Multiresistenz in der Hühnerresidenz

15. Februar 2013
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Multiresistente Bakterien breiten sich rasant aus, vor allem durch die Massentierhaltung. Jetzt haben Politiker auf europäischer und auf nationaler Ebene die Notbremse gezogen. Ob ihre Maßnahmenpakete fruchten, muss sich erst zeigen.

Viel Appetit auf Fleisch: Weltweit schlachtet die Geflügelindustrie rund 40 Milliarden Hühner pro Jahr – eine gewaltige Summe. Qualität hat ihren Preis, viele Verbraucher schätzen aber Schnäppchen. Um günstig zu produzieren, gehört die Massentierhaltung nach wie vor zum Standard. Ein ganz anderes Problem: Nutztiere wurden gezüchtet, um möglichst schnell zu wachsen und das entsprechende Schlachtgewicht zu erreichen.

Lebensretter im Hühnerstall

Dafür fanden Forscher der Universität Kansas drastische Worte: “Würden Menschen so schnell wie Hühner wachsen, brächten sie mit zwei Jahren knapp 160 Kilogramm auf die Waage.” Ihre genetische Ausstattung macht die Tiere anfällig Lungenerkrankungen oder Herzleiden. Auch das Skelett hat diverse Schwachstellen im Vergleich zum Wildtyp. Hinzu kommen Infektionen durch schlechte Hygiene. Kein Wunder, dass Geflügelzüchter zum Antibiotikum greifen. Sie behandeln meist die ganze Population, nicht nur einzelne, erkrankte Tiere. Ein paar Daten: Laut Erhebung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurden im Jahr 2011 rund 1.734 Tonnen Antibiotika an Tierärzte in Deutschland verkauft. Das waren vor allem Tetrazycline (576 Tonnen), Aminopenicilline (505 Tonnen), Fluorchinolone (8,0 Tonnen) sowie Cephalosporine der dritten und vierten Generation (3,8 Tonnen). Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen fand heraus, dass 92 Prozent aller Hähnchen mit Antibiotika in Berührung kommen .

Blick in die Zelle

Dieser exzessive Gebrauch bleibt nicht ohne Folgen: Antibiotika töten bei Unterdosierung einen Teil der Keime ab, selektieren aber widerstandsfähige Exemplare. Aufgrund von Mutationen im Genom können molekulare Bindungsstellen fehlen, ohne die Pharmaka keinen Effekt zeigen. Veränderungen der enzymatischen Ausstattung bewirken, dass Prodrugs nicht mehr in die aktive Form umgewandelt werden. Bleiben als Alternative noch Plasmide, also ringförmige Nukleinsäuren, die außerhalb des bakteriellen Erbguts ihr Unwesen treiben. Sie codieren für Antibiotika-abbauende Enzyme.

Resistenzen auf dem Vormarsch

Niederländische Forscher untersuchten Enterobakterien wie Escherichia coli. Ihr Fazit: Gene, die für Extended Spectrum β-Lactamasen (ESBL) codieren, waren in rohem Geflügel und in Blutproben von Patienten identisch. ESBL zerstören β-Lactam-Antibiotika durch Hydrolyse. Bei den verstorbenen Frühchen aus Bremen wurde eine spezielle β-Lactamase namens CTX-M-15 gefunden, ebenfalls bekannt aus der Tierzucht. Ähnliche Hiobsbotschaften kamen vom Forschungsverbund RESET (ESBL and (fluoro)quinolone resistance in Enterobacteriaceae): Hier nahmen Mikrobiologen 54 Bestände unter die Lupe. Sie fanden in der Schweinezucht bei 88 Prozent aller Proben ESBL-verdächtige E. coli, bei Rindern waren es 67 Prozent und bei Geflügel sogar 100 Prozent. Neben ESBL-codierenden Genen waren in Isolaten auch AmpC-Gene vorhanden. Diese codieren für andere β-Lactamasen. Aus Tschechien kommen zusätzlich Hinweise auf Resistenzen gegen eine weitere Klasse von Wirkstoffen, die Fluorchinolone. Mittlerweile sind Verbraucher durch Medienberichte stark verunsichert.

Patienten in Not

Wer Fleisch gut durchbrät oder kocht, ist auf der sicheren Seite. Allerdings gelangen resistente Keime in den Körper, sollten Konsumenten Tartar verzehren oder bei der Zubereitung unhygienisch arbeiten. Dazu reicht schon aus, auf dem gleichen Brett erst das rohe Hühnchen zu würzen und anschließend den Salat zu schneiden. Auch gelangen beim Tranchieren Keime über kleinste Hautverletzungen in den Körper. Kommt es später zu einer bakteriellen Infektion, müssen Ärzte Reserveantibiotika einsetzen – vorausgesetzt, sie haben rechtzeitig Hinweise. Das gelingt manchmal auch nicht: In mehreren Neonatalstationen starben Frühchen, nachdem sie sich mit multiresistenten Erregern infiziert hatten. Speziell auf Intensivstationen wurden Untersuchungen mit größeren Patientenzahlen gemacht. Während die MRSA-Prävalenz bei der Aufnahme stabil blieb, finden Kollegen immer häufiger ESBL-Gene. Es ist Zeit, zu handeln.

Dispensierecht für Veterinäre einschränken?

Mitglieder des europäischen Ausschusses für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit überlegen deshalb, ob das tierärztliche Dispensierrecht bei antimikrobiellen Pharmaka eingeschränkt werden sollte. Geplant ist, dass nur noch speziell qualifizierte Veterinäre Antibiotika abgeben. Ein Thema mit Kontroverse: Bei Humanarzneimitteln hat sich die “Gewaltenteilung” zwischen Arzt und Apotheker bewährt – nicht nur aus Aspekten der Arzneimittelsicherheit. Würden Verordnung und Verkauf künftig getrennt, fehlten Veterinärmedizinern wirtschaftliche Anreize, heißt es aus Brüssel. Allerdings lernen Pharmaziestudierende derzeit kaum etwas über Arzneimittel bei Tieren.

Strengere Maßnahmen in Deutschland

Ilse Aigner (CSU), Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, wollte nicht auf eine europäische Lösung warten. Bereits seit Jahren fordert ihr Haus, Haltungsbedingungen bei Huhn, Rind und Schwein zu optimieren. Im September 2012 verabschiedete Schwarz-Gelb außerdem eine Novelle des Arzneimittelgesetzes. Überwachungsbehörden haben künftig bessere Möglichkeiten, verschiedene Betriebe hinsichtlich ihres Antibiotikaverbrauchs zu vergleichen – und gegebenenfalls einzugreifen. Mit einer Datenbank erfassen sie Informationen zur Therapiehäufigkeit. Auch müssen Tierärzte Informationen über ihre Verordnungen auf Anforderung zeitnah zur Verfügung stellen. Möglicherweise die wichtigsten Aspekte: Stellt sich kein Behandlungserfolg ein, verpflichtet die AMG-Novelle Veterinärmediziner, ein Antibiogramm anzufertigen. Präparate mit humanmedizinischer Zulassung sollen für Tiere mit wenigen Ausnahmen nicht mehr zum Einsatz kommen.

Papiertiger aus dem Ministerium

Ilse Aigner ist überzeugt, ihre Reform gehe in die richtige Richtung. Verbraucherschützern fehlen jedoch Verpflichtungen, die exorbitante Menge von Antibiotika zu senken. Entsprechende Ziele hatten zuletzt Dänemark und die Niederlande beschlossen. Und Renate Künast von den Grünen kritisiert, es sei immer noch nicht vorgesehen, das individuelle Tier zu behandeln, sondern wie bislang den ganzen Bestand. Experten sehen zudem methodische Mängel. In der geplanten Datenbank wird lediglich erfasst, wie häufig antimikrobielle Wirkstoffe zum Einsatz kommen, nicht aber deren Dosierung. Tierärzte und Viehzüchter könnten das System leicht überlisten, indem sie moderne Pharmaka einsetzen. Diese sind wesentlich seltener zu verabreichen als ältere Präparate. Doch wird das Problem kaum auf deutscher oder europäischer Ebene zu lösen sein: Bei chinesischen Mastschweinen, die regelmäßig Antibiotika bekamen, fanden Molekularbiologen jetzt 149 verschiedene Resistenzgene. Einige waren im Vergleich zur antibiotikafreien Zucht zahlenmäßig um den Faktor 192 bis 28.000 erhöht. Resistenzen gelangen nicht nur über das Fleisch in die Umwelt, sondern auch über Gülle und weitere Abfallprodukte.

142 Wertungen (3.96 ø)
Medizin

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30 Kommentare:

Ingrid Langner
Ingrid Langner

Bevor einige Nutzer weiter ihre fachunkundigen Kommentare abgeben, sollten sie den sachlichen Informatiionen von Beitrag 20 Rechnung tragen

#30 |
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Dr. Christoph Truckenbrodt
Dr. Christoph Truckenbrodt

Marlene Karrer

Werte Kollegin,
soll das tiermdizinische Rabulistik sein???????
Auf deutsch gesagt Sch…..
Der Adenauer ist schuld an billigen Lebensmittelpreisen und nicht der Konsument.
Liebe Grüße

#29 |
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marlene karrer
marlene karrer

Werter Ingolf Spickschen,

ich stimme sicher in vielen der auch von Ihnen erwähnten Punkte zu, jedoch fordern Sie von den Tierärzten kritische Medienkonsumenten zu werden und sprechen einige wenige Zeilen vorher dieses Vermögen “Otto Normalverbraucher” ab ?
Die Konsumenten seien verführt worden zu einem Lebensstil der all das in den vielen Kommentaren erwähnte nach sich ziehe. Hier liegt der Punkt meines Vetos, denn wäre der Mensch in unserer (Wohlstands-)Gesellschaft nicht so furchtbar denkfaul, und würde diese Entwicklung nicht auch noch gefördert, beginnend bei “Weichspülerpädagogik” des daraus bedingten Unvermögens die Konsequenzen des eigenen Handelns abzusehen und zu tragen, gipfelnd in jenem Punkt, an dem die Katze sich sprichwörtlich in den Schwanz beißt – “verführt” durch noch mehr Werbung, also Flucht aus der Realität….
Schließend in kurzen Worten, es ist nicht richtig hier die (Mit-)Schuld der Konsumenten auszuklammern, vielmehr währe ein Apell an die Verbraucher zu richten, mit der Forderung endlich zu mündigen Konsumenten zu werden.

#28 |
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Dr. Christoph Truckenbrodt
Dr. Christoph Truckenbrodt

Mir ist mittlerweile kotzübel schlecht, weil ich diesen unqualifizierten Scheiß der Kollegen Humanmediziner über Tiermedizin und über die Haltung von landwirtschaftlichen Nutztieren lesen muß.Und auch der Artikel bedient nur undifferenziert die gängigen Klischees. Als kleiner Rinderpraktiker( Einzeltierbehandler und 24,7.365), kann ich jede Gesetzesnovelle wieder ausbaden (burn out wegen Zeitverschwendung) und die Großen lachen sich ins Fäustchen.

#27 |
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Ingolf Spickschen
Ingolf Spickschen

Besten Dank für diesen gesellschaftspolitisch wie (umwelt-)medizinisch sehr relevanten Beitrag!
Mit den Problemen der Massentierhaltung schlage ich mich – mit

#26 |
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Verehrter Herr Clemens Schulz und Gleichgesinnte,
mit “falschen Verschreibungen in der Humanmedizin” wechseln Sie nur das Thema,
dieses Thema heist aber MRSA in erheblichem Umfang bei Tieren.
Das IST ein Problem der gehätschelten Agrarwirtschaft, das NICHTS mit der gerne geprügelten Humanmedizin zu tun hat. Pseudowissenschaftlich ist ein “Vergleich über AB je kgKörpergewicht” und pseudowissenschaftlich ist ein MRSA-Befund gegen ein einziges Antibiotikum. Hier geht es um Multiresistenz. Dass menschliche Abwässer auch nicht vernachlässigbare menschliche Krankheitskeime enthalten, ist besonders seit der Sammelkanalisation jedem Fachmann und Hygieniker bekannt und KEIN Problem von Humanmedizinern, sondern von öffentlichen Kommunen etc. die ihrer gesetzlichen Abwasserbeseitigungspflicht ebenfalls aus Kostengründen UNZUREICHEND nachkommen. Also auch ein anderes Thema!

Wir sind hier bitte nur beim Thema wie man die Gefahren der multiresistenten Keime aus Tierhaltung und Tierzucht für den Menschen reduzieren kann.
Das ist doch Thema genug.

Mein Eindruck, ich bin Humanmediziner, aber auch ein Leben lang Tierbesitzer vom Haustier bis zu Pferden ist,
dass dieses Problem NICHT ausreichend ernst genommen wird und eher SYSTEMATISCH verharmlost wird,
ganz im Gegensatz zu den ständig kritisierten Humanmedizienern und Krankenhäusern.
Offensichtlich haben Sie keinerlei Vorstellung, welcher Aufwand heute im Krankenhaus – ein Haus für die Behandlung kranker Menschen –
getrieben wird alleine für die systematische Diagnostik und ISOLIERUNG von nicht oder nur harmlos infizierten Patienten mit MRSA (gesunde Keimträger) getrieben werden muss, die NICHT antibiotisch behandelt werden.
Sagen Sie mir doch einen einzigen Tiermaststall, in dem gesunde MRSA-Träger-Tiere isoliert werden.

Es gibt daher wirklich keine seriöse Entschuldigung für die bei Ihnen erkennbare Haltung, es gäbe keinen Handlungsbedarf.

Deshalb ist dieser Beitrag so wichtig.
Das Zeitalter infektiöser menschenpathogener Mikroorganismen ist leider nicht vorbei,
man könnte bei der relativen Gleichgültigkeit eher meinen,
hier tickt eine neue Zeitbombe.

mfG

#25 |
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Tierarzt

fast unglaublich, mit welcher Unkenntniss hier Mediziner aller Coluer argumentieren.
Antibiotikanreicherung im Fleisch ? Das ist ja gar nicht der Fall! Nur sehr selten wird AB im Fleisch gefunden.
Resistente Keime entstehen in Massentierhaltungen.Punkt:?
Sorry – so ein Quatsch!
Massentierhaltung bedingt Resistenzen!?
Nicht Massentierhaltung an sich ist das Problem, sondern wie die Tiere in den Haltungen gehalten werden. Abschaffung des Dispensierrechtes nützt nichts, verschiebt das Problem nur;
wenn neue Massentierhaltungen verhindert werden sollen, was ist dann mit den “alten” – schon bestehenden? Typisches Beispiel für blinden politischen Aktivismus.
Es müssen – endlich – klare Richtlinien für die Tierhaltung allgemein geschaffen werden. Bisher sind wir nur bei “Mindeststandards”. Die Förderrichtlinien müssen geändert werden: wenn ein Landwirt einen grösseren Stall bauen will, als die “Mindestanforderungen” ( so dass die Tiere mehr Platz haben ) bekommt er weniger bis gar keine Förderung mehr!
In den Krankenhäusern müssen Eingangskontrollen auf MRSA Träger gemacht werden ( siehe Holland) , hier bei uns kann jeder in jedes Krankenhaus reinlaufen. Eine ZDF Filmteam ging in eine ESBL Intensivstation der Berliner Charitee rein und benetzte sich ganz kurz die Hände mit etwas Desifektionsmittel und gibt dann der Intensivpflegerin sogar noch die Hand! – und der Professor steht daneben und sieht zu ! Da erübrigt sich doch jede weitere Diskussion!
Ausserdem zeigen amerikanische und australische Untersuchungen, dass genomisch die MRSA-Keime in Tierhaltungen nicht, oder nur sehr selten mit den in der Humanmedizin relevanten verwandt sind.
Tiere brauchen Platz, Licht, Luft und (gutes) Futter’! Das sind die (so einfachen) Grundregeln für gesundes Aufwachsen! An den ersten drei mangelt es oft und da müssen wir ansetzen! Das muss aber die Politik tun, wir Tierärzte können das nur fordern, nicht bestimmen. Und solange jeder “Deutsche” im Schnitt 90 kg Fleisch/ Jahr verbraucht, wird sich wenig ändern !

#24 |
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@Clemens Schulz
Die Argumente sind auf den ersten Blick nachvollziehbar. Jedoch zeigt die zitierte Quelle schön auf, dass in der Tiermedizin sehr gerne das altbewährte Tetracyclin verwendet wird. Die Arbeit vom Robert Koch Institut aus Deutschland zeigt sehr schön am Beispiel MRSA, dass die sogennanten “Schweine-MRSA” (laMRSA) ausnahmslos Tetracycin resistent sind (http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0006800). Im Gegensatz hierzu finden sich bei den humanen MRSA nahezu keine Tetracycin Resistenz (eigene Erfahrung; siehe aber auch RKI Publikationen im Epidemiologischen Bulltin). Auch bezüglich “Bio” muss man nicht unbedingt in die Ferne schweifen, um Argumente zu suchen. Hier wurde für Deutschland gezeigt, dass eine alternative Haltung positive Auswirkungen hat. So wurden auf 25 “alternativen” Höfen keine laMRSA gefunden (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22156420).
Es gibt also sehr sachliche (und sehr unsachliche) Argumente von allen Sichtweisen. Tatsache ist, dass wir ein ernstzunehmendes Problem mit Antibiotikaresistenz haben und der rationale Einsatz von Antibiotika sowohl bei Tier und Mensch im Interesse aller sein sollte.

#23 |
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…gehe ich doch zu meinem Hausarzt und dem Vorbericht eines Hustens der für meine Begriffe mit zwei Wochen zu lange dauert. Einmal Auskultieren, keine nähere Befragung, bekomme ein Ärztemuster eines Antibiotikums in die Hand gedrückt, und darf wieder gehen….

#22 |
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Lothar W. Weiss
Lothar W. Weiss

wilhelm weiz,
Es geht doch nur um Geld, viel Geld, insbesondere in der Massentierhaltung. Gestern im ZDF: “Wie gut ist Billig-Bio?”
(Ein wohl neues Schlagwort), wurde ein hollänischer Schweinezüchter als größter Züchter in Europa vorgestellt.
Natürlich ist seine riesige Zuchtanlage in DEUTSCHLAND!
Und er will weiterwachsen! Man sehe sich diesen Bericht an und man weiß, wie´s bei uns wirklich läuft, die Verbraucher als MENSCHEN SIND FÜR DIESE LEUTE NUR NOCH SCHLACHTVIEH!, mit denen man ganz einfach sehr gut verdienen kann. Vieh kaputt, Umwelt kaputt, Menschen kaputt!

#21 |
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Danke, Clemens Schulz! Überzeugend sachlich und mit Fakten untermauert argumentiert. Ich fürchte nur, daß gegen Vorurteile Tatsachen wenig Chancen haben!
Wie hatten Sie auf die Schnelle die Quellensammlung parat?
Ich würde mich gern mit Ihnen in Verbindung setzen, weil mich das Thema brennend interessiert: petfire@web.de.

#20 |
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Joachim Beck
Joachim Beck

Solange alle Verantwortlichen wegsehen wollen, wird es Antibiose in unverantwortlichem Umfang – zur Gewinnmaximierung – geben müssen.

Siehe Spiegelonline vom 12.02.2013 : http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/wie-deutschlands-schweinezuechter-den-tierschutz-missachten-a-882681.html

#19 |
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Dr. Gero Beckmann
Dr. Gero Beckmann

Die rege Diskussion zeigt, dass endlich etwas passieren muss, wen man denn will. – Hier haben Veterinär- und Humanmedizin jeweils vor ihrer eigenen Haustüre zu kehren. Bereits vor 20 Jahren haben wir über “Antibiogramme in der tierärztlichen Praxis” (Stegemann/Beckmann 1994) einleitend geschrieben: “Vielleicht gehört es in nicht allzu ferner Zukunft wie selbstverständlich zur (veterinär)medizinischen Grundanständigkeit, antibiotische Therapie durch mikrobiologische Untersuchungen einschließlich Empfindlichkeitsprüfungen zu begründen und zu kontrollieren!” – Erfolgreiche Großtierpraktiker tun das schon länger, entweder im eigenen Praxislabor oder bei externen Labors. Den Kollegen Humanmedizinern fehlt bis in die Krankenhäuser hinein leider vielfach der Anreiz dazu! Eigentlich – auch aus Haftungsgründen – ein Unding.

Und natürlich gibt es Alternativen! – Bei den wichtigen Krankheitskomplexen “Erkrankungen der oberen Atemwege” sowie der Harnwege zeigt die Arzneipflanze des Jahres “Kapuzinerkresse”, welche enorme Potenz natürliche Senföle besitzen. Bisher gibt es keinerlei Hinweise auf Resistenzen, was bei dem Wirkmechanismus auch nicht zu erwarten ist!

#18 |
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Eberhard Krämer
Eberhard Krämer

Bereits als es noch ein Bundesgesundheitsamt gab, musste der damalige Präsident gehen, weil er sich gegen die Lobby für eine Tiermast ohne Antibiotika einsetzte. Die Problematik war damals schon klar.Auch Frau Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer konnte sich nicht halten, da sie dieses heiße Eisen angefasst hatte. MRSA waren nur eine kleine Übung gegen die Resistenzen, die noch kommen.ESBL haben in kurzer Zeit dramatisch zugenommen. Aber die Gewinne für die Pharmakonzerne und die Aktionäre weltweit sind unschlagbar.Moralisch sind für die materiellen Nutznießer die Verbraucher nicht mehr wert als das Schlachtvieh…..

#17 |
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Lassen wir doch mal die Nebenschauplätze weg (Tier- gegen Humanmediziner: jeder macht Fehler, es gibt – leider – überall schwarze Schafe, und nicht immer werden Infektionen strikt nach Antibiogramm behandelt), und kommen zur eigentlichen Ursache: fehlender politischer Wille.
Da jedes Gesetz auf seine wirtschaftlichen Auswirkungen kontrolliert werden muss, kommt es zu so krotesken Situationen, dass die schmerzlose Ferkelkastration erst 2018 kommt, weil jährliche Mehrkosten von ca. 115 Millionen Euro zu erwarten sind! In Zeiten der Finanzkrise ein nahezu lächerlicher Betrag, umgerechnet nicht einmal 1,50 EUR pro Kopf und Jahr. Tiergerechte Tränkesysteme für Enten “scheitern” wegen Mehrkosten (Wasserbrauch, Gülle) von 4 Cent pro Tier! Muss da noch weiter diskutiert werden?
“Massentierhaltung” wird sich gar nicht abschaffen lassen, da die Bevölkerung ja ernährt werden muss (und nur ganz wenige diesen Job – Stichwort 24-7-365 – auch machen wollen). Aber wie Kollege Klarer – lieber Winni, herzliche Grüße ins Allgäu! – schon sagte, “allein der Griff in die Lebensmitteltheke entscheidet über das Schicksal des Tieres, von dem es stammt”. Dem ist nichts hinzuzufügen!

#16 |
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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Es geht auch anders, mit Lust auf gesunden Genuss, hier aufgezeigt am Bio-Hähnchen (18 Euro!), für 2 Personen: Sonntag: Die Schlegel kommen fettfrei in den Bratschlauch mit Kartoffeln und Wurzelgemüse, provencalisch gewürzt. Das Brustfleisch ergibt für 2 Tage, einmal Curry-, einmal Anananas-Geschnetzeltes, das gesamte Gerippe gibt eine stärkende Suppe für 4 Tage. Schnelle Alternative, zudem frei von entzündungsfördernder Arachidonsäure tierischer Produkte: im Bioladen gibt es fertig gegarte Bohnen in würziger Tomatensoße im Glas, ein sättigendes Mittagessen, kostet weniger als ein “Big Mätsch”. Solche Infos plus Kochrezepte finden Sie in “Tomatenrot+Drachengrün”- ein Tipp nicht als platte Werbung, sondern um buchstäblich auf den guten und gesunden Geschmack zu bringen. Guten Appetit!

#15 |
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Die Tierärzte brauchen sich nicht auf den Schlips getreten zu fühlen. Die Fakten liegen auf dem Tisch. Resistente Keime entstehen in Massentierhaltungen. Punkt. Und wir müssen auch nicht über Indikationen für Antibiotika in der Humanmedizin sprechen, wenn es systembedingt nicht anders vorstellbar ist, als dass in Massentierhaltungen ganze Populationen und nicht bloß einzelne Tiere antibiotisch behandelt werden (wie denn auch: Massentierhaltung macht Massenbehandlung und evtl. Massentötung notwendig).

Aber darum geht es überhaupt nicht. Es kann nur darum gehen, herauszustellen, dass die Kosten, die der Einzelne beim Kauf von Billigfleisch scheinbar spart, die Gesellschaft um ein Vielfaches tragen muss, mit Geld, Gesundheit, Leben. Die einzige Konsequenz muss sein, die Gesetze so zu ändern, dass sich Massentierhaltung nicht mehr lohnt. Die Zahlen, die hier vorgelegt werden, erregen Übelkeit. Schluss mit der Massentierhaltung, einem der größten gesamtgesellschaftlichen Verbrechen der heutigen Zeit!

#14 |
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Tatsächlich wird der behandelnde Tierarzt sehr strikt am Erfolg gemessen, d.h. dieser tritt nur ein, wenn möglichst zielorientiert therapiert wird. Bei uns wird jede Euterinfektion des Rindes oder auch jede Blaseninfektion des Hundes oder der Katze nach Antibiogramm behandelt !!! Eine Aufhebung des Dispensierrechtes verteuert lediglich die Therapie, weil dann auch noch der Apotheker was verdienen möchte ( der eh nix über Tiermedizin weiß – und ich weiß wovon ich spreche!!) – dann wird eben ein Rezept geschrieben – im gleichen Umfang wie vorher die Abgabe stattfand.
Wer gute Lebensmittel von gesunden Tieren essen will, der muß bewußt einkaufen und auch dafür gut bezahlen, denn allein der Griff in die Lebensmitteltheke entscheidet über das Schicksal des Tieres, von dem es stammt ! Allein eine optimale Ausbildung des Landwirtes und ein angemessener Preis des Lebensmittels können nachhaltig gesunde Tiere in tierfreundlicher Haltung ermöglichen und das ist nachprüfbar !!
Und: Das kann sich fast jeder leisten, denn dann steigt die Wertschätzung des Lebensmittels, es wird nicht mehr so viel weggeschmissen.

#13 |
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Stress macht krank. Das gilt für den Stall genauso wie fürs Büro. Vielleicht wäre es an der Zeit artgerechte Tierhaltung – die im Übrigen entgegen gängiger Klischees nicht notgedrungen negativ korreliert sein muss mit der Betriebsgröße – nicht als Bio-Luxus zu betrachten, sondern unverzichtbar für die Gesundheit der Bevölkerung.
Warum nicht eine Antibiotika-Steuer statt -Mengenrabatten, die die Kaschierung von Haltungs- bzw. Managementdefiziten noch attraktiver machen. Dann würden sich geringere Belegungsdichten, längere Mastzeiten, mehr Auslauf und Beschäftigung etc. (Dinge, die die Bundestierärzteschaft längst fordert) auch für Kurzsichtige rentieren.

#12 |
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Ein sehr wichtiger Beitrag,
viel zu wenig bekannt und fast immer verharmlost.
Es geht wirklich um Tonnen von Antibiotika,
da hilft keine Beschönigung, nicht nur in der Massentierhaltung sondern sogar in der Kleintierpraxis.
Wie kann man das bitte ernsthaft vergleichen mit den gigantischen Kosten der Krankenhäuser für die Diagnostik und Isolierung der MRSA-Patienten, die heute in der Regel schon damit ins Krankenhaus hineinkommen.
Von den extrem teuren Intensivstationen, wo um Menschenleben gekämpft wird, ganz zu schweigen!
Es müsste ein STRIKTES VERBOT für bestimmte, dem Menschen vorbehaltene Antibiotoka für den Tiereinsatz geben.
Groteskerweise sind sie in der Landwirtschaft ja noch billiger durch den reduzierten Mehrwertsteuersatz,
finde ich äußerst pikant.

mfG

#11 |
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Wäre es nicht angebracht, gegen die getroffen bellenden Tierarzthunde sachlich zu argumentieren?

#10 |
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Dr. med. Christoph Zink
Dr. med. Christoph Zink

Erstaunlich, wie unsachlich gerade die Veterinäre bis hierher kommentieren! Ich bin ja kein Tierarzt – aber sagt man nicht, getroffene Hunde bellten? Statt Kampf für Besitzstandswahrung wäre seitens der Tiermedizin ein entschiedener Widerstand gegen die Massentierhaltung und deren medizinisch unvertretbare Voraussetzungen nötig!

#9 |
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Dr. med.vet Burkhard Wendland
Dr. med.vet Burkhard Wendland

Das Schlagwort “Massentierhaltung” wird von vielen gebraucht, ohne zu wissen, was darunter zu verstehen ist. Nicht die Menge der Tiere ist entscheidend, sondern die hygienischen Zustände, die z.T. in manchen Ställen herrschen.Auch die Haltung eines Schweines im Dreck ist abzulehnen. Die Ursache ist, dass die Verbraucher billige Lebensmittel haben wollen.
Das Problem der MRSA und ESBL-Erreger ist nicht der Einsatz von Antibiotika in der Therapie von Infektionserkrankungen der Tiere, sondern der oftmals nicht indizierte Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin. Tonnenmengen zu vergleichen bringt auch nichts. Der Einsatz muss auf die Körpermasse und die Körperoberfläche berechnet werden und dann verglichen werden. Hier liegt die Humanmedizin weit über der Veterinärmedizin. Seit 10 Jahren gibt es in der Tierheilkunde eine Leitlinie zum Einsatz von Antibiotika. Diese vermisse ich in der Humanmedizin. Die Schuldzuweisung an die Tierheilkunde ist unangemessen.
Das Problem kann nur durch gemeinsame Initiativen der Human- und Veterinärmedizin gelöst werden.

#8 |
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Genau das ist des Pudels Kern: “Mittlerweile sind Verbraucher durch Medienberichte stark verunsichert.”, schreiben Sie. Wo sind aber die Medienberichte über katastrophale Krankheitsverläufe, weil ebenfalls verunsicherte Ärzte zu spät, unterdosiert, zu kurzzeitig und ohne Erfolgskontrolle Antibiotika einsetzen? Die Probleme durch tatsächliche Resistenzen, meine Herren Vorredner, sind DAGEGEN fast marginal! Es ist natürlich immer leichter, mit dem Mainstream zu schwimmen und ohne sich mit gründlichem Wissen über die tatsächlichen Bedingungen in der Tierhaltung (womöglich aus eigener Anschauung) zu belasten, über die eigennützigen Tierärzte und die “Massentierhaltung” zu erregen oder gar das eigene Tun kritisch zu hinterfragen.
Übrigens: Untersuchen Sie doch mal die Mikrobenflora auf der Haut und in den Ohren Ihrer in der Wohnung gehaltenen Haustiere!

#7 |
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Wie imme muss das Kind erst in den Brunnen gefallen sein.
Alle mittelbaren und unmittelbaren Folgen des Antibiotikamissbrauchs waren schon 1950 – seit 60 Jahren – bekannt und veröffentlicht.

#6 |
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Dr. med. Julia Wengert
Dr. med. Julia Wengert

Es sind meiner Meinung nach nicht die Politiker oder gar die Tier- oder Pharmaindustrie an diesen Zuständen “schuld”. Sie ermöglichen und bieten nur an, was von uns Konsumenten nachgefragt wird. Jeder, der Fleisch (aus Massentierhaltung) isst, ist also dafür mitverantwortlich. Das ist zumindest ein Standpunkt der jedem einzelnen ermöglicht, wenn er möchte, selbst etwas zu tun, statt zu warten, bis irgendjemand ein Gesetz erlässt oder irgendjemand anderer was tut….

#5 |
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Dr. med.vet. Jacek Gawda
Dr. med.vet. Jacek Gawda

Bei den Tiraden gegen Tierärzte wird restlos vergessen, dass die Humanmedizin selbst zu den Resistenzen erheblich beiträgt. Vom Kleinkind bis zum Opa wird erst Antibiotika verordnet dann gewechselt und eventuell dann ein Antibiogramm angefertigt. Nein die Resistenzen kommen nur vom Fleisch!!!
Die Tierärzte dokumentieren schon jetzt Alles was nur möglich ist. Die Hoffnug, dass die ahnungslose Apotheker die Aufgaben besser lösen ist nur ein Ablenckungsmanäver mit erheblichen gesellschaftlichen Folgen u.a. auch für die Kleintierbesitzer und Pferdehalter. Die moderne Tiermedizin begrenzt die Anwenung der Antibiotika auf das notwendigste Minimum.Der Tierarzt muss die Folgen der Billig-Massenhaltung ausbaden? Nicht wirklich.

#4 |
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Dr Gabriela Berg
Dr Gabriela Berg

Und wie ist es mit den Resistenzen, die aus bzw von den Humanmedizinern produziert werden? bei jedem pillepalle gleich mal ein Antibiotikum, ohen Resistenztest, wenns nicht wirkt (evtl durch falsche Einnahme des Patienten), gleich mal was neues oben drauf?
Die Ideenen von Frau Aigner sind fern jeder Praxis. Meinen sie wirklich, dass der Bauer, der aufgrund seiner besch… Haltungsform zur Gewinnmaximierung ein Antibiotikum einsetzen will, auf den Tierarzt angewiesen ist?
Schon heute gibt es im europ. Umland Internetapotheken, bei denen man wirklich alles bestellen kann, ohne wie hier in Deutschland sich mit lästigen Abgabebelegen und Wartezeiten rumärgern zu müssen.
Meiner Meinung nach kommen wir nur aus dem Dilemma, wenn weniger Fleisch bei geringerer Tierdichte produziert wird und sich die humanmed. Kollegen etwas mehr Gedanken beim rezeptieren von AB machen würden, bzw dem Patienten klar machen, dass es wichtig ist, die Medikamentation zu ende zu nehmen

#3 |
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Die neue Regierungskoalition in Niedersachsen hat sich jetzt endlich mal etwas Sinnvolles auf die Fahne, bzw. in den Koalitionsvertrag geschrieben: Verhinderung neuer Massentierhaltungsbetriebe.
In Verbindung mit einer Einschränkung des Dispensierrechts von Veterinären und einer wirklichen Dokumentation der Verordnung von Antibiotika wäre das vielleicht mal ein Anfang vom Ende dieses Irrsinns…
Es scheint hier Gewinnspannen wie im Drogenhandel zu geben, sonst gäbe es das in dieser Form doch nicht, oder?

#2 |
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Wir wissen seit mindestens 30 Jahre über die Problematik der Resistenzbildung bescheid. Es geschieht fast nichts. Das Gesetz von Frau Aigner schützt die Tierindustrie, genügt nicht den Erfordernissen der Seuchenhygiene.

#1 |
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