen.“ Bei welchen Indikationen PTA tatsächlich aktiv werden könnten, hängt vom Gemeinamen Bundesausschuss (G-BA) ab. Apotheker sind in diesem Gremium immer noch nicht vertreten. Grundlage ist auf alle Fälle eine ausreichende Qualifizierung. Genau hier besteht dringender Reformbedarf – darüber sind sich alle Beteiligten einig.

Viele Köche verderben den Brei

Kopfschmerzen bereitet eher die Frage, an welchen Schräubchen gedreht werden sollte. Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und die Bundesapothekerkammer (BAK) wollen Inhalte entstauben, die gesamte Ausbildungsdauer aber nicht verändern. Interessenvertretungen und manche Schulen teilen diese Auffassung nicht – sie wünschen sich eine längere schulische Phase, wollen das Praktikum jedoch nicht ausdehnen. Als Befürchtung steht im Raum, Praktikanten seien billige Arbeitskräfte, die für Hilfstätigkeiten herangezogen würden. Freiwillige Standards wie zertifizierte, akademische Ausbildungsapotheken für Pharmazeuten im Praktikum sucht man für PTA vergebens. Doch zurück zur Ausbildungsdauer: Schon beim letzten Apothekertag verfolgten Standesvertreter mit einem Antrag das Ziel, angehende PTA drei Jahre auf ihren Beruf vorzubereiten, ohne bundesweit Gehör zu finden. Mit den Betroffenen hat niemand groß gesprochen. Das soll sich jetzt ändern: Für den Herbst plant die ABDA, Schülerinnen, Schüler und junge PTA zu befragen – als Reaktion auf ständige DAT-Anträge. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen selbst einschätzen, wie sie ihre berufliche Lage einschätzen. Ob sie in dieser frühen Phase bereits erahnen, wo Nachholbedarf besteht, sei dahingestellt. Umso genauer wissen sie, dass Ausbildungskosten mehr und mehr zum Problem werden.

Schulen in der Krise

Vor wenigen Wochen spitzte sich die Situation im Kammerbezirk Westfalen-Lippe dramatisch zu. Nachdem sich das Land aus der Finanzierung von PTA-Fachschulen zurückgezogen hatte, blieb ein finanzielles Loch. Die Apothekerkammer favorisiert ein Darlehnsmodell über günstige KfW-Kredite – inklusive Bonus, sollten junge PTA später in Apotheken des Bezirks arbeiten. Nach wie vor verschlägt es viele Assistentinnen und Assistenten zu Pharmafirmen. Verbandsmitglieder lehnen den Kammervorschlag ab – mit Hinweis auf rund 8.000 Euro Schulden für Berufsanfänger. Beide Seiten haben sich auf einen Minimalkonsens verständigt. Die Kammer erhöht ihre Zuschüsse von 10 auf 70 Euro pro Monat und Person. Trotzdem müssen Jugendliche einen erheblichen Teil des Schulgeldes selbst berappen. Zusammen mit Geldern des Verbands stehen PTA-Fachschulen etwas solider da. Langfristig muss über andere Formen der Beteiligung nachgedacht werden. Michael Mantell vom AVWL sieht Apothekenleiter stärker in der Pflicht, sich zu beteiligen. Ein schwieriges Thema: Bei vielen Chefs ist die Kasse knapp, und ABDA-Vertretern gelang es bislang nicht, Fortschritte bei der Honorierung zu erzielen. Kürzlich machte ein überraschender Vorstoß Schlagzeilen: Vertreter des Arbeitgeberverbands Deutscher Apotheken (ADA) und der Apothekengewerkschaft ADEXA sprachen gemeinsam im Bundesgesundheitsministerium vor. Höhere Vergütungen für apothekerliche Leistungen bieten die Chance, auch Angestellte, allen voran PTA, besser zu entlohnen. Momentan liegen die Gehälter weit abgeschlagen im Vergleich zu anderen Branchen. Bleibt nur, auf Ergebnisse des Dialogs zu warten.

29 Wertungen (3.69 ø)

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10 Kommentare:

Heidi Schult
Heidi Schult

Ich bin seit vielen Jahren PTA und glaube nicht, dass wir an noch mehr Kompetenz (= Verantwortung und Arbeitsbelastung) interessiert sind, ohne dass auch adäquat die Verdienstmöglichkeiten steigen. Stellen sie sich vor , Sie betreten eine Arztpraxis und dort machen alle genau die gleiche Arbeit , wie der Arzt, nur einige bekommen Helfergehalt. So sieht es für PTA´s aus und oft, sehr oft, müssen wir Approbierten noch Anleitung geben. Nach 15 Jahren das Lohnmaximum erreicht und dann steht jeder Supermarktverkäufer besser da, denn der erhält Wochenendzuschlag.

#10 |
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Apotheker

@ Ketzer-PtA

Danke für die Blumen.Wenn Sie Adexa sagen, so fällt mir ein: In Frankreich haben die Gewerkschaften die OTC-Freigabe verhindert(nicht etwa die Standesführung).
Das war Überlebenskampf,den die Unternehmer gerne gestützt haben.

Vergleichbares vermisse ich hier.Da sind die Unternehmer ihre Gegner.Dies gilt es zu überwinden, wenn das Überleben für beide in Frage gestellt ist.

Geht es aber um Personalführungsfragen, ist die Priorität anders.Die Bedeutung für das System tritt in den Hintergrund. Das ergibt dann die Kampfstimmung in die falsche Richtung.Gegenseitiges Nichtachten kann nicht weiterführen, sondern blockiert alles.Also breitflächiger Skandal oder überlebensrelevante Aktivitäten.

.

#9 |
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Ketzer – PTA
Ketzer – PTA

Geehrter Herr Rodiger,

danke für den ehrlichen und gut geschriebenen Beitrag.
Dazu sage ich gerne folgendes: Sind Sie Mitglied der ADEXA?
Ich schon.
Unterhalten Sie sich mit anderen PTAs, wird sehr schnell deutlich, dass meine Erlebnisse keinesfalls ein Einzelfall sind, sondern an der Tagesordnung und völlig normal.
Zusammen kommen wir etwa auf 100 apothekenführende Approbierte und alle, wirklich alle, haben ein massives Problem mit Personalführung und/oder persönliche, z.T behandlungsbedürftige Probleme (z.B Demiurgen – Komplex)
Die wenigen Guten, die es gibt, sind rar geworden.
Mein alter Lehrapotheker starb letztes Jahr mit knapp neunzig und das war ein herzensguter Mensch.
Manchmal denke ich, mit ihm starb auch der Rest der menschlich guten Apotheker aus.

#8 |
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Apotheker

@ Ketzer-PtA

Ich freue mich über Meinungsäusserungen, gehören sie doch im Apothekenbereich zu den Seltenheiten. Doch gleichzeitig machen Sie deutlich, dass Unmöglichkeiten sehr lange auszuhalten sind. Doch das ist bei Apothekern nicht anders. Bei fehlender Achtung gibt es nur eine Antwort: wechseln! Bezogen auf Apotheker: den Mund aufmachen. Beides passiert zu selten.
Sie sprechen von Entmachtung. Das ist nur ein kleines Zeichen für den Willen zur Machtausübung.Das ist selten kooperativ und entwicklungsfähig. Es ist doch ein Allgemeinplatz,dass eine formale Berechtigung nicht automatisch gute Arbeit zur Folge hat.Da ist schon zu differenzieren.Aber Sie haben recht,dass dies anständig geschehen muss.
Nur bei fehlender Souveränität des einzelnen haftet nicht gleich der ganze Berufsstand. Die hässliche Wahrheit ist, dass die persönlichen Konsequenzen nicht gezogen werden.Es gibt auch vernünftige Chefs.Die suchen!!!

#7 |
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Ketzer – PTA
Ketzer – PTA

Ergänzend möchte ich noch die unsagbare Demütigung hinzufügen, dass es vielen Kollegen und Kolleginnen vom Apothekenleiter VERBOTEN wurde, die Pille danach abzugeben.
Da fehlen mir tatsächlich die Worte.
Ich verweise gerne auf einen früheren Kommentar von mir, auch von Herrn van den Heuvel verfasst.
Da gibt eine Apothekerin auch ihre meinung kundt, dass wir fachlich gar nicht qualifiziert wären.
Gehts noch?

http://news.doccheck.com/de/79618/pka-und-pta-nichts-wie-weg-aus-der-apo/?tag_id=232&context=post_tag

#6 |
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Ketzer – PTA
Ketzer – PTA

Ich möchte im folgenden auch gerne meine Meinung kundtun.
In meinem Falle habe ich eine Vorgesetzte, die seit etwa fünfzehn Jahren keinen Pistill mehr in der Hand hatte.
Da kommen zu lustige Sachen heraus wie Ung. Cordes und Aqua dest. 50:50 ist sechs Monate haltbar, Kühlsalbe ein (!!) Jahr usw…
Wenn man sich denn erlaubt den Mund aufzumachen und höflich darauf hinweist, dass es laut NRF aber anderes aussieht, wird man mit einem hochnäsigen Antlitz betrachtet und gesagt:
“Sie wollen klüger sein als ich? ICH habe schließlich studiert! Sie sind ja nur PTA”
Diese Person leidet daneben noch an einem Allmachtskomplex, das bedeutet sie befiehlt und wir müssen machen.
Die Art von Machtsmissbrauch ist mir schon so oft begegnet, dass ich es kaum mehr zu zählen vermag.
Die Apotheker sehen uns PTAs meist als Handlanger, als ihre persönliche Untergebenen.
Wir haben unsere Selbstständigkeit und unsere Ehre genau zu dem Zeitpunkt eingebüßt, als die neue Apo – Betriebsordnung in Kraft getreten ist und niemand den Mund aufgemacht hat.
Stichworte in Anlehnung an #2: Für jeden kleinen Pups muss nun der Approbierte ran und alles genauestens abzeichnen, prüfen und kontrollieren.
Gar eine Beratungsbefugnis brauchen wir PTAs nun!
Ja, genau: Der Apotheker muss festlegen, wen wir beraten (oder informieren?) dürfen und wen nicht.
Entschuldigung, aber einen derberen Schlag ins Gesicht konnte es kaum geben.
Wir wurden erniedrigt von unseren eigenen Kollegen und keiner sagt etwas!
Und nun warten alle auf die Erlösung im Form eines Erlasses, der uns mehr Zugeständnisses macht und uns als das würdigt, was wir sind.
Pharmazeutisches FACHpersonal, keine billigen Handlanger an den Fäden der Apotheker oder der Politik.
Aber dieser Heiland in Form des Erlasses wird niemals kommen, da es genau die Leute entscheiden, die uns einst entmachtet haben.
Öffnet eure Augen und seht der hässlichen Wahrheit ins Gesicht.
Der Beruf hat keine Zukunft mehr.
Vom finanziellen Aspekt mal ganz zu schweigen.
Ein lächerlicher Hungerlohn für eine so verantwortungsvolle Aufgabe.
Liebe Kollegen, sammelt euren letzten Stolz und Würde ein und kämpft für eine bessere Zukunft.
Solange nicht alle PTAs gewerkschaftlich oder per Berufsverband organisiert sind, werden wir immer “nur” PTAs bleiben.
Nur gemeinsam sind wir stark!
Von unseren Standeskollegen verraten und entmachtet, von der Politik bewusst kleingehalten und zu guter Letzt von unseren Vorgesetzen (zumindest oft) wie Sklaven behandelt.
Für kein Geld der Erde würde ich diesen Beruf wieder erlernen oder ihn gar der Jugend empfehlen.
Auch das salbungsvolle Gerede unseres Berufsverbandes hilft alles nichts.
Wenn wir nicht zusammenstehen und endlich die Angst vor den erlauchten Apothekern ablegen, werden wir immer so klein bleiben, wie wir aktuell sind.
Früher war der Beruf ein Traum, der Beruf den ich gelernt habe.
Mittlerweile ist es ein Albtraum, aus dem kein Erwachen gibt.

#5 |
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Sabrina Blank
Sabrina Blank

Genau, viel Blabla- Bitte Auszeichnung in Vergütung.

#4 |
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Gast
Gast

Mehr Kompetenz?
Wie soll das aussehen?
Mir ist nicht klar, wie das aussehen soll!

Von mir bekommen die Kunden die Beratung, die sie beim Arzt vermissen.
Von mir bekommen die Kunden das Ohr, das sie benötigen.
Von mir bekommen sie Empfehlung und Entscheidungshilfe.
Von mir bekommen sie das richtige Medikament und das teilweise auch frisch zubereitet.

Wir PTA stehen den Kunden von morgens bis abends und auch samstags mit Rat und Tat zur Verfügung.

Wir PTA haben fachliche, sachliche, soziale und emotionale Kompetenzen.
Uns muss man nicht mehr einräumen. Wir brauchen keine Auszeichnungen.

WIR MÖCHTEN EINE ENTSPRECHENDE VERGÜTUNG FÜR UNSERE LEISTUNGEN UND KOMPETENZEN!!!

#3 |
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Gast
Gast

Die können doch mal damit anfangen, dass wir in der Rezeptur die Protokolle selbst unterschreiben dürfen, ohne ständig den Apotheker dazu holen zu müssen. Die haben im Vergleich zu PTA viel zu wenig Erfahrung und sollen bewerten?! Und absegnen?! Andersrum wäre sinnvoller :-)

#2 |
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Selbstst. Apothekerin

Hornberger Schiessen

#1 |
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