Prostatakarzinom: Onkogen als Missing Link

24. Juli 2015
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Das vom Immunmodulator Interleukin-6 gesteuerte Gen STAT3 fördert normalerweise das Wachstum von Krebszellen. Bei Prostatatumoren ist es umgekehrt, da ein aktives STAT3 das Zellwachstum unterdrückt. Damit eignet sich das Protein als Biomarker für Krankheitsprognosen.

Interleukin-6 (IL-6) ist ein wichtiges Zytokin, das Wachstum und Überleben von Tumorzellen kontrolliert. Ein hyperaktives IL-6 wird allgemein als krebsfördernd angesehen, vor allem weil es im IL-6-Signalweg STAT3 steuert, das in den meisten Tumoren als Onkogen bekannt ist. Viele Therapien zielen daher auf eine Suppression von IL-6 oder STAT3. Beim Prostatakrebs verhält es sich allerdings anders. Eine Studiengruppe an der Medizinischen Universität Wien rund um den Pathologen Lukas Kenner hat nun herausgefunden, dass ein aktives STAT3 bei Prostatatumoren das Zellwachstum unterdrückt und das Gen P14ARF aktiviert, das die Zellteilung der Tumorzellen blockiert und so den Tumorwachstum hemmt.

„Unter Verwendung von knockout-Mäusen, die ein präklinisches Modell für Prostatakarzinome darstellen, konnten wir eine Verbindung zwischen dem IL-6/STAT3- und ARF-Signalweg herstellen, der für die Metastasierung von Prostatakarzinomen verantwortlich ist“, erklärt Jan Pencik, Hauptautor dieser Arbeit aus dem Institut von Lukas Kenner.

Damit eignen sich STAT3 und P14ARF hervorragend als Biomarker für eine Prognose der Krankheitsentwicklung. Wenn diese beiden Faktoren in Gewebeproben fehlen, erhöht sich die Gefahr massiv, dass der Tumor wächst und Metastasen bildet. „Die Vorhersagekapazität dieser Proteine als Biomarker ist doppelt so gut wie der bisherige Goldstandard“, beschreibt Lukas Kenner die Bedeutung dieser Erkenntnis. Da nur etwa zehn Prozent aller an Prostatakarzinom erkrankten Patienten an dem Tumor sterben, lassen sich so unnötige Operationen vermeiden, die schwere Nebenwirkungen wie Inkontinenz und Impotenz verursachen können. Eine darauf basierende nuklearmedizinische Untersuchungsmethode könnte die schmerzhaften operativen Gewebeentnahmen zur Untersuchung bald ersetzen.

Rezeptorblocker können Prostatakrebs fördern

Die umgekehrte Rolle von Interleukin-6 als Hemmer des Prostatakarzinoms hat noch eine andere Bedeutung. Eine Blockade von Interleukin-6 wird bei Behandlungen von Krankheiten angewendet. So wird ein solcher Rezeptorblocker etwa zur Behandlung der Rheumatoiden Arthritis eingesetzt. „Unsere Studienergebnisse legen nahe, dass Krankheitsbehandlungen, die den IL-6-Signalweg blockieren, als Begleiterscheinung das Wachstum von Prostatakrebs fördern könnten“, beschreibt Kenner diesen nun aufgedeckten Zusammenhang. Der Wirkstoff, der zur Therapie einer entzündlichen Krankheit eingesetzt wird, fördert also die Entstehung einer anderen, möglicherweise bösartigen.

„Aus diesem Grund raten wir zur Vorsicht, IL-6/STAT3-Inhibitoren in der klinischen Praxis bei Patienten mit tumorösen Erkrankungen einzusetzen. Weitere Studien wären jetzt notwendig, um das Karzinomrisiko dieser Substanzen abzuklären“, sagt Helmut Dolznig von der Medizinischen Universität Wien.

Originalpublikation:

STAT3 regulated ARF expression suppresses prostate cancer metastasis
Jan Pencik et al.; Nature Communications, doi: 10.1038/ncomms8736; 2015

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Medizin, Onkologie, Urologie

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3 Kommentare:

dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

ie einseitige Hormonunterdrückung von Testosteron ohne Berücksichtigung von Progesteron u. Östradiol ist genauso eine Fehlinterpretation u. einseitige Therapiebetrachtung wie die Vorstellungen zur Östrogendominanz ;
ebenso die Vernachlässigung der anderen Cytokine im Ablauf der Immunregulation .
Gut das eine Studie mal die Doppelbödigkeit einseitiger Modulationsversuche
verdeutlicht.

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R. Müller
R. Müller

Ach ja, man kann die “systemische Therapie des PCA” den Urologen über-
lassen ??
Die scheitern ja schon an der Diagnose, weil der PSA-Wert so schrecklich un-
spezifisch ist. Da verzichtet man bei der Diagnose “benigne Prostatahyper-plasie” auch gern ‘mal auf den Beweis der Gutartigkeit.
Die Chirurgie scheint zu klappen, wenn auch wegen verschleppter Diagnose (wofür geht man(n) eigentlich zur Vorsorge?) gleich auf radikale Weise.
Und die Nachbehandlung? Neben den in Kauf zu nehmenden Begleiterscheinun-
gen der Hormondeprivation, wer verfolgt eigentlich PSA und Testosteron auf
hinreichend empfindliche Weise, um die Schwere der einsetzenden Osteoporo-
se einzuschätzen oder beginnende Rezidive mit ausreichender Vorwarnzeit zu
erkennen? – Wer kümmert sich bei zu perfekter Hormonunterdrückung eigent-
lich um den Signalweg HER2/neu, der ein Rezidiv entstehen lassen kann, das
bzgl. Hormonunterdrückung therapieresistent ist? – Die Urologen jedenfalls
nicht.
Fazit: Wer die Zeit für Fortbildung nicht aufbringen kann, für den gibt es die S3-
Leitlinie. – Diejenigen Komponenten der Leitlinie, die nicht von der Kasse finan-
ziert werden, könnte man z.B. mit den Patienten diskutieren, die vielleicht
gerne zuzahlen, um auf der sicher(er)en Seite zu sein.

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Gast
Gast

Selten solch seichte Schlussfolgerungen gelesen – Bild der Frau Niveau!
Marker werden monatlich publiziert, keine klinische Relvanz in Folge…
Und was hat bitteschön der Titel damit zu tun? Kein Mensch braucht in D einen Onkolgen für eine systemische Therapie des PCA. Das sollte man wirklich Leuten überlassen, die sich fast 1/4 ihrer Arbeitszeit ausschließlich mit dieser Entität beschäftigen – den Urolog(inn)en.

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